Mein Name ist Gisela. Ehrlich gesagt, hatte ich einfach keinen Nerv mehr für das endlose Saufgelage meines Mannes. Also habe ich zum x-ten Mal alle Sachen von Klaus gepackt und ihn vor die Tür gesetzt. Soll er doch zu seiner Mutter gehen und dort für schlechte Laune sorgen.
Klaus und ich lebten zwei Jahre zusammen, und in der Zeit hatte ich ihn schon ein paar Mal rausgeworfen. Bei seiner Mutter war er plötzlich das blühende Beispiel eines Musterbürgers: kein Tropfen Alkohol, höflich wie ein Bankbeamter. Kaum war er wieder nüchtern, flehte er um Vergebung und bat, zu mir und unserem Sohn zurückkommen zu dürfen.
Doch meine Schwiegermutter schob die Schuld grundsätzlich auf mich: Ich müsse als Ehefrau eben das richtige Rezept für Klaus finden!
Du bist die Frau! Du musst mit deinem Mann klarkommen!
Aber mal ehrlich, wieso immer ich? Klaus sollte sich auch mal anstrengen. Ohne ihn komme ich doch bestens klar! Ich habe ein eigenes Apartment, das ich von meiner Tante geerbt habe, einen festen Job und sogar einen Polo. Klaus verdient sowieso wesentlich weniger als ich. Aber wenn er nicht gerade die Flasche knutscht, ist er wirklich ein charmanter und hübscher Kerl ich liebte ihn sehr.
Klaus liebte mich auch. Nur leider hatte er eine ziemlich große Schwäche: Bier. Unter Alkoholeinfluss fühlte er sich wie Superman, und alle wurden zu seinen Feinden vor allem unsere Einrichtung. Auf der Straße legte er sich auch mal mit Bäumen und Parkbänken an.
Wegen seines unfassbar peinlichen Verhaltens hatte er schon öfter mit der Polizei zu tun. Ein paar Bußgelder gab es, in der Firma hat man ihn zur Schnecke gemacht, aber gefeuert haben sie ihn nie. Nach seinem ersten Absturz war Klaus der reinste Engel: leise, entspannt, nüchtern. Er reparierte sogar die zertrümmerten Möbel oder ersetzte alles, was nicht mehr zu retten war.
Doch meine Nerven lagen blank. Die Show war mir eindeutig zu viel. Irgendwann reichte es ich sammelte seine Sachen ein und bat ihn höflich zu gehen. Klaus antwortete mit seinem berühmten Temperament und warf die Tasche aus dem Fenster. Dummerweise landete sie auf unserem Nachbarn, der gerade die Straßenseite wechselte. Zum Glück überlebte der den Treffer, war aber verständlicherweise richtig sauer. Klaus rannte raus, sie fingen an sich zu prügeln. Polizei, ab ins Krankenhaus danach in den Knast. Klaus bekam zwölf Monate aufgebrummt.
Endlich Ruhe! Wobei, das dachte ich nur. Denn ab jetzt stand meine Schwiegermutter jeden Samstag vor meiner Tür. Sie blaffte mich an, schrie durch das ganze Treppenhaus, und obwohl ich sie nicht reinließ, reichte ihr das völlig, um mir Vorwürfe zu machen. Ich hätte Klaus ins Gefängnis gebracht, während ich schamlos meine Freiheit genieße und angeblich Affären mit Männern habe. Und wenn es nach ihr ginge, würde sie mir am liebsten mein Leben zur Hölle machen alles zum Wohle ihres Sohnes!
Das zog sich hin bis zur offiziellen Scheidung. Aber selbst danach konnte sie nicht von mir lassen. Mal war sie die heldenhafte Märtyrerin, mal das dramatische Opfer bloß das half alles nichts. Dann begann sie, Beschwerdebriefe an sämtliche Ämter zu schreiben: Ich hätte Klaus angeblich aus eigennützigen Motiven verlassen.
Ehrlich, es war so lächerlich, aber am Ende sahen mich die Nachbarn schon so komisch an. Das war wirklich unangenehm.
Dann kam das Glück im Unglück: Ich bekam eine Beförderung und ein super Angebot in einer anderen Stadt. Ich habe keine Sekunde gezögert und war schon nach eineinhalb Monaten weg. Ein echter Glücksgriff.
Jetzt sind über zwanzig Jahre vergangen. Ich habe meinen Wechsel nie bereut. In München lernte ich einen tollen Mann kennen, bekam zwei weitere Kinder. Mein erstes Eheleben und meine Schwiegermutter sind für mich heute wie ein schlechter Tatort: einfach gruselig. Gut, dass das alles Schnee von gestern ist.





