Ich bin nun schon viele Jahre im Ruhestand. Früher arbeitete ich als Kindergärtnerin, und die Kinder haben mich für meine ruhige Art und mein großes Herz sehr geschätzt. Ja, ich war immer ein einfühlsamer und sanftmütiger Mensch. Heute reinige ich Büros, weil meine Rente als Erzieherin einfach nicht zum Leben reicht. In einem der Büros fiel mir eines Tages ein neuer Angestellter auf, der immer sehr in sich gekehrt wirkte.
Lukas sprach mit niemandem, er stürzte sich nur in seine Arbeit, und oft sah ich, wie er nach Dienstschluss allein auf der Hintertreppe saß und über irgendetwas brütete.
Monate lang ging das so, und eines Abends, als die letzten Bürolichter schon aus waren, hielt ich es nicht mehr aus ich nahm meinen alten, ausgeblichenen Pullover und setzte mich neben ihn auf die kalten Steinstufen. Vorsichtig begann ich das Gespräch:
Heute ist es ganz schön frisch geworden, oder? Sie sagen, die Heizung wird erst nächste Woche wieder angestellt.
Ja, schon, murmelte er und sah zum Boden, meine Oma und ich wohnen in einer alten Wohnung mit Kohleofen. Es zieht überall.
Wie alt ist denn Ihre Großmutter? Vielleicht sind wir ja im selben Alter, versuchte ich zu scherzen.
Lukas atmete tief durch. Dann erzählte er mir, dass seine Großmutter sehr krank ist und nun wirklich alles an Familie, das er noch habe. Er arbeitet gleich in zwei Jobs, damit er ihre Medikamente bezahlen kann, und bald steht eine schwierige Operation an, die mehrere Tausend Euro kosten wird.
Und ausgerechnet heute hätten alle Kollegen für das Geburtstagsgeschenk ihres Chefs 100 Euro gesammelt aber Lukas konnte schlicht nichts geben. Jetzt fühlt er sich ausgeschlossen, seine Kollegen machen schon einen Bogen um ihn, das tut ihm weh.
Ich sagte ihm, wie leid mir das tut, und wünschte seiner Großmutter alles Gute. Später ging ich in das Büro, wo alle schon Feierabend machten. Dort kannte mich wirklich jeder seit Jahren fege ich hier den Staub der Tage weg.
Ich schnappte mir den Chef, Herrn Schneider, einen Mann mit Herz, der immer ein offenes Ohr hatte. Draußen auf dem Flur fragte ich ihn, warum Lukas immer so bedrückt sei.
Ach, der Lukas…, meinte Herr Schneider, er ist schon ein besonderer Kerl. Ein Eigenbrötler, der kaum ein Wort mit den anderen spricht. Er isst nie mit in der Kantine, bringt sein Essen in alten Tupperdosen mit und heute wollte er nicht für das Geschenk des Chefs geben. Die anderen verstehen ihn halt nicht.
Er kann es sich schlicht nicht leisten, sagte ich leise und erzählte ihm von Lukas Sorgen.
Herr Schneiders Miene wurde ernst. Er winkte seine Assistentin, Frau Berger, zu sich, und sie steckten kurz die Köpfe zusammen. Sie bedankten sich herzlich für meine Offenheit.
Ein paar Tage später hörte ich, dass Herr Schneider im Team eine Spende für Lukas Oma organisiert hatte. Sogar der Chef sprang ein er kannte einen guten Arzt an der Charité und kümmerte sich um einen OP-Termin. Die Kollegen starteten dann noch eine Online-Spendenaktion für Lukas Familie.
Lukas blühte richtig auf. Er war plötzlich viel offener, witzelte mit Kollegen und erzählte sogar von seiner Großmutter. Die Operation glückte die Oma erholte sich, und als sie wieder zu Kräften kam, backte sie für die ganze Belegschaft Apfelstrudel, den Lukas stolz verteilte.
Ich war einfach nur stolz, dass ich helfen konnte. Und auch Lukas Kollegen haben Größe gezeigt manchmal genügt eine kleine Geste, um Leben zu ändern.




