Lass doch die saure Suppe stehen! Nach dem Essen bei den Schwiegereltern habe ich meine Frau einfach eingepackt.
Am vergangenen Wochenende waren wir also bei ihren Eltern in München zum traditionellen Familienessen eingeladen. Wie immer saßen wir gemütlich um den massiven Eichenholztisch, redeten über Gott und die Welt, und Überraschung landeten irgendwie wieder bei meinem Job. Diesmal brachte meine Frau das Thema besonders charmant zur Sprache.
Ganz ehrlich: Wirklich unberechtigt war das nicht. Schon länger steht ja im Raum, neben dem Haus meiner Eltern in Augsburg endlich mal den vielbeschworenen Pool zu bauen. Wir reden darüber schon seit gefühlt Jahrhunderten, und dieses Jahr entschied meine Frau plötzlich, dass genug gelabert wurde Jetzt machen wir Butter bei die Fische!
Dann ist ja noch das liebe Auto das müsste vor dem Winter dringend umgebaut werden. Und im Sommer, tja, träumen wir von einer Reise an die Ostsee. Natürlich waren wir gefühlt seit dem Mauerfall nicht mehr am Meer. Ach, und ich bin in der ganzen Familie derzeit einzig und allein verdiensttechnisch unterwegs. Familienklassiker, oder?
Für mich alles im Lot (also, ich mag meinen Job wirklich heulen will ich nicht). Aber meine Firma in Frankfurt hat im Moment ziemlichen Gegenwind, Leute werden entlassen, und die, die bleiben dürfen, dürfen sich über eine Gehaltskürzung auf unbestimmte Zeit freuen. Ich natürlich mittendrin, klar.
Da habe ich versucht, ihr zu erklären, dass unsere Ersparnisse, liebevoll auf dem Sparkonto der Deutschen Bank geparkt, bestenfalls für einen kleinen Abstecher an die See reichen und, falls Kia nicht plötzlich auf Porsche-Niveau die Preise hebt, vielleicht noch für ein sehr, sehr bescheidenes Auto.
Sie (völlig fokussiert): Also bitte, der Pool ist jetzt mal wichtiger. Die Eltern brauchen schließlich Unterstützung! Das passte mir so gar nicht. Es entwickelte sich ein Gespräch, das sagen wir mal diplomatisch ein bisschen unschön endete. Sie warf mir vor, ich sei zu faul und immer zu bequem, um mir einen neuen Job zu suchen. Da ist er wieder, der deutsche Fleiß und meine Rolle als Antiheld der Arbeitsethik.
Na ja, Kompromiss? Fehlanzeige.
Und am Tisch live auf bayrischem Boden gings unvermeidlich in die nächste Runde. Ich konnte nicht mehr freundlich bleiben und platzte raus, dass ihre Eltern ohnehin monatlich ziemlich großzügig von uns bezuschusst werden. Im Affekt legte ich noch einen drauf: Wahrscheinlich steht das halbe Buffet hier sowieso auf meinen Kosten!
Volltreffer. Die saure Suppe war der Startschuss für das große Drama. Meine Frau war beleidigt bis hinter die Alpen. Ich konnte mir dann in aller Ruhe anhören, was für ein wunderbarer Ehemann ich laut ihr so bin. Habe ich nicht lange durchgehalten. Bin stattdessen schweigend aufgestanden, habe das Lokal verlassen und bin Richtung Heimat marschiert.
Wieder in unserer kleinen Wohnung, hab ich sämtliche Sachen meiner Frau gepackt und zur Schwiegermutter zurück gebracht. Insgeheim denke ich, bei solchen Gesprächsstandards muss man auch mal eine klare Kante zeigen. Akzeptabel ist jedenfalls was anderes.
Jetzt sitze ich hier, löffle meine saure Suppe alleine aus, und frage mich: Was um Himmels willen mache ich jetzt?





