Verzaubert – Die Liebesaffäre des Igors: Wie ein scheinbar normales Familienleben durch eine leidenschaftliche Begegnung in einem aufstrebenden deutschen Unternehmen aus den Fugen geriet, sich in ein geheimes Doppelleben mit der charmanten Kollegin Sabine verwandelte, das nach drei Jahren abrupt endete und Igor schließlich durch mysteriöse Krankheit zu einer alten Heilerin nach Quedlinburg führte, die ihm offenbarte, dass er Opfer eines Liebeszaubers geworden war – und wie er nur durch einen radikalen Neuanfang wieder zu sich selbst fand.

Verhext

Eines Nachts, die so unwirklich war wie ein Gemälde von Caspar David Friedrich, begann für Ulrich eine merkwürdige Geschichte voller Zauber und Sehnsucht. Bis zu diesem Traum war alles in seinem Leben geordnet wie ein deutsches Fachwerkhaus: eine Ehefrau namens Hildegard, zwei ordentliche Kinder, Arbeit in einem soliden Frankfurter Betrieb, gemeinsame Ausflüge in den Taunus – lauter Dinge, die erwachsen und geregelt waren. Doch das Vertraute begann zu fließen wie der Rhein im Nebel, als Ulrich eine neue Stelle annahm, erst einmal als kleiner Leiter in einem aufstrebenden Unternehmen in München.

Dort traf er auf eine Frau, die eher ein Magnet als ein Mensch zu sein schien: Mareike. Ihr Haar wie Weizen, ihr Blick wie im Zwielicht der Voralpen. Sie war verheiratet, er ebenso. Nie hätte er sich eine andere Frau als seine Treue vorgestellt daran hatte er nie auch nur gedacht, nicht einmal heimlich.

Doch dann kam diese eine Begegnung wie ein Blitz auf den stillen bayerischen See. Mareike trat auf ihn zu, und plötzlich fühlte sich alles falsch und doch unerklärlich richtig an. Ihr erstes Zusammensein war wie ein Feuerwerk in einer Winternacht: fremd, hell, erschreckend schön. Ulrich wusste nicht, wohin mit diesem Gefühl: Ob es Liebe war? Eher rasende Leidenschaft und sie verschlang ihn.

Drei Jahre verbargen sie sich vor der Welt. Alles geschah heimlich, im Flirren zwischen zwei Realitäten: Diskrete Hotels in Nürnberg, Wohnungen von Bekannten, manchmal im regnerischen Volkswagen auf einem verlassenen Parkplatz. Ulrich und Mareike waren Meister im Tarnen; keiner erwischte sie je. Seine Frau sah ihn manchmal an, als ob sie es ahnte, doch Ulrich duckte sich vor den Fragen weg.

Ein Leben wie auf zwei Gleisen mal war es berauschend, mal zermürbend schwer. Er glaubte, das könne so ewig weitergehen, da keiner von beiden zum Zerstörer geboren war. Doch eines Tages, unvermittelt, beendete Mareike dieses Kapitel.

Ulrich taumelte. Es fühlte sich an, als ob ihn auf dem Viktualienmarkt ein tonnenschwerer Laib Emmentaler niederdrückte. Nach einem kühlen, fast frostigen Gespräch schwor er Mareike, alles zu vergessen, die verbotenen Seiten seines Lebens nie wieder aufzuschlagen.

Doch Versprechen in Träumen zerplatzen wie Luftblasen im Bierglas. Er konnte Mareike nicht vergessen. Die Sehnsucht brannte in ihm wie das Kaminfeuer in einer Berghütte, er wurde eifersüchtig auf Wind und Vögel, alles zog ihn zu ihr hin. Doch jedes Mal, wenn er sie sah, war sein Herz jung wie am ersten Ferientag.

Das ging Jahre so. Die Leidenschaft brannte wie ein Ofen ohne Fenster. Sie arbeiteten weiter zusammen Tag für Tag, als ob nichts geschehen wäre. Bald wurde Ulrich immer schwächer, schmolz dahin, die Anzüge schlackerten um seine Gestalt wie die Kutte eines verlorenen Mönchs.

Natürlich schleppte ihn Hildegard zu Ärzten. Sie zogen von Hamburg bis in den Schwarzwald, Blutbilder, Röntgen, Ultraschall. Aber die deutschen Mediziner fanden nichts als einen Schatten im Herzen. Schließlich, eines regnerischen Nachmittags, schlug seine Frau vor, zu einer bekannten Weisen zu fahren ins kleine Städtchen bei Regensburg, zu einer Frau, die mit dem Räuchermännchen Heilung brachte.

Ulrich, von der Logik des Traums gelenkt, stimmte zu. Sie warteten in einem Raum, in dem es nach Kamille roch. Die Weise war keine Greisin, eher jung, trug ihr Haar wie eine Dirne aus alten Sagen. Sie jagte Hildegard hinaus ins Auto, befahl Ulrich, sich auf ein altes Sofa zu legen, die Augen zu schließen und unter keinen Umständen zu spicken.

Was dann geschah, blieb im Dunst. Aber als Ulrich wieder klare Gedanken hatte, verkündete die Frau:
Auf dir liegt ein Liebeszauber.

Sie beschrieb Mareike so wirklich, dass Ulrich schauderte.

Das gibt’s doch gar nicht! stammelte er.

Da fragte die Weise mit durchdringendem Blick:
Und? Wer ist Mareike? Na los, erzähl mir alles!

Im Halbschlaf sprudelte seine ganze Geschichte heraus. Die Weise nickte:

Sie hat dich gebunden. Doch dann verlor sie das Interesse, und du bist übriggeblieben wie ein leeres Glas auf dem Oktoberfest. Ich kann dich davon lösen. Aber du musst kündigen und darfst sie nie wieder aufsuchen.

Wie in Trance tat Ulrich, was ihr auferlegt wurde. Am Montag schrieb er sein Kündigungsschreiben, löschte Mareikes Nummer, verbrannte all ihre Briefe im Kamin. Erst hasste er sie abgrundtief, wünschte ihr alles Schlechte, doch Liebe und Hass verwoben sich, bis er nachließ.

Noch ein paar Mal fuhr er zur Weisen, die eines Tages sagte:
Jetzt bist du frei. Eure Verbindung war wie Seile. Falls so etwas wieder passiert, kannst du die Seile selbst durchbrennen. Nimm eine Bienenwachskerze aus dem Dom, schließe die Augen, stelle dir die Fäden vor, die von dir weggehen. Halte die Kerze dicht daran, verbrenne sie einen nach dem anderen. Sag: Ich vergebe dir und bin frei. Lies vielleicht ein Vaterunser. Es wird leichter, Stück für Stück.

Ulrich vergaß Mareike langsam, manchmal träumte er noch von ihr. Wenn er auf der Autobahn fuhr, suchten seine Augen weiter nach ihrem blauen Ford Ka. Doch mit jedem Tag ließ der Sog nach. Nach einem Jahr kehrte sein Appetit zurück, er wurde wieder kräftig, die Kollegen sagten, er sehe aus wie eh und je. Natürlich, manchmal dachte er an sie, manchmal erschien sie ihm im Traum. Doch nie wieder zog es ihn zu ihr hin und Ruhe senkte sich langsam über seinen merkwürdigen Traum.

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Homy
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Verzaubert – Die Liebesaffäre des Igors: Wie ein scheinbar normales Familienleben durch eine leidenschaftliche Begegnung in einem aufstrebenden deutschen Unternehmen aus den Fugen geriet, sich in ein geheimes Doppelleben mit der charmanten Kollegin Sabine verwandelte, das nach drei Jahren abrupt endete und Igor schließlich durch mysteriöse Krankheit zu einer alten Heilerin nach Quedlinburg führte, die ihm offenbarte, dass er Opfer eines Liebeszaubers geworden war – und wie er nur durch einen radikalen Neuanfang wieder zu sich selbst fand.
Selber schuld, wenn’s schiefgeht!