Papas Wünsche werden immer skurriler – Ich habe das Gefühl, er will seinen Geburtstag gar nicht mehr im Kreis der Familie feiern Jedes Jahr schwindet meine Lust auf Geburtstagsfeiern ein wenig mehr. Irgendwann merkt man, dass man nicht wirklich erwachsen wird, sondern einfach nur älter, und dass die ganze Party mitsamt Gästen eigentlich unnötige Ausgaben sind. Je älter ich werde, desto weniger Lust habe ich auf Geselligkeit – an meinem Geburtstag reicht mir mittlerweile ein Anruf von meinen Eltern mit guten Wünschen, ein Blumenstrauß von meinem Mann und selbstgemalte Karten von meinen Töchtern. Bei meinem Vater läuft das Ganze genau entgegengesetzt. Er ist jetzt siebenundsechzig, wird bald achtundsechzig und hat keine Lust mehr, seinen Geburtstag traditionell im Familienkreis zu verbringen, wie er es zwanzig Jahre lang getan hat. Viel lieber will er sich mit Freunden aus der Nachbarschaft auf ein Bier treffen und über alte Zeiten oder Geschäfte reden. Uns Kinder und Enkelkinder will er lieber nicht dabei haben. Als sich sein Verhalten zu ändern begann, äußerte er stattdessen materielle Wünsche oder wünschte sich Geld – was wir meistens erfüllen konnten, aber meine Cousine, die finanziell weniger gut dasteht, brachte das in unangenehme Situationen, denn die Geschenke, die mein Vater verlangte, waren für sie oft einfach nicht machbar. Selbst wenn einige Gäste absagen, legt mein Vater immer noch Wert darauf, dass wir die Enkel zu Hause lassen – entweder mit Babysitter oder sogar allein, weil er meint, er sei zu alt, hätte Kopfschmerzen und könne den Trubel nicht ertragen. Dass er seine Enkel eh selten sieht, scheint ihn überhaupt nicht zu stören. Diese Abneigung meines Vaters gegenüber Kindern schmerzt besonders meinen Mann. Er möchte deswegen am liebsten gar nicht mehr hingehen, und ich sehe mittlerweile auch keinen Sinn darin, jemanden zum Kaffeekranz zu engagieren. Vielleicht ist es verrückt zu denken, aber was, wenn mein Vater gar nicht alle um sich haben will und sich deshalb irgendwelche Wünsche einfallen lässt? Wenn keine Gäste erscheinen, geht er vielleicht mit seinen Freunden los, lässt Mama allein zurück – und letztlich sind wir es, die ihm seinen Ehrentag beschweren.

Die Wünsche meines Vaters werden immer kurioser. Ich habe langsam das Gefühl, dass er seinen Geburtstag einfach auf keinen Fall mit uns Familie verbringen möchte.

Jedes Jahr sinkt meine Feierlaune weiter in den Keller. Irgendwann merkt man, dass man nicht wirklich erwachsen wird man wird nur älter. Die Party und die eingeladenen Gäste erscheinen wie rausgeschmissenes Geld. Je länger ich auf dem Buckel habe, desto weniger will ich unter Menschen sein. Zu meinem Geburtstag reicht mir ein Anruf von meinen Eltern, ein schöner Blumenstrauß von meinem Mann und ein paar selbstgemalte Karten von meinen Töchtern. Mein Vater hingegen tickt da komplett anders.

Er ist siebenundsechzig, bald achtundsechzig Jahre jung aber will seinen Geburtstag auf gar keinen Fall mehr so feiern, wie die letzten zwanzig Jahre: mit der Familie! Stattdessen hat er Nachbarn, mit denen er lieber abends ein Glas Weißbier trinkt und über seinen Schrebergarten oder irgendwelche Projekte palavert. Uns Kinder und die Enkel möchte er hingegen möglichst nicht sehen. Schon als seine Marotten anfingen, wollte er bestimmte Geschenke: mal dies, mal das, oder einfach Geld. Wir haben meist brav geliefert, nur meine Cousine lebt ziemlich knapp überm Existenzminimum, sie bringt darum selten nennenswertes oder Bares mit. Damit hat mein Vater sie manches Mal echt in die Bredouille gebracht, als er haarsträubende Wünsche äußerte, die für sie völlige Utopie sind.

Selbst wenn ein paar Gäste schon im Voraus absagen, möchte Papa trotzdem, dass wir die Enkel lieber zu Hause lassen mit Babysitterin oder allein, ist ja auch egal, Hauptsache, sein Kopf bleibt ruhig, zu viel Lärm, ich bin ja nicht mehr der Jüngste!. Dass er seine Enkel ohnehin kaum sieht, scheint ihn herzlich wenig zu stören Hauptsache, bei seinem Geburtstag tanzen keine Kinder auf dem Tisch.

Mein Mann trifft das ziemlich der ist tief beleidigt und will inzwischen gar nicht mehr mitkommen. Ich kann beim besten Willen niemanden verstehen, der sich für zwei Stück Käsekuchen einen Nachmittag lang durch diese Show zwingt.

Vielleicht ists ja albern, aber was, wenn mein Vater einfach keine Lust auf uns alle hat und sich bloß immer neue Ausreden einfallen lässt? Wenn keiner von uns auf der Matte steht, packt er bestimmt meine Mutter ein und verschwindet mit seinen Kumpels ins nächste Wirtshaus. Und wir machen uns Jahr für Jahr Gedanken dabei sind wir wohl einfach die Fußnote in Papas Geburtstagsdrama.

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Homy
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Papas Wünsche werden immer skurriler – Ich habe das Gefühl, er will seinen Geburtstag gar nicht mehr im Kreis der Familie feiern Jedes Jahr schwindet meine Lust auf Geburtstagsfeiern ein wenig mehr. Irgendwann merkt man, dass man nicht wirklich erwachsen wird, sondern einfach nur älter, und dass die ganze Party mitsamt Gästen eigentlich unnötige Ausgaben sind. Je älter ich werde, desto weniger Lust habe ich auf Geselligkeit – an meinem Geburtstag reicht mir mittlerweile ein Anruf von meinen Eltern mit guten Wünschen, ein Blumenstrauß von meinem Mann und selbstgemalte Karten von meinen Töchtern. Bei meinem Vater läuft das Ganze genau entgegengesetzt. Er ist jetzt siebenundsechzig, wird bald achtundsechzig und hat keine Lust mehr, seinen Geburtstag traditionell im Familienkreis zu verbringen, wie er es zwanzig Jahre lang getan hat. Viel lieber will er sich mit Freunden aus der Nachbarschaft auf ein Bier treffen und über alte Zeiten oder Geschäfte reden. Uns Kinder und Enkelkinder will er lieber nicht dabei haben. Als sich sein Verhalten zu ändern begann, äußerte er stattdessen materielle Wünsche oder wünschte sich Geld – was wir meistens erfüllen konnten, aber meine Cousine, die finanziell weniger gut dasteht, brachte das in unangenehme Situationen, denn die Geschenke, die mein Vater verlangte, waren für sie oft einfach nicht machbar. Selbst wenn einige Gäste absagen, legt mein Vater immer noch Wert darauf, dass wir die Enkel zu Hause lassen – entweder mit Babysitter oder sogar allein, weil er meint, er sei zu alt, hätte Kopfschmerzen und könne den Trubel nicht ertragen. Dass er seine Enkel eh selten sieht, scheint ihn überhaupt nicht zu stören. Diese Abneigung meines Vaters gegenüber Kindern schmerzt besonders meinen Mann. Er möchte deswegen am liebsten gar nicht mehr hingehen, und ich sehe mittlerweile auch keinen Sinn darin, jemanden zum Kaffeekranz zu engagieren. Vielleicht ist es verrückt zu denken, aber was, wenn mein Vater gar nicht alle um sich haben will und sich deshalb irgendwelche Wünsche einfallen lässt? Wenn keine Gäste erscheinen, geht er vielleicht mit seinen Freunden los, lässt Mama allein zurück – und letztlich sind wir es, die ihm seinen Ehrentag beschweren.
Als Kind war ich neugierig zu erfahren, wer mein Vater ist. Ich wuchs in einem Kinderheim auf, und mit der Zeit wurde seine Abwesenheit für mich „normal“. Mit 14 Jahren traf ich den Vater meiner Kinder und es war mir damals nicht wichtig, meinen eigenen Vater zu suchen. Das Leben ging einfach weiter. Später trennten wir uns, und genau dann – fast ohne danach gesucht zu haben – führten mich die Umstände zu meinem Vater. Ich bin selbstständig und eines Tages kam ein Kunde zu mir. Wir kamen ins Gespräch, es lief ganz natürlich, und ich erzählte ihm, dass ich meinen Vater nie getroffen habe. Er half mir bei der Suche. Wir fanden ihn in dem Dorf, in dem er sein ganzes Leben verbracht hatte. Als ich ihm schließlich begegnete, erlebte ich ein Gefühl, das ich nicht beschreiben kann. Unendliche Freude. Ich begann, Pläne mit ihm zu machen – Reisen, ständige Gespräche, kleine Gesten. Ich kaufte ihm Kleidung, verwöhnte ihn, wir reisten gemeinsam und ich zahlte alles, egal ob er Geld hatte oder nicht. Ich sah ihn vernachlässigt, traurig und einsam, und hatte das Gefühl, all die verlorenen Jahre wieder gutmachen zu müssen. Er sagte mir, er sei allein, er habe Kinder im Dorf, aber sie würden ihm keine Frau gönnen, weil sie glauben, jede Frau wolle nur sein Geld. Ich bat ihn, mich der Frau vorzustellen, von der er behauptete, dass sie ihn liebt, und das tat er. Ich lernte sie kennen – eine bescheidene, fleißige Frau, die sich um ihn kümmerte. Ihr Handeln zeigte, dass sie ein guter Mensch ist. Aber die Kinder meines Vaters wollten sie nicht. Sie beleidigten sie, riefen die Polizei, behandelten sie bei jeder Gelegenheit schlecht. Als ich sie fragte, warum sie das tue, gestand sie mir, dass mein Vater Häuser, Land und Geld auf der Bank hat und dass die Kinder niemanden an ihn heranlassen, aus Angst, jemand könnte etwas bekommen. Von da an begannen die Gerüchte. Man sagte, ich sei nur gekommen, um ihm alles wegzunehmen. Ich trug nicht einmal seinen Nachnamen. Er bestand darauf, dass ich ihn annehme. Ich wollte es nicht, ich brauchte keine Probleme, aber er sagte, es sei sein Wille und am Ende akzeptierte ich es. Von dort an wurde alles schlimmer. Die Kritik nahm zu, die Konflikte wurden offen. Meine Beziehung zur Frau meines Vaters wurde noch stärker. Ich schlug ihnen vor, heimlich zu heiraten, und das taten sie. Die Kinder waren noch wütender – auf ihn wie auf mich. Ich sagte ihnen, dass mein Vater ein Recht auf Glück hat. Die Ehe hatte Höhen und Tiefen, aber eines Tages, nachdem sie verheiratet waren, lud ich sie zu einer Reise ein. Normalerweise reiste ich nur mit meinem Vater. Während dieser Reise fragte mich seine Frau, wie viel ich zu den Kosten beitragen würde. Ich antwortete, ich würde nichts zahlen – ich bezahle immer alles, wenn ich mit ihm reise. Dann sagte sie mir etwas, das mich völlig erschütterte: Die Dinge waren nicht so, wie ich dachte. Mein Vater war immer gut situiert, deshalb kontrollieren die Kinder alles. Sie lassen ihn nichts für sich selbst ausgeben, für Kleidung, für Vergnügen. Ich dachte, er hätte wenig Geld, weil er in einem unfertigen Haus lebte und arm wirkte, aber tatsächlich verwalteten andere sein Geld. Von da an begann ich, ihn zu ermutigen, das zu genießen, wofür er gearbeitet hatte. Aber er sagte mir, die Kinder erlauben es ihm nicht. Nach der Hochzeit drängte seine Frau ihn, für Haushalt, Essen und andere Ausgaben aufzukommen. Jedes Mal, wenn sie ihn bat, explodierte er. Am Ende gab er nach, aber immer nach einem Streit. Sie erzählte mir alles und ich fand es völlig gerechtfertigt. Eines Tages, als wir zusammen waren, bat seine Frau ihn, Mittagessen für ihren Vater zu kaufen. Er reagierte sehr schlecht – sagte, sie solle zahlen, es sei jeden Tag das Gleiche, und es begann ein Streit. Ich nahm ihre Partei und fragte ihn, ob er es für gerecht hielte, wenn mein Mann seinem Vater das Essen verweigern würde. Ich sagte, es sei unfair, sich so gegenüber der Frau zu verhalten, die sich um ihn kümmert, für ihn kocht, seine Wäsche wäscht und immer da ist. Er antwortete, er sei müde davon, ständig Geld für das Haus geben zu sollen. Da wurde mir etwas klar, das mir großen Schmerz bereitete: Mein Vater war geizig zu der Frau, die sich um ihn kümmerte und ihn begleitete, aber sehr großzügig zu den Kindern, die kaum für ihn sorgten und ihn nur wegen des Geldes suchten. Schließlich scheiterte seine Ehe mit ihr. Heute lebt er allein. Angeblich kümmert sich eine Tochter um ihn, aber wir wissen, dass eigentlich er sie, ihren Mann und die Kinder finanziert. Die anderen Kinder rufen an, geben Anweisungen und er schickt ohne Zögern Geld. Der Frau, die während der ganzen Zeit für ihn da war, verweigerte er immer alles. Heute bin ich nicht mehr die Gleiche mit ihm. Ich liebe ihn, aber nicht mehr wie früher. Ich lade ihn nicht mehr auf Reisen ein, wir haben kaum Kontakt. Wenn ich mich nicht melde, ruft er nicht an. Ich kann nicht mehr dieselbe sein wie zuvor. Es macht mich traurig, das zuzugeben, denn ihn zu finden war ein riesiger Traum – und jetzt ist es, als ob er gar nicht mehr existiert.