Ich erzähle meinem Sohn regelmäßig Geschichten darüber, wie gut ich esse und wie brav ich meine Tabletten schlucke schließlich bleibt mir auch gar nichts anderes übrig. Sicher bin ich nicht der Einzige, der seinem einzigen Sohn, stolzer Familienvater mit Ehefrau und drei Rabauken, die Mär von der gesunden Ernährung auftischt. In Wahrheit komme ich finanziell kaum noch hinterher. Früher haben sich Kinder vielleicht mal für ihre Eltern interessiert, heute fragt doch keiner mehr nach, und wir Alten wollen die Jungen ja auch nicht unnötig belasten.
Mein Sohn hat sich, Gott bewahre, noch nie nach meiner Rentenhöhe erkundigt. Früher, zu zweit mit meiner Frau, reichte ihre Rente für die Miete, meine für alles andere. Tja, jetzt sitz ich da, jongliere zwischen Stromrechnung und dem Einkauf beim Discounter. Mein Speiseplan erinnert verdächtig an das Sortiment einer Bäckerei Brot und Müsli, Hauptsache satt , und ich grüble mehr über den nächsten Preissprung bei Butter, als dass ich mir über das große Ganze Sorgen mache.
In meinem stolzen Alter stapeln sich Rezepte für alle möglichen Medikamente, doch das liebe Geld reicht hinten und vorne nicht. Also rationiere ich: Die Tabletten bitte nur noch bei Bedarf der Arzt möge es mir verzeihen. Vielleicht muss ich irgendwann statt bei dm einfach beim Glücksrad Tabletten gewinnen. Aber um Himmels willen, meinen Sohn nach einer Finanzspritze fragen? Da schäme ich mich in Grund und Boden ich weiß ja, dass es auch bei ihm nicht gerade nach Schlaraffenland riecht.
Meine Schwiegertochter macht daheim das Klassenzimmer auf, während sie das dritte Kind hütet und die Großen gerade das marode deutsche Schulsystem besuchen auch da wird fleißig Geld verlangt. So eine fünfköpfige Familie ist eben auch kein Selbstläufer, die kämpft ständig an der Kasse.
Was mich am meisten wurmt? Die Schulden auf meine Wohnung. Davon hat mein Sohn natürlich keine Ahnung. Ein schönes Erbe wird das mal … Das große deutsche Erbe: ein Startguthaben für Sorgenfalten.




