Meine Oma war nicht bereit, Urgroßmutter zu werden – mit ihren Worten hat sie mich tief verletzt

Tagebucheintrag, 17. März

Meine Oma war nie wirklich bereit, Urgroßmutter zu werden, und ihre Worte haben mich tief getroffen.

Meine Großmutter hat mir nie besonders viel Zeit, Geld oder Zuneigung geschenkt. Ich war zwar nicht ihr einziges Enkelkind, aber die Einzige, die in der Nähe lebte, im gleichen Stadtteil von München, nur ein paar Straßen weiter deshalb sahen wir uns oft und sprachen viel miteinander. Oma war nicht nur eine Vertraute, sondern auch mein Beistand. Sie freute sich immer, wenn ich ihr von meinen Leidenschaften, meinen Unternehmungen oder den neuesten Geschichten von meinen Freunden erzählte. Selbst mit meinem ersten Freund war sie verständnisvoller als meine Mutter und stand mir zur Seite.

Oma war damals zweiundsiebzig, ich vierundzwanzig, als ich geheiratet und erfahren habe, dass ich Vater werde. Zwar redete sie manchmal ein wenig schwermütig davon, wie schnell die Zeit vergeht, dass sie schon alt sei und nicht mehr ewig leben werde. Aber eigentlich war sie noch rüstig, voller Energie, wirkte zufrieden und hielt sich fit. Für mich war klar, dass sie sich über einen kleinen Urenkel oder sogar eine Urenkelin freuen würde immerhin hätte sie noch einmal die Möglichkeit, ein kleines Kind zu umsorgen wie vor vielen Jahren. Doch sie reagierte ganz anders.

Sie fragte erstaunt: Warum willst du so früh schon ein Kind haben?

Und dann sagte sie: Glaubst du etwa, ich passe auf das Kind auf? Ich habe selbst genug mit meinen Zipperlein zu tun und will nicht nochmal als Kindermädchen einspringen! Deine Mutter arbeitet auch noch wie hast du dir das überhaupt vorgestellt? Wer soll das Kind denn großziehen?

Ich habe von ihr wirklich keine großen Opfer erwartet, habe nicht verlangt, dass sie sich täglich kümmert ein Wort der Unterstützung oder ein bisschen Wärme hätte mir schon gereicht.

Mein Frau meint, meine Oma sei einfach kalt erwischt worden, und deswegen kamen ihre Worte so rau heraus. Trotzdem hat es mich sehr getroffen. Es fühlte sich an, als hätte ich sie um einen unmöglichen Gefallen gebeten oder als wäre ich noch ein jugendlicher Draufgänger. Ich bin erwachsen, stehe auf eigenen Beinen, verheiratet und bereit für eine Familie wo ist also das Problem? Fällt es ihr schwer, sich mit der Rolle einer Urgroßmutter zu identifizieren?

Heute weiß ich: Man kann nicht von anderen erwarten, dass sie sich auf die gleiche Weise freuen wie man selbst. Jeder hat seine eigene Art, mit Veränderungen und dem Älterwerden umzugehen. Das Wichtigste ist aber, dass ich meiner eigenen Rolle als werdender Vater mit Zuversicht begegne und meine Familie ihren ganz eigenen Weg gehen lasse ganz gleich, wie Oma damit umgeht.

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Homy
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Meine Oma war nicht bereit, Urgroßmutter zu werden – mit ihren Worten hat sie mich tief verletzt
Meine Frau verlässt mich für einen anderen Mann und droht, die Kinder loszuwerden, wenn ich sie nicht zu mir nehme.