Undankbare Töchter – Ira, mit schweißnasser Stirn und klebendem T-Shirt, hockt über dem Erdbeerbeet, während ihre Zwillingsschwester Ljudmila neben ihr schimpft und versucht, widerspenstige Haarsträhnen unter die Basecap zu stecken. Seit Kindheitstagen verbringen sie endlose Sommerurlaube auf dem elterlichen Bauernhof bei Kassel, im ständigen Kampf gegen Unkraut, Hitze und den ewigen Vorwurf der Eltern, sie seien “undankbare Töchter”, weil sie lieber im Freibad wären wie ihre Freunde Sven, Dimi und Steffi, die jauchzend an der Gartenpforte vorbeiradeln und zum Grillabend an der Fulda einladen. Doch auch jetzt, wo Ira und Ljudmila längst eigene Familien in Frankfurt und Hannover haben, gelingt kein Sommer ohne dringende Hilferufe der Eltern Anna und Max: “Kommt aufs Land, ohne euch schaffen wir’s nicht!” Urlaubsreisen werden verschoben, die Ehemänner nörgeln, die Kinder wollen ans Meer und niemand hat Lust auf Kartoffeln häufeln und Marmelade einkochen – aber Ablehnen ist unmöglich, denn das schlechte Gewissen sitzt immer mit am Küchentisch. Als sich Ira und Ljudmila nach Jahren endlich trauen, Nein zu sagen, geraten alte Werte und neue Wünsche heftig aneinander, bis eine Krankheit alles verändert und beide Schwestern vor der Entscheidung stehen, was “Familienpflicht” in Deutschland heute wirklich heißt.

Undankbare Töchter

Ines ist über das Erdbeerbeet gebeugt. Sie spürt, wie der Schweiß ihren Rücken hinabläuft und das T-Shirt am Körper klebt. Ihre Zwillingsschwester Frieda stöhnt neben ihr und schimpft leise, während sie vergeblich versucht, eine Strähne unter die Baseballkappe zu schieben.

Sie jäten das verhasste Erdbeerbeet.

Ines, wozu machen wir das eigentlich? stöhnt Frieda, legt die Harke beiseite und wischt sich mit dem Handrücken die Stirn ab. Wir beide sind doch allergisch gegen Erdbeeren! Die können echt verschwinden

Weil man den Eltern helfen muss, äfft Ines ihre Mutter, Monika Schuster, nach. Die Parodie klingt so echt, dass Frieda unwillkürlich grinst. Sie sind ja schon alt und wir sind die undankbaren Töchter.

Das Lied der undankbaren Töchter lief zuhause regelmäßig. Sobald die beiden Schwestern keine Lust hatten, im Garten zu schuften, brauchten sie es sich nur anhören. Und das, obwohl ihre ganze Kindheit an diesem Gemüsegarten vorbeigegangen war.

Hinter dem Zaun ertönt lautes Lachen.

Ihre alten Freunde, Sebastian, Dirk und Svenja, sind gekommen. Sie fahren mit Fahrrädern vorbei, bimmeln mit den Klingeln und halten kalte Limonadenflaschen in den Händen.

Hey Mädels! Seid ihr da? Kommt doch mit an die Elbe! Das Wasser ist herrlich heute! Wir waren schon einkaufen. Boris grillt schon Würste! Kommt ihr mit?

Fahrt ruhig ohne uns! ruft Frieda zurück.

Die Eltern lassen uns eh nicht! fügt Ines hinzu.

Euch entgeht was, kontert Svenja, und sie radeln lachend weiter.

Frieda ringt mit den Tränen vor lauter Neid.

Gott, ich würde so gerne einfach nur an den Fluss fahren, haucht sie, in Tagträume versunken. Kühle Elbwind, Bratwurstduft, ein lauer Julitag Dann öffnet sie wieder die Augen. Alles wie gehabt: Erdbeet.

Vergiss das lieber, sagt Ines, mit einem schiefen, leicht sarkastischen Grinsen. Wir haben hier genug zu tun. Und was hat Mama gesagt? Solange nicht alles sauber ist, gibt es kein Flussbaden! Und wenn es auch noch regnet, wächst alles nach und wir können wieder von vorne anfangen.

Hm, und die Erdbeeren sind das kleinste Übel

Ihre Blicke schweifen über endlose Kartoffelreihen, langweilige Kohlköpfe und das stickige Tomatenhaus. Das ist doch kein Garten, sondern eine richtige Plantage, murmelt Frieda. Man ackert und fängt immer wieder von vorne an

Ines macht ein Geräusch, halb Angst, halb Galgenhumor. Frieda hat recht. Garten trifft es kaum eher sind es halbe Ackerländereien, mindestens ein halbes Hektar.

Ihre Eltern, Monika und Rainer Schuster, bauen dort alles Mögliche an: Von Kartoffeln und Kohl über seltene Tomatensorten bis zu ausgefallenem Gemüse die Namen kennen oft nicht mal die eigenen Töchter, die tagein, tagaus darin schuften.

Ein Teil wandert auf den eigenen Tisch, der Rest wird auf dem Markt in Lüneburg verkauft, um ein bisschen dazuzuverdienen.

Damit sich das lohnt, müssen alle mitanpacken egal, wie das Wetter ist oder was die Freunde gerade machen. Seit ihrer Kindheit ist das so.

Ines und Frieda haben ihre Jugendjahre zwischen den Beeten verbracht. Ihre Freunde aus Hamburg oder Lüneburg lebten Lockerheit: Freibadbesuch, Disco, Kino. Sie kannten das nötigenfalls nur aus Erzählungen.

***

Jetzt sind sie beide über vierzig.

Sie leben in Hamburg, haben eigene Familien, Berufe, und endlich auch etwas, das sie früher nie hatten: das Recht auf freie Zeit.

Aber jedes Jahr, wenn der Juli naht, spielen die Eltern ihr altes Lied:

Mädels, kommt vorbei, helft uns! Wir sind alt, uns fällt alles schwer! Der Garten wuchert zu! Ohne euch schaffen wir das nicht!

Ines und Frieda legen ihre Urlaube so, wie es den Eltern passt, lassen ihre Pläne und Städtereisen sausen und treten ihre jährliche Freiwilligenpflichtreise an.

Der Urlaub ist nicht ganzjährig, und die Männer der beiden wollen auch Ruhe haben. Die Kinder haben das Dorf schon längst satt sie drängen sehnsüchtig an die Ostsee. Und in Ines und Frieda kracht alleine der Gedanke an Gartenarbeit schon beim Kofferpacken in die Knochen.

Trotzdem können die beiden ihren Eltern nicht absagen.

Und so gibt es jedes Jahr das gleiche Programm die ganze Familie mit Koffern und Kindern für den gesamten Juli am Elternhaus.

Der Anreisetag: Festessen mit leckerem Schnitzel und Kneippscher Hausmannskost, abends natürlich Sauna. Am zweiten Tag: 7:00 Uhr morgens weckt Monika alle (natürlich persönlich!) jetzt ist genug entspannt, ran an die Arbeit!

Nach ein paar Wochen sind alle so erschöpft, dass niemand mehr sauer sein kann.

Unter dem Apfelbaum hört Ines, wie ihr Mann Jens sich beim Stachelbeerpflücken beschwert.

Jens, warum jammerst du wie eine kaputte Jukebox? Lass die Stachelbeeren, die sind noch nicht reif! Sammel lieber Äpfel, bevor sie alle auf dem Boden faulen! Daraus machen wir noch Apfelmus und Kompott!

Eigentlich glaubt Ines selbst nicht mehr daran. Denn schlimmer als Unkraut jäten ist eigentlich nur noch das marmeladenkochen in der aufgeheizten Küche. Am liebsten würde sie die Äpfel den Raupen überlassen.

Ines, ich halt das nicht mehr aus!, stöhnt Jens, kommt unter dem Apfelbaum raus. Mein Rücken bringt mich um! Ich zahle lieber Unterhalt, als noch einen Urlaub hier zu verbringen! Das ist Strafkolonie, kein Urlaub! Tut mir leid, Schatz, ich liebe dich echt, aber das wars wohl. Er fällt dramatisch auf den Gartenweg.

Jetzt übertreib nicht!, faucht Ines. Mir gefällts auch nicht, aber was sollen wir tun? Die Eltern schaffen es alleine nicht.

Sie würden es einfach lassen, murmelt Jens. Und endlich hätte der Garten mal Ruhe.

Jens! Im Schuppen muss auch noch das Dach gemacht werden.

Bin schon unterwegs

Friedas Mann, Henrik, ist hingegen mühelos gelassen, fast wie ein britischer Lord, dem man selbstverständlich alles abnimmt. Er sitzt entspannt im Liegestuhl unter dem Birnbaum, trinkt eiskaltes Malzbier, das ihm die Tochter hingestellt hat, und schaut milde amüsiert zu, wie seine Frau sich quält. Henrik weiß Schönes zu genießen, zu schätzen und jede Arbeit charmant an andere zu delegieren.

Henrik, du könntest wenigstens das Gras mähen! ruft Frieda und schlägt nach einer Mücke.

Ach Frieda, ich bin doch Städter! Für sowas habe ich keine Hände. Ich bin da, um dir Mut zu machen fürs Heldinnentum!, lächelt er.

Frieda rollt mit den Augen.

Henrik kann schöne Worte machen und Aktivität vortäuschen, aber zum Arbeiten ist er selten zu bewegen.

Am Ende des Urlaubs, als eigentlich niemand mehr kann, versuchen Ines und Frieda, das Grundproblem am Küchentisch aufzulösen.

Warum das alles, Papa, Mama? Wie viele Tomaten, Gurken und Kartoffeln wollt ihr noch? Ihr seid nicht mehr die Jüngsten. Ihr könntet viel entspannter leben und alles kaufen, was ihr braucht. Wir geben euch gern Geld. Kauft ein, macht Ausflüge! Keine Plackerei mehr!

Ja, Mama! Oder wir engagieren jemanden für den Garten ein, zwei Monate das ist günstiger als Gesundheit und Zeit!, setzt Frieda hinterher.

So einen Unsinn, wehrt Monika ab.

Wie kein Garten?, fragt Rainer, Mit Geld und Helfern? Der Garten ist doch auch Lebenssinn! Und, was machen wir dann Fernsehen den ganzen Tag?

Ins Theater, wagt Ines vorsichtig.

Theater ist nichts für uns!, winkt Monika ab, Arbeiten sind wir gewohnt! Wir wussten nicht, dass ihr so faul geworden seid.

Und außerdem Wer weiß, ob ihr dann jeden Monat Geld schickt? Wir sorgen lieber selber für uns!, sagt Rainer.

Das Gespräch gab es schon letztes Jahr. Und davor.

Aber Papa, Mama, es ist doch einfach zu viel!, versucht Frieda zu protestieren.

Zu viel hat nur, wer nichts tut!, knurrt Rainer. Wir sind noch fit!

Ihr wollt euch bloß freikaufen!, ruft Monika, Wir hätten nie gedacht, dass Eltern euch so lästig sind. Wären die Beete weg, wärt ihr wohl gar nicht mehr da!

Das Gespräch bleibt ergebnislos.

***

Ein Jahr vergeht.

Der Sommer kommt. Diesmal anders.

Jens schenkt Ines einen lange gewünschten Italienurlaub.

Frieda, nach der Trennung vom faulen Henrik, braucht endlich Ruhe und Zeit für sich. Sie möchte einfach zu Hause bleiben, mit der Tochter entspannen, tun, was sie will.

Bei Tee beschließen die Schwestern entschlossen: Dieses Jahr werden sie den Juli nicht wie immer in der Lüneburger Heide verbringen.

Sonst fahren sie eh nur an Wochenenden zu den Eltern zum Glück sind diese weit genug weg, sonst wäre jeder freie Tag dahin.

Ines und Frieda zögern, wissen nicht, wie sie es anfangen.

Monika spürt sofort, dass etwas im Busch ist.

Was ist los? Habt ihr was ausgeheckt?

Nein, Mama. Aber dieses Jahr können wir im Juli nicht kommen. Auch im August nicht, sagt Frieda.

Wieso? Was soll das?! Wie das geht nicht! Habt ihr keinen Anstand mehr?, empört sich Monika.

Gleich stellen sich die Töchter auf Rechtfertigung ein.

Mama, du weißt doch: Jens hat Urlaub. Wir haben den Italienurlaub schon gebucht, alles bezahlt Wir waren ewig nicht mehr weg. Nicht nur ich, auch Jens braucht Erholung.

Keine Wirkung.

Rainer runzelt die Stirn.

Italien! Na bravo! Und die Eltern? Der Garten macht sich wohl allein?

Mama, wir haben euch Hilfe angeboten!, erinnert Frieda. Ihr könntet Nachbarn anheuern, die helfen gern für Geld!

Fremde arbeiten doch nur schlampig!, winkt Rainer ab. Ihr seid doch Familie, ihr wisst, wie mans richtig macht

Papa, als gäbe es beim Kartoffeljäten ein Geheimrezept!, kann sich Ines nicht mehr halten.

Arbeit adelt!

Was soll daran edel sein, wenn einem Rücken und Hände kaputtgehen? ruft Frieda. Wir sind keine Leibeigenen! Wir arbeiten das ganze Jahr, im Urlaub will ich nicht auch noch schuften. Ich hab einfach genug!

Ausruhen könnt ihr im Rentenalter!, sagt Monika. Jetzt könnt ihr was tun.

Wir helfen ja gern aber das ist zu viel

Niemand kann sich an einen echten Urlaub erinnern.

Zu viel, soso!, Monika hebt anklagend an. Wer hat euch all die Jahre umsorgt? Wer hat sich abgeplagt, damit es euch gut geht? Und nun sind ein paar Tage Sonne und Buffett euch wichtiger als eure Eltern?

Wir wissen es zu schätzen aber ehrlich, irgendwo ist genug, reibt sich Ines die Schläfe.

Das Gespräch eskaliert.

Wir sind undankbar. Die faulen Töchter. Dann macht doch, was ihr wollt!, schnaubt Ines. Vermacht das Haus von mir aus Tante Helga, sprecht nie wieder mit uns. Wir kommen trotzdem nicht!

Na, dann wisst ihr ja, woran ihr seid!, schreit Monika.

Bitte! Uns reichts!

***

Ines fliegt mit Jens und den Kindern nach Italien. Zwei Wochen lang Sonne, Meer, endlich Seele baumeln lassen. Die Kinder sind glücklich, weil Urlaub für sie ein richtiges Abenteuer ist.

Frieda macht sich einen Haus-Kuraufenthalt: Serien, Bücher, Freundinnen, Massagen, alles, was sie will und sonst gar nichts.

Fast ist alles vorbei, die Arbeit ruft schon wieder, als das Telefon Ines und Frieda hinauskatapultiert. Am Apparat ist Rainer.

Frieda, komm sofort. Mama geht es schlecht. Sie ist im Krankenhaus. Sag Ines Bescheid!

Friedas Herz stolpert vor Schreck.

Wenig später rasen sie Richtung Klinik im nächsten Ort.

Dort treffen sie Rainer.

Was ist passiert? Mit Mama? Ist es das Herz? Ein Schlaganfall? Geht es ihr gut? Durftet ihr zu ihr?, fragen die Schwestern durcheinander.

Herzinfarkt, antwortet Rainer, Sie war von sechs Uhr bis nachmittags auf dem Feld, bei der Hitze Und dann ist es passiert.

Monika hat Glück gehabt. Sie ist bei Bewusstsein, wirkt relativ stabil. Zwar blass und erschöpft, aber wohl außer Gefahr.

Dennoch schaut sie die Töchter kaum an.

Ach, ihr seid es, sagt sie. Kommt, um eure sterbende Mutter zu besuchen?

Mama, hör auf, so etwas zu sagen!, will Ines abwenden. Die Ärzte meinen, du wirst bald wieder rauskommen. Alles halb so wild.

Ich weiß nicht, meine Töchter, seufzt Monika. Ich bin halt einfach zu alt. Keiner war da zum Helfen

Frieda beißt sich auf die Lippen.

Mama, wer hat dich gezwungen, dich so zu übernehmen? Wir haben Hilfe organisiert, wir haben dir Nachbarn angeboten! Du hättest niemanden fragen brauchen. Warum denn nicht?

Eure Hilfe brauch ich nicht, sagt Monika spitz. Ich komm klar. Hab ich immer

Schon zu viel gearbeitet, murmelt Ines.

Ines! fällt ihr Frieda ins Wort.

Was hab ich denn gesagt?!, empört sich Ines.

Monika seufzt. Streitet euch nicht wegen mir, das hab ich nicht verdient.

Ines und Frieda wissen, dass jedes weitere Wort vergeblich ist.

Mama, wir übernehmen alles Medikamente, Reha, sagt Frieda leise.

Und den Garten machen jetzt die Helfer, ergänzt Ines.

Monika bleibt stumm.

Wenige Tage später ist sie deutlich fitter, eine Woche danach wird sie nach Hause geschickt. Belastung aber ist tabu, sagen die Ärzte.

Ines und Frieda hoffen, dass ihre Eltern endlich nachgeben.

Doch als sie auf einen Besuch kommen, erleben sie das Übliche: Die beiden Frauen, die sie für die Gartenarbeit engagiert hatten, sind verschwunden und Monika kniet schon wieder in der Erde, wühlt im Tomatenbeet.

Mama! Was soll das? Du darfst doch gar nicht!

Ich kann doch nicht tatenlos rumsitzen! Die Helferinnen machen eh alles falsch, machen es nur halbherzig. Ich will das selbst machen! Und euer Geld hab ich gespart, das stecken wir lieber in was Sinnvolles. Wenn euch noch etwas an euren Eltern liegt, dann ran an die Beete!

Mit Monika zu diskutieren, ist sinnlos. Sie wird es immer auf ihre Weise machen.

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Homy
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Undankbare Töchter – Ira, mit schweißnasser Stirn und klebendem T-Shirt, hockt über dem Erdbeerbeet, während ihre Zwillingsschwester Ljudmila neben ihr schimpft und versucht, widerspenstige Haarsträhnen unter die Basecap zu stecken. Seit Kindheitstagen verbringen sie endlose Sommerurlaube auf dem elterlichen Bauernhof bei Kassel, im ständigen Kampf gegen Unkraut, Hitze und den ewigen Vorwurf der Eltern, sie seien “undankbare Töchter”, weil sie lieber im Freibad wären wie ihre Freunde Sven, Dimi und Steffi, die jauchzend an der Gartenpforte vorbeiradeln und zum Grillabend an der Fulda einladen. Doch auch jetzt, wo Ira und Ljudmila längst eigene Familien in Frankfurt und Hannover haben, gelingt kein Sommer ohne dringende Hilferufe der Eltern Anna und Max: “Kommt aufs Land, ohne euch schaffen wir’s nicht!” Urlaubsreisen werden verschoben, die Ehemänner nörgeln, die Kinder wollen ans Meer und niemand hat Lust auf Kartoffeln häufeln und Marmelade einkochen – aber Ablehnen ist unmöglich, denn das schlechte Gewissen sitzt immer mit am Küchentisch. Als sich Ira und Ljudmila nach Jahren endlich trauen, Nein zu sagen, geraten alte Werte und neue Wünsche heftig aneinander, bis eine Krankheit alles verändert und beide Schwestern vor der Entscheidung stehen, was “Familienpflicht” in Deutschland heute wirklich heißt.
Als die Ehefrau sah, wen ihr Mann diesmal mitgebracht hatte, lachte sie so herzlich, dass die drei Kätzchen, die wegen des Lärms herangelaufen waren, sich rasch hinter ihren Beinen versteckten.