Sechs Jahre voller Fragen: Warum war unsere Schwiegertochter uns gegenüber so abweisend?

Sechs Stunden fragte ich mich: Warum war unsere Schwiegertochter uns gegenüber so abweisend?
Sechs Jahre lang habe ich mich gefragt: Warum benimmt sich unsere Schwiegertochter Johanna so kühl und abweisend uns gegenüber?
Seit sechs Jahren habe ich keinen Kontakt mehr zu meinem Sohn Markus. Ich wurde nicht einmal zu seiner Hochzeit eingeladen. Ich wusste, dass meine Schwiegertochter Johanna dahintersteckte. Ich verstand nie, warum aber der Schmerz war tief.
Mein Mann und ich haben drei Söhne, und er brachte außerdem noch einen Sohn aus seiner ersten Ehe mit. Natürlich liebe ich alle unsere Kinder, aber Markus, unser Ältester, war unser ganzer Stolz, auf ihn hatten wir so lange sehnsüchtig gewartet.
Vor sechs Jahren lernte Markus seine spätere Frau kennen. Von Anfang an stand alles unter keinem guten Stern. Mein erster Eindruck von ihr war ehrlich gesagt positiv. Beim ersten Besuch in unserem Haus gab es keinerlei Schwierigkeiten. Doch schon beim zweiten Treffen änderte sich alles. Wir saßen am Tisch, als sie plötzlich zu Markus sagte: Du ziehst dich wirklich nicht gut an, ich schenke dir mal ein paar richtige Sachen. Markus erwiderte: Danke, aber ich brauche nichts Neues. Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Ich unterstützte ihn. Johannas Blick verfinsterte sich, aber sie schwieg.
Am nächsten Tag verabschiedete sich Markus mit einer herzlichen Umarmung, doch Johanna blieb auf Distanz, grüßte kaum. Damals ahnte ich nicht, dass ich sie mit einem einzigen Satz so vor den Kopf gestoßen hatte.
Zur Hochzeit wurden wir nicht eingeladen
Monatelang herrschte merkwürdiges Schweigen. Dann, irgendwann, lud Markus uns zu seinem Geburtstag nach München ein Johannas Heimatstadt. Mein Mann und ich wollten im Hotel übernachten, damit die beiden ungestört bleiben konnten. Doch Markus drängte darauf, dass wir in Johannas Elternhaus schlafen sollten und sagte gleich, dass Johanna vermutlich nicht da wäre, weil sie Termine im Geschäft ihrer Eltern hätte.
Mittags waren wir mit den beiden zum Essen im Restaurant verabredet, aber Johanna tauchte gar nicht erst auf. Einige Tage später sagte Markus zu mir: Mama, ich werde Johanna heiraten. Er erklärte, dass sie bloss klein und in engem Kreis feiern wollten. Das störte mich nicht, ich freute mich für ihn.
Doch eine Woche darauf rief Markus an und sagte, Johanna wünsche nicht, dass ich zur Hochzeit komme. Nur mein Mann war eingeladen, die Brüder ebenfalls nicht. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sich das damals anfühlte. Ich reichte meinem Mann das Telefon, der zu Markus sagte, er würde ohne mich und die anderen Kinder keine Hochzeit besuchen. Markus legte daraufhin verärgert auf.
Johanna versuchte danach ein paarmal, mich zu erreichen, aber jedes Mal meldete sich mein Mann. Schließlich hatte sie mich am Apparat und sagte recht kühl: Na endlich! Ich kochte innerlich so vor Wut, dass ich kaum an mich halten konnte und platzte heraus: Wissen Sie was, ich möchte nie wieder etwas von Ihnen hören! Das war unser letztes Gespräch.
Kurz danach zogen Markus und Johanna nach Belgien. Zwei Jahre lang hörten wir nichts von ihnen. Meine Schwester schrieb den beiden, aber Johanna antwortete nur kühl: Markus hat jetzt seine eigene Familie. Tatsächlich hatte Markus nur zu seinem Bruder Sebastian etwas Kontakt, den er gelegentlich traf, aber zu uns kam er nie wieder. Und so vergingen sechs Jahre.
Vor einigen Monaten versuchte ich noch einmal, Kontakt zu Markus herzustellen, weil ich ihn so sehr vermisste. Ich schrieb je einen Entschuldigungsbrief an Markus und Johanna doch es kam nie eine Antwort.
Als meine Mutter vor drei Jahren starb, kam Markus nicht zur Beerdigung. Auch als ich meine älteste Schwester verlor, blieb er fern. In all den sechs Jahren kam von ihm nur eine einzige, kurze SMS am Geburtstag meines Mannes. Danach nichts mehr.
Ein Teil meines Herzens ist gestorben. Zufällig habe ich erfahren, dass sie umgezogen sind, aber wo sie jetzt leben, weiß ich nicht. Jeden Tag denke ich an Markus. Das Schlimmste daran ist, dass ich bis heute nicht verstehe, wie es so weit kommen konnte. Ich habe lange geglaubt, dass Johanna ihn manipuliert und ganz für sich haben will. Ich habe mich oft gefragt: Warum ist sie so abweisend zu uns? Ich weiß es nicht, denn sie wollte es mir nie sagen. Vielleicht habe ich selbst am Anfang einen Fehler gemacht. Wie sehr wünsche ich mir, es hätte sich alles anders entwickelt!
Vor zwei Monaten haben mein Mann und ich eine Kurzreise nach Belgien gemacht wir hatten sie bei einem Preisausschreiben in der Zeitung gewonnen. Wir schlenderten durch die kleinen Gassen eines beschaulichen Städtchens, und als wir auf einen Kinderspielplatz kamen, haben wir uns vorgestellt, wie schön es wäre, Enkel zu haben Da kam ein fröhlicher Junge auf uns zugerannt, der seinem Ball nachjagte. Er erinnerte mich so sehr an Markus, als er klein war! Ich lächelte, mein Mann half ihm noch, den Ball zu fangen, und sie fingen an, zusammen zu spielen Da rief plötzlich jemand: Emil!
Ich traute meinen Augen kaum vor uns standen Markus und Johanna! Nach einem Moment der Schockstarre liefen wir aufeinander zu und umarmten uns, ein Strom aus Worten und Tränen brach los, alles war durcheinander und ehrliche Erleichterung lag in der Luft. Wir alle hatten uns so sehr zurückgezogen, dass es keiner mehr wagte, den ersten Schritt zu machen Ja, ich gebe zu, hätte mir jemand gesagt: Ich will nichts mehr von dir wissen, hätte ich wohl auch den Kontakt abgebrochen. Das habe ich aber erst nach so langer Trennung verstanden. Sie hatten sicherlich auch schwere Zeiten hinter sich. Doch die Frage Wo sind denn eigentlich die Großeltern? brachte wohl unseren Enkel zum Nachdenken. Es schien, als hätten wir alle im Leben unsere Lektionen gelernt und wollten die Vergangenheit endlich hinter uns lassen.
Wir verließen unsere Reisegruppe und blieben spontan noch einige Tage im kleinen belgischen Ort, als wollten wir alles neu beginnen verändert und auf der Suche nach echtem Verständnis.
Jetzt holen wir die verlorenen Jahre nach und genießen gegenseitige Liebe und Respekt.

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Homy
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