„Natasha, wir müssen gehen. Wir können nicht bleiben. Da lässt sich nichts machen. Er war ja auch nur kurz bei uns. Trauere nicht, ich werde dir einen anderen Hund kaufen, viel besser als diesen. Ich verspreche es!“ sagte Oleg und blickte zu Boden.

12. Dezember 2023

Heute war einer dieser Abende, an denen Berlin im weißen Kleid liegt und die Lichter der Stadt im Schneefall zu tanzen scheinen. Ich kam spät von der Arbeit nach Hause das Projekt im Büro verlangte das Letzte, und die Stunden flogen nur so dahin. Als ich die Haustür öffnete, wartete bereits ein dichter Vorhang aus Schnee, der leise auf die Dächer fiel. Ich ließ meine Tasche fallen, schaltete das Licht aus und ging direkt ins Bett, weil ich morgen wieder früh raus muss.

Kurz bevor ich einschlief, durchbrach das laute Piepen des Autosignals die Stille. Die Alarmanlage meines VWGolf hatte sich aktiviert. Ich griff nach dem Schlüsselanhänger, trat zum Fenster und sah, dass das Auto still auf der Einfahrt stand, umgeben von den Fahrzeugen der Nachbarn. Kein Zeichen von Menschen, nur der frische Schnee. Ich schaltete die Sirene aus und legte mich wieder hin doch nach ein paar Minuten ertönte das Signal erneut.

Voller Sorge griff ich nach meinem Handy, warf mir über den Pullover eine Jacke über und stürmte nach unten. Vor dem Auto lag ein langer, tiefer Abdruck im Schnee, daneben frische Pfotenabdrücke, die direkt zum Unterboden führten. Ich rief Klaus, der noch im Schlafzimmer schlief, und er kam sofort herunter, noch halb benommen.

Was ist los? brummte er und zog sich hastig eine Mütze über. Gemeinsam gingen wir um das Auto herum. Unter dem Motor sah ich etwas Schimmern es sah aus wie ein kleines Tier, das sich dort versteckte und sich wohl noch aufwärmte. Klaus eilte zurück ins Haus, holte Handschuhe und ein Stück gebratene Leber aus der Pfanne.

Wir knieten im Schnee, legten die Leber behutsam vor das schmutzige Ding und riefen leise: Komm her, Kleiner. Ein schwaches Winseln hörte sich aus dem Motorraum. Dort kroch ein zitternder, nasser Welpe hervor, dessen Fell zu einem klammen Knäuel verklebt war. Seine Augen waren halb geschlossen, doch in ihnen lag ein flehendes Glänzen.

Ich hob den kleinen Hund vorsichtig auf. Er war klar ein Streuner, völlig verängstigt und völlig vernachlässigt. Klaus versuchte zu protestieren: Wir haben bald unsere Reise nach Wien zum Weihnachtsfest, wir haben die Tickets und das Hotel schon bezahlt 1200, alles steht fest. Doch ich hielt ihn fest und sagte: Ich habe immer davon geträumt, einen Hund zu haben. Ich lasse ihn nicht einfach zurück, egal, was du sagst.

Wir nannten ihn Fritz und brachten ihn sofort ins Bad, wo wir sein Fell vorsichtig wuschen, schnitten die verfilzten Strähnen ab und gaben ihm etwas gutes Futter. Schon nach dem ersten Bad sah er aus wie ein richtiger Haushund. Er lernte schnell Kommandos wie Sitz, Platz und sogar Rolle fast so, als hätte er schon früher in einer Wohnung gelebt.

Die Vorbereitungen für unsere Reise nach Wien liefen auf Hochtouren. Ich kümmerte mich um die Papiere für Fritz, zahlte die nötigen Gebühren von 30 und packte eine kleine Reisetasche für ihn. Am nächsten Tag saßen wir im ICE, der uns schnell Richtung Süden brachte. Fritz schnüffelte neugierig an jedem Fenster, während die schneebedeckten Landschaften an uns vorbeizogen.

In Wien angekommen, bezogen wir ein gemütliches Zimmer im Stadtzentrum. Die Stadt war festlich geschmückt, die Prachtstraßen voller Lichter und der Duft von Glühwein lag in der Luft. Fritz war begeistert von den neuen Gerüchen, den Pferdekutschen und den riesigen Weihnachtsbäumen, die das Stadtbild dominierten.

Die Feiertage vergingen wie im Flug Spaziergänge durch die festliche Altstadt, ein Besuch im Schloss Schönbrunn, gemütliche Abende im Hotel. Am letzten Abend, als wir mit Fritz an der Ringstraße entlanggingen, kam plötzlich ein großer, prächtiger Pferdewagen mit Polizisten darauf zu. Ein Pferd wieherte laut, und Fritz, völlig erschrocken, sprang vorwärts, riss die Leine aus meiner Hand, und rannte in die Menge.

Ich rannte hinter ihm her, doch er war bereits im Trubel verschwunden. Ich stand fassungslos da, die Tränen liefen mir über die Wangen. Klaus kam zu mir, sah mich ernst an und sagte: Wir müssen zurück nach Berlin, das ist nicht mehr unser Problem. Ich habe das Auto noch nicht verkauft, die Arbeit wartet. Er wollte mir ein neues Haustier versprechen, wenn wir wieder zu Hause wären.

Doch ich ließ nicht locker. Ich suchte in den Parks, in den Gassen, fragte Passanten und rief nach ihm, bis meine Stimme versagte. Schließlich kehrten wir ins Hotel zurück. Dort traf ich eine nette Rezeptionistin, die mir half, Tierheime in der Umgebung zu kontaktieren. Nach mehreren Telefonaten erhielt ich die Nachricht, dass ein Hund, der exakt unserer Beschreibung entspricht, in einem Tierheim 70km außerhalb der Stadt aufgenommen wurde.

Wir bestellten ein Taxi, fuhren mitten in der Nacht zum Tierheim und dort zahlte ich 10, um den Käfig zu öffnen. Fritz sprang sofort heraus, heulte vor Freude und drückte sich an mich. Ich hielt ihn fest, während wir gemeinsam die Papiere unterschrieben. Eine ältere Dame, die das Heim leitete, lächelte und sagte in gebrochenem Deutsch: Bleib bei ihm, junger Mann, das ist das Richtige.

Auf der Rückfahrt nach Wien hielt Fritz die ganze Zeit meine Hand. Ich flüsterte ihm zu: Ich werde dich nie wieder allein lassen. Zu Hause in Berlin angekommen, fanden wir ein kleines Haus am Stadtrand, das wir gemeinsam renovierten. Dort leben wir jetzt Klaus, ich und unser treuer Fritz und genießen jeden Tag das Glück, das uns ein wenig Schnee, ein lautes Alarmsignal und ein mutiger Schritt ins Unbekannte gebracht haben.

**Lehre:** Manchmal verlangt das Leben, dass man trotz aller Pläne und Hindernisse für das eintritt, was das Herz wirklich will. Denn das Aufschieben einer wahren Entscheidung kostet nicht nur Zeit, sondern auch ein Stück der eigenen Seele.

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Homy
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„Natasha, wir müssen gehen. Wir können nicht bleiben. Da lässt sich nichts machen. Er war ja auch nur kurz bei uns. Trauere nicht, ich werde dir einen anderen Hund kaufen, viel besser als diesen. Ich verspreche es!“ sagte Oleg und blickte zu Boden.
Servicepersonal für seine Mutter