In einer nebligen Nacht, irgendwo zwischen den Straßen von München, feierte mein Sohn Sebastian seinen 31. Geburtstag, während die Schatten der alten Häuser seltsam tanzten. Vor wenigen Tagen, als die Uhren rückwärts zu laufen schienen, gestand er mir, dass die Bewohner der Wohnung seines Vaters bald verschwinden müssten, weil er mit seiner Frau Annika dort einziehen wolle als würde die Zeit selbst die Räume vertauschen.
Mein Vertrauen in das Schicksal ist wie ein Uhrwerk, das von unseren eigenen Entscheidungen angetrieben wird; die Wege, die wir einst wählten, weben das Muster unseres Lebens. Einst, in einer anderen Welt, beging ich einen folgenschweren Irrtum, als ich mich auf einen Mann wie Markus einließ einen Charmeur, dessen Herz nie wirklich zu greifen war. Ich schenkte ihm mein Vertrauen, obwohl ich wusste, dass er sich von anderen Frauen wie von flüchtigen Träumen verführen ließ. Die Hoffnung, er würde sich meinetwegen wandeln, war ein Irrlicht. Selbst nach Sebastians Geburt blieb Markus ein Wanderer zwischen den Gesichtern.
Gerüchte über Markus Liebschaften schwebten wie Rauch durch die Gassen, getragen von Freunden, Nachbarn und Verwandten. Die Mischung aus Scham und Schmerz war wie ein schwerer Mantel, den ich fünf Jahre lang trug. Schließlich überließ Markus die Wohnung unserem Sohn, um sich vor Unterhaltszahlungen zu drücken als wäre die Wohnung ein Spielstein. Ich mietete sie von ihm, lebte dort mit Sebastian und meiner Mutter, die wie eine zerbrechliche Porzellanfigur Pflege brauchte.
Mein Streben war stets, Sebastian ein behütetes Leben zu ermöglichen. Die Einnahmen aus der Vermietung flossen in seine Bildung, Kleidung und alle Ausgaben als würde ich mit jedem Euro einen Schutzzauber weben. Auch für Rechnungen, Lebensmittel und Medikamente für meine Mutter verwendete ich das Geld, überzeugt davon, dass Sebastian als Erwachsener meine Mühen erkennen würde. Doch nun, mit 57 Jahren, ringe ich mit Diabetes, muss meinen Blutzucker wie einen störrischen Geist zähmen und regelmäßig Insulin spritzen.
Die Krankheit hat mir die Arbeit genommen, und niemand will eine kranke Frau meines Alters einstellen. Die Mieteinnahmen sind mein einziger Halt. Sebastian, nun 31, verkündete mir kürzlich, die Mieter müssten gehen, weil er mit Annika dort wohnen wolle. Als ich ihm sagte, dass ich dann auf der Straße stünde, antwortete er nur, das sei mein Problem als hätte die Welt ihre Farben verloren.
Ich frage mich, warum ich mein Leben lang so hart gearbeitet habe und dennoch keine Rücklagen für die Rente bilden konnte. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll Ich muss Medikamente kaufen, Essen besorgen und Rechnungen bezahlen, während die Tage wie seltsame Spiegelbilder vorbeiziehen. Wie konnte mein eigenes Kind mir das antun? Für wen hält er sich in diesem Traum aus Nebel und Schatten?
Heute habe ich erkannt, dass Dankbarkeit ein flüchtiger Wind ist und dass man manchmal lernen muss, loszulassen, während die Welt sich weiterdreht wie ein Karussell im Morgengrauen.





