Gestern rief mich mein Bruder Miko an und bat mich, ihm meinen Anteil am Haus auf dem Land zu überschreiben – sein Argument war, dass er sich in den letzten drei Jahren um unseren Vater gekümmert hat.

Gestern vibrierte mein Smartphone, und am anderen Ende war mein Bruder Matthias, der plötzlich verlangte, ich solle ihm meinen Anteil am Familienanwesen überschreiben. Seine Begründung: Er habe schließlich die letzten drei Jahre unseren Vater betreut als wäre das eine exklusive Aufgabe mit Sonderrechten.

Als ich damals mein Studium aufnahm, packte ich meine Sachen und verließ das Elternhaus. Nach dem Abschluss blieb ich in Hamburg, fand eine stabile Anstellung und heiratete Friederike. Kaum war die Hochzeitsfeier vorbei, wurde unsere Tochter geboren und stellte unser Leben auf den Kopf.

Matthias hingegen blieb der ruhende Pol und wohnte weiterhin mit unseren Eltern zusammen. Man kann ihm nichts nachsagen er ist so ehrlich wie ein deutscher Wetterdienst, und seine Frau Gertrud strahlt pure Herzlichkeit aus. Über Jahre lebten sie harmonisch mit unseren Eltern, bis sie selbst zwei Kinder bekamen. Obwohl wir unser eigenes Leben führten und den Hof regelmäßig besuchten, schenkte uns mein Schwiegervater trotzdem einen schicken Audi vermutlich, damit wir nicht immer mit der S-Bahn anreisen mussten.

Im Sommer zog es uns oft aufs Land, wo wir uns als Freizeitgärtner und Heimwerker versuchten. Friederike und meine Mutter waren unzertrennlich wie Brezel und Salz, und eigentlich wollte jeder ihr helfen. Vor drei Jahren verstarb meine Mutter, und ich fühlte mich verloren wie ein Schiff ohne Kompass. Gleichzeitig herrschte Wirtschaftskrise, und ich musste einen Nebenjob annehmen, um die Hamburger Miete zu bezahlen.

Für spontane Ausflüge in die Innenstadt fehlte uns schlichtweg die Zeit. Vor einem Monat ist dann auch unser Vater gegangen. Die Beerdigung organisierten wir gemeinsam, und die Kosten teilten wir gerecht Matthias und wir, ganz brüderlich.

Gestern rief Matthias erneut an und bat darum, ihm meinen Anteil am Hof zu überschreiben. Seine Argumentation blieb unverändert: Er habe sich um unseren Vater gekümmert. Ich war sprachlos unser Vater erhielt monatlich über 9000 Euro Rente, die er großzügig für die Enkel ausgab. Wie viel Geld braucht ein älterer Herr auf dem Land eigentlich, frage ich mich.

Er war gesund und wusste stets, was los war. Was Matthias unter Betreuung versteht, bleibt mir schleierhaft. Unsere Eltern haben nie angedeutet, dass das Haus allein ihm gehören soll; ich möchte unser Verhältnis nicht riskieren, sehe aber keinen Grund, meinen Anteil einfach abzugeben. Schließlich habe ich noch einen Kredit abzuzahlen, und unsere Tochter könnte auch einmal etwas von den Großeltern gebrauchen.

Nun stehen wir da wie der Esel vor dem Tor. Matthias hat von mir keine eindeutige Antwort erhalten ich sagte ihm, dass ich erst mit Friederike sprechen muss. Wie wir aus diesem Durcheinander herausfinden, ohne dass die Familie zerbricht, bleibt die entscheidende Frage.

Am Ende zeigt sich: Besitz kann Familien entzweien, doch Verständnis und offene Gespräche sind der Schlüssel, um gemeinsam Lösungen zu finden.

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Homy
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Gestern rief mich mein Bruder Miko an und bat mich, ihm meinen Anteil am Haus auf dem Land zu überschreiben – sein Argument war, dass er sich in den letzten drei Jahren um unseren Vater gekümmert hat.
Gestohlenes Leben: Schicksal zwischen Hoffnung und Verzweiflung