Ganz und gar kein Zufall: Wie ein Pokerspiel, eine neue Freundschaft und eine Begegnung im Treppenhaus das Leben von Mark, seiner Mutter Irina und der jungen Vera aus dem Nachbarhaus für immer veränderten

Ganz und gar kein Zufall

Nach dem Tod ihres Mannes war Elisabeth tief betrübt, und ihr Sohn Martin bemerkte das. Sie war noch nicht alt und arbeitete weiterhin, was ihr half, durch den Kontakt mit Kollegen etwas Ablenkung zu finden. Abends sorgte Martin dafür, dass seine Mutter sich nicht einsam fühlte.

Ach, mein Junge, ohne deinen Vater ist alles so leer. Erinnerst du dich, wie wir immer Skat gespielt haben? Das war meine Leidenschaft. Andere Frauen tratschen gern, aber das ist nichts für mich. Spiel doch mit mir eine Runde Skat.

Mama, du weißt doch, Karten sind nicht so mein Ding.

Eines Tages kam Martin nach Hause und traf auf eine Besucherin: eine Frau mittleren Alters, etwas rundlich, mit stark gepudertem Gesicht, aber voller Energie. Sie saß mit Elisabeth am Tisch und lachte herzlich beim Skatspiel.

Na, Mutter hat eine Mitspielerin gefunden. Das ist doch prima, freute sich Martin.

Guten Abend, grüßte er.

Guten Abend, erwiderte die Frau. Ich bin Margarete, aber nenn mich ruhig Greta. Du bist also Elisabeths Sohn? Sie reichte ihm die Hand.

So lernten sie sich kennen. Martin hatte eine große Wohnung in der Münchner Innenstadt, doch seine Mutter wollte nach dem Tod ihres Mannes nicht allein leben, also blieb er bei ihr. Er war ein fürsorglicher Sohn und liebte seine Mutter sehr. Greta wurde schnell zu einer regelmäßigen Besucherin, obwohl sie deutlich jünger als Elisabeth war. Ihre gemeinsame Leidenschaft für Kartenspiele verband sie.

Martin führte sein eigenes Unternehmen, das er mit Hilfe seines Vaters vor zwei Jahren gegründet hatte. Er war achtundzwanzig und noch ledig. Nach dem Studium widmete er sich ganz dem Geschäft, das ihn sehr beanspruchte.

Eines Abends saß er über seinen Unterlagen, als Greta ins Zimmer kam.

Elisabeth meinte, du hast Schwierigkeiten mit den Zahlen. Lass mich mal schauen. Sie vertiefte sich sofort in seine Berechnungen.

Nach wenigen Minuten entdeckte sie einen Fehler und zeigte ihn ihm. Martin ärgerte sich, dass er ihn selbst übersehen hatte.

Danke, Greta, murmelte er, ohne aufzublicken. Sie blieb noch kurz und ging dann.

Beim Abendessen sprach Elisabeth ihren Sohn an.

Martin, du bist ein richtiger Einzelgänger. Warum schenkst du Greta nicht mehr Aufmerksamkeit? Sie ist eine erfahrene Betriebswirtin. Du solltest ihr danken, sie hat dir gestern geholfen. Lade sie doch mal ins Kino ein oder so

Martin schaute überrascht auf.

Mama, ich habe ihr doch Danke gesagt. Und ins Kino Sie ist doch deine Freundin. Willst du mich etwa verkuppeln?

Warum nicht? Greta ist keine Schönheit, aber klug, kennt sich bestens mit Buchhaltung aus und kocht hervorragend. Und das Wichtigste: Sie mag dich, hat sie mir selbst gesagt. Sie wäre eine tolle Ehefrau.

Mama?! Meinst du das ernst? Oder gehts dir nur ums Kartenspielen?

Elisabeth wurde etwas verlegen.

Martin, nimm sie doch in deine Firma, sie ist eine gute Fachkraft und hat gerade Probleme mit ihrer Arbeit

Martin hörte auf seine Mutter und stellte Greta ein. Er bereute es nicht, machte sie sogar zu seiner Stellvertreterin. Bald florierte das Geschäft und das Geld floss.

Martin, wann heiratest du endlich? Es wird Zeit für eine Familie, drängte seine Mutter.

Er hätte längst heiraten können, aber keine der Frauen, die er in seine leere Wohnung eingeladen hatte, war die Richtige. Greta hingegen gab die Hoffnung nicht auf, gefiel ihm immer besser, wurde schlanker und kleidete sich elegant, doch für ihn blieb sie die Freundin seiner Mutter.

Eines Morgens, als er die Treppe hinuntereilte, stieß Martin fast mit einem Eimer Wasser zusammen und hätte beinahe eine junge Frau im Arbeitskittel umgerannt. Er bemerkte, dass die Putzfrau sehr jung war, wohl gerade erst mit der Schule fertig. Er entschuldigte sich und lief weiter, doch im Auto dachte er immer wieder an sie. Das musste die junge Frau sein, von der seine Mutter erzählt hatte er wollte mehr über sie erfahren.

Beim Abendessen fragte er unauffällig nach der Putzfrau.

Ach, das ist die Vera aus dem Nachbarhaus. Sie lebt mit ihrer Mutter und Großmutter in einer kleinen Wohnung. Die Oma ist bettlägerig, das Geld reicht nicht, also arbeitet Vera nebenbei.

Veras Mutter, eine hübsche Frau, hatte nie Glück mit Männern. Vera wurde geboren, als ihre Mutter noch sehr jung war, und ihr Vater verschwand sofort, als er von der Schwangerschaft erfuhr.

Manchmal kam ein Mann zu ihnen, einer blieb sogar fast einen Monat. Damals war Vera acht und fragte ihn:

Onkel Klaus, darf ich Sie Papa nennen?

Warum? Ich habe eigene Kinder, die leben bei ihrer Mutter. Du bist für mich niemand, nur ein Anhängsel deiner Mutter und Oma

Vera war verletzt, sagte aber nichts zu ihrer Mutter. Drei Tage später war Klaus verschwunden, und Vera war erleichtert. Auch die Großmutter wusste, dass ihr Zustand es schwer machte, einen Mann ins Haus zu holen.

Hätte ich ein eigenes Zimmer, seufzte die Oma, ich liege im Durchgang, wer will schon an einer bettlägerigen Oma vorbeigehen?

Mama, glaubst du, ich habe noch Kraft, einen Mann zu suchen? Ich arbeite im Schichtdienst, muss kochen, dich versorgen, waschen, massieren. Wenigstens hilft Vera, aber sie hat auch kaum Zeit.

Die Großmutter sah, dass Vera nie ins Kino ging, nicht mit Freundinnen ausging und keine Jungs traf. Sie studierte an der Uni, und zwar im staatlichen Programm, und hatte das Institut nur gewählt, weil es nah am Zuhause lag anders wäre alles zu viel gewesen.

Vera machte ihr Praktikum in einer kleinen Firma, nur wenige Busstationen entfernt. Umso überraschter war sie, als sie das Büro des Chefs betrat und Martin Roman aus dem Nachbarhaus sah. Er hatte sie einmal fast umgerannt, als sie im Hausflur putzte. Sie hoffte, er würde sie nicht erkennen.

Das war ihr peinlich, sie wurde nervös. Doch Martin erkannte sie und hob die Augenbraue.

Vera, meine Nachbarin? Sie errötete und nickte.

Vera arbeitete fleißig und erfolgreich, was auch Martin auffiel. Greta beobachtete Vera skeptisch. Die Idee, Praktikanten einzustellen, gefiel ihr nicht. Martin suchte so nach talentierten Leuten, aber unter ihnen waren auch hübsche Frauen.

Bald merkte Greta, dass sie sich um Vera keine Sorgen machen musste. Die schlichte Kleidung, kaum Make-up, aber ausdrucksvolle Augen. Martin achtete auf Vera und lud sie nach einiger Zeit in sein Büro ein. Greta bemerkte das, doch Martin sagte ihr:

Frau Margarete, machen Sie mit der jungen Frau einen befristeten Vertrag.

Sie bekommt Gehalt? Sie ist doch Studentin, wunderte sich Greta.

Ja, aber sie ist sehr vielversprechend. Ich habe sie beobachtet, sie lernt schnell. Nach dem Abschluss könnten wir sie fest einstellen, wenn sie möchte. Greta war nicht begeistert, mischte sich aber nicht ein.

Martin erkannte Vera als die junge Frau, die im Hausflur putzte. Nach weiteren Gesprächen mit seiner Mutter erfuhr er, dass Vera und ihre Mutter kürzlich die Großmutter beerdigt hatten und dafür Schulden machen mussten. Deshalb wollte er ihr helfen und sie vorübergehend einstellen. Zuerst wollte er ihr einfach Geld geben, aber sie lehnte ab, schaute ihn mit ihren blauen Augen erschrocken an und zog sich zurück. Also bot er ihr die befristete Stelle an.

Greta und Elisabeth spielten Skat, und Greta klagte:

Ich glaube, Martin entgleitet mir. Er interessiert sich ernsthaft für diese schüchterne Studentin.

Welche meinst du?

Die aus dem Nachbarhaus, ich kenne sie. Sie war Putzfrau, jetzt wohl nicht mehr. Mach dir keine Sorgen, Greta, ich behalte das im Auge. Ich glaube nicht, dass Martin sich für sie entscheidet. Sie ist keine Schönheit, sehr zurückhaltend Pass auf, dass er sie nicht fest einstellt.

Doch beide wussten nicht, dass Martins Gefühle für Vera längst über das Berufliche hinausgingen. Er wollte mit ihr sprechen, wusste aber nicht wie. Als Chef konnte er sie jederzeit zu einem Gespräch bitten auch über Privates.

Er lud sie ins Büro, sprach erst über die Arbeit, dann über Alltägliches. Martin spürte, dass ihre Begegnung im Hausflur kein Zufall war, sondern ein Wink des Schicksals.

Vera ist sehr belesen, dachte er, als sie ging. Sie versteht viel, ist für ihr Alter ernst und klug, interessiert sich für Philosophie und zum Glück mag keine Kartenspiele. Das freute ihn besonders.

Vera beendete ihr Praktikum, musste sich nun auf ihre Abschlussarbeit konzentrieren.

Ich warte auf Sie, Vera, nach der Verteidigung bleibt Ihr Platz frei, sagte Martin. Sie nickte erfreut.

Doch nach der vereinbarten Zeit kam Vera nicht. Martin ärgerte sich, dass er ihre Nummer nicht hatte. Er bat Greta um ihre Personalakte, doch sie hatte die Telefonnummer, die mit Bleistift notiert war, vorsorglich gelöscht. Sie war stolz darauf.

Aber Greta hatte nicht damit gerechnet, dass Martin selbst zu Vera nach Hause gehen würde, nachdem er die Adresse gesehen hatte.

Martin, aufgeregt wie ein Schüler, klingelte bei Vera. Ein Mann öffnete, doch Vera erschien sofort.

Klaus, der Besuch ist für mich. Das ist der Lebensgefährte meiner Mutter, sagte sie abfällig. Martin Roman, wie kommen Sie hierher? Vera war nervös und errötete. Gut, dass Sie mich hier antreffen, ich habe ein Zimmer in einer WG gemietet und ziehe bald aus. Ich will hier nicht bleiben

Warum sind Sie nach dem Abschluss nicht ins Büro gekommen? Wir hatten doch vereinbart

Vera senkte den Kopf.

Ich war da, aber Frau Margarete sagte, es gäbe keinen Platz für mich.

Martin verstand sofort.

Vera, vergessen Sie die WG, wir haben eine Dienstwohnung Sie können dort wohnen. Und morgen kommen Sie ins Büro, es gibt eine Stelle für Sie. Sogar zwei, lachte er. Packen Sie Ihre Sachen, geben Sie mir Ihre Nummer, hier ist meine Visitenkarte. Rufen Sie an, wenn Sie bereit sind, wir helfen beim Umzug.

Drei Monate später heirateten Martin und Vera. Greta musste nach einem unangenehmen Gespräch mit Martin und seiner Mutter gehen, doch er bat um Verzeihung und machte ihr ein Abschiedsgeschenk.

Veras Mutter lebte mit Klaus, den ihre Tochter nicht mochte, weshalb sie selten zu Besuch kam. Martin und Vera waren glücklich und erwarteten bereits Nachwuchs.

Manchmal führt das Leben Menschen auf unerwartete Weise zusammen. Wer offen bleibt für neue Begegnungen und anderen hilft, findet oft das Glück dort, wo er es am wenigsten erwartet.

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Homy
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Ganz und gar kein Zufall: Wie ein Pokerspiel, eine neue Freundschaft und eine Begegnung im Treppenhaus das Leben von Mark, seiner Mutter Irina und der jungen Vera aus dem Nachbarhaus für immer veränderten
Ich habe 34 Jahre mit meiner Ehefrau gelebt, doch nun habe ich mich in eine andere Frau verliebt – ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.