Verrat unter Geschwistern: Sergej schenkte seiner Schwester alles – wirklich alles. Als die Eltern starben, blieb die große Altbauwohnung im Herzen Berlins. Sergej lebte da schon seit zwölf Jahren in Deutschland, hatte Arbeit, eine deutsche Ehefrau, zwei Kinder und die Staatsbürgerschaft. Häufig zu Besuch kommen konnte er nicht. Seine Schwester Natalia wohnte mit Mann und Sohn in einer kleinen Plattenbauwohnung am Stadtrand. „Natascha, verkauft die Wohnung unserer Eltern, nehmt das Geld, lebt endlich gut. Ich bin hier angekommen, brauche nichts“, sagte er per Skype. Sie weinte, dankte ihm, versprach, täglich für ihn zu beten. Die Wohnung wurde für 1,2 Millionen Euro verkauft – damals ein Vermögen. Sergej unterschrieb die Verzichtserklärung beim Notar aus der Ferne – ohne Fragen, ohne einen Cent für sich. Ein Jahr später kaufte Natalia sich eine große Wohnung im Neubau, noch eine für den Sohn „für später“, ein Wochenendhaus im Umland und einen Mercedes. Sergej bekam eine Nachricht: „Danke, Bruder! Du hast uns gerettet.“ Er freute sich ehrlich für sie. Fünf Jahre vergingen. Sergej verlor seinen Job, die Frau reichte die Scheidung ein, nahm die Kinder und die Hälfte des Vermögens. Er blieb fast mittellos zurück. Mit 52 fand er in Deutschland ohne Abschluss keine Arbeit mehr – er musste zurück nach Russland. Er schrieb seiner Schwester: „Natascha, ich komme. Kann ich ein paar Monate bei euch wohnen, bis ich wieder auf die Beine komme? Eine Wohnung zu mieten ist zu teuer, ich habe kaum Geld.“ Die Antwort kam nach drei Tagen: „Oh, Sergej, tut mir leid… Wir renovieren gerade, überall Handwerker… Und der Sohn wohnt mit Freundin hier, kein Platz… Vielleicht findest du ein günstiges Hotel? Ich kann dir etwas überweisen.“ Er las die Nachricht zehnmal. Dann rief er sie per Video an. Sie nahm aus der neuen Küche ab – in der Wohnung „für den Sohn“. Im Hintergrund teure Geräte, frischer Putz. „Natascha, ernsthaft? Ich habe dir 1,2 Millionen geschenkt, und du willst mir fürs Hotel ‚etwas überweisen‘?“ Sie seufzte, verdrehte die Augen. „Sergej, das ist fünf Jahre her! Das Geld ist weg. Und überhaupt – du hast doch selbst verzichtet, selbst unterschrieben. Wir schulden dir nichts. Damals warst du reich, in Europa. Und jetzt kommst du mit leeren Händen und stellst Ansprüche?“ Er beendete das Gespräch. Einfach auf „Auflegen“ gedrückt und in die Wand gestarrt. Einen Monat später kam er an. Mietete sich für die letzten 800 Euro ein Zimmer in einer Berliner WG. Arbeitete als Sicherheitsmann im Supermarkt, nachts als Lagerarbeiter. Mit der Schwester sprach er nie wieder. Nicht zu Feiertagen. Nicht zu Silvester. Nicht, als sie Oma wurde. Sie schrieb mehrmals: „Sergej, bist du jetzt beleidigt wie ein Kind? Wir sind doch Familie…“ Er antwortete nicht. Einmal traf sie zufällig eine Bekannte von ihm und fragte nach ihrem Bruder. „Alles gut“, sagte die. „Er meint, seine einzige Familie sind jetzt seine Kinder in Deutschland. Hier hat er niemanden mehr. Und wird auch niemanden mehr haben.“ Da spürte Natalia zum ersten Mal so etwas wie Scham. Aber sie redete sich schnell ein: „Er ist selbst schuld. Hat selbst verzichtet. Ist selbst gegangen.“ Manchmal saß Sergej abends auf der Bank vor seiner WG, schaute in die Sterne und dachte: Das Wertvollste, was ein Mensch tun kann, ist, seiner Familie alles zu geben. Das Schlimmste ist, zu merken, dass man für sie danach nicht mehr existiert. Er bat nie wieder um Hilfe. Bei niemandem. Schon gar nicht bei der „Familie“.

Verrat unter Geschwistern

Johann hatte seiner Schwester alles überlassen, was er besaß.
Wirklich alles.

Als die Eltern kurz nacheinander verstarben, blieb eine großzügige Altbauwohnung im Herzen von München zurück. Johann lebte zu diesem Zeitpunkt schon seit zwölf Jahren in Hamburg, hatte dort eine feste Anstellung, eine deutsche Ehefrau, zwei Kinder und die Staatsbürgerschaft. Häufig zu Besuch kommen konnte er nicht.

Seine Schwester Anneliese wohnte mit ihrem Mann und Sohn in einer kleinen Einzimmerwohnung am Stadtrand.

Anni, verkauft die Wohnung unserer Eltern, nehmt das Geld für euch und lebt endlich besser. Ich habe hier mein Leben, mir fehlt es an nichts, sagte er ihr damals über Skype.

Sie weinte am Telefon, bedankte sich immer wieder und versprach, täglich für ihn zu beten.

Die Wohnung wurde für 800.000 Euro verkauft eine stolze Summe damals.
Johann unterschrieb die Verzichtserklärung beim Notar aus der Ferne ohne Diskussion, ohne einen Cent für sich zu behalten.

Ein Jahr später kaufte Anneliese sich eine große Wohnung in einem Neubau, eine weitere für den Sohn, wenn er erwachsen ist, ein Wochenendhaus am Starnberger See und einen BMW.
Sie schrieb Johann: Danke, Bruderherz! Du hast uns gerettet.

Er freute sich ehrlich für sie. Wirklich.

Fünf Jahre vergingen.

Johann geriet in Schwierigkeiten. Die Firma baute Stellen ab, seine Frau reichte die Scheidung ein, nahm die Kinder und die Hälfte des Vermögens mit. Plötzlich stand er fast mittellos da. Mit 52 fand er in Hamburg ohne deutsche Abschlüsse keine neue Arbeit mehr er musste zurück nach Bayern.

Er schrieb seiner Schwester:
Anni, ich komme zurück. Kann ich ein paar Monate bei euch unterkommen, bis ich wieder auf die Beine komme? Eine Wohnung zu mieten ist zu teuer, ich habe kaum noch Geld.

Die Antwort kam nach drei Tagen:

Oh, Hansi, tut mir leid Wir renovieren gerade, überall Handwerker Und der Sohn wohnt mit seiner Freundin hier, es ist einfach zu eng Vielleicht findest du ein günstiges Hotel? Ich kann dir ein bisschen was überweisen.

Er las die Nachricht immer wieder. Dann rief er sie per Video an.

Sie meldete sich aus der Küche der neuen Wohnung der, die für den Sohn gedacht war. Im Hintergrund glänzten teure Geräte, alles frisch renoviert.

Anni, meinst du das ernst? Ich habe dir 800.000 Euro geschenkt, und du willst mir fürs Hotel ein bisschen was schicken?

Sie seufzte und verdrehte die Augen.

Hansi, das ist doch ewig her! Das Geld ist längst weg. Und überhaupt du hast doch selbst verzichtet, selbst unterschrieben. Wir schulden dir nichts. Damals warst du doch der große, reiche Bruder im Norden. Und jetzt kommst du mit leeren Händen zurück und stellst Ansprüche?

Er beendete das Gespräch. Drückte einfach auf Auflegen und starrte lange an die Wand.

Einen Monat später kam er zurück. Mietete sich ein Zimmer in einer alten Wohngemeinschaft für 700 Euro das letzte, was er hatte. Arbeitete als Nachtwächter im Supermarkt. Nachts schleppte er Kisten im Lager.

Mit seiner Schwester sprach er nie wieder.
Nicht zu Weihnachten.
Nicht zu Silvester.
Nicht, als sie Oma wurde.

Sie schrieb ihm ein paar Mal: Hansi, sei doch nicht so kindisch, wir sind doch Familie

Er antwortete nicht.

Eines Tages traf sie zufällig eine alte Bekannte von ihm und fragte nach ihrem Bruder.

Es geht ihm gut, sagte die Bekannte. Er meint, seine einzige Familie sind jetzt seine Kinder in Hamburg. Hier hat er niemanden mehr. Und das bleibt auch so.

Da spürte Anneliese zum ersten Mal so etwas wie Scham. Doch sie redete sich schnell ein: Er ist selbst schuld. Er hat verzichtet. Er ist gegangen.

Manchmal saß Johann abends auf der Bank vor dem Haus seiner Wohngemeinschaft, blickte in den Himmel und dachte:

Das Wertvollste, was ein Mensch tun kann, ist, seiner Familie alles zu geben.
Das Bitterste ist, zu erkennen, dass man für sie danach nicht mehr existiert.

Er bat nie wieder um Hilfe.
Bei niemandem.
Schon gar nicht bei der Familie.

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Homy
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Verrat unter Geschwistern: Sergej schenkte seiner Schwester alles – wirklich alles. Als die Eltern starben, blieb die große Altbauwohnung im Herzen Berlins. Sergej lebte da schon seit zwölf Jahren in Deutschland, hatte Arbeit, eine deutsche Ehefrau, zwei Kinder und die Staatsbürgerschaft. Häufig zu Besuch kommen konnte er nicht. Seine Schwester Natalia wohnte mit Mann und Sohn in einer kleinen Plattenbauwohnung am Stadtrand. „Natascha, verkauft die Wohnung unserer Eltern, nehmt das Geld, lebt endlich gut. Ich bin hier angekommen, brauche nichts“, sagte er per Skype. Sie weinte, dankte ihm, versprach, täglich für ihn zu beten. Die Wohnung wurde für 1,2 Millionen Euro verkauft – damals ein Vermögen. Sergej unterschrieb die Verzichtserklärung beim Notar aus der Ferne – ohne Fragen, ohne einen Cent für sich. Ein Jahr später kaufte Natalia sich eine große Wohnung im Neubau, noch eine für den Sohn „für später“, ein Wochenendhaus im Umland und einen Mercedes. Sergej bekam eine Nachricht: „Danke, Bruder! Du hast uns gerettet.“ Er freute sich ehrlich für sie. Fünf Jahre vergingen. Sergej verlor seinen Job, die Frau reichte die Scheidung ein, nahm die Kinder und die Hälfte des Vermögens. Er blieb fast mittellos zurück. Mit 52 fand er in Deutschland ohne Abschluss keine Arbeit mehr – er musste zurück nach Russland. Er schrieb seiner Schwester: „Natascha, ich komme. Kann ich ein paar Monate bei euch wohnen, bis ich wieder auf die Beine komme? Eine Wohnung zu mieten ist zu teuer, ich habe kaum Geld.“ Die Antwort kam nach drei Tagen: „Oh, Sergej, tut mir leid… Wir renovieren gerade, überall Handwerker… Und der Sohn wohnt mit Freundin hier, kein Platz… Vielleicht findest du ein günstiges Hotel? Ich kann dir etwas überweisen.“ Er las die Nachricht zehnmal. Dann rief er sie per Video an. Sie nahm aus der neuen Küche ab – in der Wohnung „für den Sohn“. Im Hintergrund teure Geräte, frischer Putz. „Natascha, ernsthaft? Ich habe dir 1,2 Millionen geschenkt, und du willst mir fürs Hotel ‚etwas überweisen‘?“ Sie seufzte, verdrehte die Augen. „Sergej, das ist fünf Jahre her! Das Geld ist weg. Und überhaupt – du hast doch selbst verzichtet, selbst unterschrieben. Wir schulden dir nichts. Damals warst du reich, in Europa. Und jetzt kommst du mit leeren Händen und stellst Ansprüche?“ Er beendete das Gespräch. Einfach auf „Auflegen“ gedrückt und in die Wand gestarrt. Einen Monat später kam er an. Mietete sich für die letzten 800 Euro ein Zimmer in einer Berliner WG. Arbeitete als Sicherheitsmann im Supermarkt, nachts als Lagerarbeiter. Mit der Schwester sprach er nie wieder. Nicht zu Feiertagen. Nicht zu Silvester. Nicht, als sie Oma wurde. Sie schrieb mehrmals: „Sergej, bist du jetzt beleidigt wie ein Kind? Wir sind doch Familie…“ Er antwortete nicht. Einmal traf sie zufällig eine Bekannte von ihm und fragte nach ihrem Bruder. „Alles gut“, sagte die. „Er meint, seine einzige Familie sind jetzt seine Kinder in Deutschland. Hier hat er niemanden mehr. Und wird auch niemanden mehr haben.“ Da spürte Natalia zum ersten Mal so etwas wie Scham. Aber sie redete sich schnell ein: „Er ist selbst schuld. Hat selbst verzichtet. Ist selbst gegangen.“ Manchmal saß Sergej abends auf der Bank vor seiner WG, schaute in die Sterne und dachte: Das Wertvollste, was ein Mensch tun kann, ist, seiner Familie alles zu geben. Das Schlimmste ist, zu merken, dass man für sie danach nicht mehr existiert. Er bat nie wieder um Hilfe. Bei niemandem. Schon gar nicht bei der „Familie“.
Felliger PartnerGemeinsam schlichen sie durch den finsteren Wald, während der rote Mond über den Baumwipfeln schweifte.