Mein Name ist Sebastian Hoffmann und ich bin in einem kleinen Dorf im Schwarzwald geboren. Seit ich denken kann, erzählte mir mein Großvater Geschichten darüber, wie der Hügel gegenüber unserem Haus einst voller Bäume war, glasklarer Bäche, und von Vögeln, deren Gesang schon am frühen Morgen zu hören war.
Doch als ich acht Jahre alt war, war dieser Hügel kahl, ausgetrocknet, voller Risse im Boden und eine bedrückende Stille lag über allem.
Ich erinnere mich, dass ich meinen Großvater eines Tages fragte:
Opa, warum stehen da keine Bäume mehr?
Weil man sie einst gefällt hat, um das Holz zu verkaufen, und der Boden ist davon müde geworden, antwortete er.
Und wer pflanzt neue Bäume?
Jemand, der die Zukunft mehr liebt als seinen heutigen Komfort.
Diese Nacht konnte ich kaum schlafen. Es fühlte sich an, als hätte der Opa mir einen Auftrag erteilt.
Am nächsten Tag nahm ich eine alte Konservendose, füllte sie mit Erde und sammelte ein paar Buchen- und Ahornsamen am Wegrand. Ich pflanzte sie. Ob es klappen würde, wusste ich nicht, aber jeden Tag goss ich sie mit dem Wasser, das ich vom Bach heraufschleppte. Als ich das erste zarte Pflänzchen sah, war es, als würde ein kleiner Funken Hoffnung für immer bei mir bleiben wollen.
Ich sammelte weiter Samen und pflanzte sie erst im Hof, dann an den nahen Hängen des Hügels. Die Nachbarn lachten:
Sebastian, was du da machst, bringt doch eh nichts.
Aber die Worte meines Großvaters klangen immer noch in meinen Ohren.
Mit der Zeit schlossen sich ein paar andere Kinder an. Jeden Samstag kletterten wir mit Wasserflaschen, kleinen Schaufeln aus Dosen und Händen voller Samen den Hügel hinauf. Mal wuchsen die Setzlinge nicht an, mal schon. Wir lernten schnell, Zäune zu bauen, damit die Rehe nichts fraßen und Steine zu sammeln, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten.
Als ich 15 wurde, wuchsen bereits über 3.000 Bäume auf dem Hügel. Man konnte den Unterschied sehen: Die Vögel kamen zurück, der Boden blieb länger feucht, und selbst in nassen Jahren tauchten kleine Bäche wieder auf.
Die Geschichte machte auf dem lokalen Radiosender die Runde, dann schrieb sogar eine Zeitung aus Freiburg darüber. Eines Tages kam ein Herr von einer Umweltstiftung zu mir.
Sebastian, brauchst du Hilfe beim Bäume pflanzen? fragte er.
Ich überlegte keinen Moment.
Mit dieser Unterstützung bekamen wir Werkzeug, Handschuhe und vor allem noch mehr Samen und heimische Jungpflanzen. Wir nahmen auch an Workshops teil, um mehr über den Schutz des Ökosystems zu lernen. Mein Opa, damals schon recht alt, umarmte mich:
Jetzt siehst du die Zukunft, mein Junge, sagte er.
Heute bin ich 24 und studiere Umweltingenieurwesen. Auf dem Hügel, wo früher nichts wuchs, steht nun ein junger Wald mit über 25.000 Bäumen. Es ist nicht perfekt und längst nicht fertig, aber Füchse, Eichhörnchen, Schwarzspechte und Spaziergänger, die den Schatten lieben, haben dort wieder ein Zuhause.
Immer wenn ich dort hinaufgehe, berühre ich die Stämme der Bäume und denke daran, dass sie noch lange nach mir hier sein werden. Und ich stelle mir vor, dass eines Tages ein Kind seinen Großvater fragt:
Wer hat das alles gepflanzt?
Und er antwortet:
Ein Junge, der die Zukunft mehr liebte als seine eigene Bequemlichkeit.
Ich habe daraus gelernt, dass Hoffnung wächst, wenn einer den Anfang macht und manchmal reicht ein einziger Samen, um ein ganzes Stück Erde und Herz zu verändern.




