Habe ich mich richtig von dir getrennt?

02. Dezember 2025 Mein Tagebuch

Ich sitze hier in meinem kleinen Zimmer im alten Bauernhaus, das ich von meiner Mutter, Maria, übernommen habe, und denke nach. Meine Tochter Lieselotte hat gerade in meiner Handyschnur gekrönt, dass sie zu mir kommen will. Ihre Stimme zitterte, als sie fragte: Mama, darf ich zu dir kommen? Ich wusste sofort, dass nichts Gutes bevorstand.

Trotz meiner Überraschung ließ ich Lieselotte einziehen. Du brauchst nicht zu fragen, sagte ich, das ist schließlich auch dein Zuhause. Ich dachte, sie würde denken, ich sei dagegen, weil wir jetzt bei ihrem Vater wohnen, aber das war egal. Egal, wo sie lebt, bleibt sie meine Tochter.

Ist Stefan bei dir? fragte ich, weil sie immer wieder von ihm sprach.
Ja, er ist hier. Mama, es ist es ist kein normales Telefonat, aber es geht wirklich schlecht.

Ich drückte die Halttaste. Alle wohlauf?
Ja.

Dann wurde mir klar, dass nicht nur das Wetter, sondern das Leben selbst schwer war. Wer war krank? Warum musste Lieselotte überhaupt nach oben eilen? Vielleicht hatte sie sich mit ihrem Vater gestritten und wollte das Haus verlassen. Der Mann war zwar nicht der Zuckerschlecker, den ich mir vorgestellt hatte, aber Lieselotte liebte ihn. Irgendetwas Unvorhergesehenes musste geschehen sein, sonst hätte sie nicht so plötzlich hier geklopft.

Letztlich stellte sich heraus, dass das eigentliche Problem das Kind war.

Mama, ich weiß nicht, wie das passiert ist. Wir haben die Verhütung immer korrekt benutzt, aber stammelte Lieselotte. Stefan strich ihr beruhigend über die Schulter, sein Blick war wie der eines verwundeten Welpen, der um Gnade bettelt.

Ich seufzte innerlich und dachte: »Kinder sind doch immer ein kleines Wunder.« Ich musste mich beherrschen, nicht die Augen zu verdrehen, und erinnerte mich an die Warnhinweise auf jeder Verhütungsbox: Auch bei einer Wahrscheinlichkeit von eins zu tausend kann es passieren.

Wie lange bist du jetzt? fragte ich.
Zehn Wochen. Und ich habe es nicht bemerkt.

Ich erwiderte: Der Zyklus kann wegen Röteln, Stress wegen der Prüfungen oder sogar ohne ersichtlichen Grund durcheinander kommen. Wenn du richtige Kondome benutzt, bist du erst ganz am Ende für ein Versehen verantwortlich.

Stefan nahm das Wort: Wir wollten das Kind nicht! und das sagten wir fast im Gleichklang.

Maria, meine Mutter, unterbrach uns: Lieselotte, wir sind noch jung, kaum 19, keine Ausbildung, kein fester Job. In sieben, zehn Jahren, wenn wir etwas stabiler stehen, können wir Kinder haben. Jetzt können wir kaum für uns selbst sorgen.

Ich fragte nach: Du hast also nicht geplant, das Kind zu behalten?
Nein, das habe ich nicht.

Dein Vater ist außer sich, wenn er das hört, fuhr Lieselotte fort. Er schrie, dass er kein Enkelkind will, und brachte die Religion ins Spiel, als wäre das ein Grund, Abtreibungen zu verbieten.

Ich spürte einen Stich. In der alten DDRZeit und sogar heute gibt es Frauen, die im Verborgenen zu dubiosen Methoden griffen und dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzten. Ich schmunzelte bitter: Eine legale Abtreibung ist doch immer noch die sicherere Alternative.

Stefan versuchte, die Situation zu entschärfen: Vielleicht war das ein Irrtum, vielleicht ein Test, das war nicht beabsichtigt.

Liselotte erzählte, dass sie den Schwangerschaftstest im Badezimmer weggeworfen hatte. Sie dachte, niemand würde ihn finden, doch ihr Vater fand ihn und kam voller Freude ins Zimmer nur um dann wütend zu werden, weil er keinen Enkel erwartete.

Ich sagte: Lebt hier weiter, auch wenn es eng ist. Die Uni lässt euch nicht reisen, aber ihr habt keine andere Wahl.

Bald darauf kam ihr ExVater, Olaf, überraschend vorbei und verlangte, ich solle wieder auf seiner Seite stehen. Er argumentierte, er habe einst selbst sein Kind verloren und wolle nun den Enkel retten. Ich hörte, wie er in einem seltsamen religiösen Monolog wiederholt: Du hast meine Mühe umsonst gemacht, ich habe mich von dir getrennt.

Er beschuldigte mich, die Verhütung ruiniert zu haben. Ich erwiderte: Ja, ich habe sie ruiniert! und er schrie zurück, dass ich dumm sei und die Familie ohne Enkel aussterben lasse.

Liselotte entschied sich, die ungeplante Schwangerschaft zu beenden, unterstützt von mir und Stefan. Wir blieben bis zum Abschluss unseres Studiums bei Maria, trotz des schlechten Verkehrs in der Region. Im vierten Semester fanden wir Nebenjobs, die wir mit dem Studium vereinbaren konnten, und zogen in eine kleine Mietwohnung.

Am Ende des Studiums heirateten wir leise, ohne Olafs Anwesenheit. Er bekam seine gerechte Strafe nur er selbst bleibt allein mit seiner Erinnerung.

Jetzt, nach all diesen Wirren, sitze ich hier und frage mich, wie das alles hätte anders laufen können. Vielleicht war es das Schicksal, das uns gezwungen hat, Verantwortung zu übernehmen, bevor wir bereit dazu waren. Ich hoffe, dass Lieselotte eines Tages versteht, dass ich immer ihr Rückhalt war, egal wie stürmisch das Leben geworden ist.

Maren, 44Jahre alt, ehemalige Krankenschwester, jetzt Hausfrau und Studienberaterin.

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Homy
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