Sie packte ihre Sachen und zog in ihre eigene Wohnung vor der Ehe.

Du, ich muss dir unbedingt erzählen, was bei mir und Matthias in den letzten Monaten abgeht das war echt ein Drama à la Kölner Karneval, nur ohne die Kostüme.

Heike, das bin ich, habe meine Koffer gepackt und bin in die VorEheWohnung gezogen. Noch bevor ich das erledigt hatte, schrie ElisabethGeorgine das ist Matthias Mutter lautstark über den ganzen Wochenmarkt: Ach du meine Güte, der kleine Wonneproppen meines Sohnes will wieder die ganze Kohle abknöpfen! Und jetzt will sie auch noch ihre unehelichen Kinder an ihn hängen! Alles mein Geld!

Ich, Heike, stand da etwas zerzaust, versuchte sie zu beruhigen: ElisabethGeorgine, bitte, sonst rufe ich die Polizei, denn von unehelichen Kindern gibts hier nichts zu reden und Sie hatten nie Geld.

Halt die Klappe!, brüllte dann fast ihre Schwiegertochter, spuckte mir fast in die Haare und verschwand im Gedränge.

Matthias und ich haben uns vor fünf Jahren in Koblenz das JaWort gegeben. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, besitzt hier eine Kette von Supermärkten. Früher hat er lange in Berlin gewohnt, ist dann aber zurückgekommen, weil er seine Kindheit hier verbracht hat und es ihm lieber ist, das Geschäft in seiner Heimatstadt zu führen. Seine Mutter, ElisabethGeorgine, wollte nie wegziehen das hat die ganze Entscheidung stark beeinflusst.

Für Elisabeth war Heike das einzige Kind, das sie im Alter von 37 Jahren von einem jungen Reisenden bekommen hat. Sie hat das Kind wie einen Schatz behandelt. Matthias hat seiner Mutter nie das Herz gebrochen, er ist selbst ein echter Geschäftsmann geworden, aber seine Mutter verträgt keine Frauen in seiner Nähe.

Ich habe Elisabeth von Anfang an nicht gemocht. Matthias zog das Kennenlernen seiner zukünftigen Schwiegertochter immer wieder hinaus, weil er nicht wollte, dass seine Mutter zu früh dazukommt. Wir lebten schon zusammen, und er fuhr jeden Tag allein zu seiner Mutter. Hätte ich damals gewusst, wohin das führen würde, hätte ich das nicht zugelassen.

Unsere Ehe war irgendwie wie das Märchen vom Aschenputtel: Ich arbeitete in der Stadtbibliothek von Koblenz, Matthias unterstützte ein Bildungsprojekt der Bibliothek, und wir trafen uns, weil er immer wieder nach Büchern fragte. Wir hatten denselben Literaturgeschmack, und ich las ihm zuerst die Bücher, die ich für ihn ausgesucht hatte, und erzählte ihm danach meine Eindrücke.

Matthias ist gut im Werben um Frauen, und ich war von Anfang an über seine Einladungen zur Ausstellung und zur Buchmesse begeistert dort konnte ich neue Erscheinungen schnuppern und meine Lieblingsautoren treffen. Ich war ein bisschen naiv, weil ich kaum Erfahrung mit dem anderen Geschlecht hatte. Ich kleidete mich dezent, hatte aber ein klassisch schönes Gesicht und gute Proportionen für Matthias war ich ein echter Diamant.

Heike, lass uns heiraten, sagte er eines Abends, wir gehören einfach zusammen.

Ich erwiderte: Ohne das Kennenlernen deiner Mutter gibts nichts, ElisabethGeorgine sitzt hier gleich nebenan. Hast du keine Scham, mich ihr zu zeigen?

Es geht nicht darum, meinte Matthias, sie ist schon alt und kompliziert, wir wollen sie nicht belasten.

Belasten mit einer Hochzeit?, entgegnete ich verwirrt, wartest du etwa darauf, dass sie uns einfach ignoriert?

Nein, seufzte Matthias, die Hochzeit muss sie trotzdem mitbekommen, sonst verzeiht sie mir das nicht. Aber das Kennenlernen das musst du ja trotzdem machen.

Eine Woche später kündigte er an, dass seine Mutter zur Feier zu uns kommen würde. Ich machte meinen berühmten Kirschkuchen fertig, aber das Abendessen wurde ein ganzes Spektakel. Elisabeth, die eigentlich 75 Jahre alt ist, kam in einem warmen Rock bis zum Knie, einer dicken Daunenjacke und flauschigen Hausschuhen. Sie sah zwar freundlich aus, aber ihre Worte passten überhaupt nicht zu ihrem Äußeren.

Wer hat denn jetzt wieder einen Aufreißer ins Haus geschleppt, du alte Made?, fauchte sie Matthias an, sie sieht aus, als würde sie gleich aus der Hose rutschen!

Mama, das ist Heike, meine Verlobte, stellte Matthias sie vor, sie ist sehr bescheiden.

Und warum hast du ihr keinen richtigen Mädchennamen gegeben?, heulte Elisabeth, was willst du denn von meinem Sohn?

Wir wollen heiraten, erklärte Matthias kindlich geduldig, das wollte ich dir einfach sagen.

Ach so, also du willst deine junge Frau ins Haus holen und mich rauswerfen?, schrie Elisabeth, ich soll also in der Ecke ohne Dach und ohne Ecke alt werden?

Ich war völlig perplex. Matthias versuchte, die Situation zu retten: Mama, keiner schickt dich raus. Heike ist gut zu mir, ich liebe sie, und du bekommst Enkel.

Wie viele?, fragte Elisabeth, plötzlich lebhaft.

Was?, wiederholte ich verwirrt.

Wie viele Enkelkinder hast du denn? Du redest von unehelichen Kindern, das kann ich ja nicht nachvollziehen.

Der ganze Abend entwickelte sich zu einem echten Stille Post-Spiel, bei dem Elisabeth jede Bemerkung nach ihrer eigenen Laune interpretiert hat. Als Matthias sie nach Hause fuhr, war ich gerade dabei, den Kirschkuchen mit einem Tuch zu decken, damit er nicht austrocknet. Wir setzten uns nie an den Tisch.

Na, zufrieden?, schnappte Matthias, als ich ihm nach dem Abend fragte, wie war das Kennenlernen mit deiner zukünftigen Schwiegermutter?

Alles klar, ich habs kapiert, aber das war echt nicht das, was ich erwartet habe, sagte ich.

Nenn mich nicht alte Made, das geht gar nicht. Nur du und ich, das ist okay, meinte er.

Vielleicht solltest du zum Arzt gehen, damit du ein bisschen was bekommst, das dir hilft, schlug ich scherzhaft vor.

Meine Mutter braucht keinen Arzt, sie war ihr ganzes Leben so, meinte er.

In den nächsten drei Monaten heirateten wir schließlich. Heike blieb in der Bibliothek, Matthias führte sein Business weiter. Elisabeth ignorierte die Hochzeit ich dachte mir nur: gut, dass sie nicht da ist. Aber ihr Wahnsinn hörte nicht auf. Kurz nach der Hochzeit tauchte sie plötzlich in der Bibliothek auf.

Wo ist diese verdammte Bibliothekarin?, schrie sie beim Betreten, sie soll meinen Sohn in Ruhe lassen.

Du hast dir mein Vermögen angeglichen, knurrte sie, doch ich werd nicht zulassen, dass du meine Familie zerstörst.

Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, und ich rannte in den Eingangsbereich, wo schon eine Menschenmenge versammelt war. In der Mitte stand Elisabeth, mit einer Sommerhüte und Sandalen, obwohl es Herbst war.

Ich versuchte, die Situation zu entschärfen: Komm, wir trinken einen Tee, zog ich sie an den Schultern.

Berühr mich nicht!, schrie sie, mein Sohn hat mir erzählt, welche Krankheiten du dir in deiner Jugend zugezogen hast. Ich will keinen Schmutz.

Ich war völlig rot vor Scham, griff nach dem Telefon und rief Matthias. Er kam sofort und nahm seine Mutter mit.

Nach diesem Vorfall wurde ich im Team plötzlich kalt behandelt. Einen Monat später sagte die Filialleiterin, meine Stelle sei gestrichen. Zu Hause ließ ich meinem Mann endlich alles raus:

Danke, deine Mutter! Jetzt sehe ich mich als Trägerin einer unbekannten Krankheit, die keiner mehr haben will. Was für eine Schande!

Matthias wollte mir ein eigenes kleines Unternehmen anbieten.

Deine Mutter wird wieder kommen und alles ruinieren, erwiderte ich müde. Kann ich bitte einfach allein sein?

Von da an wurde ich Hausfrau. Und ich bemerkte erst jetzt, wie oft Elisabeth in unser Haus kam. Beim ersten Mal war ich überrascht, beim zweiten war ich wütend.

ElisabethGeorgine, könnten Sie wenigstens vorher Bescheid sagen, wenn Sie so plötzlich auftauchen?, bat ich.

Was, ich habe dich aus der Bibliothek geholt?, antwortete sie mit einem fast vernünftigen Ton, gefällt dir meine Rede nicht?

Ja, ich habe deswegen meinen Job verloren, knurrte ich.

Das ist noch nichts. Du bist nicht die Erste. Ich habe drei Frauen schon aus der Ehe gestoßen.

Sie fuhr fort, dass das Ganze ihr Recht sei, weil ich nur an sein Geld gehe. Sie behauptete, das gesamte Vermögen von Matthias gehöre ihr, und ich solle mich nicht einmischen.

Machen Sie das absichtlich?, brüllte ich.

Klar, ich rufe gleich Motz an und sage ihm, du hättest die alte Frau aus dem Haus geworfen. Er wird das glauben.

Ich seufzte, wusste, dass mein Leben in diesem Haus zu Ende war. Trotzdem hielt ich noch fünf Jahre durch. In dieser Zeit beschuldigte Elisabeth mich immer wieder, er hätte mich vergiftet oder ich sei von der Treppe gefallen. Der letzte Tropfen war, als sie mich bei Matthias 40jährigem Betriebsjubiläum mit den Fäusten angriff. Sie riss mir die Haare heraus, zerriss mein Kleid und schrie:

Er ist mein Sohn und nur meiner! Du bekommst ihn nie!

Ich war völlig erschöpft und sagte nur: Nimm mich, was du willst, happy Birthday, Matthias.

Dann verließ ich den Saal, während Matthias versuchte, seine Mutter zu beruhigen. Ich packte meine Sachen und fuhr in die VorEheWohnung, die ich von einem Pflegeheim bekommen hatte. Am nächsten Tag stellte ich die Scheidung. Ich verlangte nichts von meinem Mann, und Matthias ließ mich in Ruhe.

Elisabeth wurde von allen als die verrückte Koblenzerin bezeichnet, und das Vertrauen der Leute in Matthias sank. Nach einem weiteren Aufeinandertreffen am Wochenmarkt war ich sicher, dass er bald keinen Respekt mehr von irgendjemandem bekommen würde aber mir war das egal.

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Homy
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Sie packte ihre Sachen und zog in ihre eigene Wohnung vor der Ehe.
„Wir sind am Hauptbahnhof, du hast eine halbe Stunde, um für mich und die Kinder ein Business-Class-…