He, wo gehst du hin? rief sie aus der Küche.
Jürgen, wo willst du hin? Beate lugte aus der Küche hervor, wischte sich die Hände an der Schürze ab und blickte ihren Mann mit großen Augen an.
Jürgen, ein 45-jähriger Geschäftsführer einer bekannten Baufirma, hatte seinen Entschluss gefasst. Während seine Frau das Frühstück vorbereitete, hatte er seinen Koffer gepackt. Nun stand er im Flur ihrer geräumigen Wohnung in Berlin-Mitte und spürte das Gewicht seiner Entscheidung.
Beate hatte sich stets um die Familie gekümmert. Sie glaubte, ein gutes Frühstück mit Würstchen, Käse und frischem Brot sei die Grundlage für Gesundheit und Erfolg. Als die Kinder klein waren, stand sie vor Sonnenaufgang auf. Drei Kinder verlangten ihre ganze Hingabe, und das Gehalt ihres Mannes hatte es ihr ermöglicht, sich nur dem Haushalt zu widmen.
Er schwieg. Er betrachtete Beate, seine Gefährtin seit fünfundzwanzig Jahren, und war sich sicher: Es war Zeit für eine Veränderung.
Seine Frau hatte in letzter Zeit zugenommen, der Glanz in ihren Augen, der ihn einst verzaubert hatte, war verblasst. Sie reizte ihn nicht mehr. Dafür gab es Nadine jung, klug, mit pechschwarzem Haar, kennengelernt auf einer Firmenveranstaltung in Sylt. Mutig wie er. Deshalb stand er nun da, Koffer in der Hand.
Genug! Warum sollte er mit einer Frau leben, die er nicht mehr liebte? Die Kinder waren selbstständig: Hans und Peter hatten ihren Abschluss und arbeiteten in Berlin; Katharina, im vierten Semester Medizin, wurde von ihm unterstützt. Und seine Frau? Warum sollte er sie weiter versorgen? Nadine hatte Recht: Es war Zeit, die Wohnung aufzuteilen.
Fährst du weg? fragte Beate gelassen. Du hättest Bescheid sagen sollen. Ich hätte dir ein paar belegte Brote gemacht. Es ist nicht gut, mit leerem Magen loszuziehen.
Immer nur Essen! knurrte Jürgen, verärgert, dass er nicht den Mut fand, seine Pläne klar auszusprechen. Glaubst du, es gibt draußen keine Bäckereien? Du lebst in der Küche, als gäbe es nichts anderes!
Ist etwas passiert? Ihre Stimme blieb sanft.
Schon länger ahnte sie etwas von der Geliebten. Sie wusste, dieser Tag würde kommen. Aber sie kannte ihren Mann.
Ich verlasse dich! platzte es aus ihm heraus. Ich lebe mit einer anderen zusammen. Mit einer modernen Frau, nicht mit einer Hausfrau!
Glückwunsch antwortete sie, als spräche sie über das Wetter.
Habe ich es nicht verdient?
Du verdienst mehr. Du bist fleißig, klug, gut aussehend
Die Wohnung wird geteilt sagte er leiser.
Einverstanden. Wir regeln alles rechtlich.
Jürgen wunderte sich über ihre Leichtigkeit. Er hatte Geschrei erwartet, nicht diese Ruhe.
Such dir einen Job warnte er. Ich werde dich nicht unterstützen.
Brauche ich nicht. Ich werde wieder heiraten.
Heiraten? Er lachte spöttisch. Wer würde dich wollen?
Viele. Frauen wie ich sind begehrt. Erfahren, häuslich, gute Köchinnen Und mit einer eigenen Wohnung nach der Teilung.
Er schluckte trocken. Der Gedanke, Beate mit einem anderen Mann zu sehen, beunruhigte ihn.
Ich habe ein Meeting murmelte er und stellte den Koffer ab. Verabrede dich heute nicht. Das wäre respektlos.
Im Büro nagten die Zweifel an ihm. Er hatte geplant, zurückzukehren, falls etwas mit Nadine schiefging, aber jetzt
Am Abend rief Nadine an, fordernd:
Wo bist du? Ich habe eine Wohnung am Kurfürstendamm ausgesucht! Wir müssen das Schlafzimmer einrichten und die Reise nach Mallorca bezahlen. Erinnerst du dich an dein Versprechen?
Was gibt es zum Abendessen? unterbrach er sie.
Nichts. Ich halte Diät. Wir können Sushi bestellen
Jürgen legte auf. Er dachte an den Kartoffelsalat mit Würstchen, den Beate sicher zubereitet hätte, an die gemütliche Stille des Zuhauses. Und an die Vorstellung, dass ein anderer Mann sie seine Frau nennen würde.
Nein. Das würde er nicht zulassen.





