— Rudi, hörst du mich? — Eveline Markovna, seine Schwiegermutter, zog ihn am Ärmel. — Ich sage, die Reise ist bereits bezahlt. Zwei Wochen in Berlin, Fünf-Sterne-Hotel. Zlata wird sowieso liegen bleiben, und das Geld geht verloren.

Rudi, hörst du mich? rief Elisabeth Schulz, meine Schwiegermutter, und zog mich am Ärmel. Ich sags dir, die Reise ist schon bezahlt. Zwei Wochen an der Ostsee, ein FünfSterneHotel. Das Geld liegt noch im Portemonnaie, aber die Ausgaben gehen dahin.

Ich drehte mich um. Elisabeth stand im LieblingsTürkis ihres Sommerkleides, ihr Haar zu einem eleganten Knoten frisiert. In ihren Augen funkelte dieselbe Aufregung, die sie immer hatte, wenn sie etwas hinter Lenas Rücken geplant hatte.

Elisabeth, aber was ist mit Lena? Sie liegt doch noch im Krankenhaus mit der OPAusrüstung.

Was passiert ihr? Die Ärzte und Pflegenden kümmern sich. Ich habe schon mit dem Stationsleiter, Timotheus Iwanowitsch, gesprochen. Er meinte, die ersten zwei Wochen sind die ruhigsten, nur Erholung. Dann kommen wir zurück, sonnengebräunt und erholt, und Lena wird sich freuen.

Ich warf einen schrägen Blick zur Ehefrau. Lena schlief oder tat zumindest so, als schlief sie. Nach der Operation war sie schwach, sprach kaum. Gestern wünschte sie nur Wasser und den Fernseher an, damit sie ihre Lieblingsserie sehen kann.

Irgendwie fühlt das sich falsch an

Rudi, sei kein Feigling! senkte Elisabeth den Ton. Siehst du nicht, wie sie sich in letzter Zeit benimmt? Immer unzufrieden, nörgelt über Kleinigkeiten. Und vor der OP? Erinnerst du dich an die Streitereien? Vielleicht ist das ja gut so ein bisschen Abstand voneinander.

Mama, was flüstert ihr da? öffnete Lena die Augen und sah uns an. Ein kurzer, seltsamer Funken blitzte, dann verschwand er.

Ach, Liebling, wir reden nur über deine Behandlung, sagte Elisabeth schnell. Wie geht es dir?

Ganz okay. Rudi, gib mir bitte das Handy.

Ich reichte ihr das Smartphone, und sie vertiefte sich sofort darin. Elisabeth sah mich vielsagend an und nickte Richtung Flur.

Im Flur fuhr sie fort:

Denk mal nach, Rudi. Wann kriegen wir das noch einmal? Ich werde nicht ewig jung, und du arbeitest dich kaputt. Lena wird sich erholen, sie merkt nicht mal, dass wir ein paar Wochen weg sind. Wir sagen einfach, wir hätten eine Dienstreise gehabt.

Lügen wir sie?

Nicht lügen, aber nicht unnötig beunruhigen. Du weißt, wie misstrauisch sie nach dem Herzproblem geworden ist. Sie meint immer, alle seien gegen sie. Lass sie einfach in Ruhe genesen.

Ich dachte nach. Das vergangene Jahr war hart. Lena beschwerte sich ständig, warf mir Vorwürfe zu, und meine Mutter beschuldigte mich, zu sehr in ihr Leben einzugreifen. Aber Elisabeth wollte nur helfen bei den Renovierungen, dem Autokauf und der Klinikauswahl.

In Ordnung, sagte ich schließlich. Aber wir müssen sie täglich anrufen, nach ihrem Befinden fragen, Vitamine besorgen.

Natürlich, mein Junge! strahlte Elisabeth. Wir rufen per Video an, damit sie sehen kann, dass wir daheim sind. Wir schalten einfach den Hintergrund um.

Den Hintergrund umschalten? Willst du sie im Video täuschen?

Rudi, das ist doch zu ihrem Wohl! Stell dir vor, sie würde ausflippen, wenn sie erfährt, dass wir am Meer sind. Und laut dem Arzt darf sie nicht stressen.

In diesem Moment kam eine Krankenschwester ins Zimmer.

Kann ich zu Lena Alexander kommen? fragte sie. Ihre Freundin ist hier, Gisela.

Klar, nickte ich.

Gisela ging vorbei, lächelte Elisabeth und verschwand im Zimmer. Elisabeth schnaufte leise:

Ich halte diese Gisela nicht mehr aus. Sie stellt Lena immer gegen mich.

Elisabeth, das sind Kindheitsfreundinnen.

Und? Ich bin die Mutter! Aber Lena hört jetzt mehr auf Gisela als auf mich.

Ich seufzte. Dieser Streit zog sich schon seit Jahren die Mutter war eifersüchtig, dachte, die Freundin würde ihr schaden.

Ich muss jetzt los zur Arbeit, sagte ich. Bleibt ihr bei Lena?

Nein, ich komme auch. Ohne mich reden Gisela und Lena. Ich schau morgen früh vorbei. Und überleg dir die Reise, Rudi. Die Tickets habe ich schon für übermorgen gekauft.

Was? Schon Tickets?

Warum warten? Je früher wir fahren, desto ruhiger. Lena schläft die erste Woche noch viel, sie wird das nicht merken.

Elisabeth drehte sich um, schritt mit klackenden Absätzen über den KrankenhausLinoleum, ich blieb noch kurz stehen, sammelte meine Gedanken und blickte dann ins Zimmer. Lena und Gisela flüsterten leise. Als sie mich sahen, verstummten sie.

Ich geh jetzt zur Arbeit, sagte ich. Komm abends zurück.

Mach das nicht zu lange, meinte Lena. Verzieh dich nicht.

Als ich das Krankenhaus verließ, bemerkte ich nicht, dass Gisela heimlich ihr Handy zückte und etwas tippte.

***

Am nächsten Morgen weckte Lena ein NachrichtenTon. Gisela hatte einen Screenshot eines Chats geschickt, in dem Elisabeth stolz die bevorstehende Reise nach Sylt mit ihrem LieblingsSchwieger anpries.

Endlich mal erholen wir uns vom Nervensäge, schrieb sie. Rudi hat sofort zugesagt, ohne zu zögern. Wahrscheinlich ist er auch vom ganzen Drama müde.

Lena legte das Handy langsam auf den Nachttisch. In der Operationsstelle pochte ein stechender Schmerz nicht körperlich, sondern aus Verrat. Der Verrat der nächsten Menschen brannte stärker als jede Skalpellklinge.

Also, das heißt, ihr wollt euch vom Nervensäge erholen? flüsterte sie. Na dann, genießt es.

Sie wählte die Nummer ihres Cousins Arne, einen talentierten Programmierer und HobbyHacker.

Arne, hallo. Ich brauche deine Hilfe. Ja, ich liege im Krankenhaus, aber das ist egal. Hör zu

***

Der Abreisetag war hektisch. Ich packte die Koffer, Elisabeth rief alle fünf Minuten:

Rudi, hast du die Badehose vergessen? Und die Sonnencreme? Und den Strohhut?

Alles dabei, Elisabeth.

Perfekt! Wir treffen uns am Bahnhof zwei Stunden vor Abfahrt. Und jetzt nicht mehr zurückdrehen!

Ich legte auf und sah das Foto von Lena auf dem Kommode. Sie lächelte das Bild war von vor zwei Jahren, bevor alles aus den Fugen geriet.

Verzeih mir, dachte ich, aber deine Mutter hat recht wir alle brauchen eine Auszeit.

Kurze Zeit später fuhr ich zum Krankenhaus, gab vor, ich sei für eine Dienstreise nach Leipzig unterwegs. Lena nickte, ohne den Blick vom Handy zu heben.

Viel Glück, sagte sie. Ruf, wenn du Zeit hast.

Mach ich.

Ich küsste sie auf die Stirn und ging. Wäre ich umgekehrt, hätte ich das seltsame Lächeln meiner Frau gesehen.

Am Bahnhof strahlte Elisabeth wie ein frisch geprägter Zehner. Sie trug ein leichtes Sommerkleid, einen Strohhut und riesige Sonnenbrillen.

Rudi! Endlich! Ich dachte, du hast es schon bereut.

Nein, ich stecke im Stau.

Wir erledigten den Checkin, gaben das Gepäck ab. In der Wartehalle zog Elisabeth ihr Handy heraus:

Ich muss Lena anrufen, ihr sagen, dass wir zu Hause sind und Suppe kochen.

Vielleicht nicht, sie erholt sich ja gerade.

Nein, nein, das muss! Sonst vermutet sie was.

Elisabeth wählte Lenas VideoCall. Lena antwortete sofort.

Mama? Was gibts?

Nichts, Liebling, wollte nur fragen, wie es dir geht. Ich koche gerade Suppe, bringe sie dir später.

Danke, Mama. Und wo ist Rudi?

Bestimmt bei der Arbeit. Und? Lena klang gelassen. Was ist das für ein Lärm? Klingt wie eine Durchsage

Elisabeth schaltete die Kamera aus:

Oh, die Verbindung ist schlecht! Ich rufe gleich zurück!

Sie atmete tief durch: Puh, fast erwischt. Und drückte auflegen, während ich innerlich vor Schuld erstickte. Aber es war zu spät, das Boarding war schon angekündigt.

***

Das Hotel an der Syltküste war luxuriös direkter Meerblick, eigener Strand, mehrere Pools. Elisabeth stürzte sofort ins Spa, ich zog in unser Zimmer.

Kaum hatte ich meine Klamotten ausgepackt, klingelte das Telefon. Unbekannte Nummer.

Hallo?

Rudi Schulz? sagte ein offiziell klingender Mann. Hier ist Kyrill Anton, der Anwalt deiner Frau Lena Alexander.

Anwalt? Welche Anwalt? Lena hat keinen Anwalt.

Jetzt hat sie einen. Ich rufe an, um dir mitzuteilen, dass Lena die Scheidung eingereicht hat. Die Unterlagen kommen per EMail. Außerdem fordert sie die Teilung des gemeinsamen Eigentums, inklusive der Wohnung, die auf eure Namen lautet.

Ich fiel vom Bett. Mein Kopf wirbelte.

Das muss ein Irrtum sein Lena liegt doch noch im Krankenhaus, das kann sie doch nicht

Sie hat es doch getan. Alles ist korrekt. Sie hat auch die Vollmacht für unser gemeinsames Reinigungsunternehmen Glanz & Sauber zurückgezogen. Ab sofort bist du davon ausgeschlossen.

Aber das ist unser Familienbetrieb! Ich habe alles investiert!

Laut den Dokumenten gehören 51% der Anteile Lena, weil das Startkapital aus dem Erbe ihrer Großmutter stammt. Sie darf allein entscheiden.

Ein kurzer Ping kam vom Bankkonto das Gemeinschaftskonto war gesperrt, weil die andere Partei es beantragt hatte.

Ich wählte Lena. Nach langem Klingeln hörte ich ihre ruhige Stimme:

Rudi?

Was ist das für eine Scheidung? Welcher Anwalt?

Du weißt schon. Ich dachte, während du in Leipzig bist, ist jetzt ein guter Moment, die Scheidung zu starten, damit wir uns nicht im Weg stehen.

Ich bin nicht in Leipzig

Ich weiß. Du bist im Hotel Imperial, Zimmer 412. Meine Mutter ist im Nachbarzimmer. Übrigens, sag ihr, ich habe alle ihre Karten, die mit unseren Konten verbunden waren, storniert. Und die Wohnung in Berlin, die ich von meiner Großmutter geerbt habe, verkaufe ich. Das ist mein Eigentum, aber ich lasse dich nicht mehr die Miete beziehen.

Lena, hör zu

Nein, du hörst zu. Ihr wollt euch vom Nervensäge erholen? Dann erholt euch. Meine Rückflugtickets habe ich storniert, deine Kreditkarte gesperrt sie war mit unserem Konto verknüpft, und die Karte meiner Mutter auch. Also genießt den Urlaub, bar.

Das ist Wahnsinn! Du kannst das nicht tun!

Ich kann und ich tue es. Und übrigens, erinnerst du dich an Alena von der Steuerbehörde? Meine UniFreundin? Sie hat mir ein paar interessante Infos zu deinen dubiosen Praktiken in den Reinigungshäusern gegeben. Ich habe noch nichts gemeldet, aber wenn du dich wehrst

Ich wurde blass. Die dubiosen Praktiken waren real ich hatte einen Teil der Einnahmen unter der Hand verlagert, um Steuern zu sparen. Wäre das herausgekommen, drohte ein Strafverfahren.

Warum machst du das?

Weil ich es satt habe. Ich bin müde von deiner Lüge, von der Ignoranz, dass meine Meinung nichts zählt. Meine Mutter entscheidet, wo wir hinfahren, welche Möbel wir kaufen, wo ich behandelt werde. Du nimmst das hin und gehst mit ihr. Und ich? Ich bin nur die Nervensäge, von der du dich erholen willst.

Ein lauter Schrei hallte aus dem Flur. Die Tür zum Zimmer wurde aufgerissen, Elisabeth stürzte hinein:

Rudi! Meine Karte wurde gesperrt! Ich kann das Spa nicht bezahlen! Was geht hier vor?

Lena, hast du das gehört? fragte sie, schaltete den Lautsprecher ein.

Lenas Stimme klang eiskalt:

Mama? Was ist passiert?

Meine Karte funktioniert nicht mehr! Warum?

Das war meine Karte, ich habe sie dir nur geliehen. Jetzt nicht mehr. Und das Berliner Apartment verkaufe ich Käufer ist schon gefunden, Arne kümmert sich um die Unterlagen.

Du hast kein Recht! Ich bin deine Mutter!

Und? Gibt das dir das Recht zu lügen? Zu betrügen? Und mich vor deinen Freundinnen als Nervensäge zu bezeichnen?

Elisabeth war fassungslos.

Woher…?

Egal, woher. Wichtig ist, dass ihr jetzt beide frei seid von der Nervensäge. Genießt den Urlaub. Aber bedenkt, wir haben nur das Geld, das wir bar haben. Alle Karten sind gesperrt, Rückflugtickets storniert. Das Hotel ist nur für drei Nächte bezahlt, alles andere kostet ihr selbst.

Lena, beruhige dich! schrie Elisabeth. Du bist krank, du darfst nicht wütend sein!

Ich bin nicht wütend. Ich bin vollkommen ruhig. Übrigens, ich wurde bereits vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen gegen Geld. Das Geld, das vorher auf unseren Konten war, ist jetzt auf meinen persönlichen Konten. Und Nina, deine alte Freundin, die du mir 150 geliehen hast? Ich habe die Quittung gefunden und an Inkassobüros verkauft. Sie holen das Geld von Nina, die übrigens auch in Sylt im Nachbarhotel ist. Sie wird dich besuchen.

Du bist ein Monster! rief Elisabeth, ihr Herz schlagend.

Was hast du eigentlich getan? Mich kontrolliert, mich gegen meine Frau aufgebracht, mich hinter meinem Rücken als Hysterikerin und Nervensäge bezeichnet?

Ich wollte nur das Beste!

Nein, du wolltest nur, dass es dir passt. Aber weißt du was? Ich bin dankbar. Diese Reise hat mir die Augen geöffnet. Ich kann ohne euch leben. Und das werde ich tun.

Ich versuchte, die Situation zu retten:

Lena, lass uns ruhig reden. Wir kommen zurück

Mit welchem Geld? Hast du überhaupt Geld?

Elisabeth schniefte: Zweieinhalbtausend Euro, das ist alles

Und du, Rudi?

Zweieinhalbtausend

Siebenundeinhalbtausend Euro für zwei Personen in der Hochsaison an der Küste. Viel Glück. Ihr könnt euch ja als Animatoren bewerben meine Mutter ist fit für ihr Alter, die Touristen werden es lieben.

Lena, hör auf zu quälen!

Ich quäle dich nicht, ich befreie euch von der Last. Übrigens, dein Chef weiß jetzt, dass du nicht in Leipzig, sondern in Sylt bist. Ich habe ihm Screenshots deiner InstagramStory geschickt, wo du dich mit mir zeigst. Er ist völlig irritiert, weil du krankgeschrieben warst, um deine Frau zu pflegen.

Ich legte das Telefon weg. Mein Chef, Viktor Schneider, würde das nicht gutheißen. Das könnte eine Kündigung bedeuten.

Und zum Schluss, fuhr Lena fort, deine Geliebte Karina aus der Nachbarschaft hat ebenfalls unsere Fotos aus Sylt gesehen. Sie glaubt, ihr seid ein Paar. Sie will kommen, um die Sache zu klären. Sie ist 23, Blondine, Fitnesstrainerin, will heiraten und denkt, du hättest sie für meine Mutter verlassen.

Was? Eine Geliebte? schrie Elisabeth. Was soll das?

Ich schwieg. Meine Affäre mit Karina lief schon seit einem halben Jahr, ich dachte, Lena wüsste nichts.

Oh,Und so stand Rudi allein im leeren Hotelzimmer, das Rauschen des Meeres das einzige Geräusch, das seine Schuld übertönte und zugleich den leisen Klang eines möglichen Neuanfangs ankündigte.

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Homy
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— Rudi, hörst du mich? — Eveline Markovna, seine Schwiegermutter, zog ihn am Ärmel. — Ich sage, die Reise ist bereits bezahlt. Zwei Wochen in Berlin, Fünf-Sterne-Hotel. Zlata wird sowieso liegen bleiben, und das Geld geht verloren.
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