„Oh Gott, wir haben doch schon drei…“ – Eine Geschichte darüber, wie ein fremdes Kind zur Familie wurde

Gott, jetzt haben wir schon drei eigene die Geschichte, wie ein fremdes Kind zur eigenen Tochter wurde

Gott, jetzt haben wir schon drei eigene!
Anke ließ sich schwer auf das Sofa fallen, hielt sich an den Kopf. Friedrich sah sie finster von oben herab.
Und was soll ich jetzt machen? Soll ich sie ins Kinderheim bringen? Karl war doch wie ein Bruder für mich
Ein Bruder! Wann hast du deinen Bruder das letzte Mal gesehen? Vor etwa zehn Jahren? Er tauchte nur auf, wenn er etwas brauchte.

Anke senkte fast die Stimme, und Friedrich atmete innerlich tief durch. Er wollte nichts gewaltsam erledigen kein Gezanke. Er wusste, dass die Pflege von Liliane letztlich auf Ankes Schultern fallen würde. Anke war zwar laut und konnte auch mal ausfassen, aber nie aus Bosheit. Sie ließ kein Unglück unbeachtet.

Anke, sag mir, was soll ich tun? Ich bin dein Onkel, dein richtiger Verwandter. Und das Mädchen
Friedrich deutete auf das kleine Mädchen, das zitternd an der Türstand.

Was hat das Mädchen damit zu tun?
Natürlich hat das Kind nichts damit zu tun Wann begraben wir sie?
Morgens. Ich fahre gleich.

Hör auf, mit den großen Augen zu starren. Komm her, wir lernen uns kennen.
Das Mädchen schritt zaghaft vor. Anke konnte nicht mehr und sprang hoch, ging zu ihr.
Na, du bist ja ganz still. Lass mich dir den Mantel ausziehen.

Sie knöpfte geschickt die Jacke aus, dann den dicken Pullover, und dann

Gott… was ist das? Nur Haut und Knochen Was ist das?

Anke drehte das Kind zum Licht und erstarrte. Sie sah zu ihrem Mann, der nur krächzte. Er dachte an Karl, der als Kind auf Krücken gehen musste. Liliane stand in einem dünnen Kleid mit kurzen Ärmeln, die Arme voller blauer Flecken. Anke zog den Kragen zurück, schaute auf den Rücken und hielt den Mund mit der Hand zu. Einen Moment lang blieb sie wie erstarrt. Dann rief sie:

Friedrich, schnell ins Bad!Micha, komm her!

Micha kam aus dem Zimmer.

Was, Mama?
Nichts, aber genug! Lauf zu Frau Gertrud, frag nach Kleidung für das Mädchen Vielleicht haben wir noch was Altes.

Micha rannte zur Tür, zog die Jacke über. Die Jungs hörten, schlichen und spähten. Wer hätte gedacht, dass so ein kleines Mädchen in unsere Familie kommen könnte? Sobald sie sahen, dass Anke die blauen Flecken betrachtete, beschlossen sie, im Kinderzimmer eine Trennwand zu bauen damit das Kleine immer geschützt ist.

Micha brachte nicht nur einen Sack Lumpen, sondern auch Frau Gertrud mit. Sie hatte nichts zu sagen, sondern meinte nur:

Du solltest dich besser um sie kümmern, sonst bekommst du noch Ungeziefer.

Liliane stand still im Raum, schweigend, als ob ihr nichts passieren würde. Anke schnippte das Haar zurück, fluchte wie ein Dorfmann, zog die schief geflochtene Zöpfe hoch und seufzte:

Liliane

Das Mädchen sah ängstlich zu ihr auf.

Liliane, deine Haare müssen geschnitten werden. Keine Sorge, sie wachsen wieder. Hier, ein schöner Kopftuch für dich.

Tränen liefen über Lilies staubige Wangen, Anke weinte fast mit, während sie die Zöpfe abschnitt und sie dann im Ofen verbrannte. Friedrich kam rein, sah das Geschehen, und nur ein knurrendes Hau ab kam raus.

Als Anke und Liliane ins Bad gingen, erschien plötzlich Andreas, der älteste der Brüder, zwölf Jahre alt und respektiert von den anderen, aber nie tyrannisch.

Papa, kannst du uns helfen?
Friedrich sah verwirrt aus.

Was macht ihr hier?
Wir wollen den Schrank umstellen, damit wir einen Platz für das Mädchen haben. Er ist zu schwer.

Friedrich schnauzte:

Eure Mutter füttert euch, aber ihr schafft das nicht zu dritt! Also ran!

Papa, worauf soll sie schlafen?
Friedrich kratzte sich am Hinterkopf.

Wir müssen etwas kaufen.

Kann ich meine Ausziehcouch benutzen? Ich schlafe gern darauf, und ihr könnt das Bett für Liliane benutzen.

Als Anke und Liliane aus dem Bad kamen, war fast alles fertig. Noch Bettwäsche und ein kleiner Teppich fehlten das überließ Anke.

Viel Dampf.
Danke, ich bin fertig. Liliane hat kaum etwas gegessen, kein Wasser, keine Seife. Ich will mich kurz ausruhen und dann für euch kochen.

Liliane sah jetzt hübscher aus: dünn, ein buntes Halstuch, große Augen, lange Wimpern.

Komm, ich zeig dir dein Bett.
Anke war überrascht, ließ sich aber von Friedrich zur größten Zimmerflur führen, wo die Jungen seit drei Jahren wohnen.

Was ist hier?
Anke sah die Umstellung, schweigte, blickte zu den Söhnen.

Habt ihr das allein gemacht?
Friedrich lächelte: Unsere Jungs, Anke.

Liliane aß hastig, als ob sie seit Ewigkeit nichts gegessen hätte.

Genug, Liliane. Ruh dich aus, wir haben genug zu essen.

Sie sah die Schüssel an, seufzte und wirkte plötzlich müde.

Komm, ich zeig dir dein Bett.
Kaum hatte sie das Bett erreicht, schlief sie ein.

Anke rief:

Friedrich, hol den Schnaps.

Friedrich schaute verwundert er trank nie, nur zu Festtagen. Er holte den Schnaps, schenkte ein. Anke leerte das Glas in einem Zug. Friedrich stellte sein Glas hin.

Anke sagte:

Wenn dein Bruder Karl noch leben würde, hätte ich ihn mit diesen Händen erwürgt.

Friedrich senkte den Kopf.

Karl wurde geboren, als Friedrich vierzehn war, und niemand hatte mehr Erwartungen. Die Großmutter sah den Säugling, spuckte und sagte:

Umsonst geboren.

Friedrich erinnerte sich, wie die Mutter ihn anschrie, ihn hinauswarf. Die Großmutter schien ein Hexenbild zu sein, aber Friedrich wusste, dass es keine Hexen gab.

Eines Tages sagte die Großmutter plötzlich:

Ich sterbe morgen. Nimm das Kind mit zu den Bestattungen.

Sie zeigte auf den kleinen Jungen.

Noch nichts?

Die Großmutter fluchte.

Am nächsten Tag starb sie tatsächlich. Friedrich stand am Sarg, dachte, er würde verrückt werden. Die Mutter kam mit Karl, schrie, und danach war alles still.

Karl war von klein auf ein Schlingel, griff nach anderen, schob die Schuld auf andere, bekam das von Vater und Friedrich zu spüren, lernte aber nie etwas. Er ging zur Armee, brachte dort eine Frau mit, bekam Kinder, und das war das Ende der elterlichen Pflichten. Jeden Tag Trinken, keine Arbeit. Sie baten immer wieder, dass Karl und Liliane zu ihnen kommen, aber die Eltern verschwanden einer nach dem anderen.

Vier Jahre später rief der Dorfrat den Vorsitzenden an:

Friedrich, dein Bruder und seine Frau sind fast erstickt, das Mädchen ist allein. Wenn du sie nicht nimmst, kommt sie ins Kinderheim. Wir helfen dir, ihr Leben ist Gold wert.

Friedrich wusste nicht, warum Anke nicht sofort alles gesagt hatte er fürchtete, sie würde im Affekt das Kind ablehnen.

Eine Woche später lernte Liliane, mit Gabel und Löffel zu essen. Ihre Haut wurde rosiger, aber sie verhielt sich wie ein wilder Wolf. Wenn die Jungen etwas wollten, versteckte sie sich unter der Decke und schwieg.

Sie bekamen Bücher und Spielzeug, doch sie blieb stumm wie ein Uhu. Anke versuchte, mit ihr zu reden, aber nur Ja und Nein kamen heraus.

Endlich stand Anke vor ihr:

Warum siehst du alle an wie ein Wolf? Haben wir dir etwas getan? Warum lächelst du nicht? Was gefällt dir nicht hier?

Liliane schaute mit weiten Augen, Tränen rollten über ihre Wangen.

Anke schnappte nach Luft, sprang fast vom Stuhl.

Was ist los, Mama?

Die Jungen und Liliane waren noch im Haus; Anke weinte selten, aber jetzt musste sie es lassen, damit niemand es sah.

Ich habe keine Blumen, kein Gemüse mehr! Und die Kinder sollen wieder nach Hause gehen!

Die Kinder rannten weg.

Abends redeten Friedrich und Anke lange.

Friedrich, was machen wir? Die Jungen streiten, die Mädchen werden gehänselt.

Friedrich schüttelte den Kopf:

Lass sie kämpfen! Sie verteidigen ihre Schwester, das ist richtig.

Und wenn jemand verletzt wird?

Sie sind noch Kinder.

Anke hörte nicht zu, beschloss selbst zu überlegen, während Friedrich schlief.

In der Nacht hörte Anke ein leises Flüstern. Sie stand leise auf, ging zur großen Kammer. Dort kniete Liliane vor einer kleinen Ikone und flüsterte:

Lieber Gott, bitte hilf mir, dass Tante Anke wieder glücklich ist, dass die Blumen gut wachsen und sie mich liebt.

Liliane stand auf, Anke schob die Hand weg, um nicht zu weinen.

Am nächsten Morgen kamen Frauen zum Laden und fragten:

Was sollen wir mit dem Kind machen? Wegen deiner ‘Ausrüstung’ streiten die Jungen jetzt?

Eine Frau sagte: Sie muss ins Kinderheim.

Anke hielt die Tasche, drehte sich zu der Frau:

Was soll das heißen, meine Liliane ins Heim? Sie hat nichts getan, im Gegensatz zu deiner Tochter.

Sie schrie: Halt die Zunge, mach’ die Erziehung! Du weißt doch, wer das ‘Gerücht’ am Fluss angefangen hat.

Sie wandte sich an die anderen:

Vielleicht stört meine Tochter ja jemand anderen?

Sie ist doch nur ‘Ausrüstung’.

Anke erwiderte: Sie ist meine Tochter, merkt euch das! Wer mich ‘Ausrüstung’ nennt, kriegt Ärger.

Sie nahm die Tasche und ging zum Haus, die Frauen blieben stehen.

Eine Verkäuferin rief:

Haben Sie noch Bänder, Anja?

Ja, bitte, rote und blaue.

Anke lächelte, nahm die Bänder und ging weiter.

Wo sind die Jungs?

Sie sind an den Fluss gegangen.

Willst du nicht mitkommen?

Nein, ich will nicht, dass sie wegen mir Ärger bekommen.

Liliane folgte ihr und sah die breiten Schleifen.

Sind die für mich?

Ja, lass uns die binden.

Es dauerte lange, ihre kurzen Haare sprangen immer wieder aus den Bändern. Schließlich war es fertig.

Sieh dich im Spiegel an.

Liliane strahlte.

Danke.

Anke setzte sich zu ihr, nahm ihre Hand.

Liliane, darf ich dich bitte Mama nennen?

Ja.

Tränen liefen, Liliane umarmte Anke fest.

Natürlich, meine Liebe. Alles wird gut, wir gehen zusammen zur Schule, ich backe Kuchen für dich. Willst du einen Kuchen?

Liliane nickte eifrig.

In der Nacht hörte Anke wieder das Flüstern. Liliane kniete vor der Ikone und dankte Gott, dass Anke glücklich sein wird.

Am Morgen klopften Frauen am Laden und fragten, ob das Kind ins Heim muss. Anke sagte:

Ihr habt nicht die Rechte, über mein Kind zu entscheiden.

Sie ging weiter, kaufte bunte Schleifen und ließ die Frauen zurück.

Liliane fragte:

Wo sind die Jungs?

Sie sind zum Fluss.

Willst du nicht mitkommen?

Nein, ich will nicht, dass sie wegen mir kämpfen.

Anke fühlte, wie ihr Herz zusammenzog.

Liliane, komm her.

Sie ging zu ihr, zeigte das Geschenk.

Jetzt kannst du mich Mama nennen?

Liliane nickte, Tränen liefen, sie drückte Anke fest.

Ja, das darfst du.

Anke lächelte, legte den Kopf an ihr Kissen, schloss die Augen und dachte, Gott habe ihre Bitte erhört.

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Homy
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Mein Ehemann ließ mich 60 Kilometer von zu Hause bei strömendem Regen zurück, um mir „eine Lektion zu erteilen“.