Willst du mit deiner Schwiegermutter leben und für sie sorgen?

Willst du mit deiner Schwiegermutter zusammenwohnen und sie pflegen? Das habt ihr ja irgendwie sonderbar geregelt, meinte Heike verärgert zu ihrem Mann. Findest du nicht, dass du ein bisschen?

Was denn? Du willst mit deiner Schwiegermutter zusammenleben und sie betreuen?, fragte Klaus neugierig.

Heike drehte sich missmutig ab.

Erstens: das ist doch Zweitens: unser Erbe ist nicht dein Thema. Und drittens: hör doch auf, diese kindischen Ausdrücke zu benutzen

Nachdem der Vater verstorben war, teilten die Geschwister das Vermögen in einer Familienratssitzung ein.

Der ältere Sohn Klaus bekam die Zweizimmerwohnung, in der er bereits mit seiner Frau Heike und ihrem Sohn Jonas wohnte.

Der jüngere Bruder, Karl, blieb in der geräumigen Elternwohnung im Stadtzentrum, ein Drittel davon gehörte ihrer Mutter, Gertrud Olsens.

Gertrud war wegen Bluthochdruck und Diabetes im Pflegegrad drei und brauchte ständige Aufsicht.

Das Auto ging ebenfalls an Karl, weil seine Mutter regelmäßig zu Arztterminen gebracht werden musste.

Die Ersparnisse der Eltern etwa drei Millionen Euro sollten Gertrud bleiben. Sie würde die Zinsen selbst verwalten und dazu noch ihre Rente erhalten, sodass sie keine finanziellen Sorgen haben müsste.

Komisch, wie ihr das ausgemacht habt, sagte Heike ihrem Mann erneut, findest du nicht, dass du ein bisschen über das Ziel hinausschießt?

Was denn? Du willst mit deiner Schwiegermutter zusammenleben und sie pflegen?, bohrte Klaus nach.

Heike wandte sich ab.

Erstens, unser Erbe ist deine Sache nicht. Und drittens, lass die kindischen Redewendungen weg

Klaus liebte seine Frau zwar, obwohl sie als Friseurin nicht ganz in sein IngenieurSozialStatusModell passte, aber ihr Wortschatz ging ihm oft auf die Nerven.

Immerhin haben wir eine gute Familie, das Erbe hat uns nicht zerspalten, murmelte Karl schmunzelnd, als er das Gespräch mitanhörte.

Zehn Jahre später zog Karl mit seiner Frau Anneliese in die Elternwohnung ein, und dort kam ihr Sohn Viktor zur Welt.

Anneliese fand schnell einen Draht zu Gertrud, und die beiden Frauen stritten fast nie.

Klaus, Heike und der inzwischen erwachsene Jonas waren nur selten zu Besuch.

Die Erwachsenen arbeiteten viel, und Karl hatte neben seiner Pflegeaufgabe für die nicht ganz gesunde Oma noch andere Sorgen.

Ständig gibt es etwas mit ihm, jammerte Klaus. Mal brennt die Schultoilette, mal wird das Fahrrad geklaut, mal wird im Park mit Flaschen gekämpft. Ein Wunder, dass er noch nicht im Sozialamt gemeldet ist.

Kein Wunder, dass wir ständig die Rechnung zahlen, seufzte Heike. Wir zahlen für seine Patzer, damit er nicht komplett auf die Strecke geht.

Er braucht einfach mehr Aufmerksamkeit, versuchte Karl zu verteidigen.

Das sagst du leicht!, schoss seine Schwiegertochter zurück. Deine Anneliese arbeitet nicht, steckt den ganzen Tag bei Viktor, und wir wissen gar nicht, wo wir hin sollen.

Karl blieb stumm er hatte keine Argumente. Er und Anneliese hatten längst beschlossen, dass sie sich um den Sohn kümmert: Schule, Schachklub, Schwimmbad, alles organisierte Anneliese selbst.

Viktor war ein Musterschüler und gewann bereits MathematikOlympiaden.

Sie konnten sich dieses Leben leisten Karl hatte seine Karriere gut im Griff, Klaus hingegen hatte weniger Glück im Job. Er verdiente in ihrer Stadt zwar ordentlich, aber deutlich weniger als sein Bruder, und dazu kamen noch die Ausgaben für den zuckersüßen Jonas.

Eines Tages bemerkte Anneliese, dass das Essen im Kühlschrank an manchen Tagen plötzlich weniger wurde. Sie kochte schon immer allein, ohne Gertruds Hilfe, und kannte den Vorrat genau.

Mama, ich freue mich, dass du wieder so guten Appetit hast, aber hast du deinen Diabetes nicht vergessen?, fragte sie vorsichtig Gertrud.

Das bin nicht ich, stotterte Gertrud verlegen. Da rannte doch Danilo vorbei ich kann meinen Enkel doch nicht verhungern lassen.

Natürlich kannst du das, du hast es ja nie gesagt, dass er hier zu Besuch kommt

Siehst du, murmelte Gertrud, es liegt nicht an den Klopsen, die ich gegessen habe. Ich bin nur überrascht, dass Danilo so oft auftaucht.

Er weigert sich seit seinem zwölften Lebensjahr, zu uns zu kommen, erinnerte Anneliese ihren Mann. Er ist ja schon erwachsen, hat seine eigenen Dinge.

Nur zu Silvester und zum Geburtstag der Oma tauchte er auf und das nur für eine halbe Stunde. Was war nun los?

Du übertreibst, wischte Karl ab. Der Junge ist jetzt 17, er ist ja fast erwachsen! Vielleicht hat er endlich ein Herz für die Oma entwickelt.

Er beruhigte seine Frau, glaubte aber selbst nicht ganz an seine Argumente. Wenn Danilo käme, wäre Gertrud den ganzen Tag allein und langweilig.

Tatsächlich kam Danilo etwa einmal pro Woche vorbei genug, um nicht zu viel zu fressen, aber wenig, um die Oma nicht ganz zu vernachlässigen.

Karl wollte schließlich vorsichtig von seinem Bruder und seiner Schwiegertochter herausfinden, was los war.

Klaus war geschäftlich unterwegs, und Heike antwortete ihm scharf: Wenn du das BockwurstGeflüster nicht magst, sags einfach! Danilo vermisst doch nur die Oma!

Er stritt nicht weiter, aber er beobachtete die Besuche. Danilo kam immer an Wochentagen tagsüber, wenn Tante und Onkel nicht zu Hause waren.

Nach drei Monaten klingelte Heike spät abends an Karl:

Karl, ich weiß nicht mehr weiter! Klaus ist nicht erreichbar, und die Polizei hat Danilo abgeholt!

Die Beamten hatten herausgefunden, dass eine Gruppe Jugendlicher in einer Wohnung Drogen konsumiert hatte und danach im Park randaliert war. Sie hatten Bänke zerschlagen, Mülltonnen umgeworfen und Passanten beleidigt. Glücklicherweise blieb niemand verletzt, und die Stadtverwaltung zahlte eine Geldstrafe, damit die Jugendlichen freikamen. Auf die Frage nach dem Geld sagten sie nur: Dan hat gesponsert!

Er ist ja ständig mit seiner Oma unterwegs, meinte einer der Jungs. Und er ist nicht knasch, voll respektvoll!

Heike hielt sich die Brust:

Du klaust jetzt noch?

Nee, Mama! Was sagst du denn?, stotterte Danilo. Meine Oma Gaby gibt mir das Geld. Warum nicht?

Deshalb bist du bei uns rumgekommen?, fragte Karl. Schämst du dich nicht, bei einer Rentnerin um Geld zu betteln? Ein gesunder Kerl könnte doch selbst was verdienen

Lehre meinen Sohn nicht!, platzte die Schwiegertochter plötzlich heraus. Ihr habt doch alles Wohnung, Auto, Geld!

Ihr habt alles gut ausgedacht!, stoppte sie kurz, dann: Danke für die Hilfe! Auf gehts, Danilo.

Karl war von der Tirade seiner Schwiegertochter fassungslos, doch er ließ es bleiben. Sobald Klaus zurückkommt, wird er das klären.

Das Gespräch geriet sofort aus dem Ruder.

Frag deine Mutter, ob unser Sohn sie um Geld gebeten hat!, schrie Heike. Man kann ja auch dem Enkel helfen, oder soll das Geld nur für euch sein?

Wir wollen nichts von Mamas Geld, schnippte Karl. Frag sie selbst wir nehmen keinen Pfennig.

Ihr habt doch eure eigenen Vorräte!, ließ die Schwiegertochter nicht locker. Manchen fehlt aber Hilfe!

Heike, was laberst du?, platzte Klaus. Bist du etwa die Mutter des Sohnes besticht?

Er war immer davon überzeugt, seine Oma sei arm, deshalb unterstützten die Söhne sie.

Und wenn dem so ist, was dann?, versuchte Heike zu verwirren. Ich habe nur gesagt, wenn er die Oma öfter besucht, könnte sie ihm einen Teil der Wohnung überlassen.

Bist du verrückt?, staunte Klaus.

Karl und Anneliese sahen fassungslos zu.

Hört doch auf mit den Blicken! Und ja, das Geld hat die Oma selbst gegeben ich habe Danilo nichts erzählt!

Der Jugendliche bestätigte das, schaute aber spöttisch: Was soll’s? Wohin soll das Geld fließen?, bekam dafür von seinem Vater einen Klaps und wurde in sein Zimmer geschickt.

Gertrud sollte nichts von dem Ganzen erfahren ein Blutdruckkrampf wäre sonst garantiert.

Danilo wurde strengstens angeordnet, die Oma nur noch zu besuchen, aber kein Geld zu nehmen.

Weißt du, ich habe Danilo beobachtet und mir ist aufgefallen: Er ist überhaupt nicht wie Klaus, sagte Karl nach einigen Tagen nachdenklich zu seiner Frau.

Und?, zuckte Anneliese mit den Schultern. So ein Ding.

Ich verstehe, aber er erinnert mich an jemanden aus dieser Alterszeit, den ich einfach nicht benennen kann

Du meinst, er ist nicht Klaus Sohn?

Ja Ich habe nie verraten, aber kurz vor deiner Hochzeit habe ich deine Mutter beim Umarmen mit einem anderen Mann gesehen. Sie war ganz erschrocken und bat mich, es niemandem zu erzählen. Ich hab geschwiegen, weil ich mich nicht einmischen wollte und weil dein Bruder so glücklich war.

Karl quälte sich einen Monat lang damit, ob er in die Beziehung seines Bruders einsteigen sollte.

Anneliese beschloss, alles zu prüfen. Die Unterlagen für den Vaterschaftstest zu besorgen war nicht schwer Verwandte tauchten jede Woche im Haus auf.

Du entscheidest, ob du es zeigst, reichte ihr die Frau das Ergebnis.

Karl sah sie nur fragend an. Sie nickte still Klaus sei nicht der Vater.

Schließlich erzählte Karl seinem Bruder die Neuigkeit. Der Bruder ließ sich scheiden. Gertrud wurde gesagt, dass Danilo in eine andere Stadt zum Studium gegangen sei, und man werde sehen, was daraus wird.

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Homy
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Willst du mit deiner Schwiegermutter leben und für sie sorgen?
Meine Schwiegertochter bat mich, sie nicht mehr so oft zu besuchen – also blieb ich fern… Doch eines Tages war sie es, die mich um Hilfe bat. Nach der Hochzeit meines Sohnes gab ich mir große Mühe, oft bei ihnen vorbeizuschauen. Ich kam nie mit leeren Händen – kochte Leckereien, brachte Kuchen mit, zauberte Gebäck und Torten. Meine Schwiegertochter lobte meine Gerichte immer, probierte sogar als Erste. Ich dachte, wir hätten ein herzliches, ehrliches Verhältnis aufgebaut. Ich freute mich wirklich, nützlich zu sein, dazu zu gehören – nicht als Außenstehende, sondern als ein Teil ihrer Familie. Doch eines Tages änderte sich alles schlagartig. Ich kam vorbei, nur sie war zuhause. Wir tranken gemeinsam Tee, wie immer. Doch diesmal spürte ich sofort, dass etwas nicht stimmte – als hätte sie mir etwas Wichtiges zu sagen, aber traute sich nicht. Und als sie schließlich sprach, traf es mich wie ein Schlag. „Es wäre besser, wenn Sie nicht mehr so oft kommen… Lassen Sie Théo lieber selber zu Ihnen kommen“, flüsterte sie mit gesenktem Blick. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ihre Stimme klang kühl, in ihren Augen lag – war es Ärger? Ich weiß es nicht. Nach diesem Gespräch kam ich nicht mehr. Ich zog mich völlig zurück, wollte mich nicht aufdrängen. Mein Sohn kam fortan alleine zu Besuch, meine Schwiegertochter betrat unser Haus nie mehr. Ich schwieg, beklagte mich nicht. Aber innerlich war ich verletzt. Was hatte ich falsch gemacht? Ich wollte doch nur helfen… Ich habe mein ganzes Leben lang versucht, Harmonie in der Familie zu bewahren. Und nun war meine Anwesenheit eine Last? Es tat weh zu merken, dass man unerwünscht ist. Die Zeit verging. Sie bekamen ein Kind – unsere lang ersehnte Enkeltochter. Mein Mann und ich waren überglücklich, aber wir hielten uns zurück und kamen immer nur auf Einladung. Wir nahmen die Kleine zum Spazierengehen mit, um zu entlasten, aber wollten bloß nicht zu aufdringlich sein. Eines Tages klingelte das Telefon. Meine Schwiegertochter. Mit einer sanften, fast distanzierten Stimme sagte sie: „Könnten Sie heute auf die Kleine bei uns aufpassen? Ich habe dringend etwas zu erledigen.“ Es war kein Bitten, sondern ein Feststellen – als wären wir auf diese Gunst angewiesen. Dabei hatte sie mich doch vor Kurzem gebeten, nicht mehr zu kommen… Ich habe lange überlegt, wie ich reagieren soll. Der Stolz wollte ablehnen. Doch die Vernunft sagte: Das ist eine Gelegenheit. Nicht ihretwegen – für das Kind. Für Théo. Für den Familienfrieden. Und so sagte ich: „Bringen Sie sie lieber zu uns. Sie wollten doch, dass ich nicht ohne Grund komme. Ich will Ihre Privatsphäre respektieren.“ Sie schwieg, dann stimmte sie zu. Sie brachte mir die Kleine. Und dieser Tag wurde für meinen Mann und mich zu einem Fest. Wir spielten, lachten, gingen spazieren – die Zeit verging viel zu schnell. Es war einfach schön, Großeltern zu sein! Und dennoch blieb in mir ein Rest Bitterkeit. Ich wusste nicht, wie ich mich weiter verhalten sollte. Sollte ich auf Abstand bleiben? Warten, dass sie einen Schritt macht? Oder sollte ich versuchen, klüger zu sein, zu vergeben, Verletzendes zu vergessen – um der Enkeltochter willen? Für sie bin ich bereit, viel zu tun. Verzeihen, verletzende Worte überhören, versuchen, das Band wieder zu knüpfen. Aber brauchen sie mich überhaupt noch? Oder bin ich längst überflüssig? Ich weiß nicht, ob sie es je versteht. Ob sie begreift, wie schnell etwas, das über Jahre gewachsen ist, zerbrechen kann – und wie schwer es ist, die Scherben wieder zusammenzusetzen…