Der undankbare Sohn: Eine unheimliche Geschichte voller Wendungen

Maria Schulz, eine 84jährige Großmutter, hockte an der Bushaltestelle vor ihrem Häuschen und wusste nicht, wohin sie jetzt sollte. Auf der Bank lagen ein Stoffbeutel und ein Plastiksack, in denen fast all ihre Habseligkeiten gequetscht waren.

Ich habe den Rudi rausgeschmissen, keine Angst, ich sagte nur: Abwischen, Oma, hier gibts keinen Platz mehr für dich, wir haben genug von deinem alten Kram, dachte sie mit einem Anflug von Trotz.

Noch vor drei Jahren lebten sie fünft zu viert glücklich in einer kleinen DreiZimmerWohnung: Maria Schulz, ihre Tochter Heike, ihr Sohninlaw Ilja mit seiner Frau Nadine und ihr Enkel Armin.

Der Umbruch kam, als Ilja bei der Arbeit eine neue Buchhalterin bekam Rita. Sie fuhr aus der Großstadt in das beschauliche Dorf, weil niemand genau wusste, warum. Man gab ihr ein Zimmer im Wohnheim, sie bekam den Job. Was wollte man mehr? Wer hätte gedacht, dass Rita sich nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Männern befasst? Und sie hatte Ilja ins Auge gefasst. Verheiratet? Wie sagt man so schön: Eine Frau ist keine Wand.

Im April kam Ilja eines Tages von der Arbeit nach Hause, packte seine Klamotten und schüttelte nur sein Hemd, weil ihm plötzlich klar war:

Erst mit fünfundvierzig begreife ich, was echtes Leben und Liebe bedeutet!

Nadine sagte nichts, wartete, bis Armin seine Abschlussprüfungen hinter sich gebracht hatte, und dann:

Wir fahren in die Stadt, Armin muss zur Uni, wir wohnen im alten Haus meiner Eltern. Das Haus steht seit drei Jahren leer, aber das kriegen wir schon hin. Wenn wir nicht weiterkommen, hilft mein Bruder. Und ich finde schnell einen Job an der Schule.

In zwei Tagen war alles bereit. Der Bruder kam, lud den Koffer in den Lieferwagen und abgingen. Armin drückte seiner Urgroßmutter beim Abschied fest in die Arme:

Mach dir keine Sorgen, Oma, ich komme dich besuchen.

Und besuchen kam er zweimal, solange Heike noch lebte. Als Heike dann verstarb, zogen Ilja und Rita in die Wohnung ein, und Armin kam nie wieder vorbei.

Für Maria Schulz wurde das Leben zur Qual. Rita fing an, ihr eigenes Regiment aufzubauen. Zuerst noch schüchtern, lud sie Maria zum Essen ein und servierte das, was sie für sich und Ilja zubereitete. Dann befahl sie ihr, das Zimmer nicht zu verlassen:

Du machst zu viel Kram in der Küche, ich räume lieber einmal pro Woche dein Zimmer, als hier dreimal täglich den Boden zu wischen.

Seitdem kochte Rita der Oma nur noch Hafer oder Graupenbrei, den Maria Schulz morgens, mittags und abends mit leerem Tee herunterspülte.

Eines Tages verkündete Rita, ihr Sohn komme in einer Woche. Sie und Ilja überlegten, wo er arbeiten könnte nach dem Jugendheim würden sie ihm keinen hohen Posten geben.

Am nächsten Morgen ging Ilja zur Arbeit, während Rita Maria befahl:

Hier die Adresse vom Pflegeheim, fahr hin und sei dankbar, dass ich dich nicht einfach rausgeworfen habe.

Sie schob Maria ein Blatt Papier in die Hand und schlug die Wohnungstür hinter sich zu.

Maria kam zur Bushaltestelle, wusste aber nicht, wohin sie weiter sollte: Sie sah schlecht, konnte die Adresse nicht entziffern. Da stand ein junger Mann.

Junge, kannst du mir die Adresse vorlesen und sagen, mit welchem Bus ich dort hinfahre?

Der junge Mann schaute sie verwundert an und meinte:

Wohin wollen Sie denn, Frau Maria? Armin ist gerade angekommen, er sucht Sie.

Fünf Minuten später kam Armin angerannt. Es stellte sich heraus, dass Nadine gestern von einer Nachbarin erfahren hatte, dass Rita die Oma ins Heim geben wolle. Die Nachbarin hatte früher im Altenheim gearbeitet und Rita den Weg dorthin gezeigt.

Armin schnappte sich seine Sachen und sagte:

Jetzt bringe ich dich, Oma, wie eine Königin, mit dem Taxi in die Stadt. Mama hat schon ein Zimmer für dich vorbereitet. Und im Garten blühen gerade die Apfelbäume ein Traum!

Als Rita und Ilja bemerkten, dass Armin die Urgroßmutter in die Stadt brachte, freuten sie sich kurz. Doch beim Durchwühlen der Unterlagen stellte sich heraus, dass Maria von Anfang an die Eigentümerin der Wohnung war. Ihr Mann hatte nur ein lebenslanges Wohnrecht. Also mussten Rita und Ilja wieder ins Wohnheim zurück.

Maria verkaufte die Wohnung und schenkte das Geld ihrem Enkel, damit er in der Stadt ein Eigenheim kaufe. In der Großstadt sind die Preise höher, deshalb konnte Armin nur ein EinzimmerApartment erwerben, allerdings in einem modernen Neubau mit viel Platz. Er plant zu heiraten endlich ein Dach über dem Kopf für die junge Familie.

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Homy
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Der undankbare Sohn: Eine unheimliche Geschichte voller Wendungen
Liebste Mama, dein Rat zur Großzügigkeit hat mich inspiriert: Ich habe deinen Service der Tante angeboten.