Der Albtraum der Großmutter Masha: Ihre verstorbene Mutter bietet ihr mit warmen Plätzchen ein verführerisches Mahl an – „Iss, mein Kind.“

Oma Ilse hatte einen unruhigen Traum, in dem die verstorbene Mutter ihr mit Kuchen vorsetzte: Ess, mein Kind. Ilse aß, doch der Hunger ließ sich nicht stillen. Am Morgen erwachte sie erschrocken wenn die Verstorbenen einen noch nähren, könnte das Ende nahe sein. Sie schaltete den Rechner ein, suchte nach dem Thema und las, dass ein buddhistischer Mönch aus dem Kloster sagt, man habe höchstens noch vierzehn Tage zu leben.

Der Gedanke ließ Ilse nicht los. Das Leben, das Gott ihr schenkte, war doch so schön, selbst im hohen Alter, und sie wollte noch viel erleben. Der Kopf drückte von der Traurigkeit wie schnell die Jahre verflogen. Schließlich beschloss sie, mutig zu sein und das Unvermeidliche anzunehmen. Sie zerriss alte Fotoalben; egal, sie würden ohnehin weggeworfen, niemand brauchte fremde Erinnerungen.

Die Sonne schien, also dachte sie, ein Spaziergang könnte die Schwermut mildern. Sie zog sich an, trat auf den Balkon und hörte ein weinendes Kind aus der Nachbarwohnung. Durch die dünnen Wände drang jedes Geräusch bis zu ihr. Was hatte das Kleine so sehr bedrückt?

Dahinter wohnte ein junges Paar in einer Mietwohnung. Ihre Tochter war etwa vier Jahre alt, die Frau erwartete ihr zweites Kind. Das Kleine schluchzte, keiner tröstete es, etwas musste geschehen sein. Ilse klopfte an, ein blasser Mann öffnete sein Gesicht war bleich wie ein Leichnam im Sarg. Er berichtete hastig, dass die Geburt seiner Frau gerade begonnen hatte, sie fast verstarb, als sie die kleine Lina zur Welt brachte, und er ihr zum Abschied die Hand gereicht habe. Jetzt wird sie weinen, sagte er.

Sie wurden sofort in die Küche von Ilse geführt. Zuerst musste das Kind beruhigt werden, also goss Ilse ihr einen Glasbecher mit Beerensaft. Siehst du die Beeren im Glas? Sie schwimmen dort, das ist ein gutes Zeichen. Trink bitte. Warum das gut sein sollte, blieb ihr ein Rätsel.

Lina beruhigte sich, sah sich um, weil alles ihr fremd war. Ihr Vater, Sascha, stand ebenfalls in der Küche, setzte sich und erstarrte. Ilse nahm das Mädchen bei der Hand: Komm, ich zeige dir, wie wir hier leben. Sie gingen durch die Wohnung, Sascha folgte ihnen. Ilse zeigte ein Portrait: Das ist mein Großvater, ein Soldat im Zweiten Weltkrieg. Lina musterte den fremden Mann, Sascha blickte neugierig.

Sie blieben vor einem Regal stehen, das voller Porzellanfiguren war: ein Eichhörnchen, ein Hase, ein Schwan und weitere Vögel. Lina griff nach dem Eichhörnchen, reichte es ihrem Vater, der es in den Händen drehte und zurück ins Regal legte. Schließlich behielt sie das Eichhörnchen, ihr Vater nickte: Schönes Stück. Du wirst später damit spielen. Die kleine Besichtigung endete, die Hausherrin bot an, etwas zu essen.

Zu dritt kehrten sie zum Tisch zurück. Sascha und Lina setzten sich, doch der Vater bemerkte, dass die Hände nicht gewaschen waren. Ilse erwärmte eine Hühnersuppe. Die Gäste merkten, wie hungrig sie waren; Sascha hatte nicht genug, Ilse sah das und fügte nach. Die Sonne sank, und Sascha wollte nicht nach Hause, wo alles beunruhigend war, sondern blieb bei Ilse, die ihm wie eine zweite Mutter erschien. Er bemerkte, dass das Wasser im Bad schlecht abfloss, vermutlich verstopft. Mit einem Werkzeug aus seiner Wohnung beseitigte er das Problem und ging anschließend zur Vorbeugung in die Küche, während er sein Handy fest in der Hand hielt.

Draußen wurde es dunkel, Lina schnupperte neugierig. Ilse gab ihr warme Milch und legte sie auf ihr Sofa. Sascha saß leise in der Küche. Als Lina eingeschlafen war, fragte er: Darf ich heute Nacht hier bei Ihnen übernachten? Ilse, die seine Not sah, stimmte zu. Er holte schnell eine Schlafmatte, und sie setzten sich lange zusammen, flüsterten. Sascha erzählte, wie lieb er seine Frau Anna sei und wie sehr er sie schätze.

Kurz darauf wünschte Ilse ihm sanft gute Nacht, nannte ihn Sohn, und ein warmes Leuchten erschien in Saschas Augen. Alle legten sich hin, und Ilse spürte plötzlich, als wäre die Jugend zurückgekehrt, als ihr Sohn noch bei ihr lebte. Jetzt war er jedoch längst erwachsen, und die Zeit war weit fortgeschritten.

Der buddhistische Mönch hatte sich geirrt: Wenn man im Traum genährt wird, kann das ein Zeichen dafür sein, dass man im echten Leben Gutes tun wird. Am Morgen klingelte das Telefon. Nach einer halben Minute rief Sascha freudig: Lina, du hast eine Schwester bekommen! Hurra! Während das Frühstück zubereitet wurde, holte er einen Kuchen. Den ganzen Tag verbrachten Vater und Tochter bei Ilse wie eine Familie, und sie schliefen dort, weil weder Angst noch Unruhe mehr bestand.

Am nächsten Tag ging Sascha zur Arbeit, doch Lina blieb im Kindergarten, und Ilse spazierte mit dem kleinen Mädchen im nahegelegenen Stadtpark. Kurz darauf kamen Annas Mutter und das neugeborene Baby, sodass das Haus von Ilse noch mehr fröhliche Aufgaben bekam. Und so erkannte Ilse, dass das Teilen von Sorge und Liebe das wahre Erbe ist.

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Homy
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Der Albtraum der Großmutter Masha: Ihre verstorbene Mutter bietet ihr mit warmen Plätzchen ein verführerisches Mahl an – „Iss, mein Kind.“
Na gut, wenn das so ist – dann ziehe ich zu meiner Mutter! – verkündete der Ehemann