„Diese Sommerresidenz gehört mir. Und du bist hier nur die Gastfreundin“, sagte die Schwiegerschwester.

Das ist mein Ferienhof, du bist hier nur Gast, sagte die Schwägerin, während sie die Hände in die Hüften stemmte.

Hannelore, hast du das absichtlich gemacht? Ich habe doch gebeten, die Phlox nicht ohne mich umzupflanzen! grollte Irma Viktorine und fuhr mit den Händen durch die aufgewühlte Beetkante. Du weißt doch, dass meine Mutter diese Blumen selbst gepflanzt hat!

Aber sie sind völlig verfilzt, Irma, murmelte Hannelore schuldbewusst, wischte den erdigen Schmutz von ihren Händen an die Schürze. Ich wollte doch nur das Beste. Ich dachte, ich mache dich glücklich

Irma schüttelte nur den Kopf, die Lippen zusammengepresst. Mit ihrer Schwiegertochter hatten sie nie ein gemeinsames Vokabular gefunden. Die junge Frau zeigte zwar Einsatz, doch alles ging schief: das Mittagessen wurde zu salzig, die Wäsche falsch aufgehängt, das eine oder andere missglückte.

Nun gut, lassen wir das, seufzte Irma schließlich. Aber beim nächsten Mal bitte vorher fragen. Diese Phlox sind ein Erinnerungsstück.

Die Sonne brannte unerbittlich, sodass wir uns im Schatten der ausladenden Apfelbäume verkriechen mussten. Der Hof der Familie Krause lag eingebettet in ein Meer aus Grün alte Bäume, die noch von den Eltern von Johann und Irma gepflanzt worden waren, spendeten kühle Kühle. Vor dem hölzernen Haus puste ein alter Kaffeekocher leise Dampf auf und verströmte seinen vertrauten Duft.

Kommt Johann zum Abendessen? fragte Hannelore, während sie den Tisch unter der alten Apfelkrone deckte.

Er sagte, er versucht es, antwortete Irma, während sie die Teller hinlegte. Aber du kennst ja deinen Mann. Wenn die Arbeit drängt, kann er sich verspäten.

Johann, Irmas jüngerer Bruder, war Chefingenieur im Stahlwerk und seine Schichten fraßen fast jede freie Minute. Hannelore und er waren erst seit einem halben Jahr verheiratet, und dieser Sommer war ihr erstes gemeinsames Wochenende auf dem Familienhof.

Ich habe Marmelade aufgekocht, sagte Hannelore, um die peinliche PhloxAffäre zu überspielen. Aus den Erdbeeren, die wir gestern gepflückt haben.

Erdbeeren?, hakte Irma die Augenbrauen hoch. Wir hatten doch vereinbart, erst einen Teil einzufrieren, dann

Ich dachte, Marmelade geht nie zu viel, lächelte Hannelore. Und ich wollte Omas Rezept mit etwas Orangenschale probieren.

Irma schwieg, ihr Gesicht jedoch sprach lautes Missfallen aus. Wieder einmal tat das junge Mädchen alles, wie es ihr gefiel. Sie war erst fünfundzwanzig, und Irma vierundvierzig hatte fast ihr halbes Leben auf diesem Hof verbracht, seit die Eltern von dieser Welt gegangen waren. Jeder Strauch, jedes Beet war ihr vertraut, bis hin zum letzten Nelkenzweig. Jetzt kam die junge Hannelore und wollte alles umkrempeln.

Glaubst du, Johann mag das? fragte Hannelore hoffnungsvoll.

Weiß nicht, erwiderte Irma trocken. Johann liebt Mamas Marmelade nach ihrem Rezept.

Sie saßen schwitzend an dem Tisch, das Schweigen drückte schwer. Schließlich platzte Hannelore.

Irma, ich sehe, dass du verärgert bist. Sag mir einfach, was nicht stimmt.

Irma seufzte: Hannelore, dieser Hof ist mehr als ein Haus mit Garten. Er ist ein Denkmal für unsere Eltern. Jede Hecke, jedes Beet wurde von ihnen angelegt. Ich bin gewöhnt, dass alles seinen Lauf nimmt. Und du kommst und willst alles verändern.

Ich wollte nichts zerstören, flüsterte Hannelore. Ich will mich hier auch zu Hause fühlen. Ich bin jetzt ein Teil eurer Familie.

Irma musterte ihre Schwiegertochter schlank, hellhaarig, mit großen grauen Augen, ganz anders als die behäbliche KrauseTradition. Hannelore handelte stets schnell und begeistert, selten nachdenkend.

Weißt du, begann Irma, doch das Geräusch eines herannahenden Motors übertönte sie.

Johann ist da!, jubelte Hannelore und lief, um ihren Mann zu begrüßen.

Johann, ein großer Mann mit breiten Schultern und leicht ergrauenden Schläfen, stieg aus dem Kleinwagen, eine riesige Wassermelone in den Händen.

Meine lieben Damen!, lachte er. Wie könnt ihr hier überleben ohne mich?

Hannelore warf ihm die Arme um den Hals, Irma trat würdevoll, fast wie eine ältere Schwester, nach vorn.

Alles gut, Johann, sagte sie. Wir bewirtschaften hier gerade ein wenig.

Wunderbar!, umarmte Johann seine Schwester locker. Ich habe euch ein paar Leckereien mitgebracht Wassermelone, Bonbons für die Naschkatzen und er machte eine kurze Pause für dich, Irma, neue Sorten von Stiefmütterchen. Ich weiß, wie sehr du sie liebst.

Irmas Augen leuchteten: Johann! Wo hast du die her? Hast du etwa den alten Müller aus dem Nachbarhof überredet?

Direkt von ihm, nickte Johann stolz. Ich habe ihn fast um den letzten Kragen gerissen.

Der Abend verlief in ruhigem Gemüt. Sie aßen Wassermelone, tranken Tee mit Bienenstich-Brötchen, Johann erzählte vom Werk, Hannelore lauschte jedem Wort, Irma betrachtete die Stiefmütterchen und überlegte, wo sie sie pflanzen könnte.

Am nächsten Morgen fuhr Johann zurück in die Stadt, weil ein Notfall im Werk wartete. Die beiden Frauen blieben allein.

Ich will die Himbeeren zum fernen Zaun pflanzen, sagte Hannelore beim Frühstück. Da gibt es mehr Sonne und Platz. Und dort könnte man einen Kinderspielplatz anlegen.

Irma hielt die Tasse an den Mund: Ein Spielplatz?

Ja, strahlte Hannelore. Johann und ich wir hoffen, bald Nachwuchs zu bekommen. Es wäre schön, wenn die Kinder nicht nur im nackten Feld, sondern auf einem Sandkasten spielen könnten.

Bist du schwanger? fragte Irma vorsichtig.

Noch nicht, schüttelte Hannelore den Kopf. Aber wir wünschen uns ein Kind sehr. Ich dachte, besser früher planen.

Irma stellte die Tasse ab und sah Hannelore ernst an: Dein Vater hat diese Himbeeren selbst gezüchtet. Das ist eine besondere Sorte, auf die er stolz war. Sie zu versetzen, bedeutet, das Erbe zu riskieren.

Aber für das Kind

Zuerst das Kind, dann der Spielplatz, schnitt Irma zurück. Die Himbeeren bleiben hier.

Hannelore wurde rot, schwieg aber. Den Rest des Tages arbeiteten sie schweigend Irma im Garten, Hannelore im Haus. Zum Abend hin lag die Spannung schwer in der Luft.

Ich habe über die Veranda nachgedacht, begann Hannelore zögerlich beim Abendessen. Sie ist so dunkel, vielleicht ein Anstrich in Weiß

Nein, schüttelte Irma den Kopf. Die Veranda bleibt, wie sie ist.

Aber warum? Ein helles Dach wäre gemütlicher

Weil ich es so gesagt habe!, erhob Irma die Stimme. Das ist mein Ferienhof und du bist nur Gast!, rief sie, ließ den Löffel hart auf den Tisch knallen. Du sollst hier nichts nach deinem Geschmack umbauen!

Das Zirpen der Grillen drang durch die Stille. Hannelore wurde blass, Tränen stiegen ihr in die Augen.

Also seis, flüsterte sie. Ich bin nur Gast

Sie stand vom Tisch, schob leise den Teller zur Seite: Entschuldigung, Irma Viktorine, dass ich euch mit meiner Anwesenheit gestört habe. Ich nehme meine Sachen.

Irma seufzte: Hannelore, übertreib nicht. Ich will nur, dass du die Traditionen unserer Familie respektierst.

Die sind jetzt auch meine, sagte Hannelore bestimmt. Aber offenbar nicht in eurem Sinne.

Sie ging ins Haus, Irma blieb auf der Veranda zurück, das Herz schwer. Vielleicht hatte sie zu weit gegangen? Doch Hannelore verstand einfach nicht, wie sehr Irma an den Erinnerungen hing.

Das Telefon klingelte Johann.

Alles in Ordnung? fragte er. Wie geht es euch?

Ganz gut, antwortete Irma, ohne die Schwiegertochter zu erwähnen. Wann kommst du?

Morgen zum Mittag. Hannelore kann mitkommen?

Sie ruht sich aus, log Irma. Ruf später nochmal an.

Nach dem Gespräch saß Irma lange auf der Veranda, sah in den dunkler werdenden Garten. Erinnerungen kamen: die Mutter pflanzte Phlox, singend; der Vater baute eine Bank unter der alten Apfelbaumkrone; die ganze Familie sammelte die Ernte. Ihre Mutter hatte einst gesagt: Ein Haus lebt, solange Menschen darin wohnen. Wenn sie gehen, wird es nur noch Erinnerung.

Am Morgen hörte Irma das Wasser laufen. Am Fenster sah sie Hannelore, wie sie das Beet mit Phlox goss.

Guten Morgen, sagte Irma, trat hinaus. Du bist ja früh dran.

Konnte nicht schlafen, antwortete Hannelore knapp, ohne Irma anzusehen.

Ihr Koffer stand am Hauseingang das Packen war kein Scherz.

Hannelore, warte, rief Irma. Lass uns reden.

Worum?, fuhr Hannelore fort, das Gießkännchen schwenkend. Gestern war doch alles klar gesagt.

Ich war zu hitzig, gab Irma zu. Du bist nicht nur Gast, du bist die Frau meines Bruders, und dieser Hof gehört jetzt auch dir.

Hannelore schaute endlich auf, die Augen rot. Dann warum darf ich hier nichts ändern? Warum muss alles so bleiben, wie es von euren Eltern war? Ich verstehe die Erinnerungen, aber das Leben geht weiter, Irma.

Irma setzte sich auf die Bank, lud Hannelore ein, sich zu ihr zu setzen: Ich habe lange allein gelebt. Nach meiner Scheidung wurde dieser Hof zu meinem Rückzugsort. Alles erinnerte mich an eine glückliche Kindheit, an meine Eltern Ich habe mich zu sehr an diese Erinnerungen geklammert.

Hannelore hielt die Gießkanne, doch ihre Hände zitterten nicht mehr. Ich will eure Erinnerungen nicht zerstören, Irma. Ich will nur etwas Eigenes einbringen, damit unsere Kinder wenn sie kommen sagen können: Den Spielplatz haben Mama und Papa gebaut.

Irma blickte in die aufgehende Sonne, die die Baumkronen golden färbte, der Tau funkelte im Gras.

Die Himbeeren lassen wir bleiben, sagte sie nach einem Moment. Aber ein Platz für den Spielplatz finden wir. Bei der alten Birke, wo nichts wächst.

Hannelore strahlte: Wirklich? Das wäre wunderbar!

Und wegen der Veranda, fuhr Irma fort, vielleicht nicht komplett weiß, aber ein paar helle Paneele könnten sie gemütlicher machen. Lass uns gemeinsam überlegen.

Sie redeten den ganzen Morgen, und bis Johann zurückkehrte, war die Stimmung merklich wärmer. Er staunte, als er sah, wie seine Frau und seine Schwester über Baupläne beugten.

Hab ich was verpasst?, fragte Johann, umarmte Hannelore. Gestern war es wie Katze und Maus, heute seid ihr beste Freundinnen?

Wir haben einen Kompromiss gefunden, lächelte Irma. Traditionen und Neuerungen können nebeneinander bestehen.

Beim Mittag erzählte Hannelore von den Spielplatzplänen, Johann jubelte, und Irma erinnerte sich an die alten Spielsachen im Schuppen: eine hölzerne Schaukel, ein rostiger Wagen, die ihr Vater einst aufbewahrt hatte.

Die können wir restaurieren, schlug Irma vor. Stellt euch vor, unser Kind spielt mit denselben Dingen, die wir als Kinder hatten!

Johann lachte: Wir planen schon ein Kind, und du hast das noch nicht gesagt?

Irma nickte. Genau, deswegen der Spielplatz.

Der Abend brach herein, die Grillen sangen ihr Zirpen, und die Lichter der Nachbarhütten flimmerten im Dunkeln. Irma blickte zum Sternenhimmel: Weißt du, Johann, meine Eltern würden sich freuen, wenn hier Kinderlachen hörbar wäre. Sie haben immer von Enkelkindern geträumt.

Und das wird bald wahr, erwiderte Johann. Wir erwarten Nachwuchs.

Sie saßen still, hörten das entfernte Rauschen der Autobahn, die am Wald entlang fuhr.

Denkst du je daran, wieder zu heiraten? fragte Johann plötzlich. Du bist ja erst 45, es ist nie zu spät

Irma schüttelte den Kopf: Nach der Scheidung habe ich mich in diesen Hof zurückgezogen. Vielleicht habe ich deshalb so empfindlich reagiert. Aber jetzt jetzt bin ich offener.

Johann legte die Hand auf ihre Schulter: Ich freue mich, dass du das erkannt hast. Und weißt du, was mich wirklich überrascht hat? Dass du Phlox gegossen hast, obwohl du sie ohne zu fragen verlegt hast. Du hast sie gepflegt. Das zeigt, dass du nicht die Erinnerungen zerstören willst, sondern Teil davon werden willst.

Irma lächelte. Vielleicht hast du recht. Und übrigens, Petrus Semjonowitsch, der Bruder meines Kollegen, hat einen verwitweten Bruder, ein echter Bücherwurm, der Georginen liebt.

Petrus!, kicherte Irma. Denk bloß nicht, ich würde das zulassen!

Überlegs dir, zwinkerte Johann. Der Hof bleibt ein Hof, das Leben geht weiter.

Ein besonders klarer Sommermorgen begrüßte sie. Irma trat hinaus und sah Hannelore bereits im Beet, vorsichtig die Erdbeerpflanzen zu jäten.

Morgen, Irma, grüßte Hannelore, die noch ein wenig müde wirkte. Viel zu tun, bevor die Hitze kommt.

Irma setzte sich zu ihr: Lass uns zusammen arbeiten. Ich zeige dir, wie man richtig anhäuft, ohne die Wurzeln zu verletzen.

Sie arbeiteten Seite an Seite, und Irma bemerkte, dass Hannelore alles schnell aufgriff. Ihre geschickten Hände berührten die Pflanzen zärtlich.

Meine Großmutter sagte immer, Pflanzen spüren die Stimmung des Menschen. Wenn du sie mit Liebe pflanzt, danken sie dir mit reicher Ernte, bemerkte Hannelore plötzlich.

Meine Mutter sagte das Gleiche, staunte Irma. Sie redete mit den Pflanzen, als wären sie Kinder.

Ein Lächeln schlich sich auf Irmas Gesicht, Wärme breitete sich in ihrer Brust aus. Vielleicht waren sie doch nicht so verschieden.

Zur Mittagszeit kam Johann mit Baumaterial für den Spielplatz und Überraschung Petrus Semjonowitsch, ein großer, sportlicher Mann mit wachen Augen, der sofort von den Georginen begeistert war.

Was für prächtige Georginen!, rief er. Darf ich sie näher betrachten?

Irma, leicht errötend, führte ihn zu den Blumen. Johann und Hannelore, ein kurzer Blick, begannen das Fahrzeug zu entladen.

Am Abend, nach Petrus Abfahrt, saßen alle zusammen auf der Veranda. Hannelore servierte die Erdbeermarmelade nach Omas Rezept, und Irma stellte fest, dass sie tatsächlich außergewöhnlich duftete.

Sieht so aus, als wäre alles wieder in Ordnung, sagte Johann zufrieden.

Weit mehr, nickte Irma, die ihr Herz leicht werden spürte. Meine Mutter wäre froh, dass wir so fürsorglich sind.

Meinst du, das stimmt? fragte Hannelore. Dass ich wirklich zu euch gehöre?

Ja, bestätigte Irma ernst. Und die Veranda kann auch weiß werden nur die Phlox pflanzen wir zusammen.

Die Dämmerung senkte sich über den Garten, die Lichter der Nachbarn flammten auf, leise Musik drang herüber. Irma sah ihr Bruderpaar, ihr Lächeln, die glücklichen Gesichter, und dachte daran, dass ein Haus lebt, solange Menschen darin wohnen, während neue Erinnerungen die alten ergänzen.

Und so wurde der alte KrauseHof zu einem Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft Hand in Hand gingen.

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Homy
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„Diese Sommerresidenz gehört mir. Und du bist hier nur die Gastfreundin“, sagte die Schwiegerschwester.
Rechtzeitig