Das werden wir noch sehen

Das werden wir noch sehen!

Nein! Solange wir in diesem Irrenhaus mit deiner Mutter und Lina leben, gibt es keine Hochzeit!

Kathrinchen, warum gleich so harte Töne? Wir könnten das Kleid doch ausleihen, wir haben noch Zeit. Oder verschieben, wenn du willst… Man kann das doch vernünftig klären, seufzte Markus.

Du verstehst es einfach nicht, verschränkte Katharina die Arme. Es geht nicht um das Kleid. Es geht darum, dass ich hier wie im Krieg lebe. Deine Schwester ist schon eine ausgewachsene Göre, aber von Anstand keine Spur. Und am Ende ist eh deine Mutter schuld, Frau Helga.

Markus gefielen solche Aussagen natürlich nicht, auch wenn Katharina zumindest teilweise recht hatte. Irgendwann hatte Frau Helga ob absichtlich oder nicht seine Schwester gegen die zukünftige Schwiegertochter aufgehetzt.

Katharina und Markus hatten sich im Studium kennengelernt. Die Beziehung entwickelte sich langsam, weil damals keiner von beiden eine eigene Bleibe hatte. Er wohnte noch bei seiner Familie aus praktischen Gründen, wie er es nannte.

Ich habe eine Wohnung von meiner Oma. Aber die sind wir noch nicht, also vermietet Mama sie. Wenn wir sie brauchen, renovieren wir sie, erklärte Markus.

Und tatsächlich, ein Jahr später wurde die Wohnung gebraucht. Markus fand, es sei Zeit für den nächsten Schritt. Beide hatten inzwischen ihre Abschlüsse und Jobs wozu noch warten?

Wir ziehen erst mal zu Mama, dann heiraten wir und ziehen in die eigene Wohnung, plante er laut. Maximal ein halbes Jahr, dann sind wir raus.

Katharina war zunächst begeistert. Es klug gut und ernsthaft. Doch dann kam der Zweifel: Sie hatten noch keine Erfahrung im Zusammenleben, und schon sollte sie an der Front mit der zukünftigen Schwiegermutter landen. Würde das ihre Liebe überleben?

Fast hätte es sie auch zerstört.

Nein, Frau Helga war keine typische Monster-Schwieger, die ihren Sohn nicht loslassen konnte. Sie bot sogar an, bei der Hochzeit zu helfen. Sie kochte lecker für alle, obwohl Katharina mehrmals über die Küche bestimmen wollte. Sie stritt nicht, verlangte nichts. Das Problem lag woanders.

Frau Helga hatte eine… besondere Art der Erziehung. Zu Lina, der jüngeren Tochter, war sie strenger und das vielleicht nicht ohne Grund. Das Mädchen war ziemlich verzogen und brauchte Feingefühl. Doch Feingefuhl war nicht Frau Helgas Stärke.

Einmal wurde Katharina Zeugin einer Familienszene. Sie machte sich Tee, während Frau Helga Linas Schulheft durchging voller Fünfen und Vermerke über ihr Betragen.

Na toll… wieder eine glatte Sechs. War der Satz des Pythagoras zu schwer?, seufzte die Mutter. Handy und Tablet abgeben, und ab an die Bücher. Das Handy kriegst du zurück, wenn du auswendig kannst, was drinsteht. Das Tablet erst nach einer Eins in Mathe.

Lina rollte mit den Augen.

Nimms halt. Ich leihe mir Markus Geräte, fauchte sie.
Ach ja?, lächelte Frau Helga süßsauer. Glaubst du, er wird ewig für dich springen? Irgendwann zieht er mit Katharina aus, kriegt eigene Kinder und dann bist du ihm egal.
Das werden wir noch sehen!, warf Lina hin, knallte die Geräte auf den Tisch und verschwand.

Die Tür knallte. Katharina blickte unsicher zu Frau Helga. Sie fühlte sich, als hätte man ihr fremde Wäsche vor die Füße geworfen. Von außen war klar: Die künftige Schwiegermutter hatte übertrieben. Doch einer erwachsenen Frau etwas vorzuschreiben, war ihr peinlich.

Frau Helga, das war vielleicht ein bisschen streng, wagte Katharina vorsichtig.
Ach was? Sie muss lernen, dass nicht immer Sonntag ist. Ich sage ihr nur die Wahrheit.

Diese Wahrheit bekam Katharina bald zu spüren.

Schon länger hatte sie bemerkt, dass Lina ihr auswich. Sie aß nicht mit ihnen, verschwand bei Familientreffen. Anfangs dachte Katharina, das Mädchen sei schüchtern. Doch dann begann die Sabotage: Der Klimaanlagen-Fernbedienung verschwand in der Hitze, Katharinas Make-up wurde ruiniert. Als Markus auf ihren Wunsch ein Schloss an die Zimmertür baute, gab es Geschrei.

Wie soll ich jetzt am PC arbeiten?, kreischte Lina. Ich muss Referat schreiben!
Dann tippst du unter Aufsicht, antwortete Markus ruhig. Bei mir.
Früher hast du dich nicht eingeschlossen!
Früher habe ich allein gewohnt, Lina. Und früher hast du auch nicht in meinen Sachen gewühlt.
Hab ich nicht! Deine Katharina lügt! Ich hasse sie!

Danach heulte Lina stundenlang in ihrem Zimmer. Katharina wusste nicht, was sie denken sollte. Das Verhalten des Mädchens ging ihr gegen den Strich, aber einen Streit wollte sie auch nicht.

Sie ist halt ein Kind, zuckte Markus mit den Schultern.
Dieses Kind ist zwölf, entgegnete Katharina. Markus, können wir nicht einfach eine Wohnung mieten?
Ach komm, wir halten noch ein bisschen aus. Mama sagt, in vier Monaten ist alles fertig.

Vier Monate… Für Markus ein Wimpernschlag. Für Katharina eine Ewigkeit.

Sie versuchte, mit Lina zu reden, brachte ihr Schokolade, fragte nach der Schule. Lina murmelte läuft, schnappte sich die Süßigkeiten und das wars. Nichts änderte sich.
Es wurde nur schlimmer.

Eines Morgens hatte Katharina Stress, hing ihre Tasche an die Tür und ging ins Bad. Draußen bemerkte sie, dass jemand darin gewühlt hatte, aber sie war spät dran. Erst als sie abends vor der verschlossenen Wohnung stand, merkte sie: Ihre Schlüssel waren weg.

Sie wusste, wo sie waren. Ein Flüstern mit Frau Helga, und die Schlüssel tauchten wieder auf aber das Misstrauen blieb. Seitdem passte Katharina besser auf ihre Sachen auf. Markus dagegen vergaß gern mal, abzuschließen. Das wurde ihr Verhängnis.

Am Vorabend der Hochzeit hatte keiner Zeit für Lina. Sie planten, dekorierten das Auto, telefonierten mit Gästen, Fotografen, Verwandten… Kurz: die Zielgerade. Abends wollte Katharina ihr Brautkleid nochmal bewundern doch als sie den Schrank öffnete, war es nur noch ein Fetzen. Jemand hatte es zerschnitten. Und sie wusste wer.

Ihre Hände zitterten. Die Kehle schnappte zu vor Wut und Hilflosigkeit. Sie konnte Markus nicht einmal erklären, was passiert war, sie zerrte ihn nur zum Tatort. Fluchen half auch nicht…

Du kleines Biest!, brüllte Frau Helga. Ich sollte dich mit dem Gürtel verdreschen! Hast du das Kleid bezahlt? Wirst du Flyer verteilen, bis du es abgestottert hast!

Dieses Mal bekam Lina richtig Ärger aber das Kleid war hin. Und Katharinas Nerven auch.

Sie wollte keinen Kompromiss. Kein Leihkleid. Keine Verschiebung. Sie wollte einfach nicht mehr auf solche Spielchen eingehen.

Kathrinchen, leg dich hin, morgen regeln wir das. Vielleicht ist noch nicht alles verloren…, begann Markus.
Doch es ist zu spät. Entweder wir wohnen allein oder gar nicht, sagte Katharina müde. Ich habe es satt, darauf zu warten, dass deine Mutter uns endlich deine Wohnung übergibt. Dass deine Schwester erwachsen wird und aufhört, in meiner Tasche zu wühlen. Für eine Beziehung muss man kämpfen aber nicht buchstäblich. Ich bin noch nicht mal de

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Homy
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