Na gut, wenn das so ist – dann ziehe ich zu meiner Mutter! – verkündete der Ehemann

Nun, dann ziehe ich zu meiner Mutter! verkündete Kurt, während er mit den Händen über den abgerissenen Karren des Lebens strich.
Und du bleibst hier allein sitzen! brüllte seine Mutter, als ob das Echo ihrer Stimme die zerbrochenen Träume wieder zusammensetzen könnte.

Lotte, die einzige Tochter des zerfetzten Karrens, hatte weder liebenden Mann, noch Arbeit, noch Perspektiven. Und das neue Jahr klopfte bereits an die Tür.

Verdammte Nerven! jammerte die Mutter, als die schockierenden Neuigkeiten eintrafen. Alles ist seine Schuld, dein fauler Kutschbock: Er hat dich geführt! Glaubst du, nur wegen ihm hast du dich so zerzaust?

Na denn?, grinste Kurt. Mach Frieden ich warte!

In Lottes Leben gab es zwei Katastrophen: keine schillernden Diamanten und keine breiten Straßen. Obwohl an den ersten ein paar Zweifel herangeknüpft waren.

Die Katastrophen nannten sich ihr lieber Mann und die geliebte Chefin ein Phänomen, das nicht nur Lotte, sondern allen Menschen begegnet.

Sie verliefen nicht Hand in Hand keiner betrog den anderen! Sie vergifteten Lottes Existenz jedoch einzeln.

Kurt war schlau, witzig, ein glänzender Gesprächspartner und voller Romantik. Doch das blieb bloß Gerede.

Wenn es um Arbeit ging, stellte sich heraus, dass er krank, unvorbereitet, müde und einfach nicht in der Lage war. Und das Essen? Kurt liebte gutes Essen.

So geschah alles wie in einem alten deutschen Märchen:

Blase, iss deinen Brei!
Wo ist mein großer Löffel?

Vor der Hochzeit, als sich alles noch auf kurze Treffen beschränkte, reichte ein leichter PizzaAbend, ein flüchtiger Kuss, ein munteres Gespräch das war das Nonplusultra!

Lotte, bis über beide Ohren verliebt, bemerkte nicht, dass ihr Verlobter in chronischer Selbst und Arbeitssuche feststeckte:

Ich finde etwas ich sags dir! Du, mein Herz, erfährst es zuerst! witzelte er.

Beide lachten, das wirkte beiden absurd komisch.

Kurt nannte Lotte zärtlich Elfe und Elfenmädchen, sie warf ihm den Namen Schnappschuss zurück.

Doch Schnappschuss war kein Affe das Kchen in diesem Wort trug ein kleines Scherzchen, ein Fischlein die FischleinSache.

Alle wussten, was ein Affe ist, doch Schnappschuss klang gewichtiger und bedeutender, und Lotte wollte ihren Geliebten nicht beleidigen.

Die Hochzeit ertönte, und Kurt zog zu Lotte, weil er in seiner dreißigjährigen Wohnung keinen Platz mehr hatte.

Witze bringen heute keinen großen Lohn! fasste Lottes Mutter das Fazit, die den Schwiegersohn nicht mochte.

Aber wer hielt das auf? Er war doch nicht Zettelschnitzer oder Flachwitzschreiber!

Das erste Missverständnis entstand, als die Miete bezahlt werden musste. Lotte hatte kein Geld und tat, was jede vernünftige Ehefrau tun würde: sie bat ihren Mann um Hilfe.

Übrigens stellte sich heraus, dass Schnappschuss die ganze Zeit zu Hause war! Er suchte nämlich nach sich selbst und nach einem Job.

Und das alles tat er am liebsten liegend auf dem Sofa so dachte er klarer!

Morgen ruft jemand zum Kampf, und du bist müde?

Zahl von deinem Anteil! schlug Kurt vor, mit einem Augenzwinkern.

Mein Anteil ist auch aus: Heute habe ich das letzte Geld für Lebensmittel ausgegeben! erwiderte Lotte, überrascht über das, was sie sich von der Ehe vorgestellt hatte.

Dann nimm das Geschenk, ich fülle später nach!

Wann? Später? fragte Lotte.

Später, wenn die Suppe mit der Katze fertig ist! witzelte Kurt und lachte über seinen eigenen Scherz.

Zur Hochzeit bekamen sie etwa zweihunderttausend Euro ein gutes Geld, das ihr Notgroschen war. Doch die Eltern hörten nach der Heirat auf zu helfen: Lass deinen Mann dich ernähren!

Der Schwiegersohn, der bis dahin noch bei seinen Eltern wohnte, wurde nun ebenfalls aus der Fürsorge entlassen: Du bist ausgezogen? Na dann, viel Glück!

Lottes Gehalt war aufgebraucht. Sie nahm aus dem Notgroschen, dann noch mehr. Kein Wunder, dass das Geld wie ein schmelzender Schneeball verschwand.

Als Lotte wieder in die geheimnisvolle Schachtel griff, fand sie sie leer. Nach ihren Berechnungen sollte noch etwas drin sein.

Die Schachtel war jedoch völlig leer, weil Schnappschuss die Reste für neue Kopfhörer verwendet hatte.

Kurt verstand nicht, warum das nicht gehen durfte: Die alten Kopfhörer gingen doch nicht mehr? witzelte er wieder.

Was willst du, Schabernack? rief Lotte.

Wie denn? Erfinde etwas du bist meine Tüftlerin!

Die Tüftlerin dachte nach, dann verstummte sie, weil es die Anstandsgrenzen überschritt. Sie borgte bei ihrer Mutter bis zum nächsten Gehalt.

Denkt ihr, das hält den Mann zurück? Er suchte nicht plötzlich nach Arbeit!

Er witzelte wie immer: Ich ertrage Ignoranz nicht, besonders von Eleonore! und stürzte sich sofort in die Versöhnung: Genug geflucht, Elfenmädchen! Ich habe dich vermisst

Sie versöhnten sich, weil auch sie die Jugend vermisste, doch ein Rest von Bitterkeit blieb.

Das bis zum nächsten Gehalt leihen wurde Lottes Routine, die ihre Stimmung nicht verbesserte.

Eines Tages platzte die Schwiegermutter heraus:

Kurt, verdienst du wenigstens ein bisschen Gold? Oder hängst du noch an Lottes Hals?

Kurt schwieg plötzlich kein witziger Einfall kam ihm in den Sinn. Was kann man gegen die Wahrheit sagen?

Man stelle sich besser vor, als hätte man das Gesagte nicht gehört.

Die zweite Katastrophe in Lottes Leben war ihre Chefin, die von den Angestellten liebevoll Frau Marita genannt wurde. Lotte arbeitete als Analystin.

Marita erwies sich als rarer, selbstsüchtiger Tyrann: Im Vergleich zu ihr war Frau Prokop, die einst in ihrem Büro saß, nur ein Schneeweißchen.

Sie war eine alternde, einsame Tante, die jeden hasste, weil er ohne ihr Wort existierte.

Marita hasste sowohl Männer als auch Frauen: drei missglückte Ehen, in denen alle Ehemänner ihr untreu waren.

Mit fünfzig war sie Chefin ohne Kinder, mit zwei Katzen, tanzte zweimal wöchentlich Tango.

Entlassungen flogen wie Schneeflocken.

Als der Angestellte Peter Riese, der vom Tango hörte, scherzhaft meinte, die Chefin sollte lieber einen Reigen leiten, entschied Marita in sechs Sekunden, wie es im Büro hieß:

Sie arbeiten nicht mehr für uns!

Und das war’s. Bitten, Bitten und Beweise halfen nicht: Nur ein Scherz, nicht wahr?

Lotte fürchtete Marita und erstarrte wie alle anderen. Doch das Schicksal schenkte ihr noch ein bisschen Gnade.

Am Vorabend stritten Lotte und Kurt erneut, diesmal über Kleinigkeiten, die jedoch einen Berg an längst gehäuften Vorwürfen auslösten. Kurt sprach erstmals von Scheidung

Am nächsten Morgen kam Lotte zur Arbeit mit einem Ziel: eine gerechte SMS an den Fehltritt zu schreiben.

Sie beschloss, ihn nicht Schnappschuss zu nennen, sondern Schnappschüsschen, damit es noch mehr stößt.

Kurz darauf tippte sie eifrig:

Denk nicht, Schnappschuss, dass ich deine Worte fürchte! Ich gehe allein du wirst dir die Ellbogen kauen! Hör auf, dich aufzuspielen, sonst schicke ich dich in den Zoo, wo deine eigenen schon warten!

Unterschrieb sie nicht wie gewöhnlich als Elfenmädchen, sondern offiziell als Lotte Adler damit er wusste, dass sie es ernst meinte.

Lotte lächelte zufrieden: Die Nachricht war exakt, witzig, wie ihr Mann es liebte, und brachte alles zum Ausdruck, ohne Bosheit.

Das neue Jahr stand bevor, und wie man es begeht, so wird es verbracht: Sollte man wirklich scheiden? Sie hatten noch kein einziges Jahr zusammen verbracht!

Plötzlich stürmte die Chefin herein und brüllte:

Alle freuen sich, Frau Adler, aber im Jahresbericht gibt es ein Chaos! Korrigieren Sie es sofort und schicken Sie mir die überarbeitete Version, bevor ich gekündigt werde!

Marita, die ihren Adrenalinschub genoss, verließ das Büro: Der Maurer hatte sein Werk getan!

Lotte stand wie erstarrt da bei Anblick einer Chefin musste man aufstehen und die schwarze Phase breitete sich weiter aus.

Sie durchsuchte hastig den Bericht, fand den Fehler und schrieb eine SMS an die Chefin, weil sie nicht persönlich hingehen wollte: Bis zum Mittag korrigiere ich alles. Gleichzeitig schickte sie dieselbe SMS an Kurt.

Drei Minuten später rief Marita sie.

Wer von uns ist jetzt die Affenbande? fragte sie ohne Lächeln, während sie aufs Handy starrte. Soll ich dich in den Zoo schicken, Frau Adler? Ha, ha!

Lottes Herz pochte wie ein dumpfes Trommeln und fiel in den Magen: Sie hatte die SMS verwechselt

Und die Chefin, zufällig Marita, passte das Wort Affe perfekt zu ihr.

Ob das schon ein Buch war oder ein Film, eines war sicher: Das Ganze war humorvoll, aber für beide Damen war kein Lachen mehr zu finden.

Lotte stand stumm, blickte zu Boden: Eine Erklärung schien sinnlos, denn die Realität war surreale, fast unmöglich zu begreifen: Denk nicht, dass ich deine Worte fürchte, ich gehe allein, ich schicke dich in den Zoo Gott, ist das wirklich alles?

Marita dachte, ihre Angestellten seien völlig unverschämt!

Was, Sie wollten gehen? Dann ist Ihr Traum wahr: Sie arbeiten nicht mehr für uns! verkündete sie, während sie überlegte, den Fehltritt in die Toilette zu tauchen.

Sie bekommen die Abrechnung heute: Arbeit ist nicht nötig! Übrigens, Sie haben Zeit, in den Zoo zu gehen!

Nach einem Moment fügte Marita hinzu:

Ihre eigenen warten sicher schon!

Kurz darauf verließ Lotte das Büro, zog sich an das dauerte eineinhalb Stunden.

Mit dem Geld, das sie erhalten hatte, fuhr sie mit ihrem Kaktus nach Hause.

Na, mach Frieden, ja? lächelte Kurt, der im Flur stand. Es ist Zeit: Du hast geschrieben, dass du es bis zum Mittag regelst!

Kurt, der die SMS erhalten hatte, die eigentlich für die Chefin bestimmt war, verstand, dass seine Liebste versöhnt war und pünktlich kam.

Warum hast du mir einen Kaktus statt Blumen gebracht? fragte er fröhlich. Rosen für Männer sind ja nicht angemessen!

Dein Kompliment liegt wo?, schrie Lotte plötzlich, die Nerven am Ende. Sieh nur, wo ich diesen Kaktus hinstelle! Sie haben mich wegen dir gefeuert!

Im Grunde war das richtig! Hätten sie sich nicht gestritten, wäre die SMS nie geschrieben worden, und er hätte sie niemandem schicken müssen.

Dann wäre das Missverständnis nie entstanden, weil die Kette logisch gewesen wäre.

Warum liegt das an mir? fragte Schnappschuss wirklich überrascht. Habe ich wieder einen Fehler gemacht?

Nicht dein Hundekram!, kreischte Eleonore.

Was? Ich verstehe nichts!, stöhnte der Mann, ignorierte ihr Drohen. Kleinliche Dinge wir kommen darüber hinweg! Also, willst du nicht versöhnen? Dann geh ich zu meiner Mutter! Und du bleibst hier allein!

Lotte blieb allein am zerbrochenen Karren zurück: kein Mann, keine Arbeit, keine Perspektiven. Und das neue Jahr klopfte an.

Verdammte Nerven!, schloss die Mutter nach den schockierenden Neuigkeiten. Er ist schuld, dein fauler Kutschbock: Er hat dich geführt! Denkst du, wegen ihm hast du dich so verfangen?

Warum hast du dich an ihn geklammert? Er ist wie eine Seifenblase: glänzt außen, innen nur Luft!

Wähle deine Partner vorsichtiger, meine Tochter! Und bring nicht irgendeinen Unbekannten nach Hause!

Nun, weine nicht: Niemand ist gestorben! Und ruh dich aus von der Arbeit dein Vater und ich können dich leicht versorgen.

Die Mutter lud Lotte ein, Silvester bei ihr zu verbringen; ihre Freundin versprach, ihren hübschen unverheirateten Sohn mitzubringen.

Auch die Großmutter kam hinzu:

Ach, ein Verlust? Lass ihn woanders mit seinem Löffel klirren! Und hör auf, den Essig umsonst zu spritzen das Haus hat genug gegessen!

Und sie wiederholte, wie die Mutter:

Wähle deine Liebhaber mit Bedacht!

Lotte und Kurt trennten sich endgültig: Beide hatten aufgehört, einander zu verstehen ein trauriges, rücksichtsloses, nichtswertiges Paar!

Und wie der alte Satiriker einst sagte, hätte man alles gründlicher tun sollen.

Merke, Lotte, und sei besonders vorsichtig mit SMSNachrichten: Sieh, was daraus entstehen kann du wirst später den gesamten Schlamassel aufräumen müssen.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Na gut, wenn das so ist – dann ziehe ich zu meiner Mutter! – verkündete der Ehemann
— Geh jetzt sofort in die Küche! — rief der Ehemann seiner Frau zu. Doch er hatte nicht mit dem gerechnet, was als Nächstes geschah.