Stadtromanze – Ein modernes Liebesabenteuer in der Metropole

12. Oktober 2025 Tagebucheintrag

Heute habe ich wieder die Routine in unserem kleinen Ort Kleinburg, eingebettet zwischen endlosen Feldern des Münsterlandes, beobachtet. Ich lebe in einer winzigen Wohnung im Erdgeschoss eines alten Backsteinhauses, das mitten im Dorf steht, doch das Zentrum wirkt eher wie ein ruhiger Bauernhof: nur vereinzelt ein Auto, Tauben, die über den Gehsteig schwirren, und ältere Damen, die auf den Bänken vor dem Haus ihre Zeit verbringen.

Ich kenne jede Gasse, jeden Innenhof und jeden kleinen Laden hier. Wie soll man das nicht, wenn man sein ganzes Leben hier verbracht hat? Früher war ich Lehrkraft an der Dorfschule, habe geheiratet, eine Tochter zur Welt gebracht und meinen Mann verloren. Meine Tochter, Liselotte, zog vor Jahren nach Berlin, ruft nur selten an, schickt aber regelmäßig Geld ein paar Euro für meine Versorgung.

“Papa, du brauchst doch endlich einen neuen Fernseher!” meckerte sie einmal in einem Telefonat.

“Warum? Der alte tut noch seine Arbeit, ich habe Zeitung, Bücher. Und die Nachbarn erzählen mir, wenn etwas Wichtiges passiert.” habe ich darauf erwidert.

Die Nachbarn das ist meine Hauptverbindung zur Außenwelt. Besonders Herr Friedrich Krämer, ein Witwer aus dem dritten Stock, ehemaliger Soldat, ein Mann mit strenger Ordnung und doch einer überraschend sanften Seele. Jeden Abend tritt er in den Hof, atmet die kühle Luft ein, raucht (obwohl die Ärzte es verbannt haben) und spricht mich immer an, sobald er mich sieht.

“Schon wieder Bücher im Schlepptau?” fragte er und deutete auf meine überquellende Tasche voller Bibliotheksbände.

“Na klar! Lesen ist der beste Zeitvertreib.”

“Wenn das für dich Entspannung ist” schüttelte er leicht den Kopf. “Ich ziehe lieber die Natur an Angeln zum Beispiel.”

“Angeln ist schön,” stimmte ich zu. “Nur das Ausnehmen der Fische ist mühselig.”

“Haben Sie Fisch gern?” hakte er plötzlich nach.

“Ja, wenn jemand anderes ihn filetiert.”

Wir lachten, und das Gespräch glitt weiter zu Wetter, Preisen im Dorfladen, Neuigkeiten aus dem Rathaus. Manchmal erzählte Friedrich von seiner Zeit an fernen Kasernen, vom Fast-Frost in der Taiga. Ich hörte zu, nickte und erzählte zurück von der Schule, von den Schülern, von demmal, als fast die ganze Klasse ein Frühlingsgedicht abgeschrieben hatte, weil sie die beste Schülerin nachgeahmt hatten.

So vergingen unsere Tage gemächlich und ohne Hast.

Doch eines Tages änderte sich alles.

Ein Zirkus kam in unser Dorf. Kein glitzernder Großstadtreigen, sondern ein richtig provinzieller Zirkus: abgenutzte Wagen, ein ausgewaschenes Zelt, dressierte Hündchen und ein einzelner Clown, der ständig die Stirn runzelte.

Ich sah das Plakat an der Post und ein Kribbeln ging mir durch den Bauch.

“Friedrich!” rief ich ihn, als er am Abend wieder in den Hof kam. “Der Zirkus ist da!”

“Zirkus?” erwiderte er überrascht. “Das habe ich lange nicht mehr gesehen.”

“Wir müssen hingehen!” sagte ich mit einer ungewohnten Begeisterung.

Er sah mich an, dann das Plakat, dann wieder mich.

“Na gut, aber nur, wenn der Clown nicht zu lustig ist dann mache ich dir später eine eigene Vorstellung.”

Wir lachten.

Am nächsten Abend saßen wir auf den hölzernen Bänken unter dem Zelt, sahen, wie eine Dressurin einen Pudel durch einen Reifen springen ließ. Das Publikum war klein, kaum zwanzig Leute. Der Clown war tatsächlich nicht besonders witzig, doch Friedrich lachte so laut über seine Streiche, dass ich am Ende ebenfalls in Gelächter ausbrach.

Nach der Vorstellung traten wir hinaus. Der Abend war warm, die Sterne funkelten.

“Wie war es?” fragte Friedrich.

“Wunderbar”, antwortete ich.

“Dann kommt jetzt meine Show.”

Friedrich stellte sich stramm hin, hob die Hand zu einem imaginären Barett und rief:

“Genosse Lehrerin! Erlauben Sie mir, einen Militärwitz aus dem Jahre 1978 zu präsentieren!”

Ich klatschte in die Hände.

“Ich befehle: Lachen!” fuhr er mit ernster Miene fort. “Ein Soldat fragt den Major: ‘Darf ich heiraten?’ Der Major: ‘Ja, aber die Frau darf den Dienst nicht stören!’ Einen Monat später fragt er: ‘Darf ich mich scheiden lassen?’ Der Major: ‘Warum?’ Der Soldat: ‘Die Frau stört den Dienst!'”

Ich lächelte.

“Nicht witzig?” murmelte er und fuhr mit einem zweiten Witz fort. “Ein Offizier sieht im Schlafsaal einen Soldaten, der auf einem Kitteltisch steht und die Hände wedelt. ‘Was machst du?’ fragt er. ‘Ich jage Tauben, Hauptmann!’ ‘Welche Tauben?’ Der Offizier hebt den Blick und sieht: An der Decke sind Tauben gemalt.”

Wieder musste ich schmunzeln.

“Okay, der ist etwas schwach”, stammelte Friedrich und fuhr fort: “Jetzt kommt der Oberknüller!”

Er richtete sich auf, nahm ein besonders ernsteres Gesicht an und imitierte verschiedene Stimmen:

“Ein Adjutant kommt zum General: ‘Genosse General, deine Frau ist hier!’ Der General korrigiert streng: ‘Nicht deine, sondern Ihre!’ Der Adjutant, ohne zu blinzeln: ‘Doch sie kam gestern zu uns.'”

Da brach ich in Gelächter aus.

Plötzlich wurde Friedrich ernst und sagte:

“Siehst du, Liselotte, der Zirkus kommt, unterhält und fährt wieder ab. Unsere Scherze bleiben hier, genau wie wir.”

Ich nickte nachdenklich.

“Ja, schade nur, dass der Zirkus morgen schon weiterzieht.”

“Und?” entgegnete er schnell. “Sind wir nicht besser als ein Zirkus? Ich erzähle dir Witze, du erzählst mir von deinen Schülern. Hier gibt es täglich eine Vorstellung.”

Er blieb vor meiner Tür stehen, ließ die Worte weicher werden: “Wichtig ist nicht, wer kommt und geht, sondern wer bleibt. Wir bleiben.”

In diesen einfachen Worten lag eine Wärme, die mich tief berührte. Es ging nicht um grelle, flüchtige Eindrücke, sondern um das stille, beständige Miteinander hier, in unserem kleinen Dorf.

“Wir bleiben”, flüsterte ich.

Wir gingen langsam nach Hause, wie es sich für Menschen gehört, die noch viel Zeit vor sich haben.

**Persönliche Erkenntnis:** Das wahre Glück findet sich nicht in spektakulären Ereignissen, sondern im beständigen Miteinander der Menschen, die ihr Zuhause teilen.

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Homy
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