Zufällig hörte ich, wie mein Mann am Telefon sagte: ‚Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit.‘ Danach nahm ich keine Pillen mehr, die er mir gab.

Ich habe zufällig mitgehört, wie mein Mann am Telefon sagte: »Es dauert nicht mehr lange.« Danach nahm ich keine Pillen mehr von ihm an.

Die Tür zum Arbeitszimmer stand einen Spalt offen. Gerade so viel, dass seine Stimme, sonst sanft und einhüllend wie eine warme Decke, mit trockenem, geschäftsmäßigem Ton zu mir drang.

»Ja, alles läuft nach Plan. Die Ärzte sagen, es dauert nicht mehr lange.«

Ich erstarrte im Flur, die Hand um das Wasserglas verkrampft. In der anderen hielt ich zwei Kapseln, die mein Mann, Seraphim Arkadjewitsch, mir zweimal täglich brachte. »Deine Vitamine, Liebling, für die Kraft. Damit du schneller gesund wirst.«

Nach einem halben Jahr Ehe hatte ich mich an diese »Fürsorge« gewöhnt. An die Schwäche, den Nebel im Kopf, daran, dass meine Welt auf die Grenzen unserer Wohnung geschrumpft war. Fast hatte ich geglaubt, ich sei unheilbar krank.

Doch dieser Satz, in den Telefonhörer gesprochen, enthielt nicht die geringste Spur von Mitgefühl. Er klang kalt wie Stahl, durchdacht wie ein Plan.

Langsam, auf wackeligen Beinen, kehrte ich ins Schlafzimmer zurück. Meine Hände zitterten. Ich ging zum Fenster, öffnete es und warf die Kapseln, ohne die Faust zu öffnen, in die dichten Fliederbüsche. Ich würde keine seiner Pillen mehr nehmen.

Am Morgen kam er mit einem Tablett. Dasselbe Lächeln, derselbe »fürsorgliche« Blick. Doch jetzt sah ich nur noch die Maske, hinter der sich ein Raubtier verbarg.

»Guten Morgen, meine schlafende Schönheit. Zeit für deine Medizin.«

Ich schluckte den Kloß in meiner Kehle hinunter.

»Ich habe sie schon genommen«, log ich und bemühte mich, gleichmäßig zu sprechen. »Ich habe sie auf dem Nachttisch gefunden und mit Wasser runtergespült. Ich bin früh aufgewacht.«

Er runzelte kurz die Stirn. Sein Blick glitt über den Nachttisch, das Glas.

»Braves Mädchen. Du kümmerst dich. Das ist ein gutes Zeichen.«

Den ganzen Tag über gab ich mich apathisch, wie immer. Doch es war schwer. Mein Körper, der die gewohnte Dosis Gift nicht bekam, rebellierte.

Ich fror, mir war schwindelig, und statt Nebel durchzuckten mich scharfe, schmerzhafte Blitze der Klarheit. Ich fühlte mich, als würde ich einen Entzug durchmachen.

Am nächsten Tag »nahm« ich die Tabletten wieder vor seinem Kommen und warf sie in den Flieder. Seraphim Arkadjewitsch war sichtlich unzufrieden.

»Veronika, wir machen es so: Du wartest auf mich. Es ist wichtig, sie zur gleichen Zeit zu nehmen.«

Er wurde aufmerksamer. Kam öfter ins Schlafzimmer, setzte sich lange ans Bett, starrte mich an, als versuche er, etwas in meinen Augen zu lesen.

»Du siehst heute so blass aus. Und deine Hände sind eiskalt. Vielleicht sollten wir die Dosis erhöhen?«

»Nein«, flüsterte ich. »Es geht mir schon etwas besser.«

Es war ein gefährliches Spiel ums Überleben.

Die Nächte wurden zur Folter. Ich lag wach, gab mich schlafend und lauschte, wie er sich neben mir bewegte. Jeder seiner Seufzer ließ mein Herz in eisiger Angst erstarren. Eines Nachts stand er auf und ging.

Ich wartete, bis die Tür seines Arbeitszimmers knarrte, und schlich ihm dann leise nach, an der Wand entlang, um nicht vor Schwindel zu fallen.

Er sprach wieder am Telefon, diesmal leiser, fast flüsternd.

»Sie ahnt etwas. Sie weigert sich zu essen, sagt, sie habe keinen Appetit. Sie ist zu klar. Ihr Blick hat sich verändert.«

Ich presste mich an die Wand. Mein Herz schlug so laut, dass er es hören musste.

»Wir müssen schneller handeln. Ich habe schon mit dem Notar gesprochen. Stefan Olegerowitsch ist ein kluger Mann. Ich habe ihm erklärt, du hättest als Arzt geraten, eine Vollmacht zu unterschreiben, solange sie noch bei klarem Verstand ist. Ihre Unterschrift und alles gehört mir.«

Inna Pawlowna. Meine Mutter. Sie war vor einem Jahr gestorben und hatte mir alles hinterlassen. Das Erbe, das mein Mann bereits als seins betrachtete.

Ich schaffte es gerade noch zurück ins Bett, bevor er kam. Er beugte sich über mich, und ich roch den scharfen, chemischen Geruch, der von seinen Händen ausging. Den Geruch meiner »Vitamine«.

Am Morgen fand ich die Kraft, mich zum alten Ankleidezimmer zu schleppen. Dort, ganz hinten im Schrank, stand meine Sammlung Vintage-Parfümflakons. Meine einzige Leidenschaft vor ihm.

Ich nahm einen schweren Kristallflakon. Der Duft meines früheren Lebens drang selbst durch den fest verschlossenen Stopfen.

»Was machst du hier?« Seine Stimme hinter mir ließ mich zusammenzucken. »Du sollst nicht aufstehen.«

Langsam drehte ich mich um.

»Ich wollte mich erinnern, wie ich roch, bevor ich nur noch nach Krankenhaus und Medikamenten duftete.«

Er verzog das Gesicht.

»Blödsinn. Staubfänger. Übrigens, ich habe einen guten Antiquitätenhändler gefunden. Er bietet einen guten Preis für all das Glas. Wir brauchen dringend Geld für deine Behandlung.«

Er berührte den Flakon in meiner Hand. Und da verstand ich. Er wollte nicht nur mein Geld. Er wollte mich auslöschen meine Persönlichkeit, meine Vergangenheit.

Ich senkte den Blick, um den Aufwall von Hass zu verbergen. N

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Homy
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Zufällig hörte ich, wie mein Mann am Telefon sagte: ‚Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit.‘ Danach nahm ich keine Pillen mehr, die er mir gab.
Ohne Anklopfen ins Büro meines Mannes gestürzt und vor Schreck über das Gehörte am Telefon erstarrt