Mama braucht es dringender

Mama braucht das Geld
Was hast du gerade gesagt?
Liselotte starrte auf ihren Mann und traute ihren Ohren kaum. Es schien, als hätte sie das Gesagte nur geträumt. Maxim schwerte einen tiefen Seufzer aus und strich mit der Hand über sein Gesicht, als wolle er die Müdigkeit wegwischen.

Mama hat ihr Häuschen auf dem Land verkauft, wiederholte er leiser. Das Geld reicht nur für einen Teil der Wohnung. Sie zieht vorübergehend zu uns, bis sie weiß, was sie weiter macht.
Liselotte hielt die Tasse fest. Der Kaffee war bereits kalt, doch das bemerkte sie nicht. Ein einziger Gedanke pochte in ihrem Kopf: Wie soll das funktionieren? Unter dem Dach ihrer winzigen Zweizimmerwohnung?

Max, weißt du noch, dass wir nur eine kleine Wohnung mieten? Wir haben nur ein Wohnzimmer und das kleine Zimmer.
Maxim drehte sich abrupt zu ihr. Sein Gesicht war angespannt, die Augen blickten resigniert.

Und was soll ich tun? Sie auf die Straße setzen?
Liselotte stellte die Tasse auf den Tisch.

Darum geht es nicht. Wir müssen nur überlegen, wie wir das organisieren. Es ist ja nicht nur für eine Woche, oder?
Maxim begann zu reden, und in seiner Stimme schimmerte ein Funke Hoffnung:

Höchstens dreivier Monate. Dann findet sie etwas, und alles löst sich von selbst.
Liselotte schwieg. Sie erinnerte sich daran, wie ihre Schwiegermutter immer einen Grund zur Vorführung fand: Das Essen zu fade, der Rock zu kurz, die Arbeit zu unzuverlässig. Und jetzt würde diese Frau unter einem Dach mit ihnen wohnen.

Maxim trat näher und ergriff ihre Hände. Seine Finger waren eiskalt.

Lisel, versteh mich. Das ist meine Mutter. Ich kann sie nicht im Stich lassen.
Liselotte sah in seine Augen. Dort lag ein Flehen, fast Verzweiflung. Sie nickte, obwohl ihr Inneres laut protestierte, dass sie ablehnen müsste.

Einverstanden, hauchte sie. Aber nicht länger als vier Monate. Abgemacht?
Abgemacht, nickte Maxim erleichtert.

Drei Tage später kam Helga Müller mit drei riesigen Koffern und zwei Taschen in die kleine Wohnung. Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, verzog sie die Lippen, als hätte sie etwas Saures probiert.

Die Wohnung ist ja winzig. Und hier ist es irgendwie finster.
Maxim griff hastig die Koffer, als wolle er die unangenehme Situation glätten.

Mama, du schläfst im Schlafzimmer. Wir richten uns auf dem Sofa ein, das geht für uns.
Liselotte erstarrte im Flur. Sie hatte nicht mit dieser Wendung gerechnet. Maxim hatte ihr nicht einmal die Chance gegeben, mitzureden, er hatte einfach das Schlafzimmer an die Mutter vergeben.

Max, können wir das nicht besprechen?, flüsterte sie, während Helga ihre Sachen ins Zimmer trug.
Maxim winkte ab, ohne sie anzusehen.

Lisel, was soll man da noch diskutieren? Mama kann nicht auf dem Sofa schlafen, ihr Rücken tut ja weh. Wir ertragen das ein wenig, es ist nur vorübergehend.
Liselotte nickte stumm und begann, die Bettwäsche zu wechseln. Drinnen wuchs die Sorge, doch sie verdrängte sie. Nur ein paar Monate, dachte sie, dann findet Helga ein neues Heim.

Doch Helga schien die Geduld von Liselotte bis zum Äußersten zu prüfen. Jeden Morgen kam ein neues KommentarFeld wie aus einem undichten Wasserhahn.

Der Brei ist zu dünn, rügte sie, während sie die Schüssel beäugte. Bei mir hat er mehr Luft. Mehr Milch, ein bisschen Zucker.
Liselotte biss die Zähne zusammen und aß schweigend weiter. Es war die Mutter ihres Mannes; sie musste ertragen. Sie murmelte das Mantra im Kopf: Noch ein paar Monate, dann zieht sie aus.

Eines Abends blätterte Helga in einem Magazin, hob den Blick und fragte ohne zu zögern:

Bist du immer noch als MarketingExpertin tätig? Das klingt doch seltsam. Ein Buchhalter oder Lehrer hat doch einen klaren Nutzen. Was machst du denn eigentlich?
Liselotte antwortete kühl:

Ich entwickle Strategien, um Produkte zu bewerben und Kunden zu gewinnen.
Helga schmunzelte spöttisch:

Na ja, Hauptsache, es bringt irgendwas.
Liselotte ballte die Hände unter dem Tisch, die Fingernägel gruben sich in die Handflächen. Sie wiederholte still: Noch ein paar Monate, dann ist das vorbei.

Als die Miete fällig wurde, senkte Maxim den Blick und murmelte schuldbewusst:

Lisel, diesen Monat kann ich meinen Anteil nicht zahlen. Ich habe das ganze Gehalt meiner Mutter gegeben, sie braucht das Geld gerade.
Liselotte erstarrte, legte das Handy langsam beiseite.

Sie hat doch Geld vom Hausverkauf.
Maxim starrte auf den Boden, weigerte sich, ihr in die Augen zu sehen.

Sie will das Geld nicht ausgeben. Es ist für ihre zukünftige Wohnung bestimmt, verstehst du?
Liselotte nickte schweigend und zahlte die gesamte Miete aus ihrer eigenen Gehaltszahlung. Das Geld war da, doch ein schwerer, unangenehmer Rest blieb zurück.

Der nächste Monat war noch schlimmer. Maxim brachte kein Geld mehr. Die Lebensmittel verschwanden schneller, als würden sie von Geistern gefressen. Helga verlangte teureren Quark, teureren Joghurt, immer mehr. Haushaltsreinigungen lösten sich im Flug auf.

Liselotte kaufte alles selbst, schleppte schwere Tüten vom Supermarkt. Maxim bot nie seine Hilfe an er war ständig damit beschäftigt, für seine Mutter zu sorgen, fuhr sie überall hin.

Am Ende des Monats saßen sie zu dritt am Tisch: Liselotte, Maxim und Helga. Auf dem Herd köchelte ein Eintopf, den Helga bereits wegen fehlender Kräuter scharf kritisierte.

Liselotte legte den Löffel beiseite, atmete tief ein.

Max, morgen muss die Miete bezahlt werden.
Maxim spannt die Kiefer, seine Wangenmuskeln zucken.

Kein Geld.
Liselotte wurde wütend.

Wie bitte? Das ist jetzt das zweite Mal in Folge, Maxim!
Helga runzelte die Stirn.

Warum nörgelst du? Warum verlangst du Geld von ihm?
Da platzte Liselottes Geduld wie ein überdehnter Bogen.

Ich fordere, weil ich es satt habe, alles allein zu bezahlen! Miete, Nebenkosten, Lebensmittel das ist alles meine Last! Drei Personen leben hier, und ich ziehe alles allein durch! Allein!
Helga sprang vom Stuhl, ihr Gesicht färbte sich rot.

Du musst dich in meine Lage versetzen! Ich habe meine eigenen Probleme!
Sie haben doch Geld!, rief Liselotte zurück. Kaufen Sie sich ein Zimmer und wohnen Sie dort! Warum soll ich Ihr Bett teilen?
Ich will eine richtige Wohnung, kein Kellerzimmer!, schrie Helga, die Hände zu Blut gerötet. Nehmt doch einen Kredit auf, gebt mir das fehlende Geld! Was kostet das? Ihr seid jung, gesund, ihr arbeitet!
Liselotte blieb stehen, die Welt schwankte. Sie blickte zu Maxim, der stumm auf den Boden starrte. Er sagte nichts, kein Wort.

Hast du das mit deiner Mutter besprochen?
Maxim nickte, hob nicht den Kopf. Nicht einmal ein Versuch, die Wahrheit zu verschleiern.

Alles fügte sich zusammen wie ein Puzzle, das plötzlich ein Bild zeigte. Sie warteten nur auf den richtigen Moment, um Helga noch einen Kredit aufzubrummen, damit sie nicht nur alles zahlt, sondern auch noch Schulden macht und das ganz ohne ein einziges Danke.

Liselotte stand langsam vom Tisch auf.

Genug ist genug!
Sie begann, ihre Sachen in einen Rucksack zu packen, das Innere loderte wie Feuer, doch sie fuhr fort, zu füllen.

Maxim rannte hinter ihr her, packte nach ihrer Hand.

Lisel, halt! Wir müssen reden!
Sie riss sich los.

Lass mich los. Ich habe nichts mehr mit dir zu sagen.
Aber du weißt doch, dass deine Mutter jetzt wirklich Hilfe braucht!
Liselotte drehte sich zu ihm, ihr Blick war so scharf, dass Maxim einen Schritt zurückwich.

Deiner Mutter braucht das Geld! Sie schert sich nicht um mich! Und du bist bereit, unsere Zukunft für sie zu opfern!
Sie schloss den Rucksack, nahm die Jacke vom Haken und ging zur Tür. Im Flur stand Helga, triumphierend wie nach einem Gewinn.

Gut, dass du gehst, zischte sie. Max braucht eine vernünftige Frau, die versteht, nicht so eine Egoistin.
Liselotte ging vorbei, erwiderte nicht. Sie trat die Treppe hinab, atmete tief ein.

Ihre Mutter, Gerda, empfing sie ohne Fragen, umarmte sie und begleitete sie ins Schlafzimmer.

Ruh dich aus, mein Kind, flüsterte sie. Morgen reden wir, wenn du willst.
Am nächsten Tag reichte Liselotte die Scheidung ein. Maxim rief, schrieb Nachrichten, bat sie zurückzukommen. Er versprach, alles zu ändern, dass Helga ausziehen würde, dass er alles verstanden habe.

Doch Liselotte sah die Wahrheit: Keine Zukunft mit diesem Mann. Er hatte seine Mutter und ihre endlosen Forderungen gewählt. Nicht sie, nicht die gemeinsame Familie.

Die Scheidung verlief rasch. Beim letzten Gerichtstermin wirkte Maxim erschöpft. Leise sagte er:

Es tut mir leid.
Liselotte nickte still und verließ das Gebäude. Sie ging die Straße entlang und spürte, wie ein schwerer Stein von ihrer Seele fiel, als hätte sie ein Gewicht abgeworfen, das sie bis zum Boden gezogen hatte.

Sie war frei von Maxim und seiner Mutter. Und nun konnte sie ihr Leben wieder für sich selbst beginnen, nicht mehr für jemand anderen.

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Homy
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