Geschieden, er verspottete mich und warf ein Kissen nach mir. Als ich es zum Waschen aufmachte, ließ mich das, was ich fand, erschüttert zurück.

Geschieden, er spottete und warf mir ein altes Kissen zu. Als ich es zum Waschen aufschloss, erschütterte mich, was darin lag

Klaus und ich waren fünf Jahre verheiratet. Vom ersten Tag an, an dem ich seine Frau wurde, gewöhnte ich mich an seine kalten Worte und das gleichgültige Blicken. Er war nie laut oder gewalttätig, doch seine Teilnahmslosigkeit fraß mich Stück für Stück, bis mein Herz hohl war.

Nach der Hochzeit zogen wir in das Haus seiner Eltern ein, ein Reihenhaus im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Jeden Morgen stand ich früh auf, kochte, wusch die Wäsche und putzte. Jeden Abend wartete ich darauf, dass er von der Arbeit kam, nur um dieselben abweisenden Worte zu hören:

Ja, ich hab schon gegessen.

Ich fragte mich oft, ob diese Ehe nicht eher ein Mietverhältnis war. Ich versuchte zu bauen, zu lieben, doch alles, was ich zurückbekam, war ein leeres Schweigen, das ich nie füllen konnte.

Eines Tages kam Klaus mit seinem üblichen leeren Ausdruck nach Hause. Er setzte sich mir gegenüber, legte einen Stapel Papiere auf den Tisch und sagte in monotonem Ton:

Unterschreib. Ich will unsere Zeit nicht mehr verschwenden.

Ich erstarrte. Tief in mir war ich nicht überrascht. Mit tränenden Augen nahm ich den Stift, meine Hände zitterten. Erinnerungen schossen heran Nächte am gedeckten Tisch, einsame Stunden mit Magenknurren im Dunkeln, das ständige Gefühl, nicht gesehen zu werden. Jeder Gedanke war wie ein erneut aufgerissenes Wundstück.

Nachdem ich unterschrieben hatte, begann ich, meine Sachen zu packen. In dem Haus gehörte mir nichts wirklich, außer ein paar Kleidungsstücken und dem alten Kissen, das ich immer beim Schlafen festgehalten hatte.

Als ich den Koffer zur Tür schob, schleuderte Klaus das Kissen zu mir, sein Ton triefte vor Spott:

Nimm’s und wasch es. Es löst sich doch bald auf.

Ich fing das Kissen, mein Herz hämmerte. Es war wirklich alt der Bezug war ausgewaschen, an manchen Stellen vergilbt und die Nähte rissen.

Dieses Kissen hatte mich von meiner Mutter aus einem kleinen Dorf in der Oberpfalz begleitet, es war dort in mein Kinderzimmer gekommen, später ins Studentenwohnheim in München und schließlich in die Ehe. Ohne es zu schlafen, war für mich unmöglich. Klaus hatte oft darüber geklagt, doch ich hätte es nie abgegeben.

Ich verließ das Haus schweigend.

In meinem kleinen Zimmer in einem Untermieterhaus in Köln setzte ich mich, das Kissen vor mir, und hörte noch immer Klaus sarkastische Stimme. Um wenigstens eine ruhige Nacht zu haben, beschloss ich, den Bezug abzuziehen und zu waschen.

Als ich den Reißverschluss öffnete, spürte ich plötzlich etwas Hartes im weichen Innenleben. Meine Hand erstarrte. Vorsichtig griff ich hinein und zog ein kleines Bündel hervor, sauber in einen Nylonbeutel gewickelt.

Meine Hände bebten, als ich es öffnete. Darin lag ein dicker Stapel hundert EuroScheine und ein gefaltetes Blatt Papier. Ich entfaltete das Blatt. Die Schrift war sofort wiederzuerkennen schwankend, aber eindeutig die Handschrift meiner Mutter:

Meine Tochter, das ist das Geld, das ich für dich gespart habe für den Fall von Not. Ich habe es im Kissen versteckt, weil ich befürchtete, du würdest dich zu stolz fühlen, es anzunehmen. Egal was passiert, leide nicht für einen Mann, mein Kind. Ich liebe dich.

Tränen liefen über das vergilbte Papier. Mein Geist sprang zurück zu meinem Hochzeitstag. Meine Mutter hatte mir das Kissen überreicht, lächelte und sagte, es sei besonders weich und würde mir einen guten Schlaf bescheren.

Ich hatte damals gelacht und geantwortet: Du wirst alt, Mama. Was für ein alter Gedanke. Klaus und ich werden glücklich sein. Sie hatte erneut nur gemächelt, doch ihre Augen trugen einen fernen Kummer, den ich damals nicht verstand.

Jetzt drückte ich das Kissen an meine Brust, fühlte mich, als säße meine Mutter neben mir, strich mir über die Haare und flüsterte Trost.

Sie hatte immer gewusst. Sie hatte immer verstanden, wie sehr ihre Tochter leiden kann, wenn sie den falschen Mann wählt. Still hatte sie ein Sicherheitsnetz für mich gelegt nicht Reichtum, aber genug, um die Verzweiflung zu bannen.

In dieser Nacht lag ich auf dem harten Bett meines Zimmers, das Kissen fest umklammert, während die Tränen das Gewebe durchnässten.

Doch diesmal weinte ich nicht wegen Klaus.

Ich weinte, weil ich meine Mutter liebte.

Weil ich dankbar war. Weil ich erkannte, dass ich noch ein Zuhause hatte, jemanden, der mich liebt, und eine weite Welt, die noch darauf wartet, mich aufzunehmen.

Am nächsten Morgen faltete ich das Kissen sorgfältig und steckte es in den Koffer. Ich versprach mir, ein kleineres Zimmer näher an meinem Arbeitsplatz zu mieten, mehr Geld an meine Mutter zu senden und ein Leben zu führen, in dem kalte Worte eines Mannes mich nicht mehr erzittern lassen.

Ich sah mich im Spiegel an und lächelte schwach.

Diese Frau, mit geschwollenen Augen, würde nun für sich selbst leben, für die alternde Mutter zu Hause und für all die unerfüllten Träume.

Die Ehe, das alte Kissen, das spöttische Lächeln alles nur das Ende eines traurigen Kapitels.

Mein Leben hat noch viele leere Seiten, und ich werde sie mit meinen eigenen, widerstandsfähigen Händen füllen.

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Homy
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Geschieden, er verspottete mich und warf ein Kissen nach mir. Als ich es zum Waschen aufmachte, ließ mich das, was ich fand, erschüttert zurück.
Bei uns waren immer Gäste – Ständig wurde getrunken, leere Flaschen türmten sich, aber zu essen gab …