Selber schuld, wenn’s schiefgeht!

**Tagebucheintrag**

Na, du bist selbst schuld!
Ach du liebe Zeit! Ist doch nicht schlimm, wenn er mal fremdgeht. Alle Männer sind so. Hör auf zu heulen! Versöhn dich. Oder glaubst du, ich habe hier Platz für dich und deinen Bauch?
Mama er hat mich betrogen, erinnerte sie Katharina.

Ihr ganzes Leben lag in Trümmern. Gestern hatte sie ihren Mann bei einer Affäre erwischt, heute schob die Mutter sie fast wortwörtlich vor die Tür. Beide redeten mit ihr, als wäre sie ein trotziges kleines Mädchen.

Na und? Er hat fremdgegangen. Und jetzt?, runzelte Helga die Stirn. Du hast ihn doch provoziert. Bist du etwa die Einzige auf der Welt, die ein Kind bekommt? Andere Frauen schaffen es auch, und du tust, als wärst du aus Porzellan! Du bist zur Arbeit gegangen, also warst du nicht so krank, wie du tust.
Mama! Erinnerst du dich nicht, wie du nachts auf Papa gewartet hast?, fragte Katharina mit tränenerstickter Stimme.
Eben!, warf Helga die Hände in die Luft. Sie tun es alle. Nur nicht alle werden erwischt. Also: Ich gebe dir eine Woche, um dich zu versöhnen. Wenn nicht, leb halt, wie du willst.

Noch gestern hatte die Mutter über den Schwiegersohn geschimpft und gedroht, er solle sich warm anziehen. Heute trieb sie ihre eigene Tochter fast dazu, den betrügerischen Mann um Vergebung zu bitten. Katharina ahnte, dass ihre Mutter ihr einfach nicht helfen wollte.

Hilfe hätte sie auch nicht verlangt. Doch in diesem Moment wäre eine Stütze willkommen gewesen denn Katharina war schwanger.

Ihre Mutter wusste genau, wie das war. Ihr Vater, Friedrich, hatte Helga ständig betrogen. Sie hatte geweint, schlaflose Nächte durchlitten, auf ihn gewartet. Wenn er dann morgens mit einem Blumenstrauß heimkam, schlug sie ihn damit.

Ich kauf dir nie wieder Rosen, scherzte Friedrich einmal, ohne Reue. Die stechen zu sehr.
Und sie lachte mit ihm. Jedes Mal, wenn er untreu war, ließ sie ihrem Groll freien Lauf und forderte Entschädigung. Mal indirekt, mal direkt. So bekam Helga einen Nerzmantel, ein Auto und ein ganzes Regal französischer Parfüms.

Danach ist er wieder wie Seide, prahlte sie vor einer Freundin. Ich pack ihn, solange er noch warm ist. Was solls? Wegschmeißen kann ich ihn nicht. Aber wenigstens habe ich was davon.
Helga vielleicht trennst du dich?, seufzte die Freundin. Das ist doch kein Leben.
Ach was! Damit eine andere ihn kriegt? Nie im Leben!, erklärte Helga eisern.

Während ihrer Ehe hatte sie Friedrich überredet, die Wohnung auf ihren Namen umschreiben zu lassen und renovieren zu lassen. Falls er irgendwann ging, blieb sie nicht mit ihrer Tochter auf der Straße. Er willigte ein.

Als Katharina acht war, ließen sich ihre Eltern scheiden. Friedrich verschwand bei einer anderen Frau. Mit seiner Tochter sprach er kaum beide hatten kein Interesse und telefonierten höchstens zu Feiertagen.

Damals war Helga verzweifelt, aber sie arrangierte sich. Eine Weile lebten sie von Rücklagen, dann musste sie wieder arbeiten.
Früher lebte ich wie im Paradies, jetzt wie eine Bettlerin, jammerte sie.
Dafür weißt du wenigstens, wo dein Mann steckt, entgegnete die Freundin.
Ja. Und zähle jeden Cent.

Das Leben wurde hart. So hart, dass Helga ihren Schmuck verkaufte. Doch mit der Zeit gewöhnten sie sich an bescheidenere Mahlzeiten, seltener ins Theater zu gehen und Kleidung länger als eine Saison zu tragen.
Katharina sah das alles und schwor, nie in so eine Beziehung zu geraten. Ihre Kinder sollten so etwas nie erleben. Wie sehr sie sich irrte

Ungewollt wiederholte sie das Schicksal ihrer Mutter.

Markus war ebenfalls wohlhabend. Ein reicher Erbe mit Köpfchen. Sein kleiner Schönheitssalon in der Stadt warf gutes Geld ab.

Doch das war nicht sein einziger Vorzug. Anfangs schwärmte er von seiner Vorstellung einer perfekten Beziehung.
Menschen müssen miteinander reden. Das ist der Schlüssel zu allem, betonte er. Würden Paare Probleme einfach besprechen, gäbe es weniger Scheidungen.

Markus wirkte sanft, nachgiebig, liebevoll. Doch als Konflikte auftauchten, bröckelte die Fassade. Er brachte Katharina morgens frische Pfirsiche, holte nachts Süßigkeiten für sie, bezahlte Friseurbesuche. Doch sobald es ernst wurde, änderte sich alles.

Sie machte sich Sorgen, wenn er länger arbeitete. Markus winkte ab: Viel zu tun. Wenn sie bat, wenigstens anzurufen, nickte er und meldete sich trotzdem nicht.
Markus, ich mache mir Sorgen!, fauchte Katharina, als er wieder spabendank heimkam. Ist es so schwer, abzunehmen?
Katharina, du dramatisierst. Deine Gefühle dein Problem, antwortete er.
Und wenn ich so spät käme? Würdest du ruhig bleiben?
Ja. Dann wäre es mein Problem. Ich würde dich nicht damit belasten.

Manchmal erschütterte seine Logik sie. Er war nur oberflächlich kompromissbereit. Bei Interessenkonflikten musste Katharina nachgeben. Doch sie hielt es für eine erträgliche Macke. Sie dachte, alle Männer hätten kein Gespür für Gefühle und merkten nicht, wenn sie verletzten.

Vielleicht blieb sie deshalb im Job, selbst als sie schwanger wurde. Sie wollte nicht von ihm abhängig sein.

Die Entscheidung fiel schwer. Ab dem zweiten Monat plagten sie ständige Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Sie zwang sich zur Arbeit, obwohl sie sich fragte, wozu.
Wie sich zeigte, nicht umsonst.

Zuerst brach der Alltag ein. Katharina putzte kaum noch, kochte selten. Das Menü bestand aus Nudeln, Steaks und Fertigkost. Markus beschwerte sich nie wenn er etwas Besonderes wollte, bestellte er. Sie fand, das war schon großzügig von ihm.

Dann kam die Intimität abhanden. Katharina war zu erschöpft. Zuerst war Markus beleidigt, dann gewöhnte er sich daran. Oder schien es nur so.

Sein Smartphone war sein ständiger Begleiter. Doch seit Kurzem nahm er es sogar mit ins Bad. Als sie heimlich nachsah, fand sie Nachrichten mit anzüglichen Fotos und kitschigen Sprüchen.

Sie konfrontierte ihn noch am selben Tag.

Du bist selbst schuld! Was dachtest du? Dass ich wie ein Mönch lebe? Ich bin ein Mann! Ich kann kein Jahr warten, bis du entbunden hast, fuhr er sie an. Erst die Schwangerschaft, dann die Kinder wann soll das enden? Was erwartest du von mir?
Verständnis. Geduld, presste Katharina hervor. Nicht Untreue.
Versuch erstmal, mich zu verstehen! Unser Friseur, der Thomas, hat auch eine schwangere Frau. Die weist ihn nicht ab. Aber du bist wohl zu fein, deinen Mann zu verwöhnen.

Da begriff sie: Seine Sanftheit war nur Verpackung. Dahinter steckte Egoismus. Er liebte nicht sie nur sich selbst.

Sie packte ihre Sachen und fuhr zur Mutter, hoffte auf Beistand. Doch sie erntete nur Vorwürfe.
Mama, ich brauche jetzt Hilfe, keuchte Katharina zwischen Tränen.
Die gebe ich dir! Ich sage dir, was richtig ist. Geh zurück zu ihm. Du brauchst einen Mann, dein Kind einen Vater. Hör auf, dich anzustellen.

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Homy
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Selber schuld, wenn’s schiefgeht!
Der Hund senkte den Kopf bei Anblick seiner Besitzer, doch verließ seinen Platz nicht Alles begann im Dezember, als der Schnee schon wie ein dicker Teppich in unserem Wohngebiet lag. Rex, ein großer Deutscher Schäferhund mit grauem Schnauzbart, tauchte unerwartet am zweiten Hauseingang auf – als wäre er einfach aus der Winterluft erschienen. „Schon wieder der Hund, der unter dem Fenster jault!“, schimpfte Herr Schröder und zog die Gardinen zur Seite. „Hörst du das nicht, Annegret?“ „Doch, ich höre es, Volker,“ antwortete sie erschöpft. Wer hätte das Heulen nicht gehört? Es ging einem durch Mark und Bein. Die junge Familie aus Wohnung 23, Andreas und Kristina, war im September eingezogen. Mit Hund. Rex holte sie jeden Abend am Hauseingang ab, sprang freudig, leckte die Hände. Treu wie ein Uhrwerk. Doch mit dem ersten Frost veränderte sich etwas. „Wir haben entschieden: Ein Hund in unserer Einzimmerwohnung – das geht nicht. Überall Haare und dieser Geruch! Außerdem beschweren sich die Nachbarn wegen dem Gebell. Wenn du willst, nimm ihn, ist eh reinrassig, Papiere sind da,“ sagte Kristina zu ihrer Freundin am Treppenhaus. Offenbar lehnte die Freundin ab. Frau Möller merkte das, als Rex schon die vierte Nacht in dem kalten Flur zwischen den Etagen verbrachte – zitternd auf dem Betonboden. „Und, was jetzt?“, Volker wollte sich die Sorgen seiner Frau gar nicht anhören. 45 Jahre, nach dem Herzinfarkt letztes Jahr gereizt, auf alle wütend – selbst auf sie. „Er ist kein Streuner“, entgegnete Frau Möller leise. „Er hat ein Zuhause, bei Familie 23.“ „Dann sollen die ihn holen. Und wenn nicht, rufst du das Tierheim.“ Leicht gesagt. Wie erklärt man einem Hund, dass man ihn weggeworfen hat? Am nächsten Morgen brachte sie Rex ein Stück Wurst und Brot in den Flur. Der hob den schweren Kopf, blickte dankbar – fraß vorsichtig und nicht gierig. Abends dann der Entschluss zum kühnen Schritt. „Was machst du da?!“ Volker stand schon zornig in der Tür. „Warum schleppst du den Köter an?“ Rex duckte sich in die Ecke, Ohren angelegt, Schwanz zwischen die Beine – als wolle er sich entschuldigen. „Nur eine Nacht, Volker. Draußen friert er.“ „Eine Nacht? Und dann wieder? Und weiter so? Wir haben kaum Geld für unsere Medikamente – jetzt noch ein Esser mehr!“ Annegret schwieg. Was sollte sie sagen? Er hatte ja recht. „Wer zahlt das Futter? Tierarzt? Für uns reicht es ja nicht mal!“ „Volker“, sagte sie entschlossen, „der Hund ist alt. Auf der Straße stirbt er.“ „Sollen doch! Jeden Tag erfrieren welche. Willst du jetzt alle retten?“ Rex zuckte zusammen, schien noch unsichtbarer werden zu wollen. Frau Möller kniete sich zu ihm und umarmte ihn. Dickes Fell, aber verfilzt. Keiner hatte ihn lange gepflegt. „Nicht alle“, murmelte sie. „Nur diesen einen.“ Fünf Tage lagen die Nerven blank. Volker schlug demonstrativ Türen, schimpfte über jedes Hundehaar, forderte Rex loszuwerden. Rex merkte, dass er stört – fraß zögerlich, zog sich zurück, immer ein entschuldigender Blick. Sonntag kamen die Besitzer. Klingeln, energisch. Kristina im Nerzmantel, Andreas in teurer Daunenjacke: „Sie haben unseren Hund gestohlen! Das ist Diebstahl!“ Frau Möller war verwirrt: „Aber er lag doch im Flur…“ „Das ist unser Hund! Alle Papiere sind da! Sie haben sich den einfach genommen!“ Rex kam aus der Küche. Schwanz zuckte – freuen oder verstecken? „Komm, Rex! Nach Hause!“ befahl Kristina. Er schnupperte an ihrer Hand, blieb aber bei Frau Möller. „Was soll das!“, knurrte Andreas. „Komm her, Rex!“ Hund senkte den Kopf, bewegte sich aber nicht vom Fleck. „Entschuldigung“, begann Frau Möller vorsichtig, „aber er hat draußen auf dem kalten Beton geschlafen. Die ganze Nacht. Ich dachte…“ „Denken Sie nicht nach! Nicht Ihr Hund, nicht Ihr Problem! Wo unser Hund schläft, geht Sie nichts an!“, fauchte Kristina. „Auf kaltem Beton?“, stieß Frau Möller hervor. „Von mir aus auf dem Balkon! Unser Hund, unsere Sache!“ „Was ist hier los?“ Volker kam mit der Zeitung. Kristina schoss heraus: „Ihre Frau hat unseren Hund gestohlen! Sofort zurückgeben, sonst Polizei!“ Annegret wünschte sich, im Boden zu versinken. „Annegret, gib den Hund raus. Keine Probleme mit der Polizei!“ Er sah Rex an, und da veränderte sich etwas. Hund stand bei seiner Frau, bat flehend mit den Augen. „Zeigen Sie mir die Papiere,“ sagte Volker. Die jungen Besitzer stockten. „Haben wir zu Hause vergessen.“ „Bringen Sie sie, dann reden wir wieder.“ „Sie spinnen wohl! Das ist unser Rex!“ „Ist er das? Warum friert er im Treppenhaus?“ „Das geht Sie nichts an!“ „Doch, wenn ein Tier vor meinen Augen leidet!“ „WIR misshandeln niemand! Seid ihr verrückt?“ „Doch! Einen alten Hund in die Kälte – das ist Tierquälerei!“ Kristina und Andreas gerieten ins Schwimmen. „Das ist privat!“, stammelte Kristina. „Privatsache? Ein Tier zu quälen? Hinaus mit Ihnen! Entweder sofort zurück in die Wohnung und gut behandeln, oder verschwinden für immer!“ „Warum sollten wir auf Sie hören?“ „Weil ich sonst Polizei rufe! Tierquälerei ist strafbar!“ „Blöffen Sie?“ „Wollen Sie testen?“ Rex lag am Boden, atmete schwer. Frau Möller glaubte zu träumen. War DAS ihr Volker – der, der Rex rauswerfen wollte? „Wir überlegen es uns“, presste Andreas hervor. „Bis morgen Abend. Sonst bleibt Rex hier.“ „Sie dürfen das nicht!“ „Und Sie dürfen ihn nicht raussetzen!“ Nachbarn schauten neugierig aus den Türen. „Was ist denn los?“, rief Tante Martha vom fünften Stock. „Die halten ihren Hund im Flur, im Kalten“, sagte Volker. „Ich hab’s gesehen! Der hat gezittert!“, bestätigte Herr Schröder. Schnell standen die jungen Leute im Kreis von tadelnden Blicken. Kristina weinte, Andreas schnaubte vor Wut. „Entscheidet euch: In die Wohnung zurück – oder hierlassen, für immer!“ „Und wenn wir klagen?“ „Dann erklärt den Richtern mal, warum euer Hund zwei Monate im Flur lag!“ Die Nachbarn nickten zustimmend. Plötzlich schrie Andreas: „Nehmt den Hund! Wir wollen ihn gar nicht!“ Und sie gingen. Die Haustür knallte. Rex hob den Kopf, schaute ihr nach, winselte leise. Alle gingen auseinander – übrig blieben das Ehepaar und der nun ganz offiziell zu ihnen gehörende Hund. Rex kam zu Volker, stupste ihn an: „Na, Freund? Bleibst du hier?“ Ein vorsichtiges Schwanzwedeln. Ja, bleibt. „Volker, du warst doch dagegen…“ „Jetzt nicht mehr. Ich hab’ was kapiert. Wir leben auch wie Fremde nebeneinander. Falls uns einer wie Abfall loswerden will?“ Ihr wurde ganz eng ums Herz. „Behalten wir ihn?“, fragte sie leise. „Ja. Jetzt sind wir eine richtige Familie, was meinst du, Rex?“ Der Hund leckte ihn kurz über die Wange. Eine Woche später wunderte sich die Nachbarschaft: Volker aus Wohnung zwei geht jeden Morgen mit dem Hund raus – und sieht so fröhlich aus wie seit zehn Jahren nicht. Und die jungen Leute? Die sind still und heimlich weggezogen. Wahrscheinlich, weil sie sich schämten. Schade. Rex hätte ihnen verziehen.