Hättest doch nur die Waltraud geheiratet! Die ist ja so gepflegt, schlank und obendrein jünger als du. Ich bin noch in den besten Jahren, und meine Frau ist schon alt… Warum erwähnst du jetzt Waltraud Meier? Hast du sie irgendwo gesehen? Die braucht dich doch nicht, die hat doch einen General geheiratet und lebt in Saus!
Ruth Pfennig buk ihrem Mann Quarkpuffer zum Frühstück. Er liebte sie über alles. Gleich würde er aufwachen, und die Puffer wären fertig, heiß, mit saurer Sahne.
Ruth! Wo sind meine Hosen?
Er war wach. Ruth stellte die Pfanne beiseite und ging ins Schlafzimmer, wo ihr Mann schimpfte.
Klaus, die sind in der Wäsche, die waren schon dreckig. Hier, ich hol dir andere.
Dreckig? Wann hab ich die denn dreckig gemacht? Immer entscheidest du alles selbst!
Ich nehm sie dir ja nicht weg, du kannst ja monatelang in Drecksachen rumlaufen! Hör auf. Hier, saubere…
Ach! Die mag ich nicht, die sind unbequem, zu eng! Wasch meine Lieblingshosen, und zwar schnell!
Ich wasch sie ja, schrei doch nicht so… Geh dich waschen und frühstück, die Puffer sind warm…
Klaus verschwand ins Badezimmer. Ruth goß Tee ein, gab zwei Löffel Zucker dazu genau, wie er es mochte. Die Sahne stellte sie in einer Schüssel bereit.
Pfui, hier stinkts ja nach deinen Puffern! Hast du sonst nichts zu tun?
Hab mich extra für dich bemüht, Klaus, was bist du denn so grantig? Mit dem falschen Fuß aufgestanden?
Klaus aß schweigend.
Der Tee ist zu heiß! Konntest du ihn nicht abkühlen? Autsch, verbrannt! Und die Puffer sind hart, schmecken nicht! Mach mir lieber ne Stulle mit Wurst und Käse, diesen Gummi kannst du selbst essen!
Hör auf, die Puffer sind wie immer toll. Iß, du brauchst keine Stullen, dein Bauch wächst eh schon…
Mein Bauch stört sie, hör dir das an! Und wann hast du dich selbst im Spiegel gesehen? Du bist ja rund wie ein Ballon! Und warum färbst du dein graues Haar nicht, siehst aus wie ne alte Oma…
Ruth hörte mit offenem Mund zu. So oft hatte er sich nie geäußert… Was war nur in ihn gefahren?
Klaus, pass auf, was du sagst! Ich war mein Leben lang etwas rundlich, ist das jetzt neu? Früher hats dir gefallen… Und Haare färben? Ich bin allergisch, weißt du doch. Gesundheit geht vor. Ich bin auch kein Mädel mehr, siebzig ist nicht mehr weit…
Und dein Bauch? Der wächst vom Bier! Ich koch doch extra fettarm für dich. Beweg dich mehr, statt vorm Fernseher zu versauern!
Hättest doch nur die Waltraud geheiratet! Die ist ja so gepflegt, schlank und obendrein jünger als du. Ich bin noch in den besten Jahren, und meine Frau ist schon alt…
Warum erwähnst du jetzt Waltraud Meier? Hast du sie irgendwo gesehen? Die braucht dich doch nicht, die hat doch einen General geheiratet. Der verwöhnt sie, sie zieht sich immer schick an, kümmert sich um sich. Keine Kinder, keine Sorgen die leben in Saus und Braus!
Und wir? Unser Sohn ist was geworden, hilft uns sogar. Enkel haben sie uns geschenkt, was will man mehr?
Was weißt du schon! Waltraud ist mir nachgelaufen, hat sich angeboten…
Wann denn? Du Spinner…
Damals… Gabs mal…
Und was hast du gesagt?
Was denn? Ich bin ein Mann. Konnte sie nicht abweisen. So ne attraktive Frau. Nicht wie du.
Meine Mutter sagte damals: Heirate die Ruth nicht, die ist alt und hässlich. Hab nicht gehört, geheiratet. Und jetzt hab ich ne alte Schachtel, die nicht mal ne anständige Stulle machen will!
Dann lass dir doch von Waltraud Stullen schmieren! Konntest nicht nein sagen… Die hat dich verführt…
Warum hast du dann all die Jahre mit mir gelebt, wenn ich so schrecklich bin? Ich bin bloß drei Jahre älter!
Weiß ich nicht! Seit der Rente merk ichs erst. Langweilig mit dir. Weder Fisch noch Fleisch. Und all die Frauen, die mir nachgelaufen sind… Und ich? Nach Hause, zur Frau, zum Sohn. Und du? Hast es nie geschätzt!
Wie kannst du so was sagen? Alles immer für euch, für mich nur das Nötigste. Hab ich je um Geld gebettelt? Schau dich an Klamotten ohne Ende! Ich kauf mir das Billigste, spare für euch. Auto, Schlauchboot, Angelzeug… Hab ich je gemeckert?
Was hast du uns denn gekauft? Tu nicht so! Und kochen kannst du auch nicht! Meine Mutter, Gott hab sie selig, war unvergleichlich!
Klaus, wars wirklich so schlimch mit mir all die Jahre? Kannst du nichts Gutes sagen? Was ist bloß mit dir? Bist du krank?
Du bist krank! Ich geh Nachrichten gucken, du nervst… Ach ja, neben Waltraud gabs noch die Traudl. Ist lange her, aber wahr. Damals warst du bei deiner Mutter…
Ach, die Traudl war heiß, nicht wie du… Und du? Immer Pillen, Herzprobleme… So ein Glück, so eine Frau!
Ruth nahm die Schürze ab und ging hinaus. Sie konnte kaum atmen, das Herz schmerzte.
Also hat er sie betrogen. Und sie merkte nichts. Alles schien gut gewesen zu sein.
Aus Liebe geheiratet, Treue geschworen, harmonisch gelebt und jetzt das. Eine schlechte Frau, wie sich herausstellt. Wie soll sie nach diesen Worten weiterleben?
Er hatte sie doch auf den Knien um ihre Hand gebeten! Sie liebte ihn ein Leben lang, tat alles für ihn, und er liebte sie auch wenn er es lange nicht mehr sagte. Aber so gemein war er nie.
War das echt mit Traudl und Waltraud? Wie konnte er?
Ruth ließ nie jemanden nah an sich ran, obwohl Kollegen es versuchten, sogar ein Jugendfreund tauchte auf, als sie 35 war. Ich liebe dich, sagte er, seit der Schule. Verlass ihn, komm zu mir, auch mit Kind.
Pfui! Wie konnte er so etwas einer verheirateten Frau vorschlagen?
Und gekocht hat sie immer gut Sohn und Mann verschlangen ihre Pfannkuchen, Pasteten, Suppen. Was soll das jetzt? Im Alter hat er die Wahrheit gesagt.
Klaus, Klaus, ich hab alles für dich getan…
Ruth irrte durch die Straßen, verjagte die düsteren Gedanken. Die Brust brannte, doch sie spürte es nicht. Heimlich wischte sie salzige Tränen ab. Seine Worte trafen tief. Verräter…
Klaus schaute indes fern und aß Quarkpuffer mit Sahne, Stullen, trank heißen Tee.
Schlechte Laune. Ein Albtraum Ruth fuhr mit dem Zug davon, lachte ihn aus. Wie er tobte! Und traurig war.
Nach dem Aufwachen ließ er alles an ihr aus. Und der Kopf schmerzte zu viel Bier gestern mit den Kumpels.
Hans hatte immer nachgeschenkt, für mehr Wirkung. Daher die Wut am Morgen. Mit dem falschen Fuß aufgestanden, wie Ruth sagte.
Plötzlich klopfte es laut ans Fenster. Er sprang auf, lief zur Tür. Nachbarin Gisela stand da.
Klaus, komm schnell! Ruth…
Was ist mit Ruth?
Komm, ich zeig dir!
Er warf sich ein Hemd über und rannte hinterher, ließ die Tür offen.
Gisela, was





