Als ich meinen Mann mit meiner besten Freundin erwischte, fuhr ich schweigend in eine andere Stadt – ohne von der Schwangerschaft zu erzählen. Doch nach 5 Jahren trafen wir uns wieder.

Als ich meinen Mann mit meiner besten Freundin erwischte, fuhr ich schweigend in eine andere Stadt, ohne ein Wort über meine Schwangerschaft zu verlieren. Doch fünf Jahre später trafen wir uns wieder.
Sie sind sich wirklich sicher? Anneliese drückte das Telefon fest, bemüht, ihre Stimme ruhig klingen zu lassen.

Frau Anneliese Bauer, das Ergebnis ist positiv. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger, etwa in der sechsten Woche.

Sie dankte dem Arzt und legte auf. Die Welt um sie herum schien stehenzubleiben. Sechs Wochen. Genau so viel Zeit war vergangen, seit jenem Abend, als sie früher nach Hause kam und im Flur eine fremde Handtasche sah. Die Handtasche, die sie selbst Karoline zum Geburtstag geschenkt hatte.

Anneliese sank langsam auf den Stuhl am Fenster. Draußen fiel Schnee, bedeckte die Stadt mit einem weißen Schleier, als könnte er alle Spuren verwischen. Wie sehr sie sich wünschte, diese Nacht genauso leicht aus ihrem Gedächtnis streichen zu können.

Das Telefon klingelte erneut. Friedrich. Zum dritten Mal in dieser Stunde.

Anneliese, wo bist du? Wir wollten uns doch nach der Arbeit treffen.

Entschuldige, ich bin aufgehalten worden, versuchte sie, normal zu klingen. Warte nicht auf mich, ich habe noch viel zu tun.

Stimmt etwas nicht? Du klingst komisch.

Alles in Ordnung, ich bin nur müde.

Sie legte auf und blickte auf den Koffer, den sie bereits am Morgen gepackt hatte. Fünf Jahre Ehe. Fünf Jahre, die jetzt endeten. Und ein neues Leben, das in ihr heranwuchs.

Fünf Jahre später

Mama, schau mal, wie schön! Die vierjährige Lotte presste ihre Nase an die Schaufensterscheibe eines Spielzeugladens und bestaunte eine Puppe in einem prächtigen Kleid.

Sehr hübsch, lächelte Anneliese und richtete der Tochter die Mütze. Aber wir müssen weiter, wir kommen sonst zu spät.

Wohin gehen wir? Das Mädchen löste sich widerwillig von der Scheibe und fasste nach Mamas Hand.

Zu Tante Gisela. Sie erwartet uns.

München empfing sie mit frostiger Januarluft. Fünf Jahre war Anneliese nicht in ihrer Heimatstadt gewesen, fünf Jahre hatte sie ein neues Leben fernab der Vergangenheit aufgebaut. Und nun musste sie zurückkehren Tante Gisela, die einzige Verwandte, die sie damals unterstützt hatte, lag im Krankenhaus.

Lotte, sei vorsichtig, renn nicht weg, mahnte Anneliese und hielt die Hand ihrer Tochter fester, als sie die Eingangshalle eines neu eröffneten Bürogebäudes betraten. Sie mussten hindurchgehen, um auf der anderen Seite die Haltestelle zu erreichen.

Der polierte Marmorboden reflektierte das Licht der Kronleuchter. Feierliche Musik klang durch den Raum, viele Menschen waren versammelt vermutlich eine Eröffnungszeremonie.

Anneliese?

Sie erstarrte, als sie die vertraute Stimme hinter sich hörte. Eine Stimme, die sie seit fünf Jahren nicht gehört hatte, aber unter Tausenden erkannt hätte. Langsam drehte sie sich um.

Friedrich.

Er hatte sich kaum verändert. Dieselben aufmerksamen grauen Augen, dieselben leichten grauen Schläfen. Nur die Falten um die Augen waren tiefer geworden.

Ich hätte nicht gedacht, dich hier zu treffen, sagte er, als sähe er ein Gespenst. Bist du zurückgekommen?

Nur auf der Durchreise, erwiderte Anneliese und spürte, wie Lotte sich an ihr Bein drückte. Nicht für lange.

Friedrichs Blick fiel auf das Mädchen, und Anneliese sah, wie sich sein Gesicht veränderte. Wie sich seine Pupillen weiteten. Lotte war genau sein Ebenbild dieselben grauen Augen, derselbe Mund, sogar das Grübchen in der Wange, wenn sie lächelte.

Und das ist?

Meine Tochter, antwortete Anneliese schnell. Lotte.

Schwere Stille breitete sich zwischen ihnen aus.

Da bist du ja! Eine groß gewachsene, schlanke Frau mit kastanienbraunem Haar trat zu ihnen. Alle suchen dich. Oh, guten Tag, sagte sie und musterte Anneliese mit neugierigem Blick.

Claudia, das ist Anneliese eine alte Bekannte, erklärte Friedrich langsam, ohne den Blick von Lotte zu wenden. Anneliese, das ist Claudia, meine Frau.

Sehr erfreut, zwang sich Anneliese zu lächeln. Wir müssen weiter, entschuldigt.

Warte, Friedrich trat einen Schritt vor. Wie kann ich dich erreichen?

Gar nicht, sie drehte sich um und ging schnell Richtung Ausgang, Lottes Hand fest in ihrer.

Im Taxi schmiegte sich das Mädchen an sie:

Mama, wer war das?

Nur ein alter Bekannter, Kleine. Wir haben uns lange nicht gesehen.

Tante Giselas Wohnung war genauso gemütlich wie vor fünf Jahren, als Anneliese mit einem kleinen Koffer und gebrochenem Herzen aus Berlin hierhergekommen war.

Du hast dich kaum verändert, lächelte die Tante und strich Lotte über den Kopf. Aber diese kleine Dame ist mir nur durch Fotos bekannt. Wie geht es dir, Anneliese?

Alles gut, half sie der Tante in den Sessel. Mach dir keine Sorgen, der Arzt sagt, es ist nichts Ernstes, du musst dich nur schonen und die Medikamente nehmen.

Davon rede ich nicht, die Tante sah sie prüfend an. Wie geht es dir wirklich? Hast du Frieden gefunden?

Anneliese wandte den Blick ab.

Tante Gisela, das liegt alles hinter mir.

Hast du ihn gesehen?

Schon. Im neuen Bürokomplex. Kannst du dir vorstellen, wie unwahrscheinlich es ist, jemanden in einer Stadt mit fast einer Million Einwohnern zu treffen und ausgerechnet ihn gleich am ersten Tag?

Schicksal, seufzte die Tante. Er hat dich gesucht, weißt du.

Was? Anneliese fuhr herum.

Er kam einen Monat nach deiner Abreise. Und dann noch ein paar Mal. Ich sagte, ich wüsste nicht, wo du bist.

Danke, Anneliese drückte die Hand der Tante. Das war richtig.

Seine Mutter hat sogar letztes Jahr angerufen. Helga hat dich immer wie eine Tochter behandelt.

Anneliese seufzte. Ihre Schwiegermutter war wirklich gut zu ihr gewesen. Ob sie wohl wusste, was zwischen Friedrich und Karoline passiert war?

Lotte sieht ihm sehr ähnlich, bemerkte die Tante und betrachtete das Mädchen, das in der Ecke spielte. Hat er es bemerkt?

Ich denke schon. Aber das ändert nichts.

Am nächsten Morgen weckte sie ein Telefonanruf. Eine unbekannte Nummer.

Anneliese? Hier ist Helga.

Die Stimme ihrer ehemaligen Schwiegermutter ließ ihr Herz stocken.

Guten Morgen, sie ging auf den Balkon, um Lotte nicht zu wecken.

Friedrich sagte, er hätte dich gestern gesehen. Ich darf ich vorbeikommen? Ich muss mit dir reden.

Eine Stunde später saßen sie in der Küche. Lotte schlief noch.

Ist sie wirklich von Friedrich?, fragte Helga sofort.

Anneliese nickte.

Warum hast du nichts gesagt? In Helgas Stimme lag kein Vorwurf, nur Schmerz. Du hast ihm seine Tochter vorenthalten. Und uns die Enkelin.

Er hat sich selbst um sie gebracht, erwiderte Anneliese leise. Als er meine beste Freundin in unser Haus brachte.

Helga senkte den Blick.

Ich weiß. Er hat mir alles erzählt, als du verschwunden warst. Er war außer sich. Aber Anneliese es war nur ein Fehler.

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Homy
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