30. Oktober 2025 Tagebuch
Vor zwei Jahren stand mein Leben völlig kopf. Mein Vater verstarb, und nach zwanzig Jahren Ehe ließ mich meine ExFrau scheiden. Ohne Arbeit musste ich wieder ins Haus meines Vaters in einem kleinen Ortsteil von München ziehen. Mit fast vierzig Jahren dachte ich, dass mir jede Chance auf einen neuen Job oder eine neue Beziehung verwehrt bleibt.
Das Schicksal schien mir jedoch nur Unglück zu bringen: Das Dach meines Elternhauses, das ein örtlicher Dachdecker billig repariert hatte, leckte. Ich hatte weder Kraft noch Geld, um neue Balken zu besorgen. Die Fachleute, die das Fenster austauschten, machten ihre Arbeit nicht ordentlich, sodass kalte Luft durch die Ritzen drang. Um mich zu wärmen, sammelte ich Tannenzapfen und verbrannte alte Bücher im Ofen bis plötzlich der Strom ausfiel und ich die Heizung komplett abschalten musste. Der Besitzer des nahegelegenen Wirtshauses, Herr Schneider, machte mir verlockende Angebote, aber ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.
Als ich bereits glaubte, es könne nicht schlimmer werden, kam meine Rettung. Auf dem Dorfbussteig in Bad Tölz stand sie Liselotte Berger, eine robuste Zimmerin, die mit einem alten Lieferwagen ankam. Sie trug zerzauste Haare und Arbeitskleidung, die Spuren von Zement und Holz zeigten. Braucht ihr Hilfe?, fragte sie, und ich gestand, dass ich zwar dringend Unterstützung bräuchte, aber nichts zu bezahlen hatte. Sie lächelte und sagte, wir würden abrechnen, sobald ich wieder Geld habe.
Liselotte reparierte das Dach, den Wasserhahn, den Zähler, das Gartenzaun, die Treppe und die Fenster. An einem besonders frostigen Abend fand ich im Wohnzimmer ein warmes Feuer und daneben eine Tasse Kräutertee, die sie für mich bereitgestellt hatte. Wie ein Wunder bekam ich das, was mein erstarrtes Kehle und meine kalten Füße dringend benötigten. Ich erkannte, dass sie mein Held war, und fragte mich, wie ich ihr danken könnte. Sie ist geschickt, aber zugleich bescheiden, deshalb nenne ich ihren Namen nicht aus Furcht, dass das ganze Dorf sie eifersüchtig machen könnte.
Jetzt strahlt mein Haus und mein Garten in neuem Glanz man sieht an allem die klare, männliche Handschrift des Handwerkers. Mit Liselotte an meiner Seite fühle ich Wärme und Glück, und meine größte Angst ist, sie wieder zu verlieren.
**Persönliche Lehre:** Manchmal erscheint das Unmögliche erst, wenn das Leben uns zwingt, das Unbekannte zu umarmen und wahre Stärke zeigt sich im stillen Helfen.





