Die Verwandten meines Mannes haben mich gedemütigt, weil ich arm bin, aber sie hatten keine Ahnung, dass ich die Enkelin eines Milliardärs bin und ein Experiment mit ihnen durchführe.
Sergej, um Himmels willen, was trägt sie denn da? Tamara Pawlownas Stimme klang süßlich-giftig, ohne jeden Versuch, es zu verbergen. Das Kleid ist doch vom Flohmarkt. So eins habe ich letzten Samstag bei einem Trödler gesehen. Höchstens fünfhundert Rubel wert.
Ich strich leise über den Kragen meines blauen Kleides schlicht, preiswert. Wie alles, was ich trug. Es war eine der strikten Bedingungen der grausamen Vereinbarung mit meinem eigenen Großvater.
Sergej, mein Mann, hustete nervös und sah weg.
Mama, das reicht. Das Kleid ist in Ordnung.
In Ordnung? kreischte seine Schwester Irina und schürte das Feuer weiter. Sergej, deine Frau hat den Geschmack einer Nun ja, was erwartet man von einem Waisenkind aus der Provinz?
Sie musterte mich verächtlich, ihr Blick verweilte auf meinen schmalen Handgelenken. Ungeniert triumphierend funkelten ihre Augen.
Du könntest wenigstens ein Armband tragen. Ach, richtig du hast ja keins, oder?
Langsam hob ich den Blick zu ihr. Kühl, fast emotionslos, als betrachtete ich ein Präparat unter Glas.
In Gedanken notierte ich: Versuchsperson Nr. 2 Irina. Aggressionslevel: hoch. Motivation: Neid, Machtbedürfnis durch Erniedrigung.
Es war, als beobachtete ich ein Rudel Raubtiere. Interessant. Völlig vorhersehbar.
Tamara Pawlowna seufzte theatralisch und ließ sich schwerfällig neben mir auf dem Sofa nieder. Ihr Griff auf meine Schulter war ebenso plump wie ihr billiges Haarspray und der Geruch von fettigem Essen.
Anja, wir sind nicht deine Feinde. Wir wollen nur das Beste für dich. Aber unser Sohn ist ein Mann von Rang, ein Chef, eine respektierte Persönlichkeit. Und du nun, du verstehst schon.
Sie wartete auf Tränen, Entschuldigungen, zitternde Stimmen. Vergebens. Ich beobachtete nur.
Wo war der Sergej, in den ich mich verliebt hatte? Der selbstbewusste, witzige, freie Mann? Jetzt saß nur noch ein Schatten vor mir eine Marionette in den Händen seiner Mutter und Schwester.
Ich habe eine Idee! Das Gesicht meiner Schwiegermutter strahlte vor eigener Genialität. Du hast doch noch die Ohrringe deiner Mutter, oder? Die mit den kleinen Steinchen? Du trägst sie eh nie. Lass uns sie verkaufen.
Sergej verschluckte sich fast.
Mama, das ist doch ein Andenken.
Ach, was für ein Andenken? Tamara Pawlowna winkte ab. Ein Andenken an Armut? Damit könnten wir wenigstens etwas Sinnvolles anfangen. Von dem Geld kaufen wir Anja ein paar anständige Klamotten. Und einen neuen Grill für die Datscha. Alle profitieren.
Irina stimmte sofort ein:
Natürlich! Diese Ohrringe sehen an ihr ohnehin aus wie ein Geschirr an einer Stute.
Sie merkten nicht, dass sie nicht mich demütigten sondern sich selbst. Ihre Kleinlichkeit, ihre Gier, ihre seelische Armut.
Ich betrachtete ihre Gesichter, verzogen von Überheblichkeit. Jedes Wort, jede Geste wie aus dem Lehrbuch. Perfekt zu meiner Hypothese passend.
Das Experiment verlief nach Plan.
Gut, sagte ich leise.
Stille breitete sich im Raum aus. Selbst Sergej starrte mich überrascht an.
Was meinst du mit gut?, fragte meine Schwiegermutter.
Ich bin einverstanden, sie zu verkaufen, erlaubte ich mir ein leichtes Lächeln. Wenn es der Familie dient.
Tamara Pawlowna und Irina tauschten Blicke. Für einen Moment zuckte Zweifel in ihren Augen, doch er ertrank schnell in der Euphorie des Sieges. Wieder einmal hielten sie meine Strategie für Unterwerfung.
Für mich waren sie keine Familie sie waren Figuren auf einem Schachbrett. Und sie waren gerade direkt in die Falle gelaufen.
Am nächsten Tag schleppte mich meine Schwiegermutter zum Pfandhaus. Irina begleitete uns wie ein Zuschauer bei einer Vorstellung. Sergej fuhr schweigend, sein Gesicht finster. Er versuchte zu widersprechen, doch seine Mutter fauchte:
Misch dich nicht ein! Siehst du nicht, dass sie rumläuft wie eine Bettlerin?
Das Pfandhaus war ein enges, vergittertes Loch mit muffigem Metallgeruch. Der Schätzer ein Mann mit müden Augen nahm gelangweilt das Samtettui entgegen.
Lange betrachtete er die Ohrringe durch eine Lupe. Tamara Pawlowna klopfte ungeduldig mit den Fingernägeln auf den Tresen.
Na? Sind sie aus Gold? Die Steine glitzern. Geben Sie zwanzig?
Der Schätzer schnaubte.
Gold, ja, 585er. Aber die Steine sind Zirkonia. Billige Arbeit. Fünftausend. Und das ist großzügig.
Das Gesicht meiner Schwiegermutter verzerrte sich. Irina schnaubte enttäuscht:
Fünf? Ich dachte, wenigstens genug für ein Paar Stiefel.
Ich tat genau, was sie erwarteten. Beugte mich vor und flüsterte zaghaft:
Vielleicht sollten wir es doch lassen? Es ist ein Andenken Und fünftausend sind so wenig. Vielleicht probieren wir ein anderes Pfandhaus?
Ein berechneter Zug ein scheinbarer Kompromiss, der zum Scheitern verurteilt war.
Halt den Mund, Anja! fauchte Tamara Pawlowna. Was verstehst du schon davon? Der Fachmann sagt fünf, also sind es fünf!
Irina stimmte ein:
Genau! Sonst schleppst du uns durch die ganze Stadt und kriegst noch weniger. Mit deinem Starrsinn ruinierst du alles.
Sergej versuchte erneut einzugreifen:
Mama, vielleicht gehen wir lieber zu einem Juwelier?
Halt den Mund! seine Schwester schnitt ihm das Wort ab. Stehst du jetzt unter ihrem Pantoffel? Wir entscheiden, was für die Familie das Beste ist!
Sie bekamen das Geld. Und teilten es noch auf der Straße auf. Dreitausend für Tamara Pawlowna: Für den Grill und Setzlinge. Zweitausend für Irina: Für eine dringende Maniküre.
Und was ist mit den Blusen für mich? fragte ich leise, weiter in meiner Rolle.
Irina lachte mir laut ins Gesicht:
Ach, Anja, mach keine Witze. Für den Hungerlohn vielleicht im Secondhandladen.
Sie gingen zufrieden davon und ließen mich mit meinem Mann zurück. Sergej wirk





