Ich dachte, wir wären Freundinnen, doch du hast mir meinen Mann weggenommen!

Ich sah, wie Liese dachte, wir seien Freundinnen, und dann deinen Mann wegnahmst.
Du begreifst es einfach nicht! schrie Pola, während sie das Skizzenbuch wuchtig zuschlug. Für dich ist das alles Kinderei, ein Spiel!

Liese, das war nicht gemeint, sagte ich müde und drückte meine Hände an die Schläfen. Der Kopfschmerz, der seit dem Morgen nörgelte, pochte jetzt wie ein Hammer. Der Beruf des Designers ist unsicher. Heute gibt es Aufträge, morgen nichts. Der Buchhalter dagegen ist ein sicherer Brocken, immer.

Dein Brocken, nicht meiner! sprang Pola vom Stuhl, die Augen zu Blitzen gezündet. Ich will nicht ein Leben lang Zahlen wälzen, wie du! Ich will schaffen, Schönheit erzeugen! Tante Svenja versteht mich sie ist die Einzige, die an mein Talent glaubt!

Bei Svenjas Namen verkrampfte Maren das Herz. Schon wieder Svenja. Die beste Freundin, die Stütze in dunklen Zeiten, war in den letzten Monaten für Liese mehr Autorität geworden als die leibliche Mutter.

Svenja lebt in einer anderen Welt, Kind. Sie hat ihr erfolgreiches Salon, kann über hohe Dinge reden. Wir leben von Lohn zu Lohn.

Genau das!, kreischte Pola, schnappte sich die Jacke und rannte zur Tür. So will ich nicht weiterleben!

Die Tür schlug zu, und in der kleinen Zweizimmerwohnung herrschte ein klingender Stillstand. Maren ließ sich auf den Stuhl sinken und umarmte den Kopf. Jeder solcher Streit raubte ihr Kraft. Sie war fünfundvierzig, die letzten zehn Jahre trug sie alles allein. Seit Jörg, ihr Mann und Lises Vater, gegangen war, blieb nur ein Berg unbezahlter Rechnungen und ein vages Entschuldige, wir sind Fremde geworden zurück. Das Leben war ein endloser Überlebenslauf. Sie arbeitete in der Stadtteilbibliothek, nahm Nebenjobs an, tippte nachts Texte ab und verzichtete auf alles, nur damit Liese das Nötigste hatte.

Und dabei war Svenja immer da. Sie kannten sich aus der Grundschule, saßen nebeneinander. Die laute, selbstbewusste Svenja und die ruhige, heimische Maren. Als die Scheidung kam, hielt Svenja Maren aus der Verzweiflung. Sie brachte Lebensmittel, zog Maren zu Spaziergängen, hörte stundenlang Tränen und Klagen. Wir schaffen das, Maren!, drückte sie sie fest. Er wird schon sehen, welchen Schatz er verloren hat.

Und Maren glaubte. Sie richtete sich auf, ging weiter für die Tochter. Svenja war für die kleine Familie fast zur zweiten Mutter geworden, zur Patin von Liese, zur Tante Svenja, die immer versteht und unterstützt.

Maren seufzte und ging zum Fenster. Die Abendlichter der Stadt Berlin leuchteten. Irgendwo schlich sich ihre wütende Tochter. Wahrscheinlich war sie bei Svenja in der gemütlichen Atelierszentrale im Mitte, wo nach teurem Kaffee und Haarpflegeölen duftet, leise Musik spielt und man über hohe Kunst spricht, ohne an die Nebenkosten zu denken.

Das Telefon auf dem Küchentisch vibrierte. Maren nahm es. Eine Nachricht von Svenja: Lieschen ist bei mir. Keine Sorge, ich spreche mit ihr. Alles wird gut. Ein Stich aus Ärger mischte sich mit Dankbarkeit. Einerseits war sie froh, dass die Tochter in Sicherheit war, andererseits ärgerte es sie, dass Svenja wieder die Friedensstifterin war, als könnte Maren das eigene Kind nicht allein handhaben.

Sie goss sich günstigen Beuteltee ein, setzte sich und sah ein altes Foto im Bilderrahmen an: zu dritt sie, Jörg und das kleine Liese im Arm. Glücklich, jung. Wie lange das war. Jörg manchmal dachte sie, sein Gesicht verschwamm. Groß, dunkelhaarig, mit lachenden Falten um die Augen. Er liebte Jazz, starken Kaffee und Reiseführer. Eines Abends packte er plötzlich einen Koffer, sagte, er müsse allein sein, fand sich selbst, und eine Woche später meldete er, er komme nicht zurück.

Wieder hörte sie Svenja in der Küche, streichelte Marens Hand und sagte: Er ist ein Dummkopf, Maren, nur ein Dummkopf. Du wirst noch jemanden finden. Doch Maren hatte nie jemanden gefunden. Ihr ganzes Leben drehte sich um die Tochter.

Die nächsten Tage verliefen in angespannter Stille. Liese kam von der Schule, aß, schloss sich in ihr Zimmer. Maren wagte keinen ersten Schritt, aus Angst vor neuem Streit. Am Samstagmorgen rief Svenja an.

Maren, hallo! Ich habe hier einen Notfall die Gesundheitsbehörde macht Kontrolle, und meine Putzfrau ist krank. Kannst du aushelfen? Komm vorbei, putz ein bisschen, und mach mit Liese Frieden, sie wollte ja zu mir.

Maren zögerte, fühlte Schuld und Pflicht, aber die Aussicht, endlich mit ihrer Tochter an neutralem Ort zu reden, drängte sie.

In Ordnung, ich komme in einer Stunde.

Der Salon Cleopatra von Svenja glänzte im Spiegel und duftete nach Blumenduft. Svenja, makellos in einem schicken Hosenanzug, begrüßte sie am Eingang.

Maren, meine Retterin! Komm, zieh dich um. Ein kleiner Auftrag: Staub wischen, Böden im Hauptraum wischen. Ich kümmere mich um die Unterlagen.

Maren zog im Hinterzimmer ein altes T-Shirt an und machte sich an die Arbeit. Sie beneidete Svenjas Erfolg nicht; sie wusste, dass Svenja hart gearbeitet und sich alles verdient hatte. Doch im Glanz des Salons spürte sie ihr eigenes Unbehagen deutlich.

Gerade als sie die Böden fertig wischte, kam Liese herein. Sie sah die Mutter mit dem Wischmopp und verdrehte die Nase.

Liese, wir müssen reden, sagte Maren leise.

Worum? Darum, dass ich meinen Traum aufgeben und ein langweiliges College besuchen soll?

Nein. Um uns.

In diesem Moment kam Svenja aus ihrem Büro, ein Smartphone in der Hand.

Mädels, streitet nicht!, lächelte sie mit ihrer beruhigenden Art. Maren, sei nicht sauer, sie ist nur ein Kind mit großen Träumen. Liese, deine Mutter will nur das Beste für dich. Lasst uns lieber einen Kaffee trinken. Ich mache euren Lieblingskaffee mit Zimt.

Sie stellte die Telefone auf den Empfangstisch und verschwand in den Hinterraum. Maren seufzte. Wieder nichts geklappt. Liese starrte demonstrativ auf ihr Handy. Maren blickte reflexartig auf die beiden Geräte neben ihr. Das Display von Svenjas Telefon leuchtete plötzlich auf, eine kurze Nachricht von einem Absender nur mit J.: Vermisse deinen Kaffee. Und dich. Ein rotes Herz daneben.

Maries Herz setzte einen Schlag aus. J.? Jörg? Das war doch absurd. Svenja hatte von einem gewissen komplizierten, geschiedenen, aber interessanten Mann gesprochen, nie von Jörg. Doch das Telefon ließ sie nicht los.

Das Gespräch mit Liese fand nie statt. Sie tranken Kaffee, Svenja plauderte über neue Haartrends, Liese nickte, und Maren schwieg, während zwischen ihr und den Liebsten eine unsichtbare Mauer wuchs. Die Nachricht ließ sie nicht los.

Zuhause zog sie ihr altes Notizbuch hervor, fand Jörgs Nummer, die sie seit Jahren nicht mehr gewählt hatte. Warum jetzt? Was sollte sie sagen? Hallo, hier ist ich. Wie geht’s? dumm. Sie legte das Telefon wieder hin.

Einige Tage später lud Svenja Maren und Liese ins Kino ein. Im halbverdunkelten Saal lief eine romantische Komödie, und Maren beobachtete heimlich ihre Freundin. Svenja tippte immer wieder etwas auf ihr Handy, lächelte. Einmal bemerkte Maren das gleiche J. im Empfängerfeld.

Nach dem Film gingen sie ins Café.

Maren, ich bin so glücklich!, rief Svenja plötzlich, rührend Zucker in ihren Becher. Ich glaube, ich habe mich wirklich verliebt. Er ist so verlässlich, intelligent. Mit ihm fühle ich mich wie hinter einer Steinmauer.

Wir freuen uns für dich, Tante Svenja, sagte Liese. Wer ist er? Kennen wir ihn?

Er ist nicht aus unserem Kreis. Wir haben ihn zufällig kennengelernt. Er ist vor Kurzem zurückgekommen, nach vielen Jahren im Norden.

Der Norden Jörg hatte nach der Scheidung als Zeitarbeiter nach Hamburg gewechselt. Maren erinnerte sich daran. Ein zuviel an Zufällen ließ sie erschaudern.

Wie heißt er?, fragte sie, bemüht, gleichgültig zu klingen.

Jörg, antwortete Svenja sofort und wechselte das Thema: Liese, ich habe eine Anzeige für eine Kunstschule gesehen, die Vorbereitungskurse anbietet. Vielleicht probierst du es? Ich kann das bezahlen.

Maren hörte nicht mehr zu. Jörg. Das musste stimmen. Ihre beste Freundin, die ihr nach der Trennung immer die Tränen abgewischt hatte, traf sich heimlich mit ihrem ExMann. Das Bild, das bis dahin nur ein unscharfer Umriss war, bekam plötzlich scharfe, hässliche Konturen. Svenja schien Liese gegen sie aufzubringen, ihre unmöglichen Träume zu fördern, um selbst die Kontrolle zu gewinnen.

Mama, was ist los?, riss Liese sie aus der Starre. Du siehst bleich aus.

Nichts, murmelte Maren. Nur Kopfschmerzen. Lass uns nach Hause gehen.

Zuhause schloss sie sich in das Bad, ließ das Wasser laufen, damit Liese ihre Schreie nicht hörte. Die Tränen brannten, waren bitter und scharf. Es war nicht nur Ärger es war Verrat, das tiefste Böse, das Vertraute tun kann. Sie weinte nicht um Jörg. Der Mann, den sie einst geliebt hatte, war längst tot für sie. Sie weinte um die zerbrochene Freundschaft, um die Naivität, um die Jahre blinden Vertrauens in jemanden, der das Doppelleben führte.

Sie musste handeln, aber wie? Einen Skandal anzetteln? Beide anklagen? Das wäre zu einfach und zu demütigend. Sie beschloss, Beweise abzuwarten, das Unumstößliche zu fordern.

Eine Woche später hatte Svenja Geburtstag. Sie organisierte ein Fest in einem ländlichen Restaurant und lud Maren und Liese ein.

Komm unbedingt, Maren! Ich stelle dir meinen Jörg vor, du wirst ihn lieben!

Maren fühlte, wie sie erstickte.

Okay, wir kommen.

Den ganzen Tag trug sie einen Schleier aus Nebel. Sie wählte ein Kleid, machte ihr Haar, schminkte sich. Im Spiegel sah sie ein fremdes Gesicht mit fiebrigen Augen. Liese, ahnungslos, drehte sich fröhlich um das Fest.

Das Restaurant war prachtvoll. LiveMusik, weiße Tischdecken, elegante Gäste. Svenja, in einem silbernen Kleid, schwebte von einem zum anderen. Als sie Maren sah, sprang sie entgegen.

Endlich! Kommt her, meine Lieben! Maren, du siehst umwerfend aus! Jetzt stelle ich euch Jörg vor! Komm her!

Er trat hervor, grau meliert, aber dieselbe Gestalt. Auf seinem Gesicht spiegelten sich Überraschung, Scham, Schuld.

Maren?, stammelte er.

Guten Tag, sagte sie kühl, sah ihm fest in die Augen.

Svenja blickte verwirrt zwischen den beiden hin und her.

Kennen Sie sich?, fragte sie.

Mehr als das, erwiderte Maren sarkastisch. Er ist mein ExEhemann. Der Vater von Liese.

Ein Schweigen legte sich über den Saal. Die Musik schien zu erstarren. Svenjas Gesicht wurde blass wie ein Blatt. Liese wechselte den Blick zwischen Mutter, Jörg und ihrer geliebten Tante Svenja und sah nur Verwirrung.

Mama, ist das wahr?, flüsterte sie.

Ja, Liebes. Das ist dein Vater.

Maren ging zu Svenja, die die Hand von Jörg fester hielt, als wolle sie ihn festhalten, damit er nicht verschwindet.

Alles Gute zum Geburtstag, Freundin, sagte Maren leise, aber deutlich. Ich dachte, wir seien Freundinnen. Stattdessen hast du mir das Herz meiner besten Freundin gestohlen, hast Ratschläge gegeben, wie man den Verrat überlebt, während du selbst das Größere begangen hast.

Svenja stammelte: Ich ich wusste nicht, wie ich es sagen soll Es war ein Versehen Wir haben uns vor einem halben Jahr getroffen, er hat mir nichts gesagt

Dass er der Mann deiner Freundin ist?, fuhr Maren fort. Du hast alles gewusst.

Sie drehte sich zu Jörg.

Du bist nichts weiter als ein Feigling. Du hast eine Frau verlassen, bist zu einer anderen gelaufen. Nichts ändert sich.

Sie ergriff Liese bei der Hand. Das Mädchen sah mit weit aufgerissenen, tränengefüllten Augen zu ihr auf.

Komm, wir gehen, sagte Maren. Hier gehört uns nichts mehr.

Sie verließen den Saal, während die Gäste verwirrt starrten. Am Ausgang drehte sich Maren noch einmal um. Svenja stand allein, verlassen, und Jörg senkte den Kopf, sah nicht einmal zu ihnen zurück.

Der Heimweg war still. Zu Hause brach Liese in Tränen aus.

Mama, wie kann das? Tante Svenja Ich habe ihr vertraut! Und Papa er

Maren umarmte ihre Tochter, strich ihr über die Haare.

Beruhige dich, meine Süße. Menschen können sehr schlechte Dinge tun, sogar die, die wir lieben. Das Wichtigste ist, dass wir einander haben.

In dieser Nacht saßen sie lange in der Küche. Maren erzählte von ihrem Leben mit Jörg, von ihrer Freundschaft zu Svenja, ohne etwas zu verbergen. Liese hörte zu, und ihr kindlicher Groll verwandelte sich in erwachsenes Verständnis.

Am nächsten Tag blockierte Svenja die Telefonnummer. Maren beantwortete keine Nachrichten, die voller Entschuldigungen und Bittgebete kamen. Einige Tage später stand Jörg vor ihrer Tür.

Maren, wir müssen reden, sagte er, senkte den Blick.

Wir haben nichts mehr zu besprechen, schnitt sie ihm das Wort ab. Geh.

Aber Liese ich bin ihr Vater!

Erinnerst du dich erst jetzt? Zehn Jahre hat dich das nicht interessiert. Geh, Jörg. Und komm nie wieder.

Sie schlug die Tür hinter ihm zu, lehnte sich zurück, das Herz pochte, nicht vor Schmerz, sondern vor Erleichterung. Der schwere Stein, den sie jahrelang getragen hatte, fiel endlich.

Das Leben ging weiter. Es war schwer. Die Leere, die Svenja hinterlassen hatte, ließ sich nicht füllen. Manchmal griff sie abends zum Telefon, um mit einer Freundin zu reden, doch sie ließ den Hörer sinken.

Die Beziehung zu Liese veränderte sich. Sie wurden näher als je zuvor. Liese reifte über Nacht. Sie streitete nicht mehr, verlangte nichts Unmögliches. Sie half zu Hause, fand einen Nebenjob zeichnete Porträts online.

Eines Abends legte sie Maren einen Umschlag mit Geld auf den Tisch.

HieranalysisWe need to continue story with one sentence, finish with a period. The story is in German, told by a man (the narrator is male). The continuation should be one sentence, concluding. It should continue from the last line “Eines Abends legte sie Maren einen Umschlag mit Geld auf den Tisch.” So we need a sentence after that. Probably something like “Ich sah, wie ihr Blick vor Stolz erstrahlte, und wusste, dass wir gemeinsam jede Zukunft meistern würden.” Need one sentence, ending with a period.

Make sure it’s consistent: told by a man, but story is from Maren’s perspective (female). But narrator is man, maybe he is the husband? However we can just continue with a sentence in first person male: “Ich sah, wie ihr Blick vor Stolz erstrahlte, und wusste, dass wir gemeinsam jede Zukunft meistern würden.”

One sentence, ends with period.Ich sah, wie ihr Blick vor Stolz erstrahlte, und wusste, dass wir gemeinsam jede Zukunft meistern würden.

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Homy
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Ich dachte, wir wären Freundinnen, doch du hast mir meinen Mann weggenommen!
Dieses Drama erzählt eine bewegende Geschichte und greift sensible Themen auf. Die Erzählung enthält Szenen mit großer emotionaler Tiefe und kann manche Leser*innen stark berühren. Die Begegnung im Regen – Hoffnung für Suzy unter der Hamburger Brücke Es regnete in Strömen, als ein kleines Mädchen mit schmutziger Kleidung flehte: „Können Sie mir bitte ein paar Cent geben?“ Das war Suzy. Ricardo kam zufällig vorbei – er nahm nur diese Straße, weil sie kürzer war. Im Gespräch mit seinem Handy, elegant gekleidet, beachtete er das Kind nicht, griff wortlos in die Tasche und warf ihr eine Münze zu. Suzy wollte sie ergreifen, doch sie glitt ihr aus den Fingern und verschwand in einem Gully. Das Mädchen blieb verzweifelt stehen, der Magen knurrte, und Tränen liefen über ihre Wangen. Ricardo hatte Mitleid, beugte sich zu ihr herunter und streichelte ihren Kopf. „Wein nicht, kleines Mädchen. Komm, ich lade dich zu einem Hamburger bei McDonald’s ein, okay?“, sagte er. Suzy lächelte, neue Freude blitzte in ihrem Gesicht auf. Gemeinsam gingen sie los. Während Suzy ihren Hamburger aß, wurde Ricardo neugierig. „Lebst du ganz allein auf der Straße?“ Sie biss ab, kaute und schluckte, bevor sie antwortete: „Nein, aber meine Mutter ist sehr krank. Sonst sammelt sie Pfandflaschen, aber zurzeit kann sie nicht arbeiten.“ Besorgt fragte Ricardo: „Und dein Vater?“ Suzy kaute weiter, mit Ketchup am Mund: „Den habe ich nie gesehen. Meine Mutter war erst 13, als sie mit mir schwanger wurde, und meine Oma hat sie rausgeworfen. Seither leben wir unter der Brücke in einem Zelt. Ich bin jetzt zehn.“ Ricardo musste lächeln. „Das ist wirklich schwierig … Weißt du was? Wir gehen einkaufen – ich kaufe euch Lebensmittel, und du stellst mich deiner Mutter vor.“ Strahlend mit ihrem zahnlosen Lächeln rief Suzy: „Danke, Herr Ricardo! Sie sind so großzügig! Gott wird es Ihnen doppelt zurückgeben!“ Ricardo wurde warm ums Herz; er hatte das Gefühl, dem Mädchen seltsam vertraut zu sein. Nach dem Einkauf machten sich Suzy und Ricardo auf den Weg unter die Hamburger Brücke, einen muffigen Ort voller Zelte von Obdachlosen. In einem gelben Zelt betraten sie die Unterkunft von Suzy und ihrer Mutter Marcela. Als Ricardo Marcela erblickte, erschrak er: „Marcela?“ Auch Suzy’s Mutter war überrascht: „Ricardo?“ Ratlos fragte Suzy: „Ihr kennt euch?“ Ricardo wurde emotional; Tränen liefen ihm übers Gesicht. „Ja, weißt du, Suzy: Deine Mutter war meine Freundin! Vor zehn Jahren wurde sie schwanger, doch danach habe ich sie nie wiedergesehen. Deine Oma hat mir damals gesagt, dass deine Mutter gestorben sei – ich habe es nie geglaubt. Ich habe überall gesucht, aber nie gedacht, dass ihr hier seid!“ Suzy umarmte ihn: „Sind Sie mein Vater? Mein richtiger Papa?“ Er umarmte sie fest. „Ja, jetzt, wo ich euch gefunden habe, werde ich euch nie wieder verlassen! Gott hat mich auf diese Straße geführt, damit ich meine Familie finde. Danke dir, Gott!“ Auch Marcela schloss Ricardo in die Arme. „Oh Gott, wie wunderbar du bist.“ Und wie zum Zeichen, dass Gott mit ihnen lacht, hörte der Regen auf und am Himmel erschien ein Regenbogen. Von diesem Tag an lebten Suzy und Marcela bei Ricardo in seinem Apartment – nie fehlte es an Essen und, vor allem, an Liebe. Davon gab es im Überfluss, und so wurden sie glücklich.