– Haben die denn keine Verwandten? Wozu hast du sie mitgebracht? Du tust mir leid… Leid? Und uns tut es nicht leid? Wir kommen hier selbst kaum unter! Morgen rufst du das Jugendamt an, hab ich dir gesagt! Sollen sie sich drum kümmern!

“Haben die denn keine Verwandten? Warum hast du sie mitgebracht? Du hast Mitleid? Mitleid? Und mit uns hast du kein Mitleid? Wir haben hier selbst kaum Platz! Ruf morgen das Jugendamt an, das hab ich dir gesagt! Sollen die sich drum kümmern!”
Markus funkelte wütend seine Frau an. Sie war gerade zum Begräbnis ihrer Freundin gewesen. Nicht allein… Neben ihr standen zwei Kinder. Die dreijährige Lina und der dreizehnjährige Ben zögerten an der Türschwelle, unsicher, wie sie auf den unfreundlichen Hausherrn reagieren sollten.
Tanja schob die Kinder sanft in Richtung Küche und sagte mit ruhiger Stimme:
“Ben, hol Lina bitte Saft aus dem Kühlschrank und nimm dir auch was.”
Als die Kinder verschwunden waren, drehte sie sich empört zu ihrem Mann um:
“Schämst du dich nicht? Sabine war meine beste Freundin! Denkst du wirklich, ich lasse ihre Kinder im Stich? Stell dir vor, wie es ihnen jetzt geht! Du bist achtunddreißig und rennst bei jedem Problem zu deiner Mutter! Begreif doch!”
“Gut, ich verstehe, aber du willst sie doch nicht bei uns behalten, oder?”, fragte Markus nun etwas milder.
“Doch! Ich werde das Sorgerecht beantragen! Sie haben niemanden, begreif das! Ihr Vater? Keine Ahnung, wo der steckt. Nicht mal beim Begräbnis war er.”
“Sabine hat früh ihre Eltern verloren. Es gibt eine Tante, aber die will die Kinder nicht nehmen zu alt. Und wir haben sowieso keine eigenen Kinder.”
“Tanja, ich bin dein Mann, falls du es vergessen hast! Willst du nicht mal meine Meinung hören?”
“Markus, was ist denn mit dir? Du bist ein guter Mensch. Ich kenne dich. Sonst hätte ich die Kinder nicht einfach mitgebracht. Hast du Angst vor den Kosten? Wir schaffen das!”
“Außerdem sind die Kinder nicht mehr klein. Ben geht weiter zur Schule, und Lina kommt in den Kindergarten. Unser Leben wird sich kaum ändern.”
“Ja, aber meine Mutter… Tanja! Sie macht mich fertig, wenn sie das erfährt! Sie wirft mir jetzt schon ständig vor, dass wir keine Enkelkinder haben!”
“Deine Mutter hat sich nicht in unsere Familienangelegenheiten einzumischen. Wir wollten doch sowieso adoptieren. Warum ein fremdes Kind? Ben und Lina kennen uns, und wir kennen sie. So ist es für alle einfacher.”
“Vielleicht hast du recht, Tanja. Aber wir wollten ein Kleinkind adoptieren! Betone: eins! Gut, Lina… sie ist noch klein. Aber Ben? Ein Teenager! Damit hast du nur Ärger!”
“Du und ich waren auch mal Teenager. Alles hat sich geregelt. Wir sind vernünftige Erwachsene geworden.”
“Gut, wir werden sehen. Sie können erstmal bleiben…”
Tanja küsste Markus laut auf die Wange und lächelte. Sie zweifelte nicht an ihrem Mann. Er war immer so schimpfte, murrte, machte ein Gesicht, aber am Ende stand er doch zu ihr.
Tanja ging in die Küche, um Abendbrot zu machen. Sie plante den nächsten Tag: Jugendamt, Arbeit, Bank, Papiere besorgen…
So begann eine endlose Reihe von Problemen. In Filmen finden Waisen sofort eine Familie, aber in Wirklichkeit braucht es Berge an Dokumenten.
Ben und Lina sollten sogar vorübergehend ins Kinderheim. Doch Tanja und Markus kämpften und sicherten ihr Recht, die Kinder bei sich zu behalten.
Mit Ben und Lina gab es übrigens keine Probleme. Lina vergaß schnell ihren Kummer in neuen Spielsachen und Süßigkeiten.
Für Ben war es schwerer. Markus sah, wie er sich zurückhielt, um nicht laut zu weinen. Einmal zog er ihn beiseite, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte:
“Ben, ich weiß, wie weh es tut. Ich bin fast vierzig und kann mir nicht vorstellen, was wäre, wenn meiner Mutter etwas zustieße. Aber für Lina musst du stark sein.”
“Wenn du weinen oder schreien willst, sag es mir. Wir gehen woanders hin, wo uns niemand sieht. Solchen Schmerz darf man nicht in sich fressen. Aber Lina darf ihn nicht sehen, sonst erschrickt sie. Versprich mir, dass du zu mir kommst.”
Von da an respektierte Ben Markus. Tanja sah, wie sie oft zusammen weggingen und wie beste Freunde zurückkamen.
Die Familie durchlief unzählige Kontrollen. Um ihre finanzielle Situation zu beweisen, nahmen sie sogar einen Kredit auf. Sie renovierten ein Zimmer, kaufen Kindermöbel, Spielzeug und Kleidung.
Geld brauchten sie auch für Linas Kindergartenplatz. Als Ben gestand, dass er seine Freunde aus dem Sportverein vermisste, bezahlten sie auch das.
Endlich war alles geschafft. Die Kinder waren offiziell in ihrer Obhut. Markus nahm einen Nebenjob an, um die Schulden abzuzahlen.
Tanja, die Physiklehrerin war, gab Nachhilfe für etwas Extra-Geld. Die finanziellen Sorgen wurden weniger…
…Ein Jahr verging. Die Kinder hatten sich eingelebt. Sie nannten Tanja sogar “Mama Tanja”.
Sogar Markus’ Mutter, Helga, freundete sich mit ihnen an, obwohl sie anfangs dagegen war…
Als der Sommer kam, schlug Markus vor:
“Lasst uns ans Meer fahren! Aber nicht nach Italien nach Kroatien! Ich hab ein gutes Angebot gesehen. Ich buche gleich!”
Tanja stimmte zu. Sie war müde von dem stressigen Jahr. Markus buchte sofort.
Doch dann rief eine Kollegin an und meinte neidisch:
“Ihr habt es gut! Ich muss den ganzen Sommer im Garten schuften. Kein Geld für Urlaub. Ihr kriegt doch bestimmt viel Unterstützung für die Kinder, oder?”
Tanja wusste nicht, was sie antworten sollte. Plötzlich sah sie, wie andere sie sahen: gierig, berechnend. Natürlich hatte sie die Kinder nur des Geldes wegen genommen!
Sie erzählte Markus davon. Er nickte:
“Mir gehts ähnlich. Ein Kumpel meinte neulich, ich könnte mir endlich ein neues Auto leisten. ‘Ihr kriegt doch Kindergeld, aber du fährst immer noch den alten Schrott!'”
“Deine Mutter sagte auch, ich solle mir die Zähne machen lassen. ‘Jetzt habt ihr mehr Geld, da kann man sich doch mal um sich kümmern!'”, erwiderte Tanja.
“Mein Chef meinte, ich solle keine Sonderurlaube erwarten die Kinder seien ja nicht unsere eigenen!”
“Die Nachbarin fragte, ob das Leben jetzt leichter sei. ‘Ihr kriegt doch Hilfe sieh mal, was du alles einkaufst!'”
“Denken die alle, wir haben die Kinder nur des Geldes wegen?”, fragte Markus.
Tanja zuckte die Schultern: “Sollen sie denken, was sie wollen!”
“Vielleicht sollten wir nicht nach Kroatien fahren! Dann denken sie, wir verprassen das Kindergeld!”, überlegte Markus.
“Was sollen wir also tun?”, fragte Tanja ratlos.
Sie hatten nie an Profit gedacht. Die Waisenrente legten sie für Bens Studium zurück er wollte Programmierer werden.
“Gar nichts! Wir fahren trotzdem! Jeder denkt, wie er will!”
Bald darauf genoss die Familie Kroatien. Doch nach der Rückkehr wurde Tanja übel ihr war schwindlig, sie fühlte sich schwach…
Markus rief den Notarzt.
Nach Untersuchungen rief Tanja ihn strahlend an:
“Markus, du wirst es nicht glauben! Wir bekommen ein Baby!”
“Wirklich? Aber… die Ärzte sagten doch, es ginge nicht!”
“Sie meinten, Wunder gibts! Vielleicht ein Dankeschön von oben!”
Dann wurde sie ernst:
“Markus, die Kinder bleiben bei uns, klar?”
“Als ob es anders ginge! Ben, Lina, kommt her! Ihr kriegt ein Geschwisterchen!”
“Juhuu!”, riefen die Kinder.
In ihrer Freude lag alles: Liebe, Hoffnung, Glück…
Eine rührende Geschichte mit Happy End. Was denkt ihr dazu?

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

– Haben die denn keine Verwandten? Wozu hast du sie mitgebracht? Du tust mir leid… Leid? Und uns tut es nicht leid? Wir kommen hier selbst kaum unter! Morgen rufst du das Jugendamt an, hab ich dir gesagt! Sollen sie sich drum kümmern!
Ach komm schon, Tochter! Wir sind doch beide gerade einmal achtzehn…