„Das Kind sollte schnellstmöglich auf die Welt kommen“, schnurrte die alte Marga, während sie die Beine vom Bett baumeln ließ.

17.April2025

Heute habe ich wieder das bedrückende Gefühl, dass das Leben schneller an mir vorbeirauscht als das Wasser im Rhein im Frühjahr. Oma Greta, die inzwischen 87Jahre alt ist, liegt schon seit Tagen im Bett und spricht kaum noch. Gestern hörte ich, wie sie mit knarrender Stimme sagte: Man muss baldmöglichst ein Kind bekommen, während sie die Beine vom Bett schob. Ich muss zugeben, dass ich das kaum noch verstehe das Alter hat ihre Erinnerung an das eigene Mädchenleben fast ausgelöscht. Trotzdem drängt ihr Enkel, Thomas, und seine kleine Tochter Lotte, fünf Jahre alt, immer wieder mit dem Stock nach ihr, als wolle er sie daran erinnern, dass das Leben weitergeht.

Lotte fragte mich heute, ganz unverblümt: Oma, warum fluchst du nicht mehr so viel? Die alte Frau seufzte schwer und murmelte: Es ist Zeit zu gehen, mein Kind, Zeit zu gehen. Ihre Worte klangen wie ein leiser Wind, der durch die leeren Flure des alten Hauses weht. Ich sah, wie sie in die Küche schlich, um das bürgerliche Frühstück zu retten, das seit gestern kaum noch gekocht wurde. Die Herdplatten klappern um halb sieben und das Geräusch macht uns alle wach.

Am nächsten Morgen kam Dr. Müller, ein zurückhaltender Mann aus der Stadt, zu uns. Frau Greta zeigt Anzeichen einer altersbedingten Schwäche, stellte er fest, während er sein Notizbuch auf den Tisch legte. Thomas schlug die Hände vor lauter Erleichterung zusammen: Wir hätten ja sonst nicht gewusst, dass wir Sie brauchen! Dr. Müller nickte nur und fügte hinzu: Keine gravierenden Befunde, aber die Symptome sind eindeutig. Thomas Frau, Anna, klagte leise: Sie vergisst, wie man Suppe kocht, und steht kaum noch in die Küche. Wir beschlossen, dass das ein ernstes Warnsignal ist.

In der Nacht hörte ich das vertraute Scharren von Thomas Hausschuhen auf dem Flur. Diesmal jedoch nicht, um ihn zum Frühstück zu hetzen, sondern leise und fast verzweifelt. Mama?, flüsterte er, während er ins Dunkel stapfte. Eine dumpfe Stimme aus der Dunkelheit antwortete: Was solls? Ich will nur ein wenig schlafen. Dann kam ein müdes Lachen: Ich gehe vielleicht später mit dem Freund Peter zum Bahnhof, wenn ihr schlaft. Die Worte klangen wie ein ferner Traum, der langsam verblasst.

Oma Greta stand schließlich in der Küche, den Kopf in den Händen, und erzählte von einem Taubenschlag, der plötzlich gegen das Fenster geschlagen war. Ein schlechtes Omen, dachte sie, wie ein dunkles Gewitter, das über das Feld zieht. Sie setzte sich, schlürfte ihren Tee und sagte zu Thomas: Wir haben drei Tage nicht richtig geredet. Lass uns das nachholen. Thomas legte sich erst um halb fünf in sein Bett, während Greta weiter das Frühstück zubereitete allein, weil die Hände der Kinder zu schwach sind, um das Brot zu brechen.

Ich sitze hier mit meiner Tasse heißen Tee, beobachte das flackernde Licht der Kerze und frage mich, ob das Schicksal wirklich ein lautes Pfeifen ist oder nur das leise Rauschen der Blätter im Herbstwind. Vielleicht ist es beides. Doch eines weiß ich: Jeder Tag ist ein Geschenk, das wir nicht in der Hast verlieren dürfen.

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Homy
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„Das Kind sollte schnellstmöglich auf die Welt kommen“, schnurrte die alte Marga, während sie die Beine vom Bett baumeln ließ.
Die Klassensprecherin meinte: ‘Hier putzt man die Toiletten!’ Fünf Minuten später kam sie zu meinem Vorstellungsgespräch und wurde kreidebleich.