Der Taxifahrer bringt eine Fahrgast nach Hause und bleibt stehen, als er im Fenster seine verschwundene Frau entdeckt.

Der Taxifahrer fuhr bis zur Haustür, blieb wie erstarrt stehen, als er im Fenster seine verschwundene Frau sah.
Genug! Wie oft kann man die Vergangenheit durchkauen? knallte Nikolaus Anders das Foto auf den Tisch, seine Stimme bebte. anderthalb Jahre sind vergangen, Verena. Sie wird nicht zurückkommen.

Herr Anders, verstehen Sie mich bitte richtig, sagte Kommissarin Maria Petersen, die das Bild vorsichtig aus der Mappe nahm. Wir schließen das Verfahren. Nach der gesetzlichen Frist darf Verena Schmitt als vermisst erklärt werden.

Sie meinen also tot, erwiderte Nikolaus mit einem bitteren Lächeln.

Das habe ich nicht gesagt, korrigierte die Polizistin sanft. Nur die Formalitäten müssen erledigt werden. Unterschreiben Sie hier, bitte.

Er nahm den Stift, starrte einen Moment auf das Dokument, dann unterschrieb er mit einer hastigen Geste.

Ist das alles? Lassen Sie mich in Ruhe?

NikolausAndreas, seufzte Maria, ich verstehe Ihre Lage. Wir haben unser Bestes getan.

Ich weiß, murmelte er und ließ seine Augen müde sinken. Entschuldigen Sie. Jedes Mal, wenn Sie mit diesem Koffer kommen, fängt alles von vorne an Schlaflosigkeit, Gedanken, Erinnerungen

Wenn Ihnen etwas einfällt, das helfen könnte, melden Sie sich bitte, erwiderte die Kommissarin.

In den letzten 18Monaten habe ich jeden Tag, jede Stunde vor ihrem Verschwinden durchgespielt, sagte Nikolaus, den Kopf schüttelnd. Nichts. Ein ganz normaler Morgen, ein normales Frühstück. Wir sehen uns heute Abend, Liebling. Und dann war sie weg, zwischen Haus und Arbeit.

Maria sammelte die Unterlagen, stand auf.

In meiner Laufbahn gab es Fälle, in denen Menschen nach drei, fünf Jahren zurückkehrten.

Und Sie haben auch Fälle, in denen die Frau einfach zu einem anderen ging, ohne ein Wort zu sagen? schnappte Nikolaus scharf.

Sie schwieg einen Moment, nickte dann. Das kam vor. Aber meist hinterlassen sie eine Notiz.

Als die Tür zur Polizeistation schloss, setzte sich Nikolaus in den Stuhl, schloss die Augen. Das Verschwinden von Verena war seit anderthalb Jahren ein dunkles Loch: Sie ging nur aus der Tür und kam nie zurück. Kein Anruf, keine Nachricht. Das Mobiltelefon war abgeschaltet, die Bankkarten unbenutzt. Es war, als wäre sie in die Erde versunken.

Er hatte alles probiert Polizei, Privatdetektive, Anzeigen in der *Berliner Morgenpost*, Posts im Internet. Nichts. Niemand sah sie, niemand wusste etwas.

Die ersten Monate waren das Schlimmste. Endlose Vernehmungen (natürlich war er der Hauptverdächtige), Suchaktionen, Hoffnungsschimmer. Dann kam die Lähmung, ein dumpfer, stechender Schmerz im Brustbereich und endlose Fragen ohne Antworten.

Warum? Wie hatte er das übersehen? War sie unglücklich? Hatte sie jemand anderen gefunden? Oder ist etwas Schreckliches geschehen? Vielleicht lebt sie noch, kann aber nicht kommunizieren? Nein, er wollte nicht darüber nachdenken.

Ein Telefonklingeln riss ihn aus den düsteren Gedanken. Auf dem Display leuchtete die Nummer der Taxi-Zentrale.

Hallo, Nikolaus? die Stimme der Disponenten, Tanja, klang müde. Können Sie morgen früh starten? Die Aufträge strömen gerade herein.

Ja, natürlich, antwortete er, die Nase leicht riebend. Um wie viel?

Ab sechs Uhr, wenn möglich. Erster Auftrag zum Flughafen.

In Ordnung, ich bin dabei.

Nikolaus begann erst drei Monate nach Verenas Verschwinden wieder zu fahren. Seine Hauptbeschäftigung als Ingenieur hatte er verloren das Unternehmen hatte lange genug seine unbegründeten Fehltage toleriert, doch schließlich war die Geduld am Ende. Auch die Konzentration für Berechnungen und Baupläne fehlte ihm.

Das Lenken des Taxis passte jedoch perfekt. Es war körperliche Arbeit, die Aufmerksamkeit verlangte, aber keine intensive Konzentration. Keine Bindungen Gesichter wechselten, Gespräche kamen und gingen. Heute fuhr er sie, morgen jemand anderes. Keine Verantwortung außer den Passagier von PunktA nach PunktB zu bringen.

Der Morgen begann wie immer: Aufstehen um fünf, kalte Dusche, starker Kaffee. Nikolaus sah sich im Spiegel ein faltiges Gesicht, graue Schläfen, Falten, die vor anderthalb Jahren noch nicht da waren. Zweiundvierzig, doch er sah aus, als wäre er fünfzig.

Der erste Kunde wartete vor dem Haus ein gedrungenes Mann mit zwei Koffern, nervös und gesprächig. Auf dem Weg zum Flughafen redete er über seine Reise nach München, über die Schwiegermutter, die seine Frau tyrannisierte, und über den tyrannischen Chef. Nikolaus nickte, gab ab, doch seine Gedanken schwebten woanders hin.

Der Tag verlief routiniert Bahnhof, Einkaufszentrum, Bürokomplex, wieder Bahnhof. Der Abend brachte Müdigkeit, doch er konnte nicht nach Hause gehen die Disponentin bat um einen weiteren Auftrag.

Nikolaus, bitte noch einen. Von der Rheinstraße zum Grünheim. Der letzte heute.

Okay, seufzte er, prüfte die Adresse im Navi.

Der neue Kunde war eine junge Frau mit einem kleinen Kind. Der Junge war etwa dreivier Jahre alt und weigerte sich, ins Auto zu steigen.

Mats, bitte, bat die Mutter. Bald sind wir zu Hause, Papa wartet.

Ich will nicht nach Hause!, schrie das Kind. Ich will zur Oma!

Wir fahren Samstag zur Oma, versprochen. Jetzt müssen wir nach Hause.

Nikolaus wartete geduldig, bis sie einsetzten. Die Fahrt war anstrengend das Kind wimmerte, die Mutter sah erschöpft aus.

Entschuldigung, sagte sie, endlich auf dem Rücksitz Platz genommen. Ein harter Tag.

Kein Problem, antwortete Nikolaus, aktivierte den Taxameter. Grünheim, Lippenweg17, richtig?

Ja, genau.

Der Verkehr verlangsamte sich wegen eines Unfalls im Stadtzentrum, sie standen fast eine Stunde im Stau. Das Kind beruhigte sich, schlief schließlich im Arm der Mutter. Die Frau blickte schweigend aus dem Fenster, Nikolaus spielte leise Musik, um das Kind nicht zu wecken.

Als sie das Staugebiet endlich verließen, war es dunkel geworden, ein leichter Regen trommelte auf die Straße, Pfützen bildeten sich. Nikolaus fuhr konzentriert, trotz eines pochenden Kopfschmerzes.

Grünheim lag am Stadtrand Neubaugebiete, hohe Plattenbauten, noch nicht ganz bewohnt. Nikolaus war selten hier, mochte er die anonymen Betonwände, fehlte ihm an Persönlichkeit.

Hier rechts, wies die Frau, als sie in den Innenhof einbogen. Zum dritten Haus bitte.

Nikolaus bog ab, hielt vor dem genannten Gebäude. Ein unscheinbarer SiebenZehnerPlattenbau.

Wir sind da, sagte er, drehte den Schlüssel. 420Euro, bitte.

Die Frau zog ein Portemonnaie, reichte ihm einen 500EuroSchein.

Kein Wechselgeld nötig. Danke für Ihr Geduld.

Danke für die Großzügigkeit, lächelte Nikolaus. Darf ich das Kind kurz halten?

Er stieg aus, öffnete die Hintertür. Die Mutter reichte ihm den schlafenden Jungen, dann ging sie selbst zur Tür. Nikolaus hielt das Kind behutsam, während die Frau das Geldzählen und die Koffer packte.

Ich nehme ihn mit, sagte sie schließlich.

Sind Sie sicher? Vielleicht sollte ich ihn direkt zur Wohnung bringen.

Nein, danke, wir schaffen das. Mein Mann ist zu Hause und hilft.

Er gab das Kind zurück, das noch nicht erwacht war. Die Frau dankte erneut und ging zum Aufzug. Nikolaus wollte gerade zurück zum Auto, blieb aber stehen, als er durch das Fenster des Gebäudes einen Lichtschein bemerkte.

Im dritten Stock leuchtete ein Fenster. Die Frau mit dem Kind stand im Flur, doch Nikolaus sah nur einen Schatten eine vertraute Silhouette, die ihm das Herz stocken ließ.

Er kannte diese Gestalt, diesen leichten Zug des Haares hinter dem Ohr. Er hatte sie tausendmal gesehen.

Verena. Seine Frau. Die vor anderthalb Jahren verschwunden war.

Er wusste nicht, wie er aus dem Auto kam, wie er den Hof überquerte, wie er die Treppe hinaufstieg. In einem Nebel aus Stimmen und Blicken hörte er sein eigenes Herz hämmern. Der dritte Stock, die Wohnung mit den nach Osten ausgerichteten Fenstern.

Der Aufzug war defekt, daher rannte er die Stufen hinauf, keuchte, hielt an der vierten Tür. Welche war es?

Er erinnerte sich an das Fenster: links gezählt, die zweite Tür vom Flur. Er trat leise, lauschte. Stille. Das Herz schlug so laut, dass es fast das ganze Haus zu hören schien.

Mit zitternder Hand drückte er den Klingelknopf. Eine lange, qualvolle Sekunde verging, dann Schritte. Das Schloss klickte, die Tür öffnete sich.

Im Flur stand ein Mann um die Vierzig, in Hausschuhen und einem TShirt.

Ja? fragte er verwirrt.

Nikolaus wollte sprechen, doch die Worte blieben stecken.

Wen suchen Sie? fragte der Mann, die Stirn gerunzelt.

Ich , stotterte Nikolaus, ich suche meine Frau, Verena Schmitt.

Der Mann blickte überrascht, dann misstrauisch.

Hier gibt es keine Verena Schmitt, sagte er. Sie haben die falsche Adresse.

Er wollte die Tür schließen, doch Nikolaus hielt sie offen.

Warten Sie! Ich habe sie gerade im Fenster gesehen. Ich bin nicht verrückt, das ist meine Frau.

Der Mann zögerte, dann öffnete er die Tür weiter. Hinter ihm stand die Frau, die er gerade abgeholt hatte die Passagierin, die er eben gebracht hatte. Sie hielt ein schlafendes Kind im Arm.

Was soll das, Sebastian?, rief sie.

Dieser Typ sucht irgendeine Verena, erklärte der Mann. Er behauptet, sie sei hier.

Die Frau runzelte die Stirn, dann weiteten sich ihre Augen.

Moment mal Sie sind doch der Taxifahrer, der uns gerade gebracht hat! Was tun Sie hier?

Ich habe meine Frau im Fenster gesehen, wiederholte Nikolaus verzweifelt. Verena Schmitt, etwa 1,70m groß, dunkles Haar bis zur Schulter, Muttermal über der rechten Augenbraue.

Die beiden tauschten misstrauische Blicke.

Hier wohnen nur wir, meine Frau und unser Sohn, sagte der Mann. Und meine Schwiegermutter, Gisela Schmitt.

Gisela? fragte Nikolaus.

Ja, das ist meine Mutter, erklärte die Frau. Sie lebt seit einem Jahr bei uns.

Darf ich sie kurz sehen? bat Nikolaus, die Stimme bebend.

Der Mann schüttelte den Kopf.

Nein, sie ist krank. Und warum sollte ich Ihnen das zulassen? Wir haben hier keine Verena.

Die Frau legte beruhigend ihre Hand auf Nikolaus Schulter.

Sebastian, lass ihn rein. Was verlieren wir?

Verena ist nicht hier, widersprach der Mann leise.

Bitte, ich habe sie 18Monate nicht gesehen. Ich muss wissen, ob das wirklich meine Frau ist.

Nach langem Zögern nickte der Mann widerwillig.

Gut, aber nur für eine Minute. Und wenn es nicht meine Frau ist, gehen Sie sofort.

Sie führten ihn in einen kleinen Flur. Die Frau zog das Kind ins Zimmer, der Mann zeigte ihm den Weg zur geschlossenen Tür.

Warten Sie hier, ich warne sie vorher, sagte er.

Er klopfte leise, öffnete die Tür, ohne auf Antwort zu warten, und schloss sie wieder. Aus dem Zimmer drangen gedämpfte Stimmen, unverständlich.

Endlich öffnete er die Tür. Nikolaus trat ein. Das Zimmer war klein, das Bett ordentlich, ein Schrank, Fotos an den Wänden. Am Fenster stand ein Sessel, darin eine Frau, die nach draußen auf den regnerischen Abend blickte.

Sie drehte sich um, und Nikolaus Herz setzte einen Schlag aus.

Verena. Nicht mehr die gleiche, etwas dünner, mit kürzeren Haaren, doch eindeutig sie. Das Muttermal, die grünen Augen, ein kleiner Narbenfleck am Kinn ein Überbleibsel einer Kindheitssturzverletzung.

Verena, hauchte er.

Sie sah ihn an, ohne Ausdruck.

Entschuldigung, sagte sie leise. Sie verwechseln mich mit jemand anderem. Ich heiße Gisela.

Ihre Stimme war ihr eigen, doch die Tonlage war fremd.

Verena, das bin ich, Kola, sagte er, trat einen Schritt näher. Dein Mann.

Sie runzelte die Stirn, Verwirrung blitzte in ihren Augen auf.

Sebastian? rief sie. Wer ist das?

Sebastian trat sofort neben sie.

Alles in Ordnung, Mama. Das ist ein Bekannter von Lena, er geht gleich.

Mama? wiederholte Nikolaus, verwirrt. Welche Mama? Das ist meine Frau!

Hören Sie zu, legte Sebastian ihr die Hand auf die Schulter, es wäre besser, wenn Sie gehen würden. Sie stören meine Schwiegermutter.

Schwiegermutter?!, schallte Nikolaus auf, fast lachend vor Absurdität. Verena Schmitt, meine Frau! Wir sind seit acht Jahren verheiratet!

Verena oder Gisela sah ihn ratlos an.

Sebastian, ich kenne ihn nicht, sagte sie. Warum nennen Sie mich mit einem fremden Namen?

Nikolaus erzählte ihr ihr erstes Treffen im Park, das verschüttete Eis, das Versprechen, zu heiraten, das Lachen. Ihr Gesicht verfinsterte sich kurz, dann verschwand das Bild.

Sie liegen falsch, sagte sie bestimmt. Ich heiße Gisela Petra. Ich bin Lenas Mutter.

Sie berührte ihren Kinn, prüfte den kleinen Narbenfleck.

Lena trat ein, das Kind war nicht mehr bei ihr.

Was passiert hier? Mama, bist du in Ordnung?

Dieser Mann redet wirre Dinge, sagte VerenaGisela. Er nennt mich einen fremden Namen.

Du musst gehen, sagte Sebastian fest. Jetzt.

Nikolaus versuchte zu protestieren aber die Zeit war bereits verstrichen, das Licht der Wirklichkeit drang langsam durch den Nebel.

Ich will nicht, dass Sie uns wegschicken, flehte er. Warum lebt meine Frau hier unter einem anderen Namen? Warum nennt ihr mich Schwiegersohn? Was habt ihr ihr angetan?

Wir haben ihr nichts getan, sagte Sebastian müde. Wir haben sie gerettet.

Ich habe gesucht! Jeden Tag, jede Minute!

VerenaGisela stand plötzlich auf, ihr Gesicht blass, die Hände zitterten.

Nordbrücke, Schnee, Kälte, flüsterte sie.

Alle hielten den Atem an.

Erinnerst du dich, Mama? fragte Lena vorsichtig.

Das Auto, murmelte Verena, drückte die Hände an die Schläfen, als wolle sie flüchtige Bilder festhalten. Ein weißes Auto. Und ein Mann grob, furchterregend.

Nikolaus drängte vor.

Du fuhrst zur Arbeit mit der Bahn. Was geschah dann?

Sie sah durch ihn hindurch, die Augen verschwommen:

Er packte mich. Zog mich ins Auto. Ich schrie, aber niemand niemand half.

Wer war das? fragte er.

Sie schüttelte den Kopf, als würde sie den Alptraum vertreiben wollen.

Ich will es nicht erinnern.

Lena umarmte sie, leise: Du musst das nicht. Du bist sicher.

Aber ich muss wissen, sagte Verena, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Bist du meine Frau?

Ein Funken Erkennen blitzte in ihren Augen auf, kurz wie ein Blitz.

Ich, streckte sie zaghaft die Hand aus, berührte sein Gesicht. Ich erinnere mich an etwas. An dir.

Nikolaus legte seine Hand überAls Nikolaus sie endlich in die Arme schloss, spürte er, wie das lange verlorene Licht ihrer gemeinsamen Zukunft wieder leise, doch unaufhaltsam, in ihren Herzen entzündete.

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Homy
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Der Taxifahrer bringt eine Fahrgast nach Hause und bleibt stehen, als er im Fenster seine verschwundene Frau entdeckt.
»So einen Mann würde ich niemals heiraten!« – Das überraschende Geständnis eines kleinen Mädchens vor der Braut vor der Kneipe