Mein Mann hat mich gegen eine Jüngere eingetauscht und seine Mutter auf mich angesetzt, damit ich nichts aus seiner Wohnung schaffe. Doch ich ließ ihn mit leeren Händen zurück.

Wolfgang stand in der Mitte des weitläufigen, in weiches Licht getauchten Wohnzimmers und blickte herablassend auf seine Frau herab. Er fühlte sich, als hätte er gerade den Jackpot geknackt. Mit fünfzig, so schien es ihm, war er endgültig auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, und die bevorstehende Veränderung in seinem Privatleben gab ihm nur noch mehr von dieser siegessicheren Energie.

„Lass uns bitte ohne Drama, Marianne“, sagte Wolfgang mit samtweicher, leicht gönnerhafter Stimme und knöpfte sich den Blazer zu. „Wir sind erwachsene Menschen. Ich habe eine andere Frau kennengelernt. Vielleicht hast du es geahnt, keine Ahnung. Kurz gesagt: Sie ist dreißig, und zwischen uns ist es echt. Ich will dieses Doppelspiel nicht länger führen, deshalb sage ich es dir direkt: Wir lassen uns scheiden, und von heute an leben wir nicht mehr zusammen.“

Marianne, fünfundvierzig, saß in einem Ledersessel. Elegant, selbstbewusst, machte sie keine Anstalten, die Hände zu ringen, nach Baldriantropfen zu greifen oder eine Aussprache zu erzwingen.

Sie trank schweigend einen Schluck Kaffee aus einer Porzellantasse und wartete darauf, dass er weitersprach. Ihre Ruhe brachte Wolfgang kurz aus dem Konzept, aber er fing sich schnell wieder.

„Die Wohnung gehört, wie du dich erinnerst, mir. Vor der Ehe erworben“, betonte er das letzte Wort, als schlüge er einen Nagel in die Wand. „Ich bin kein Unmensch, der dich mitten in der Nacht auf die Straße setzt. Du hast zwei Tage Zeit zum Packen. Das Wochenende gehört ganz dir. Ich fahre mit Gisela raus, damit ich dir nicht im Weg stehe. Montagfrüh kommen wir zurück. Sie braucht weder deine Tränen noch deine Hysterie, und schon gar keine fremde Energie in diesen Räumen. Ich hoffe, du hast das Feld bis dahin geräumt?“

„Bis Montag?“, fragte Marianne mit ruhiger Stimme nach. „Das reicht. Zwei Tage genügen mir völlig.“

Wolfgang nickte zufrieden. Es gefiel ihm, dass sich die Scheidung so zivilisiert abwickeln ließ. Er hatte sich immer für einen großzügigen Mann gehalten.

Diese Großzügigkeit Wolfgangs endete allerdings dort, wo seine eigenen Finanzen begannen. In all den fünfzehn Ehejahren hatte er es nie versäumt, Marianne daran zu erinnern, dass sie auf „seinem Territorium“ gelandet sei.

Nur war dieses Territorium vor fünfzehn Jahren eine trostlose Betonbox mit drei Zimmern gewesen, fast ohne Möbel, ohne jede Spur von Gemütlichkeit. Wolfgang hatte damals stolz verkündet, entscheidend seien die Quadratmeter, und schlafen könne man auch auf einer Matratze. Er war in Alltagsdingen pathologisch knauserig. Sein gesamtes Privatgeld steckte er in teure Autos, die er, wie zur Vorsicht, auf den Namen seiner Mutter Roswitha anmelden ließ.

Marianne jedoch, eine Frau mit ordentlichem Einkommen und erlesenem Geschmack, war keineswegs bereit, in spartanischen Verhältnissen zu leben. Sie brauchte Komfort. Schon in den ersten Monaten der Ehe richtete sie die gesamte Wohnung vollständig ein – aus ihren eigenen Ersparnissen.

Sie war es, die die Zimmermöbel sowie die italienische Einbauküche im klassischen, niemals aus der Mode kommenden Stil bestellte. Sie suchte die hochwertigen Geräte aus, bezahlte den teuren Parkettboden, kaufte Kronleuchter und ließ in Maßanfertigung schwere Vorhänge nähen, die perfekt mit dem Interieur harmonierten.

Dann kam Mariannes Leidenschaft hinzu: Antiquitäten. Während der gesamten Ehe erwarb sie nach und nach zierliche, kostbare Stücke. Wolfgang lächelte darüber nur gönnerhaft: „Dein Geld, deine Staubfänger. Spiel dich nur aus. Auf diese Museumsteile könnte ich verzichten.“

Doch seine Mutter bat er, am Wochenende vorbeizukommen, während Marianne die Koffer packen sollte.

„Mutti, wir lassen uns scheiden. Alles wird zivilisiert ablaufen. Aber sieh zur Sicherheit nach, dass Marianne nichts mitgehen lässt aus meinem Haus.“

„Natürlich, Wolfgang. Ich stehe doch immer zu dir“, versicherte Roswitha ihrem Sohn.

Aber das Schicksal liebt es, in genau solchen Momenten zu ironisieren. Am Samstagmorgen, als die Schwiegermutter gerade zu ihrem Sohn aufbrechen wollte, schoss ihr Blutdruck in die Höhe. Der Notarzt musste kommen, und die Ärzte verordneten strikte Bettruhe. Die Aufpasserin war aus dem Spiel.

Wolfgang packte währenddessen seinen Lederkoffer und gab seiner Frau dabei die letzten Anweisungen.

„Also gut, Marianne“, sagte er und blieb im Flur stehen, um sein Reich zu überblicken. „Nimm deine Kleider, deine Kosmetik, deine Vasen. Nur bitte keinen Vandalismus.“

Marianne lehnte am Türrahmen, verschränkte die Arme und fragte: „Was verstehst du unter Vandalismus?“

„Die Einbaugeräte fasst du nicht an. Sie sind für diese Küche gebaut, also gehören sie jetzt zur Wohnung. Backofen, Geschirrspüler – alles bleibt an seinem Platz, ich bin es gewohnt. Und diese antike Kommode im Schlafzimmer lässt du bitte ebenfalls hier.“

„Die Kommode?“, sagte Marianne und zog eine Augenbraue hoch. „Du hast sie doch immer nur Sperrholz genannt.“

„Gisela wird sie mögen“, erwiderte Wolfgang knapp. „Sie ist überhaupt begeistert von der Einrichtung. Sie sagt, ich hätte einen fantastischen Geschmack. Also zerstör mir nicht das Ambiente.“

Gisela war tatsächlich begeistert. Die dreißigjährige Frau, die in einem Schönheitssalon als Empfangsdame arbeitete, glaubte fest daran, das große Los gezogen zu haben. Wolfgang wirkte auf sie wie ein wohlhabender, seriöser Ästhet. Auf allen Fotos in den sozialen Netzwerken posierte er lässig – mal in einem tiefen Ledersessel, mal vor teuren Gemälden, mal an genau jener geschnitzten antiken Kommode gelehnt. Gisela war sich absolut sicher, dass sie nun in eine Luxuswohnung zu einem reichen Mann ziehen würde, der ihr ein sorgenfreies Leben garantierte.

„Wie du meinst, Wolfgang“, sagte Marianne, und ein kaum wahrnehmbares, kühles Lächeln glitt über ihre Lippen. „Ich nehme nur das Meine mit.“

„Braves Mädchen. Schön, dass du keine Szene machst. Ich habe immer gewusst, dass du klug bist und dich nicht gegen meine Überlegenheit stellst. Die Schlüssel brauchst du nicht abzugeben – Montag wechsle ich einfach die Schlösser.“

Er schnappte seine Tasche und trat hinaus, im Kopf bereits den triumphierenden Einzug mit seiner Neuen.

Als Wolfgang mit Gisela in einem Landhotel mit Spa angekommen war, ging eine Nachricht von seiner Mutter ein.

„Wolfgang, ich erreiche dich telefonisch nicht. Mein Blutdruck ist wieder hoch, der Notarzt war hier. Ich kann nicht zu dir und Marianne nicht beaufsichtigen.“

Wolfgang fluchte. Den Urlaub mit der neuen Geliebten absagen konnte und wollte er nicht. „Marianne wird schon nichts mitgehen lassen. Sie ist nicht der Typ dafür“, sagte er sich. Also antwortete er seiner Mutter nur knapp, sie solle sich schonen.

Marianne dagegen wählte unmittelbar nach Wolfgangs Abfahrt eine Nummer, die sie schon am Vorabend vorbereitet hatte.

„Hallo, hier ist Marianne. Ich habe Sie gestern angerufen. Ja, dieselbe Adresse. Ich erwarte Sie in einer Stunde. Den größten Wagen, den Sie im Fuhrpark haben. Ja, mit Werkzeug. Es wird einiges zu demontieren sein.“

Direkt im Anschluss bestätigte sie die Reservierung eines Lagerraums für ihre persönlichen Sachen. In den zwei Tagen, die ihr der Exmann für den Auszug zugestanden hatte, eine neue, freie Wohnung zur langfristigen Miete zu finden, war unmöglich. Marianne beschloss daher, vorübergehend bei ihrer Mutter unterzukommen, während sie nach einer passenden Lösung suchte.

Gegen Mittag kamen sechs kräftige Männer in Arbeitskleidung in die Wohnung. Dazu ein Elektriker und ein Spezialist für Möbelmontage und -demontage.

„Womit beginnen wir, Chefin?“, fragte der Vorarbeiter nüchtern und musterte den Umfang der Aufgabe.

„Wir beginnen mit allem“, antwortete Marianne gelassen. „Baut die Küchenfronten ab. Kochfeld, Backofen, Dunstabzugshaube, Mikrowelle und Geschirrspüler raus. Danach die Polstermöbel und das Schlafzimmer. Die Antiquitäten werden in dreifache Luftpolsterfolie gepackt, jede Ecke kontrolliere ich persönlich.“

Die Arbeit nahm Fahrt auf. In der Wohnung dröhnten Schrauber und raschelte Packband. Es war kein hysterisches Zusammenraffen einer beleidigten Ehefrau, sondern eine präzise, kaltblütig geplante Logistikoperation. Marianne steuerte das Geschehen mit der Anmut einer Feldherrin.

Von den Fenstern verschwanden die schweren Samtvorhänge, von den Wänden die Bilder. Der Elektriker baute die teuren Kronleuchter und Wandleuchten ab und ließ stattdessen nur nackte Glühbirnen zurück.

Der Parkettboden ächzte dumpf unter den schweren Stiefeln der Umzugsmänner, die Ledersofa, Schrank, geschnitzte Kommode und Haushaltsgeräte hinausbeförderten. Die Wohnung verlor rasant ihren Glanz und wurde wieder zu jener hallenden, trostlosen Betonbox, die sie vor fünfzehn Jahren gewesen war.

Am Samstagabend war der große Lastwagen, der vor dem Haus stand, bis unters Dach verstaut. Der Vorarbeiter wischte sich den Schweiß von der Stirn und kam ein letztes Mal nach oben. Marianne stand in der leeren, ausgeschlachteten Küche.

„Chefin“, sagte der Mann schwer atmend, „wir haben ein Problem. In den Wagen passt nicht mal mehr ein Streichholzschachtel. Wir haben bis unter die Decke geladen, die Türen gehen kaum zu. Hier sind noch der Esstisch und ein Hocker übrig. Sollen wir einen zweiten Laster rufen?“

Marianne betrachtete den soliden Holztisch und den einsamen Hocker daneben.

„Nein, das ist nicht nötig“, sagte sie mit einem amüsierten Lächeln. „Lassen Sie beides da. Das soll mein Abschiedsgeschenk an das Brautpaar sein. Die beiden brauchen ja etwas, worauf sie ihre strahlende Zukunft aufbauen können.“

Sie sah sich ein letztes Mal in dem Raum um, an dessen Wänden nun nackte Kabel hervorsahen, und ging. Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss.

Der Montagmorgen war sonnig. Wolfgang stellte den Wagen vor dem Haus ab, öffnete Gisela galant die Tür und half ihr mit den Koffern. Sie machte sich bereit, als neue Herrin eine prachtvolle Wohnung zu betreten.

„So, Schatz, wir sind zu Hause“, verkündete Wolfgang feierlich und drehte den Schlüssel im Schloss.

Er stieß die Tür auf und ließ Gisela galant vortreten.

Sie machte zwei Schritte in den Flur. Klick, klick, klick. Der Klang ihrer Absätze hallte schneidend und hohl durch die leere Wohnung.

Gisela erstarrte. Wolfgang, der direkt hinter ihr ging, stieß gegen sie und hob verärgert den Kopf. Ihm blieb das Wort im Hals stecken.

Vor ihnen erstreckte sich eine absolut leere Wohnung. Im Wohnzimmer gab es weder Möbel noch Fernseher, keine Bilder, keine Vorhänge. Statt eines prunkvollen Kristallleuchters schwang unter der Decke trüb eine nackte Glühbirne. Aus dem Schlafzimmer gähnte Leere – kein Bett, keine antike Kommode, die Gisela so gemocht hatte.

Wolfgang rannte fassungslos in die Küche. Dort, wo am Freitag noch die teure italienische Einbauküche mit den Geräten gestanden hatte, klafften nun die Ausgänge der Wasserrohre, und die Steckdosen schauten schwarz aus den Wänden.

In der Mitte dieser schallenden Leere standen ein einsamer Tisch und ein Hocker. Auf dem Tisch glänzten im matten Licht die Schlüssel von Marianne.

„Wolfgang …“, Giselas Stimme kippte in ein dünnes Kreischen. Sie drehte sich langsam zu ihm um, das Gesicht verzerrt von Unverständnis und aufsteigender Wut. „Was soll das? Wo ist alles? Wo sind die Möbel? Wo ist die Technik?“

„Marianne …“, presste Wolfgang fassungslos hervor und ließ den Blick vom nackten Boden zu den leeren Wänden schweifen.

„Du hast gesagt, du hast eine toll ausgestattete Wohnung! Du hast gesagt, wir leben im Komfort! Wollen wir jetzt abwechselnd auf diesem Hocker schlafen? Dann bestell sofort neue Möbel!“

Wolfgang schluckte trocken. Er wusste genau, dass er sich keine neuen Möbel leisten konnte, schon gar nicht in diesem Stil. Seine Ersparnisse steckten in dem Auto, das auf den Namen seiner Mutter zugelassen war, und bis zum nächsten Gehalt waren es noch zwei Wochen. Um die Dreizimmerwohnung auch nur notdürftig mit billigen Schränken und Betten auszustatten, bräuchte er einen hohen Kredit. Und in dieser Nacht würden sie entweder hier auf dem Fußboden liegen oder in Giselas kleiner Einzimmerwohnung.

An die Wand gelehnt, erinnerte sich Wolfgang an Mariannes Worte aus ihrem letzten Gespräch: „Ich nehme nur das Meine mit …“ Und sie hatte ihr Wort gehalten: Sie hatte seine Wände nicht angefasst. Sie hatte nur das mitgenommen, was ihr gehörte.

Wissen Sie, mich haben diese Pappkarton-Schicksale aus billigen Melodramen schon immer ehrlich amüsiert. Ach, er bringt eine andere mit! Ich packe mein Täschchen, hebe stolz das Kinn, wische eine Träne fort und verschwinde im Sonnenuntergang, um ihnen alles zu überlassen, was ich aus eigener Kraft geschaffen habe.

Warum, bitte schön, sollte eine erwachsene, arrivierte Frau das Glück einer anderen finanzieren? Stolz bedeutet nicht, mit einem Koffer zu gehen und dem Exmann großzügig den eigenen Komfort zu schenken. Stolz bedeutet, das Eigene mitzunehmen, das man mit dem eigenen Geld bezahlt hat, und dem Aufschneider genau das zu überlassen, was er verdient. Wolfgang hat so mit seinen „vor der Ehe erworbenen Quadratmetern“ geprahlt? Bitte – Marianne hat ihm seine Betonbox im Originalzustand zurückgegeben. Genießt es, ihr zwei.

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Homy
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Mein Mann hat mich gegen eine Jüngere eingetauscht und seine Mutter auf mich angesetzt, damit ich nichts aus seiner Wohnung schaffe. Doch ich ließ ihn mit leeren Händen zurück.
Die Enkelin.