„Der Hund lässt uns den Schuppen nicht abreißen“, schimpften die Arbeiter! Der Besitzer trat ein und erstarrte.

**Dienstag, 11. Mai**

Der Vorarbeiter rief um sieben Uhr morgens an und sagte nur ein Wort: Hund. Ich begriff nicht gleich, was ein Hund mit dem Abriss des alten Schuppens zu tun hatte.

„Was für ein Hund, Werner?“

„Eine Rote. Mittelgroß. Lässt uns nicht ran, knurrt, steht vor der Tür. Kurzum, wir können nicht arbeiten.“

„Ihr seid vier gesunde Männer mit Brecheisen.“

„Günter, sie geht nicht weg. Wir haben gebrüllt, mit einem Stock geworfen, gestampft. Sie läuft fünf Meter weg und kommt wieder. Legt sich direkt auf die Schwelle.“

Ich setzte mich im Bett auf und rieb mir das Gesicht mit den Handflächen. Vor dem Fenster zog die Nässe des ersten Mai herauf, wenn die Erde die Kälte noch nicht losgelassen hat.

Das Grundstück hatte ich im März gekauft. Das Haus war solide, die Wände hielten, aber der Schuppen ragte am Rand wie ein fauler Zahn hervor: schief, mit abblätternder grüner Farbe, eingebrochenem Dach und einem schweren Geruch nach morschen Brettern, der selbst über das Grundstück hinweg zu riechen war.

Der Abriss war für Samstag geplant. Die Mannschaft, der Container, der Vorschlaghammer. Alles bezahlt.

Und jetzt ein Hund.

Ich zog mich an, goss Kaffee in eine Reisetasse und setzte mich ins Auto. Unterwegs nahm ich einen Schluck, verbrannte mir die Zunge und wurde noch wütender.

Streuner gab es am Stadtrand genug: Sie lungerten an den Mülltonnen herum, wärmten sich an der Fernwärmeleitung, bettelten vor dem Rewe. Aber dass eine einzige Promenadenmischung vier Männer aufhält, erschien mir lächerlich.

Auf der Zufahrt zum Grundstück rief ich zurück.

„Geht nicht weg. Ich bin gleich da, ich regle das.“

„Sind wir auch nicht. Wir sitzen hier und rauchen. Der Hund liegt. Die Lage ist stabil.“

Das letzte Wort sagte der Vorarbeiter mit einer solchen Gelassenheit, dass ich das Lenkrad umklammerte.

Auf dem Grundstück war es still. Der Vorschlaghammer lag im Gras, das Brecheisen lehnte am Zaun. Werner saß auf einem umgedrehten Eimer und rauchte, die Flamme mit der Hand vor dem Wind schützend. Zwei Arbeiter kauten Brote in der Fahrerkabine des Sprinters, mit einer Miene, als ob sie fürs Warten bezahlt würden.

„Da ist sie.“

Vor der Tür des Schuppens, direkt auf der Schwelle, lag eine rote Promenadenmischung. Weder groß noch klein. Ein Auge leicht zugekniffen, entweder verletzt oder von Geburt an. Das Fell war stellenweise verfilzt, an den Flanken traten die Rippen hervor. Sie bellte nicht. Sie lag, die Schnauze auf die Pfoten gelegt.

„Habt ihr versucht, herumzugehen? Die andere Wand ist morsch, man könnte mit dem Brecheisen…“

„Versuchten. Sie läuft herum und stellt sich genau vor die Stelle, von der wir kommen.“

Der kalte Kaffee schmeckte bitter auf der Zunge. Ich trank ihn aus, stellte die Tasse auf einen Zaunpfosten und ging zum Schuppen. Mit jedem Schritt veränderte sich der Geruch. Zuerst Gras und Erde, dann feuchtes Holz, Fäulnis. Und noch etwas, schwach und schwer fassbar, das ich nicht bestimmen konnte.

Der Hund hob den Kopf. Knurrte nicht. Sie stand auf und spannte den ganzen Körper an. Das Fell entlang des Rückens sträubte sich langsam, der Schwanz zuckte nervös.

„Hau ab!“

Ich stampfte mit dem Fuß auf, dumpf.

Sie wich einen halben Schritt zurück. Verharrte. Und kam wieder. Stellte sich vor die Tür, versperrte den Spalt zwischen Türblatt und Rahmen. Sie fletschte nicht die Zähne. Sie sah mich an.

Ich ging in die Hocke, um auf Augenhöhe mit ihr zu sein. Anderthalb Meter zwischen uns. Die Augen waren braun, dunkel, mit feuchtem Glanz, das linke tränte leicht. Wut war nicht darin. Es war etwas anderes, wofür ich damals kein Wort fand.

Einer der Arbeiter kam näher und hielt ein Stück Stock hin.

„Sollen wir sie kräftiger verjagen?“

„Nein.“

„Werner sagt, der Tierfang kommt erst am Dienstag. Und der Container steht nur bis heute Abend.“

„Ich weiß.“

Die Knie knackten, als ich mich aufrichtete. Das Geräusch wirkte zu laut für den stillen Morgen. Der Hund rührte sich nicht.

„Ich gehe selbst hinein.“

„Und wenn sie beißt?“

„Sie beißt nicht.“

Das sagte ich aus Wut, nicht aus Überzeugung. Und trat zur Tür.

Der Hund knurrte. Leise, fast vor sich hin. Ein Kehlkopfgeräusch, das nicht ängstigte, sondern befremdete. Meine Hand stieß die Tür auf. Das Holz knarrte, die Unterkante schrammte über den Boden, die Angeln quietschten so laut, dass sich der Arbeiter am Transporter umdrehte.

Ich zwängte mich seitlich hinein.

Drinnen war es dunkel. Und warm. Nicht sommerlich, sondern anders: dick, feucht, als ob die Luft von selbst atmete.

Ich blieb auf der Schwelle stehen. Diesen Geruch kannte ich. Meine Mutter hatte früher Kätzchen von der Straße hereingeholt, sie in einem Karton an der Heizung untergebracht, und im Zimmer hatte es genau so gerochen.

Die Augen gewöhnten sich erst langsam. Zuerst zeichnete sich die Werkbank ab: leere Farbdosen, ein Drahtknäuel, ein Spaten ohne Stiel. Dann der Boden. Lehm, festgetreten, mit Büscheln von letztjährigem Heu. Spinnweben zogen sich vom Balken zur Wand, und darin glitzerte ein einsamer Tropfen, rund und schwer.

Der Blick glitt in die hintere Ecke. Dort, wo das Dach noch hielt und durch einen Spalt zwischen den Brettern ein schmaler Lichtstreifen fiel.

Dort lag eine Decke.

Grau, abgewetzt, mit Fransen an den Rändern. Ich hatte sie im März gesehen, als ich das Grundstück vor dem Kauf besichtigte. Damals dachte ich: Obdachlose haben hier genächtigt. Oder der Vorbesitzer hat sie zurückgelassen. Ich hatte sie mit dem Fuß getreten, um den Boden zu prüfen, und vergessen.

Jetzt war die Decke zu einem Nest geschichtet. Darauf lagen Welpen.

Vier. Winzig, höchstens zwei Wochen alt. Die Augen geschlossen, die Ohren an den Kopf gepresst wie Blütenblätter. Sie wühlten übereinander, stupsten mit blinden Schnauzen den Stoff und fiepten leise, auf einem Ton. Einer, der Kleinste, mit einem dunklen Fleck auf dem Rücken, hatte sich unter den Deckenrand gekrochen und zuckte im Schlaf mit der Hinterpfote. Der Lichtstreifen fiel schräg auf sie, und das Fell wirkte nicht rot, sondern golden.

Die Knie gaben von selbst nach. Ich ging in die Hocke, die Hände hingen herab. Ich bewegte mich nicht.

Dann griffen meine Finger von selbst nach vorne und berührten einen winzigen Rücken. Warm.

Der Welpe wachte nicht auf. Er bewegte die Pfote und rückte näher zu seinen Geschwistern.

Ein Rascheln hinter mir.

Ich erstarrte. Der Hund war lautlos hereingekommen, umrundete mich, legte sich neben die Welpen. Ich erwartete ein Fleischen, ein Knurren, irgendein Geräusch. Aber sie legte sich einfach hin und begann, sie zu lecken. Methodisch, ruhig, mit der Zunge vom Kopf bis zum Schwanz. Als ob der Mensch nicht da wäre. Als ob es auf der ganzen Welt nur das gäbe, was auf dieser grauen Decke lag.

Der Kleinste fand die Mutter als Erster. Er saugte sich fest und strampelte mit den Pfoten. Die anderen kamen hinterher, und der Schuppen füllte sich mit leisem Schmatzen. Der Hund schloss das zugekniffene Auge und legte den Kopf auf die Pfoten. Genauso, wie sie eine halbe Stunde zuvor auf der Schwelle gelegen hatte. Nur war die Schnauze anders. Nicht angespannt. Weich.

Ich saß lange da. Zählte keine Minuten. Die Knie waren eingeschlafen, der Rücken zog feucht vom Lehmboden.

Dann stand ich auf und ging hinaus.

Werner stand am Zaun und trank Tee aus der Thermoskanne. Aus dem Führerhaus des Sprinters plärrte der Wetterbericht.

„Na, was ist? Ratten?“

„Welpen.“

Der Vorarbeiter hielt inne, die Thermoskanne in der Hand. Er sah zum Schuppen, dann zu mir.

„Wie meinst du?“

„Wie gesagt. Sie hat in der Ecke auf einer Decke geworfen. Vier. Noch blind.“

Werner schwieg. Kratzte an der Narbe am linken Handgelenk. Eine Angewohnheit, die er immer bekam, wenn die Lage nicht in den Kostenvoranschlag passte.

„Also, kurz gefragt: Reißen wir ab oder nicht?“

Die Tür des Schuppens war halb offen geblieben, und im Spalt war die rote Flanke zu sehen. Der Hund lag ruhig, hob nicht den Kopf. Sie wusste, dass ich draußen war, und zuckte nicht.

Das kam mir in den Sinn. Der Hund hatte nicht gebissen, nicht angegriffen, nicht weggelaufen. Sie hatte gestanden. Sie hatte keine Möglichkeit gehabt, vier Männer mit Brecheisen aufzuhalten. Nur Sturheit. Und eine Schwelle, hinter der die lagen, die weder die Augen öffnen noch weglaufen noch betteln konnten.

„Nein. Wir reißen nicht ab.“

„Und wann?“

„Wenn sie größer sind.“

Werner zuckte mit den Schultern, pfiff der Mannschaft, und das übliche Treiben des Zusammenpackens begann. Das Brecheisen klirrte gegen den Vorschlaghammer. Die Thermoskanne stieß gegen die Bordwand. Die Tür des Führerhauses knallte zu.

Das Telefon war in meiner Hand, noch bevor ich nachdenken konnte.

„Lena, es ist so: Wir brauchen Futter. Hundefutter. Und Näpfe. Nein, zwei.“

Meine Frau begann zu fragen, während ich zusah, wie die rote Schnauze aus dem Spitz herauskam und dem Sprinter nachschaute, der am Tor wendete. Der Wind trug den Geruch von frischem Gras, Benzin und etwas Blühendem vom Nachbargrundstück. Das zugekniffene Auge des Hundes blinzelte einmal.

Ich steckte das Telefon weg und ging zum Auto. Im Kofferraum lag eine Flasche Wasser und Brote, die meine Frau jeden Morgen „für alle Fälle“ mitgab. Das Wasser holte ich zuerst hervor. Ich sah mich um. An der Außenwand des Schuppens, rechts von der Tür, stand ein Blechnapf. Alt, verrostet, verbeult, mit eingetrockneten Rändern am Boden.

Das Wasser aus der Flasche floss in den rostigen Boden. Der Hund kam nicht heraus. Nur die Nase zuckte im Türspalt, feucht und glänzend.

Ich setzte mich auf die Treppe des Hauses und wickelte das Brot aus. Wurstbrot, nichts Besonderes. Biss ab, kaute.

Ein Vogel hinter dem Zaun trillerte denselben Ton, als ob er prüfte, ob ihn jemand hörte.

Der Schuppen stand noch. Die Farbe blätterte weiter ab, das Dach senkte sich auf der rechten Seite. Aber aus der halb geöffneten Tür zog es warm und nach Milch.

Die graue Decke in der Ecke war jetzt kein Müll mehr, sondern das erste Nest für vier kleine Wesen.

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Homy
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„Der Hund lässt uns den Schuppen nicht abreißen“, schimpften die Arbeiter! Der Besitzer trat ein und erstarrte.
Ein Mann im Haus