Ursula lebte nicht. Sie vegetierte dahin.
Zweiundsiebzig Jahre, eine Einzimmerwohnung am Stadtrand von Leipzig, eine Rente, von der bis zum Zwanzigsten nur ein paar Euro übrig waren. Und Stille.
Vor einem halben Jahr war Heini gegangen. Nicht zu einer anderen – einfach gegangen. Leise, im Schlaf, nicht mal ein Röcheln. Ursula wachte morgens auf, und er war schon kalt. Seine Hand lag auf der Bettkante, als hätte er noch nach ihr greifen wollen und es nicht geschafft.
Die Tochter Brigitte kam aus Berlin zur Beerdigung, blieb drei Tage, ließ Blutdrucktabletten auf dem Kühlschrank zurück und raste davon mit den Worten: „Mama, ruf an, wenn was ist.“ Ursula rief nicht an. Brigitte schon – alle zwei Wochen, wie nach Timer.
– Mama, wie geht´s?
– Normal.
– Na gut. Drück dich.
Das war das ganze Gespräch. Die ganze Verbindung. Der ganze Sinn.
Ursula ging zum Supermarkt. Zur Apotheke. Manchmal in die Praxis, wo man ihren Blutdruck maß und sagte: „Regen Sie sich nicht so auf.“ Sie regte sich nicht auf. Sie fühlte gar nichts. Wie ein Möbelstück. Wie der alte Schrank im Flur, den Heini immer rauswerfen wollte und es nie tat.
An jenem Tag, einem gewöhnlichen Novembertag mit tiefem Himmel und Nieselregen, kam Ursula aus der Praxis zurück. Der Blutdruck war wieder gestiegen. Die Ärztin schüttelte den Kopf, schrieb ein Rezept. Ursula steckte es in die Tasche, ohne hinzusehen.
Bei den Mülltonnen bewegte sich etwas.
Eine Katze. Mager, dreifarbig, mit einem zerrissenen Ohr. Sie saß direkt auf dem nassen Asphalt und starrte Ursula an. Nicht kläglich, nein. Nicht bittend. Sondern irgendwie… prüfend. Als überlege sie: die Richtige oder nicht?
Ursula ging vorbei.
Die Katze stand auf und folgte ihr. Lautlos. Kein Miauen, kein Vorlaufen – einfach drei Schritte hinterher, wie ein Schatten.
An der Haustür drehte Ursula sich um.
– Lass mich in Ruhe.
Die Katze setzte sich. Blinzelte. Und blieb sitzen.
Ursula stieg in den dritten Stock, schloss die Tür, schaltete den Wasserkocher ein. Blieb am Fenster stehen – unten, auf der Bank neben dem Eingang, saß genau diese Katze.
Eine verrückte Katze.
Am nächsten Morgen öffnete Ursula die Tür und stolperte fast. Auf der Fußmatte lag die Katze zusammengerollt und schlief. Wie sie in den dritten Stock gekommen war, war unklar. Aber sie lag da, als gehöre sie genau hierher.
– Und was soll ich mit dir machen? – fragte Ursula.
Die Katze öffnete ein Auge. Und schloss es wieder.
Als wäre die Antwort klar.
Ursula ließ sie nicht rein. Na ja, genau genommen dachte sie das. Sie stellte einfach eine Untertasse mit Milch raus. Ließ die Tür angelehnt, weil es stickig war – November, aber die Heizung lief auf Hochtouren. Und die Katze kam einfach herein.
Ursula stand im Flur und sah zu, wie dieses magere, freche Tier den Gang beschnupperte. Dann die Küche. Dann das Wohnzimmer. Und plötzlich blieb sie stehen.
Heinis Sessel. Alt, durchgesessen, mit abgewetzten Armlehnen. Genau der, in dem er jeden Abend saß, auf der Fernbedienung herumdrückte und sagte: „Ursula, schau mal, was die schon wieder machen.“ Ein halbes Jahr lang war Ursula um diesen Sessel herumgegangen. Sie konnte sich weder hineinsetzen noch ihn wegwerfen. Er stand da wie ein Denkmal. Wie ein Loch im Raum.
Die Katze sprang hinauf. Drehte sich auf der Mulde und legte sich hin. Rollte sich zusammen, die Nase im Schwanz.
Und begann zu schnurren.
Ursulas Lippen zitterten. Sie wollte rufen: „Runter da!“ Aber der Hals war zugeschnürt, und statt eines Schreis kam nur ein heiseres Krächzen. Sie setzte sich aufs Sofa und sah lange zu, wie die Katze im Sessel ihres Mannes schlief.
– Eine Nacht, – sagte Ursula heiser. – Morgen setz ich dich raus.
Morgen setzte sie sie nicht raus. Und übermorgen auch nicht. Die Katze blieb.
Sie nannte sie Minka.
– Minka, komm fressen, – sagte Ursula und stellte die Untertasse auf den Boden.
Minka fraß. Und sah Ursula von unten an mit diesem Blick. Prüfend. Ruhig. Der Blick von jemandem, der etwas weiß, was du noch nicht verstanden hast.
Nach einer Woche kaufte Ursula Katzenfutter. Das billigste, in der gelben Packung, im Angebot. Sie stand im Tierfachgeschäft und fühlte sich wie eine Idiotin. Die Verkäuferin, ein Mädchen von vielleicht zwanzig mit pinken Nägeln, fragte:
– Welche Rasse?
– Straßenkatze. Hat sich aufgedrängt, – brummte Ursula und ging, ohne sich zu verabschieden.
Dann kaufte sie ein Katzenklo. Dann einen Napf. Einen richtigen aus Keramik, weil aus der Untertasse Minka immer daneben schlabberte. Dann einen Kratzbaum für neunzig Euro, weil die Katze anfing, die Sofaecke zu bearbeiten – und das Sofa war das Einzige, was Ursula noch in ordentlichem Zustand hatte.
„Vorübergehend“, wiederholte sie sich. „Alles vorübergehend.“
Aber das Leben veränderte sich bereits. Heimlich, hinterlistig, wie Wassertropfen den Stein höhlen.
Früher wachte Ursula um neun auf, lag da und starrte an die Decke. Jetzt – um halb acht saß Minka neben dem Kopfkissen, sah ihr ins Gesicht und schwieg. Kein Miauen. Einfach dasaßen und warten. Und von diesem stummen Warten konnte man nicht anders, als aufzustehen.
Ursula stand auf. Ging in die Küche. Schüttete Futter ein. Schaltete den Wasserkocher ein. Und plötzlich bemerkte sie, dass sie schon zehn Minuten am Fenster stand und in den Hof starrte. Einfach so. Ohne an den Blutdruck zu denken, ohne an die Rente, ohne an Heini.
Abends wurde es noch spannender. Früher schaltete Ursula den Fernseher ein – nicht um zu gucken, sondern um diese tote Stille nicht zu haben. Stimmen aus dem Apparat füllten die Leere, und es fühlte sich an, als wäre man nicht allein. Jetzt legte sich Minka neben sie aufs Sofa, an die Hüfte, und schnurrte. Leise, gleichmäßig, wie ein kleiner Motor. Und Ursula schaltete zum ersten Mal seit einem halben Jahr den Fernseher aus.
Die Stille war nicht mehr schlimm. Stille mit Schnurren – das ist eine ganz andere Stille.
Sie ertappte sich dabei, dass sie mit der Katze redete. Nicht verniedlichend, nein, Ursula konnte das nicht, nicht mal bei Brigitte als Kind. Einfach so. Wie mit einem Menschen.
– Schon wieder Blutdruck 160. Diese Ärztin, Frau Klein, guckt mich an wie eine Tote. Dabei kann ich noch leben. Allen zum Trotz.
Minka blinzelte.
– Brigitte hat angerufen. Wieder ihr: „Mama, wie geht´s?“ Wie soll es schon gehen? Früher – gar nicht. Jetzt… jetzt weiß ich nicht.
Die Katze rieb den Kopf an ihrer Hand. Und Ursula verstummte, weil es ihr wieder eng in der Kehle wurde.
Die Nachbarin, Frau Rosemarie Schneider, kam auf einen Tee vorbei, sah Minka und schlug die Hände zusammen:
– Ursula! Du hast doch gesagt: nie im Leben!
– Ich sag ja auch: das ist nur vorübergehend.
– Klar, vorübergehend, – lachte Frau Schneider, als sie sah, wie die Katze sich an Ursulas Beinen rieb. – Du hast Futter an drei Stellen stehen, einen Keramiknapf und einen Kratzbaum. Sehr vorübergehend.
Ursula drehte sich zum Fenster, damit Frau Schneider nicht sah, dass sie lächelte. Zum ersten Mal seit einem halben Jahr.
Dann rief Brigitte an. Ursula wusste selbst nicht, warum sie von der Katze erzählte. Es rutschte raus. Vielleicht wollte sie etwas teilen – zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie etwas zu teilen.
– Du hast eine Katze aufgelesen? – wiederholte Brigitte. – Na, wenigstens eine Beschäftigung, Mama.
Eine Beschäftigung.
Ursula legte auf und wurde wütend. Eine richtige, heiße, lebendige Wut. Keine Kränkung – die war gewohnt, wattig, formlos. Sondern Wut. Die Art, bei der man mit der Faust auf den Tisch schlagen und sagen will: „Hast du überhaupt eine Ahnung?!“
Im Dezember brach alles zusammen.
Minka fraß weniger. Zuerst fiel es Ursula nicht auf – naja, nicht aufgegessen, kommt vor. Dann rührte sie es gar nicht an. Der Napf stand von morgens bis abends voll, und das Futter trocknete zu einer braunen Kruste ein. Minka lag in Heinis Sessel und bewegte sich kaum. Nur atmen – schnell, flach, als fehle ihr die Luft.
– Hey, – Ursula hockte sich hin und sah der Katze in die Augen. – Was ist los mit dir?
Minka blinzelte. Und drehte den Kopf zur Wand.
In Ursula riss etwas.
Sie war noch nie bei einem Tierarzt gewesen. Heini hatte als Kind einen Hund gehabt, aber Ursula – nie, gar nicht. Sie verstand Menschen nicht, die Tiere zum Arzt schleppten, Geld und Nerven opferten. „Für die Leute selbst reicht es ja nicht“, hatte sie früher gesagt. Noch vor gar nicht langer Zeit.
Und jetzt stand sie im Flur mit einer Transportbox in der Hand. Die Box hatte sie gestern gekauft. Fünfunddreißig Euro im Sonderangebot – Plastik, mit abgeplatzter Gittertür. Sie stopfte Minka hinein, und die Katze wehrte sich nicht. Das war das Schlimmste. Früher hätte sie gekratzt, sich gewunden, gefaucht, aber jetzt lag sie da wie ein Lappen und starrte.
Die Tierklinik „Vier Pfoten“ im Südviertel. Klein, eng, roch nach Medikamenten und nassem Fell. Ursula saß auf einem Plastikstuhl, die Box auf den Knien, und fühlte sich fehl am Platz. Um sie herum junge Leute mit Rassehunden, mit flauschigen Katzen in teuren Taschen. Und sie – eine Rentnerin im alten Mantel, mit einer schäbigen Box, darin eine Straßenkatze mit kaputtem Ohr.
Der Arzt war jung. Ein richtiger Junge, vielleicht dreißig, mit Brille und blauem Kittel. Er hieß Herr Dr. Thomas Weber, aber er sagte: „Nennen Sie mich einfach Thomas.“ Er untersuchte Minka, tastete den Bauch ab und schwieg. Sein Gesicht veränderte sich.
– Was? – fragte Ursula.
– Wir brauchen einen Ultraschall.
Er machte ihn. Lange fuhr er mit dem Schallkopf über Minkas Bauch, klickte mit der Maus, runzelte die Stirn. Dann drehte er sich zu Ursula und sprach vorsichtig, wie man mit Leuten spricht, die einem leidtun:
– Sie hat eine Neubildung in der Bauchhöhle. Eine Operation ist nötig. Ohne – zwei, drei Monate, vielleicht ein bisschen mehr.
– Was kostet das? – fragte Ursula.
– Zweitausendachthundert Euro. Mit Narkose, Nachsorge.
Ursula nickte, nahm die Box und ging.
Zweitausendachthundert Euro. Ihre ganze Rente. Ohne Rest.
Sie setzte sich auf eine Bank vor der Klinik. Dezember, eiskalt, die Finger froren. Minka in der Box – still, reglos, nur die Augen glänzten durchs Gitter. Sie sah Ursula an. Nicht bittend, nicht klagend. Einfach.
Ursula holte das Handy raus und rief Brigitte an. Ein Klingeln, zwei, drei.
– Mama, ich bin bei der Arbeit, mach schnell.
– Brigitte, ich brauche Hilfe. Die Katze muss operiert werden. Zweitausendachthundert Euro.
Stille. Dann ein Seufzer. Und eine Stimme, die Ursula kälter machte als der Dezemberwind:
– Mama, ist das dein Ernst? Zweitausendachthundert Euro für eine Straßenkatze?
– Sie ist keine Straßenkatze. Sie ist meine.
– Mama. Es ist eine Katze. Einfach eine Katze. Wenn sie stirbt, nimmst du eine andere. Davon gibt es draußen genug.
Ursula schloss die Augen. Plötzlich sah sie klar, wie ein Foto – Heini in seinem Sessel. Wie er die Kanäle wechselte und zu ihr sagte: „Ursula, du bist der sturste Mensch der Welt. Wenn du etwas beschließt, kannst du Berge versetzen.“ Das hatte er so oft gesagt, dass sie sich ärgerte. Jetzt würde sie alles dafür geben, es noch einmal zu hören.
– Mama? Hörst du?
– Ich höre, – sagte Ursula. – Danke, Brigitte.
Und legte auf.
Drei Tage lang dachte sie nach. Drei Tage – das ist viel, wenn jemand neben dir stirbt.
Minka lag im Sessel und schmolz dahin. Wie eine Kerze. Aß ein paar Löffelchen. Trank wenig. Hörte auf zu schnurren. Ursula saß neben ihr, auf dem Boden, auf einer alten Decke, und streichelte die Katze über den Kopf – leicht, mit den Fingerspitzen.
– Ich hab gesagt – du gehörst mir. Mir gehörst du.
Am vierten Tag stand Ursula um sechs auf. Zog sich an. Ging zur Post. Stand in der Schlange für die Rente – drei alte Frauen vor ihr, alle mit ihren Belegen, alle langsam, alle ewig.
Die Scheine lagen in der Manteltasche, und Ursula ging die Straße entlang, die Hand an die Seite gedrückt, als trüge sie etwas Zerbrechliches. In gewisser Weise stimmte das.
In der Tierklinik legte sie das Geld auf den Tresen. Die Hände zitterten – vor Kälte oder Angst, sie wusste es nicht.
– Ich bringe die Katze zur Operation.
Thomas sah auf das Geld, dann auf Ursula, dann wieder auf das Geld. Nickte. Sagte nichts Überflüssiges. Nur:
– Die Prognose ist gut. Wenn sie die Narkose übersteht, wird alles normal.
Wenn.
Ursula setzte sich in den Flur. Plastikstuhl, weiße Wand, Geruch nach Desinfektionsmittel.
Sie versuchte sich zu erinnern, wann sie das letzte Mal so gewartet hatte. Fiel ihr ein. Vor zwanzig Jahren, im Krankenhaus. Brigitte bekam ihr Kind. Ursula saß im Flur – genauso, auf einem Stuhl, die Tasche an die Brust gedrückt, und wartete. Damals ging alles gut aus. Ein Baby schrie, und die Welt wurde eine andere.
Die Tür ging auf. Eine Krankenschwester kam heraus – jung, in Grün, mit müden Augen.
– Sind Sie die Besitzerin der Dreifarbigen?
– Ja, – sagte Ursula und stand auf. Die Beine waren eingeschlafen, die Knie knackten.
– Alles gut. Die Operation ist gelaufen. Ihre Katze ist eine Kämpferin.
Ursula nickte. Sie konnte nichts sagen – die Kehle war zugeschnürt. Sie nickte und nickte, und die Schwester berührte ihren Arm:
– Hey, ist alles in Ordnung mit Ihnen?
– Ja. Ja. Alles in Ordnung.
Minka wurde herausgebracht – eingewickelt in Tücher, schläfrig, mit rasiertem Bäuchlein und einem dünnen Stich. Ursula nahm die Box in beide Hände, drückte sie an sich und ging zum Ausgang.
Zu Hause legte sie die Katze zum ersten Mal auf ihr eigenes Bett. Auf die Hälfte, wo früher Heini geschlafen hatte. Minka lag auf der Seite, atmete gleichmäßig, und die Naht auf ihrem Bauch schimmerte rosa. Ursula legte sich daneben, legte die Hand auf die warme Katzenflanke und flüsterte:
– Du gehörst mir.
Minka erholte sich langsam. Die ersten vierundzwanzig Stunden lag sie da, fraß tröpfchenweise, sah mit trüben Augen. Dann begann sie den Kopf zu heben. Nach einer Woche lief sie selbst zum Napf und fraß alles auf. Ursula stand in der Küchentür, sah zu, wie die Katze den keramischen Boden ableckte, und dachte: das ist es, das Glück. Ein bescheuertes, billiges, auf vier Pfoten.
Bis Februar war Minka wieder die Alte. Raste durch die Wohnung wie eine Verrückte, warf das Salzfass vom Tisch, wetzte die Krallen am Kratzbaum – und dann gleich am Sofa, denn Charakter. Ursula schimpfte, wedelte mit dem Handtuch, rief: „Was für ein Biest!“
Ursula selbst lebte fast nur von Grütze und Kartoffeln. Frau Schneider brachte jeden zweiten Tag entweder ein Glas Suppe oder eine Tüte Äpfel vorbei – „Überschuss, nimm ruhig“. Ursula wusste, dass es keinen Überschuss gab. Dass Frau Schneider selbst jeden Cent umdrehte. Aber sie nahm es. Denn Stolz ist schön, aber man muss ja essen.
Ende Februar rief Brigitte an.
– Mama, guck auf dein Konto. Ich hab dir was überwiesen. Zweitausendachthundert Euro.
Ursula schwieg. Dann:
– Wozu?
– Deswegen. – Pause. Lang, schwer. – Du hast doch deine ganze Rente für die Katze ausgegeben. Und mir nichts gesagt. Frau Schneider hat angerufen.
– Frau… – Ursula schloss die Augen.
– Mama, so was erfahre ich nicht von der Nachbarin.
Ursula schwieg. Nicht weil sie beleidigt war – sondern weil sie aus tausend Worten kein einziges richtiges wählen konnte. Und wählte das einfachste:
– Komm nach Hause, Brigitte. Einfach so. Einfach komm.
Stille. Eine Sekunde, zwei.
– Ich komme, Mama. Samstag.
Ursula legte auf. Stand da. Dann setzte sie sich in Heinis Sessel – zum ersten Mal seit all der Zeit. Einfach hinein. Und nichts passierte. Nur die Mulde im Sitz war ein bisschen zu groß für sie.
Minka sprang auf ihren Schoß, stupste mit der Stirn in ihre Handfläche und schnurrte – laut, so dass die Vibration tief in ihr drin spürbar war.
Draußen schneite es. Ursula saß da und schaute zu. Nicht weil es vorher keinen Schnee gegeben hatte. Sondern weil sie es vorher nicht bemerkt hatte.





