Lieber eine geliebte Ehefrau sein als eine perfekte Tochter

**Tagebucheintrag: Lieber eine geliebte Frau als eine vorbildliche Tochter**

Lina, entscheide dich: entweder ich oder deine Eltern! Diesmal war mein Mann hart und unnachgiebig.

Rainer, du weißt doch, ich würde mit dir bis ans Ende der Welt gehen. Aber lehne meine Eltern nicht ab. Du hast selbst gesagt, sie sind alt. Hab ein wenig Mitleid

Ich will nichts mit ihnen zu tun haben! Aber wenn du so eine vorbildliche Tochter bist, kannst du sie ja besuchen. Rainer sah mich vorwurfsvoll an.

Meine erste Ehe war mit einem Mann, der in Afghanistan gedient hatte. Stefan schien mir mutig und furchtlos und das war er auch. Ein Major, dekoriert, ein erfahrener Soldat.

Unser Sohn Moritz wurde geboren. Meine Eltern konnten sich nicht genug freuen über ihren Schwiegersohn und den Enkel.

Na, Linchen, jetzt können deine Mutter und ich in Frieden sterben. Stefan ist ein verlässlicher Mann. Uns ist leicht ums Herz. Du bist in guten Händen, lass das nicht zu Nichte werden, predigte mir mein Vater bei jeder Gelegenheit, wie wunderbar mein Mann sei.

Stefan kümmerte sich kaum um unseren Sohn. Moritz wollte zu seinem Vater, aber der war entweder beim Angeln, bei Treffen mit Kriegsveteranen oder einfach nicht in Stimmung.

Mit der Zeit ignorierte auch Moritz seinen Vater.

Dann wurde es schlimmer. Stefan verfiel in schwere Depressionen. In solchen Momenten war es besser, ihm nicht zu nahe zu kommen. Ich begann, mich von ihm zu distanzieren. Als Moritz fünf war, betrank sich Stefan bis zur Besinnungslosigkeit, zog seine Uniform an und bedrohte unseren Jungen mit seiner Dienstpistole. Das war der letzte Tropfen. Ich erkannte, dass sein seelisches Gleichgewicht zerstört war. Der Krieg, den Stefan durchlebt hatte, holte ihn immer häufiger ein. Ich wollte nicht das Leben meines Sohnes oder mein eigenes riskieren. Wir ließen uns einvernehmlich scheiden.

Meine Eltern überschütteten mich mit Vorwürfen:

Du bist eine schlechte Ehefrau! Wo findest du noch so einen Mann? Den wirst du mit der Laterne suchen! Du wirst es noch bitter bereuen!

Im Nachhinein bereute ich nichts, im Gegenteil ich war immer sicherer, richtig gehandelt zu haben. Stefan wurde nur eine vergangene Lebensphase. Er suchte jahrelang eine neue Frau und heiratete schließlich eine Gehörlose.

Mein zweiter Mann fand sich schnell. Durch meine Arbeit musste ich oft durch Dörfer reisen, Verträge abschließen. In einem dieser Orte lernte ich einen hohen Beamten kennen Rainer Petersen. Ein gutaussehender, gepflegter, lächelnder Mann, der mir sofort ans Herz ging. An jenem Tag waren wir uns uneinig, also musste ich noch ein paar Mal in sein Büro. Daraus entstand eine angenehme Bekanntschaft.

Lina, ich lade Sie zum Abendessen ein. Morgen bringen Sie mich persönlich nach Hause, sagte Rainer galant und küsste meine Hand.

Ich nickte zustimmend. Moritz war bei meinen Eltern also konnte ich mich in Gesellschaft dieses Mannes entspannen.

Und dann ging alles sehr schnell

Eine stürmische Liebe entbrannte, angefacht von unstillbarer Leidenschaft.

Rainer war sechs Jahre jünger als ich, geschieden und hatte eine siebenjährige Tochter.

Es war klar, dass meine Eltern ihn nicht akzeptieren würden. Zu jung, zu lebensfroh kurzum, unreif. Aber mir egal. Ich liebte Rainer wie keinen zuvor. Die Meinung anderer war mir gleichgültig.

Mama, Papa, ich heirate. Rainer und ich laden euch ins Restaurant ein. Die Worte fielen mir schwer.

Meine Eltern starrten mich sprachlos an:

Machst du Witze, Lina? Wir dachten, du versöhnst dich mit Stefan. Ihr habt doch ein Kind.

Vergesst Stefan, so wie er Moritz vergessen hat. Schluss. Morgen stelle ich euch meinen Verlobten vor. Und erwähnt bitte meinen Ex nicht das wäre unpassend. Ich ahnte, dass es schwierig werden würde.

Rainer brachte Geschenke mit und machte ein Angebot:

Nach der Hochzeit wollen wir als große Familie zusammenleben. Ihr werdet älter, und Lina und ich sind immer für euch da. Einkäufe, Arztbesuche Was haltet ihr davon?

Mein Vater kratzte sich am Kopf und sagte: Nun vielleicht hast du recht. Aber wo sollen wir wohnen? Deine Mutter und ich leben in einer Einzimmerwohnung. Lina hat ihre kleine Wohnung die ihr Ex ihr überlassen hat. Er warf mir einen Blick zu. Und du, Schwiegersohn, was ist mit deinem Wohnraum?

Ich träume von einem dreistöckigen Haus. Ich baue eines und wir ziehen alle zusammen, erwiderte Rainer und sah uns an, als wolle er uns alle miteinander verbinden.

Wir feierten eine laute, fröhliche Hochzeit. Rainer schenkte mir eine unvergessliche Mittelmeerkreuzfahrt. Mit der Zeit würden wir ganz Europa bereisen immer mit Moritz und Rainers Tochter. Deren Mutter ließ sie gern mit uns verreisen.

Rainer behandelte Moritz wie seinen eigenen Sohn. Doch ich kam nicht mit seiner Tochter Julia klar. Bei seltenen Besuchen starrte sie mich misstrauisch an, redete kaum und flüsterte ihrem Vater ständig etwas ins Ohr.

Nach drei Jahren zogen wir in unser neues Haus. Unser Grundstück lag in Rainers Heimatdorf, mit Platz für Garten, Obstbäume alles, was das Herz begehrte. Rainer war ein perfekter Schwiegersohn. Für meine Eltern war alles eingerichtet: Küche und Schlafzimmer im Erdgeschoss, damit sie nicht treppensteigen mussten. Moritz Zimmer lag im dritten Stock Jung genug, um zu laufen. Rainer und ich wohnten gemütlich im zweiten Stock. Im Hof gab es eine Sommerküche und eine Garage für drei Autos.

Später schenkte Rainer Moritz zum 20. Geburtstag ein Motorrad, mir zum Jubiläum ein neues Auto, meiner Mutter eine Kur und meinem Vater ein Boot für sein geliebtes Angeln.

Doch meine Eltern und Moritz nahmen alles als selbstverständlich hin, ohne Rainers Großzügigkeit zu würdigen. Ständig hörte ich Vorwürfe und bissige Kommentare über ihn. Mein Mann ignorierte es:

Lina, ich will Frieden. Lass sie reden. Mein Gewissen ist rein. Ich sorge für alle, respektiere deine Eltern. Was wollen sie mehr? Aber ich ahne es: Ihr Ideal ist immer noch Stefan. Ich kann mich nicht verbiegen. Wie heißt es so schön: Selbst wenn du dich zerreißt, fragen sie, warum nicht in vier Teile?

So lebten wir, langsam entfremdet. Meine Eltern verstanden nie, dass Beziehungen Geben und Nehmen sind keine Einbahnstraße.

Die Zeit verging

Eines Tages brachte Moritz ein Mädchen mit: Das ist Sabine. Sie zieht bei mir ein.

Wer ist diese Dame? Deine Verlobte? Frau? Ich war misstrauisch.

Moritz packte sie am Arm und zog sie wortlos in sein Zimmer.

Na gut, dachte ich, der Junge ist erwachsen. Sollen sich ihre Eltern um ihre Tugend sorgen nicht ich.

Doch Sabine war keineswegs schüchtern und sorgte sehr wohl für Aufregung.

Lina, Moritz und ich wollen ins zweite Stockwerk ziehen. Wir erwarten ein Kind. Könntest du das mit den Alten klären? Sabine saß breitbeinig in der Küche, rauchte und trank meinen Kaffee.

Sie nannte Rainer und mich beim Vornamen: Väterchen das ist von gestern. Alle sind gleich.

Sabine, vergiss deine Forderung. Solange ich hier das Sagen habe, behandelst du Moritz Großeltern mit Respekt. Wenn es dir nicht passt die Tür steht offen

Sabine rief laut: Moritz, hörst du das? Lina wirft mich raus und ich bin schwanger!

Plötzlich stürmte Moritz heran und stieß mich. Ich fiel, schlug mit dem Kopf gegen den Tisch und landete mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Auf der harten Liege weinte ich verzweifelt.

Moritz, für den ich alles geopfert hatte, hatte mich geschlagen! Wegen dieses Mädchens. Übrigens stellte sich später heraus, dass sie nie schwanger war.

Rainer, wütend über den Vorfall, rief die Polizei. Doch ich weigerte mich, meinen eigenen Sohn anzuzeigen. Ich log, ich sei ausgerutscht.

Eine tiefe Bitterkeit erfüllte mich. Er hatte mich für so eine Göre aufgegeben.

Nach meiner Genesung verzieh ich. Was passiert nicht alles in großen Familien? Es wird sich schon einrenken. Zu Hause kniete Moritz vor mir:

Es tut mir leid, Mama! Ich war wie besessen.

Ich küsste seinen Scheitel und weinte. Endlich hatte er es begriffen.

Ich glaubte, Frieden sei eingekehrt. Doch

Abends im Bett sagte Rainer: Weißt du, dass Sabine in unserem Bett war, während du im Krankenhaus lagst?

Ich traute meinen Ohren nicht: Was?

Ich wachte auf und sie starrte mich an. Sie und Moritz waren auf einer Party. Er schlief wohl betrunken wie ein Stein. Ich fragte, was sie wolle da legte sie sich neben mich, schnurrte wie eine Katze.

Und? Ich wartete auf die Pointe.

Ich habe die lüsterne Dame vor die Tür gesetzt. Dann schlief ich weiter. Rainer schien die Wahrheit zu sagen.

Das war zu viel! Was tun? Moritz würde mir nicht glauben wieder Streit. Sabine würde alles abstreiten. Also wartete ich. Die Zeit würde es richten.

Meine Eltern hetzten mich gegen Rainer auf:

Lina, dein Mann ist ein Schürzenjäger! Sobald du auf Dienstreise bist, springt er zu anderen Frauen. Wirf ihn raus!

Wenn man etwas oft genug hört, glaubt man es. Unser Leben wurde unerträglich. Was wollten sie nur? Langweilte sie das sorgenfreie Leben? Rainer und ich stritten uns ständig. Schließlich verließ er das Haus. Ein Monat verging ohne Kontakt.

Dann rief eine Freundin an: Lina, hallo! Ich habe gerade deinen Mann mit einer Fremden gesehen. Grüßend, dann getrennt. Weißt du Bescheid?

Ich Idiotin! Wie konnte ich so einen Mann allein lassen? Die Raubtiere würden ihn sich schnappen.

Kurzum ich holte ihn zurück. Es stellte sich heraus: Rainer war mit Julia spazieren. Sie, mittlerweile 25, war noch unverheiratet und karrierefixiert.

Nach einem Monat Abwesenheit hatte Rainer eine Entscheidung getroffen:

Lina, wähl: entweder ich oder deine Eltern. Sonst trennen wir uns bald.

Es tat mir leid um meine Eltern. Sie waren gebrechlich geworden. Doch sobald Rainer erwähnt wurde, wurden sie wieder lebendig und attackierten ihn mit bösen Worten. Nichts konnte ihre Herzen erweichen.

Also zogen wir aus, kauften ein kleines Haus im Dorf. Renovierungsbedürftig aber egal. Zehn Hektar Land, und niemand schaut schief. Wir müssen uns niemandem anpassen. Lieber Wasser trinken in Freude als Honig in Kummer.

Meine Eltern beschimpften mich:

Du bist keine Tochter mehr! Du lässt uns im Stich! Läufst wie eine Hündin deinem Mann nach! Sabine will uns ins Altersheim abschieben! Möge deinem Mann das Bein abfaulen! Er hat unser Leben ruiniert!

Doch Rainer und ich leben jetzt friedlich, glücklich und in Liebe. Wir heirateten in der Dorfkirche.

**Was ich gelernt habe:** Manchmal muss man wählen zwischen Pflicht und Glück. Und manchmal ist es besser, eine geliebte Frau zu sein als eine vorbildliche Tochter.

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Homy
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