„Guten Morgen, Julia“ – der Morgen, der alles veränderteAls Julia die geheimnisvolle Nachricht auf ihrem Lieblingskaffeezettel entdeckte, ahnte sie noch nicht, dass dieser scheinbar gewöhnliche Morgen ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen würde.

Hey, du, stell dir vor, gestern war total verrückt. Mein Mann Klaus hat mich morgens einfach Liesel genannt. Ich lag noch im Bett, er kuschelte sich an mich, flüsterte leise:
Guten Morgen, Liesel.
und dann schnarchte er süß weiter, während ich mit offenem Mund dalugge, völlig kalt und völlig verwirrt.

Ich öffnete die Augen, blieb wie erstarrt liegen, weil ich dachte, was zum Teufel ist gerade passiert. War alles okay oder nicht? Klaus drehte sich, gähnte und sagte:
Liesl, du bist ja eiskalt, ich hab fast meinen Schlaf verloren. Alles gut bei dir? Es ist Sommer, aber du fröstelst noch unter der Decke. Ich mach gleich einen Tee.

Und los ging er, pfeifend, in die Küche. Ich lag noch ein bisschen, dann stand ich mühsam auf, ging ins Bad die Beine fühlten sich an wie Blei, im Kopf nur ein weißes Rauschen. Vielleicht sollte ich doch wirklich einen Tee trinken.

Klaus kam zurück und bat um Pfannkuchen. Ich warf ihm einen finsteren Blick zu:
Du hast mich heute Morgen Liesel genannt.
Was, Schatz? erwiderte er überrascht.
Klaus, hör doch nicht so, als wärst du ein Trottel. Du hast mich Liesel genannt.
Das hast du dir wohl eingebildet, Liesl. Liesel, Liesel das war wohl ein Halbschlaf. Jetzt bist du also so kalt und mürrisch? Ach, Frauen… du hast dir das nur eingebildet und bist jetzt böse. Ich gehe jetzt zur Arbeit hungrig.

Ich schlurfte noch ein bisschen durchs Haus, goss die Pflanzen, briet die Pfannkuchen, zog mich schnell an und fuhr zu Klaus ins Büro. Vielleicht habe ich wirklich nur falsch gehört Liesel, Liesl, ja genau.

Im Empfang des Praxisgebäudes stand plötzlich eine neue Sekretärin. Sie war jung, feurigrot, lockige Haare, ein großes Lächeln.
Herr Dr. Klaus Meyer ist heute beschäftigt, er nimmt keine Termine an. Ich kann Sie für nächste Woche eintragen.
Ich warf ihr unverblümt entgegen:
Schreiben Sie mich lieber selber ein, das ist wichtiger.
Sie runzelte die Stirn:
Entschuldigung? Wer sind Sie?
Ich bin Hannelore Ulrich, die Frau von Dr. Klaus Meyer. Und jetzt gehen Sie weg, hier kommen keine Straßenmädchen rein.

Plötzlich kam Klaus Stimme aus dem Lautsprecher:
Hanni, hol mir bitte einen Kaffee.

Ich schniefte leise:
Na, dann mach schon. Ich bring ihn.

Im Büro stand Klaus und sah mich mit einem Tablett voll Kaffe und Pfannkuchen an.
Was soll das? fluchte er. Das ist meine Scheidungspapiere per Post. Guten Appetit!
Was zum? schrie er, völlig aus der Haut. Du bist ja wie eine Hexe auf einem Besen!
Ich erwiderte, dass die neue Sekretärin, ein rotes Haar, nicht einmal die Haare ordentlich gekämmt hat. Solch ein schicker Zahnarzt und so eine vulgäre Sekretärin das kann doch nicht sein, schimpfte ich.

Klaus seufzte, trank den Kaffee und verzog das Gesicht:
Meine frühere Assistentin Vera ist gegangen. Ich habe die neue Liesel nach ihrer Empfehlung eingestellt.
Vor einem Monat? fragte ich.
Genau. Und du hast mir nie davon erzählt? Du teilst immer alles.
Ich dachte nicht, dass Liesel lange bleibt. Sie macht ihren Job gut.
Und nicht nur das. fluchte er. Das war ein Versehen, ich hab nicht gewollt!

Ich sagte, dass ich die Scheidung will, er soll mir sofort sagen, warum. Klaus schluckte, stöhnte und gab zu, dass Liesel die Arbeit gut mache und er gar nicht mit ihr schlafen will. Ich packte meine Sachen, wollte wissen, wohin er geht, aber er meinte, er bleibt eine Woche auf dem Land und wartet, bis ich mich beruhige.

Dann kam die nächste Szene: Das alte Elternhaus, ein Holzhaus am Rande des Dorfes, roch nach Moder. Meine Freundin Anke schimpfte:
Du kannst hier nicht bleiben, Liesl, das ist doch Wahnsinn. Verkaufe das Haus, nimm einen Kredit, zieh in die Stadt.
Ich öffnete jedes Fenster, spürte den Duft von Wiese und Kindheit. Anke meinte, ich könnte das Gästezimmer bis Herbst bewohnen. Ich meinte, das ist das Zimmer des Teenagers, das ist doch nicht mein.

Ich dachte, ich könnte eine Baufirma beauftragen, den Hof zu bestellen. Ich habe ein bisschen Geld gespart, seit Klaus die Privatklinik eröffnet hat und mich immer nur zum Spaß bezahlt hat. Anke meinte, ich sei ein guter Typ, aber das Herz ist schwer.

Dann kam ein neuer Nachbar, ein etwas schmächtiger Mann mit roter Mütze, der nach meinem Schwein Heinz fragte. Ich stand in meinem Nachthemd auf der Veranda und sah ihn.
Was ist das für ein Schwein? fragte ich.
Er lachte und zog ein kleines, schwarzes Ferkel aus dem Gras.
Das ist Heinz, ich habe ihn gefunden, er wollte nicht mehr in den Stall.

Er erzählte, dass er aus der Stadt kommt, frische Luft, Natur, keine Hektik. Ich erwiderte, dass ich gerade eine Scheidung in einer Woche habe, Stress und so. Er meinte, das sei das Leben hier, kein Wunder, dass die Menschen sich nicht verstehen.

Am nächsten Morgen weckte mich das Bellen eines Welpen. Ich ging raus, sah den kleinen Hund, und der Nachbar, jetzt in Schlafanzug, kam mit einem fröhlichen Guten Morgen heraus. Er hatte den Welpen Balu genannt, aber ich wollte Arno, weil ich den Namen des Nachbarn schon habe. Wir lachten, und er bot an, mir zu zeigen, wie man mit Hunden umgeht.

Kurz danach kam Klaus rein, sah mich mit einem Tablett voll Kaffee, Pfannkuchen und einer Scheidungsmitteilung. Er schrie:
Was soll das hier? und warf das Paket auf den Tisch. Ich warf zurück: Du hast mich betrogen, Klaus, ich will das nicht mehr.

Er stammelte, dass er nie dachte, Liesel bleibt, dass sie gut arbeitet, dass es ein Versehen war. Ich sagte, dass ich sofort ausziehen würde, das Haus nicht mehr sehen will, dass das Bild der rothaarigen Sekretärin immer vor meinem Kopf herumspukt.

Ein Jahr später haben wir uns schließlich getrennt, ich habe das alte Haus verkauft, ein bisschen Geld in den Umzug gesteckt, und Klaus hat eine neue Wohnung gefunden. Wir haben einen Kater adoptiert, den wir Mümmel nennen. Und das wars alles ein ziemlicher Wirrwarr, aber jetzt ist alles wieder ruhiger. Ich wollte dir das erzählen, weil du immer meine Geschichten hörst. Bis bald!

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Homy
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„Guten Morgen, Julia“ – der Morgen, der alles veränderteAls Julia die geheimnisvolle Nachricht auf ihrem Lieblingskaffeezettel entdeckte, ahnte sie noch nicht, dass dieser scheinbar gewöhnliche Morgen ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen würde.
Zufällige Begegnung in der Stadt der Möglichkeiten