Klara nahm ihre Schwiegertochter Heike nie richtig an. Und das lag nicht am uralten Zwist zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter, sondern schlicht daran, dass sie Heike nicht mochte.
Warum aber sollte man eine solche Person lieben? Wenn sie das Wort öffnete, klang sie wie ein krächzender Rohrstock, ein Auge schielte leicht, das Gesicht wirkte faltig, das Haar stand wirr wie ein wirrer Pferdeschweif, die Hände waren wie Peitschen, die Beine knickten wie ein dünner Stengel, die Augen waren glasig und schielend
Klara fand Heike unsympathisch, erdrückte ihr das Herz nicht.
Ihr Sohn Hans brachte Heike von weit her, aus einem Dorf, das man kaum kannte, denn überall dort waren die Menschen eher klein, mit schwarzen Augen und weichem, leinenartigem Haar, die Gesichter glatt und das Haar kurz geschnitten. Heike war die Tochter des Nachbarn, und Klara dachte sofort, sie würde die künftige Schwiegertochter werden Heike Schwarz, ein fröhliches, singendes Mädel, das schon jetzt schon fleißig arbeitete. Das ist die Frau, die ich dir geben will!, dachte sie.
Auch mit Heikes Vater, dem alten Johann, hatte Klara ein Einvernehmen gefunden; er war ebenfalls damit einverstanden, die Familien zusammenzuführen. Sie warteten nur darauf, dass Hans seinen Wehrdienst beendete und nach Hause zurückkehrte, damit die Hochzeit stattfinden konnte. Heike war zwar jung, aber nicht ungezogen; sie stand noch unter der Obhut ihrer Eltern und wurde bald das neue Familienmitglied.
Klara stellte sich das zukünftige Zusammenleben schon vor: Heike würde wie ein frisch gebackener Kuchen duften, das eigenhändig gemachte Butter würde sie rühren, damit sie ihr Gutes tun könnte. Sie bewunderte die junge Frau.
In Klaras Haus lebten fünf Kinder vier Töchter und der jüngste Sohn, Hanslein. Der Vater hatte kaum Zeit, um zu arbeiten, die Zeiten waren hart, und bald blieb Klara allein mit den Kindern zurück.
Doch das Land ging ihr nicht verloren. Das robuste Bauernhaus und die Felder blieben in Ordnung, die Töchter halfen beim Ernten, und die Lasten wurden nicht mehr mit dem kleinen Karren, sondern mit großen Kutschen transportiert.
Jetzt blieb nur noch Hanslein zu verheiraten, und Heike schien dafür passend. Die Mutter der Heike, Frau Gert, hatte von Kindesbeinen an nur Söhne; Heike war das jüngste Mädchen.
Das gesamte Anwesen, das Vieh, alles ging an Hanslein, die Töchter gingen aus dem Haus, Klara brauchte nichts mehr, ein kleines Eckchen für die jungen Paare wurde bereitgestellt, und alle setzten sich an den Tisch das war die wahre Freude.
Klara träumte davon, mit ihrer Schwiegertochter Tee zu trinken und über die Jugend zu plaudern, darüber, wie zwei große Höfe zu einem werden könnten. Vielleicht würden sie sogar alle zusammen in einem Haus wohnen, nur ein kleines Zimmer wärmen.
In ihren Tagträumen sah sie sich selbst über ein weites Feld laufen, die Arme weit geöffnet, die Beine schmerzfrei, und ein kleiner Junge mit schwarzen Augen kam ihr entgegen, das Haar flatterte im Wind, rief: Oma, Oma, komm her!
Sie erwachte lächelnd, als ihr Enkelkind im Traum erschien ein Wunder, das ihr Herz erwärmte.
Bald kehrte Hanslein mit seiner Braut zurück. Sie war zierlich, fast so hoch wie Hanslein, das Haar strubbelig wie Draht, die Augen schielend, das Gesicht gerötet Meine liebe Mutter, meine Frau, sagte er.
Hanslein scherzte: Kann ich denn so eine lange, strubbelige Frau heiraten? Doch das war kein Scherz, er stellte Heike vor: Das ist meine Heike.
Klara fiel das Herz in die Hände, als sie sah, dass ihr Sohn bereits eine Braut hatte. Sie rief den Nachbarsjungen Vasili herbei und packte ihm das Ohr.
Ach, Tante Klara, warum schlägst du mich?
Gib zu, hast du Hans Briefe geschrieben?
Wie es mir befohlen wurde, ja.
Über die Braut? Hast du ihr geschrieben, dass sie auf dich wartet?
Ja, aber, stotterte Vasili, Heike ist noch ein Kind, Hans ist schon alt, und Heike ist erst fünfzehn.
Schweig! Es ist Zeit, dass das Mädchen heiratet.
Das war früher einmal üblich, aber jetzt
Wir werden uns beschweren, und ihr werdet bestraft.
Wofür? Weil ich dich geschlagen habe?
Weil du versuchst, einen erwachsenen Mann mit einem Kind zu verheiraten.
Verschwinde, du Schwindler! Bist du etwa Heikes Verlobten? Lass mich sehen, was du wirklich schreibst.
Ich habe alles richtig geschrieben, frag Hans Onkel.
Ich frage Gott.
Frag doch, Heike wird dir nicht entkommen, schniefte Vasili, das Ohr rot vor Tränen.
Klara schrie: Geh weg, Bräutigam! und flüsterte heimlich: In zwei Augenblicken wird dieser lange Kerl hier rausfliegen, wie ein Teufel aus einem Fass.
Hanslein fragte: Mutter, hast du meine Briefe aus der Armee erhalten?
Ja, Mutter, regelmäßig.
Und über Heike? Ich schrieb dir
Über Heike? Sie will Ärztin werden, in die Stadt gehen, Menschen heilen das ist gut, ein kluges Mädchen.
Welcher Arzt? Und welche Menschen? Und die Ehe?
Mit wem, Mutter?
Mit Heike, mein Sohn.
Mit welcher Heike redest du? Sie ist noch ein Kind, das darf nicht heiraten, das Gesetz verbietet es.
Das ist meine rechtmäßige Frau, Katharina.
Oh, rief die alte Frau, du willst doch Heike zu Fall bringen? Vertreibe sie sofort, so niemand etwas merkt.
Klara kniete nieder und flehte: Ich bitte dich bei Gott, vertreibe sie, heirate sie, wie es sich gehört.
Hans, die Stimme der Vernunft, erwiderte: Beruhige dich, Mutter, ich liebe Katharina, sie ist meine Frau, und wir ziehen in das neue Dorf, ich werde Arzt dort werden.
Ist das die Frau, die dich von deiner Mutter abzieht?
Ja, Sohn, das ist sie.
Klara fiel zu Boden, ihr Mund verzogen, ihr Körper zitterte. Die rote Braut hatte etwas getan, das der alten Frau Erleichterung brachte.
Klara liebte Katharina nie, weil sie ihr das Herz zerriss. Die Kinder kamen lange nicht, und Klara wurde immer müder, während sie immer wieder sagte, hätte Hans Heike geheiratet, würden die Kinder im Hof spielen.
Heike ging in die Stadt, um zu studieren, und Klara hoffte, dass sie zurückkommen und Katharina vertreiben würde, dann würde Hans sofort heiraten und Kinder schenken.
Katharina wurde immer blasser, fast wie Kohl in der Suppe, ihr Gesicht verlor die Farbe. Sie war krank, vielleicht weil sie zu viel Arbeit leistete.
Was ist los mit dir? fragte Hans, der lächelte, seine Augen verbargen Freude.
Bald wirst du Großmutter, Mutter, sagte er.
Klara spuckte und ging.
Alles war vergangen, ihre Enkelkinder von Heike waren nicht mehr zu sehen, und sogar das Vieh kam nicht mehr zu ihr. Katharina ging schwer, ihr Leiden war offensichtlich.
Sie nannten sie Johanna. Das alte Wort blieb, doch es passte nicht mehr, die Jungen kümmerten sich um das Kind.
Vier Monate vergingen, seit das Kind in die Familie kam. Hans arbeitete bis tief in die Nacht, kam erst um Mitternacht heim. Er schaffte es, das Essen zu kochen, das Kind zu versorgen und das Vieh zu melken.
Klara, die alte Frau, ließ sich nicht einmischen, ihr war zu schwer.
In jener Nacht schrie das Kind laut.
Was ist das für ein Lärm? Hörst du nicht?, rief Hans.
Stille.
Klara stand auf, rief: Mutter, warum schweigst du?
Das Kind weinte, das Haus war dunkel, Blut tropfte.
Ach Gott, was ist mit dir geschehen?, schrie sie.
Sie legte ein paar Tücher über das Kind, deckte es zu.
Wo soll ich hinlaufen? Was tun, Katharina? Ich lasse dich nicht im Stich.
Ein Geräusch, die Tür knarrte, Hans schlich herein, lächelte.
Wo warst du?
Mutter, du wachst nicht, wo bist du? Ich war bei der Arbeit.
Arbeit? Deine Frau ist bewusstlos, ich kenne deine Arbeit Hol dir etwas von Kuzma, wir müssen Katharina ins Krankenhaus bringen, sonst stirbt sie.
Katharina lag im Krankenhaus, die Tür öffnete sich leise, wer war das? Die Schwiegermutter? Tante Klara? Mit einem Bündel.
Sie setzte sich ans Bett, klein, trocken, die Augen unten, flüsterte leise:
Johanna hat gefüttert, ohne etwas mitzunehmen, wo ist die lange Straße? Ich habe die Nachbarin gebeten, das Kind zu betreuen, fürchte dich nicht, wir haben unsere sieben Sünden begangen, nichts weiter.
Ich hörte Katharinas Stimme, das Herz schloss sich vor Freude Du liegst nackt hier, ich brachte dir Sachen, ich hol das Wasser, ich wasche dich, dein Blut ist noch da.
Sanitäter kamen, Tragen wurden hereingetragen, Frauen aus den Nachbarzimmern sahen neidisch zu, Glück für Katharina und ihre Mutter.
Klara sah zu, wie Katharina nach der Reinigung lächelte und flüsterte:
Wie lange brauchst du noch? Ich werde jeden Tag kommen.
Lass uns zu Hause reden, hauchte die alte Frau, richtete die Decke, Vanya und ich sind überstürzt, die Männer sind heute leer, morgen kommt ein Wagen, das Kind ist unser Eigen Und deine Schwiegermutter ist nicht fremd.
Sie sah mit listigen Augen, dass das Alter nicht die Farbe raubt, Gut, Katharina, ich komme morgen wieder.
Danke, Mutter, flüsterte Katharina, Klara erstarrte, drehte sich, lächelte kindlich und ließ sie laufen.
Was für eine Mutter du bist, Katharina
Ja, das ist meine Mutter, aber sie ist nicht meine eigentliche Mutter, nur die meines Mannes.
Schwiegermutter?, fragten alle ungläubig.
Ja, meine Schwiegermutter, ich wuchs mit meiner Großmutter auf, sie ersetzte meine Mutter.
Katharina sagte dies, aber glaubte es.
Am nächsten Tag kam Hans zurück, setzte sich schweigend neben das Bett, senkte den Kopf.
Es tut mir leid Es tut mir leid, ich bin ein schlechter Mensch.
Nichts, Hans, entscheide nur, ob du diese Arbeit willst.
Nein, sprang er auf, Nein, Liebling, ich brauche dich, mein Sohn.
Und meine Mutter, sagte Katharina leise.
Klara dachte noch immer an Heike, die lange, laute, rothaarige Schwiegertochter mit schielenden Augen. Es schien, als gäbe es keinen Grund, sie zu lieben. Doch Klara hatte sie doch geliebt nicht aus Zuneigung, sondern aus Pflicht, weil sie ihr Sohn sein Glück verdankte.
Sie nahm ihr Enkelkind in den Arm, streichelte es, bis es einschlief, und dachte daran, dass das Leben nicht immer nach Wunsch verläuft, aber dass Vergebung und Geduld das Herz leichter machen.
Als ihr Sohn am Morgen aus dem Krankenhaus kam, sagte sie zu ihm: Wähle, ob du bei der Familie bleiben willst oder hinausziehen.
Er ging seinen Weg.
In meinem Haus dulde ich keinen Unfrieden, befahl Klara, Ich werde Katharina und das Kind nicht vertreiben, du bist ein Mann, du kannst dein Leben selbst regeln.
Hans hatte sich entschieden, bei Katharina zu bleiben, und das war genug.
Am Ende erkannte Klara, dass Liebe nicht immer aus Bewunderung entsteht; manchmal ist sie das stille Ausharren, das Aufopfern und das Akzeptieren der Schwächen anderer. Sie sah, wie ihre Enkelkinder, Vanya, Michael, Andreas, Stefan und Marie, fröhlich spielten, und ihr Herz wurde warm.
**Die Lehre:** Wahre Liebe bedeutet, das Herz zu öffnen, auch wenn das Gegenüber nicht perfekt ist; nur durch Nachsicht und Fürsorge kann ein zerstörtes Band zu einem festen Fundament werden.




