MamaMama öffnete die Tür zum Garten, und ein Duft von frisch gebackenem Apfelkuchen stieg ihr entgegen.

Sascha, lass uns Anke ins Kinderheim geben!
Hast du den Verstand verloren? Wie soll das geben heißen? fragte ich, Alexander, fassungslos, meine Frau Jana an.
Na, genauso! wackelte Jana mit ihren lockigen Haaren. Bald bekommen wir unser eigenes Kind, warum sollen wir noch ein fremdes haben?
Jana! Genau deswegen ist das so, Gott hat uns belohnt, weil wir der kleinen Waise ein Zuhause geschenkt haben! Du hast doch selbst darauf gedrängt, sie zu adoptieren!
Ich habe schon lange gehofft, endlich unser eigenes Kind zu bekommen deshalb habe ich darauf bestanden. Was ist eine Familie ohne Kinder?

Die fünfjährige Anke stand hinter der Tür zum Schlafzimmer und konnte kaum fassen, was sie hörte. Nicht meine leibliche Tochter? Sie wollten sie zurück ins Heim? Tränen traten ihr in die Augen. Sie hatte sich so gefreut, dass bald ein Bruder oder eine Schwester kommt Und nun würde sie wegen diesem Neugeborenen ihre Eltern verlieren!

Als ich das Gespräch mitbekam, stand ich sofort auf und ging zur Tür. Dort stand die weinende Anke.
Papa, bin ich nicht deine leibliche Tochter? ihre großen Augen sahen mich ängstlich an.
Ach, mein Sonnenkind! nahm ich sie in die Arme. Natürlich bist du meine Tochter!
Aber ihr habt gesagt, ihr wollt mich ins Heim zurückbringen! Das heißt, ich bin nicht eure Tochter? schluchzte Anke weiter.
Wir haben dich im Haus aufgenommen, das bedeutet nicht, dass du uns nicht gehörst! Wir lieben dich sehr! Mama hat gerade Hormone wegen des bevorstehenden Babys Lass mich dich ins Bett legen.

*

Ich verlasse dich und du wirst das Kind nie sehen! schrie Jana. Ich will eine normale Familie, ohne fremde Leute!
Jana, beruhige dich! In unserer Familie gibt es keine Fremden! Anke ist ebenfalls unsere Tochter!
Ich habe sie nicht geboren! Sie ist nicht meine Tochter! wurde Jana immer wütender. Entweder ich oder sie!

Ich half Anke, ihre Sachen zu packen.
Du wohnst zunächst bei Oma, damit Mama nicht nervös wird, sagte ich zu meiner Tochter, das Baby kommt, Mama beruhigt sich und wir holen dich wieder ab, einverstanden?
Anke nickte. Sie war bereit, alles zu akzeptieren, solange sie nicht zurück ins Heim musste. Oma liebte sie und verwöhnte sie stets mit Keksen und Marmelade.

Oma, falls Mama mich ins Heim geben will, kann ich dann bei dir wohnen? fragte das Mädchen, als sie die Schwelle überschritt. Hilde schaute streng zu ihrem Sohn, der verlegen lächelte: Janas Hormone spielen verrückt!
Natürlich, mein Schatz! half Oma beim Ausziehen. Aber Mama wird dich nie weggeben du bist doch ihr Kind! Sie sagt das nur aus der Nervosität heraus.

*

Zwei Monate war Anke schon bei Oma. Ich kam seltener, weil die Arbeit im Krankenhaus und die Schicht im Labor mich zermürbten, während Jana zur Entbindung lag.

Eines Morgens, während Oma das Frühstück zubereitete, sah Anke das Auto vor dem Haus. Sie rief laut:
Papa, du bist da!
So früh? runzelte Hilde die Stirn. Sie hatte den Sohn noch nie vor Mittag kommen sehen. Sie ließ Anke in der Küche sitzen und ging selbst zur Tür, um ihn zu empfangen.

Jana ist heute Nacht gestorben. Die Wehen begannen und sie hat es nicht geschafft das Baby ebenfalls, sagte ich erschöpft und ließ mich auf den kleinen Hocker im Flur fallen.

Wir dreier saßen am Küchentisch, während der Tee kalt wurde.

Mutter, ich nehme Anke wieder mit. Sie muss nach Hause zurück.
Wenn du willst, kann ich erst einmal bei euch wohnen, fragte Hilde meinen Sohn.
Danke, Mama

*

Anke staunte über die neuen Schulranzen. Bald würde sie endlich Schülerin sein! Eine schicke Uniform und ein bunter Ranzen warteten auf sie.

Im Flur hörte ich das Knarren der Tür mein Vater kam!
Papa! rannte das Mädchen zu mir. Neben mir stand eine schmale, junge Frau.
Mensch, das ist Lea, sie wird bei uns einziehen, sagte ich mit übertriebener Freude.
Hallo, Anke! lächelte Lea sanft und reichte ihr einen kleinen Strauß. Ein Geschenk zum ersten September.
Na, hallo!, brummte Anke, wandte den Strauß ab und ging zurück in ihr Zimmer.

Nimm es nicht so schwer, hörte ich, wie ich zu Lea sprach, sie ist wirklich ein nettes Mädchen.
Ich bin sicher, wir werden Freunde, entgegnete Lea.

Anke überlegte kurz und knallte die Zimmertür zu.

Lea und ich heirateten schließlich. Kurz darauf bekam mein Chef eine Beförderung, und ich war kaum mehr zu Hause. Die ganze Verantwortung für Anke lag plötzlich auf Leas zarten Schultern. Sie bemühte sich, ihr zu helfen: Nachhilfe, Elternabende, Kinobesuche und Kaffee mit Kuchen. Nach und nach öffnete Anke ihr Herz und vertraute ihrer Stiefmutter. Das Haus wurde zu einer Idylle.

Am Ende des Schuljahres brachte Lea die frohe Kunde, dass sie ein Kind erwartete. Für Anke war das ein Schock. Sie zog sich in ihr Zimmer zurück und weinte lange. Lea stand vor der Tür und flehte:
Anke! Hör auf zu weinen! Ich liebe dich! Und ich gebe dich niemandem! Wir bleiben für immer zusammen! Du bist mein Lieblingsmädchen!
Wirklich? schniefte Anke und trat heraus.
Natürlich! umarmte Lea das Mädchen. Du bist mein leibliches Kind! Ich gebe dich nie wieder her!

Einige Monate später hielt Anke im Arm ihren kleinen Bruder Felix und staunte, wie winzig er war.
Mama, schau, wie süß er ist! sie nannte Lea plötzlich Mama. Lea, Tränen der Freude im Blick, drückte sie fest.

Zwei Jahre später ging Anke in die vierte Klasse, als ein Unglück die Familie erschütterte: Im Straßenverkehr kam mein Wagen in einen Unfall und ich verstarb. Anke und Lea erledigten routiniert die Hausarbeiten, kümmerten sich um den kleinen Felix und schweigend litten. Felix verstand nicht, warum alles anders war, und wurde reizbar.

Eines Abends, als der Junge schlief, trat Lea zu Anke und sprach:
Anke, das kann so nicht weitergehen! Wir müssen weiterleben. Deinen Vater können wir nicht zurückholen, aber das Leben geht weiter. Lass uns das Leid beenden, ja?
Ja, stimmte Anke zu. Lea hatte recht wir konnten den Vater nicht zurückholen.

Doch das Unglück kam nicht allein. Gerade als wir beschlossen, das Leben zu meistern, klopfte es an der Tür. Eine füllige Dame stellte sich als Inspektorin des Jugendamtes vor und verlangte, dass Anke ins Heim zurückkehre, weil sie nun elternlos sei.
Wie bitte? Ich? protestierte Lea.
Zeigen Sie die Adoptionspapiere! verlangte die Inspektorin. Es gab keine Dokumente. Sehen Sie, die Oma ist zu alt, um ein Kind zu versorgen, und Sie sind keine Eltern! Packen Sie Ihre Tasche, Elena!

Im Gegensatz zu Lea weinte Anke nicht mehr. Es war ihr egal, was nun geschehen würde. Ihr alter Alptraum erfüllte sich sie war völlig allein.

Ich hole dich da raus! schrie Lea, doch Anke glaubte ihr nicht. Wer brauche eine Waise? Früher, als ihr Vater noch lebte, war sie geliebt. Jetzt war er fort und sie schien niemandem zu gehören, schon gar nicht Lea, die ihr eigenes Kind hatte.

Lea besuchte Anke im Heim, doch das Mädchen wich ihr aus. Sie sah die Frau auf einer Bank sitzen und warten, doch sie ging nie zu ihr. Mit der Zeit kam Lea seltener und verschwand schließlich ganz.

Na, das wars! Ich habe das Mutterspiel genug, dachte Anke mit einem finsteren Grinsen.

Zwei Monate später:
Elena! Die Direktorin ruft dich! drängte ein Junge namens Tim, der örtliche Rabauke, durch die Tür. Was will sie von mir? wunderte sich Anke. Ich habe doch nichts getan!
Herzlichen Glückwunsch, Elena, du wurdest einer Familie zugeteilt!, verkündete die Heimleiterin feierlich. Vielleicht nicht perfekt, aber es ist etwas!
Ich will keine Familie! brummte Anke. Mir fehlt das Glück mit Familien!
Ob Glück kommt oder nicht, das wirst du später sehen. Pack jetzt deine Sachen und geh zu deinen neuen Eltern!

Anke ging gehorsam hinaus. Es war ihr wieder egal, was geschah.

Am Heimvorgebäude stand Lea.
Was willst du hier? fragte Anke teilnahmslos.
Ich bin wegen dir gekommen
Ich wurde schon adoptiert
Das bin ich.
Du? konnte Anke ihr Lächeln nicht verbergen.
Ja! Ich habe gesagt, du bist mein leibliches Kind und ich gebe dich nie her! Leider finden alleinstehende Mütter selten Adoptionen, aber ich habe bewiesen, dass ich dir ein gutes Leben bieten kann und ein bisschen Bestechung hat ja noch nie geschadet Also, wir sind jetzt eine vollständige Familie! Komm mit, Felix vermisst dich!
Komm Mama

Und so ging Anke, Hand in Hand mit ihrer neuen Mutter, ins Haus, das endlich wieder ein Zuhause war.

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Homy
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