Die perfekte Partie: Liebe, Schicksal und eine charmante Vermittlerin

**Die Heiratsvermittlerin**

Helga Schmidt spürte ein Stechen im Herzen und rief den Arzt nach Hause. Nicht, dass es ihr besonders schlecht gegangen wäre, aber sie hatte einfach niemanden zum Reden.

Die Ärztin war neu, noch nie zuvor bei Helga gewesen jung, dünn, mit tränenverschmiertem Gesicht. Aus ihrer Tasche ragte eine lange Gurke.

Kommen Sie herein, lud Helga die Ärztin ein.

Diese ließ verlegen die Tasche mit der Gurke im Flur stehen, zog ihre Stiefel aus und betrat das Wohnzimmer. Helga hatte noch nie erlebt, dass ein Arzt im Haus eines Patienten die Schuhe auszog, und fühlte sich sofort mitfühlend der jungen Frau verbunden.

Das Herz?, fragte die Ärztin sanft, während sie sich neben das Bett setzte, auf dem Helga lag.

Ja, das Miststück, bestätigte Helga. Es hämmert und hämmert. Mal in den Füßen, mal in den Knien, mal in den Ohren und manchmal an Stellen, die ich nicht mal erwähnen mag.

Die Ärztin nahm ihr Stethoskop und horchte Helga ab, runzelte dabei ihre dünnen Augenbrauen und verzog ihre Stupsnase.

Die Knie, half Helga nach. Da hämmert es besonders stark, vielleicht sollten Sie da auch mal horchen?

Die Ärztin schüttelte den Kopf die Knie würde sie nicht untersuchen.

Arrhythmie, diagnostizierte sie und brach plötzlich in Tränen aus, so heftig, dass Helga erschrak.

Ist es so schlimm?, rief Helga, während ihr Herz wie ein Presslufthammer schlug.

Nicht bei Ihnen bei mir!, schluchzte die Ärztin. Sie nehmen Tabletten, und alles wird gut. Aber ich ich

Da freute sich Helga. Endlich jemand zum Reden! Das Herz hörte sofort auf zu stechen.

Hat Ihr Mann Sie verletzt?, fragte Helga routiniert und knöpfte ihren Morgenmantel zu.

Ich habe keinen Mann!, schluchzte die Ärztin noch lauter. Genau das ist das Problem!

Also hat Ihr Freund Schluss gemacht, folgerte Helga.

Ich verschreibe Ihnen jetzt Tabletten. Die Ärztin wischte sich mit ihrem Kittel über das Gesicht und holte ein zerknittertes Rezept hervor.

Lassen Sie die Tabletten, unterbrach Helga. Kommen Sie lieber in die Küche, wir trinken Tee.

Ich bin im Dienst, schluchzte die Ärztin und kritzelte etwas auf das Rezept.

Ich auch, entgegnete Helga bestimmt und ging in die Küche, um Lindenblütentee aufzugießen.

Die Ärztin folgte ihr, niedergeschlagen und unglücklich, und steckte sich aus irgendeinem Grund das Stethoskop in die Ohren.

Nehmen Sie das Ding raus!, fuhr Helga sie an und holte Marmelade, Kekse und Schokowölkchen aus dem Kühlschrank.

Die Ärztin zog das Stethoskop heraus und weinte wieder.

Jetzt erst sah Helga, wie jung sie eigentlich war. Sommersprossen auf der Nase, raue Hände und ein Blick, als stünde das Leben still.

Erzählen Sie, forderte Helga genüsslich, während sie sich an den Tisch setzte.

Ich habe Ihnen gute Tabletten verschrieben, schluchzte das Mädchen im weißen Kittel. Sehr gute!

Die brauche ich nicht. Erzählen Sie lieber, warum Sie weinen!

Eine Allergie gegen Kälte, log die Ärztin unglaubwürdig und verbrannte sich beim ersten Schluck Tee.

Helga stand auf und warf einen Blick auf das Thermometer.

Zu spät für eine Kälteallergie. Draußen sind es zehn Grad plus!

Zu spät?!, rief die Ärztin verzweifelt. Dann ist es wohl nervös bedingt.

Sie stopfte sich ein ganzes Schokowölkchen in den Mund.

Während sie damit beschäftigt war, nutzte Helga die Gelegenheit:

Dann stelle ich jetzt die Diagnose. Sie weinen, weil Ihr Freund Sie für eine andere verlassen hat, stimmts?

Hm-hm!, nickte die Ärztin mit vollem Mund und weinte weiter, während ihre Tränen in den Tee tropften.

Ha!, freute sich Helga über ihre Treffsicherheit. Und diese andere ist bestimmt Ihre Freundin?

Meine Schwe-ster!, würgte die Ärztin das Wölkchen hinunter und steckte sich wieder das Stethoskop in die Ohren.

Ihre leibliche Schwester?!, erschrak Helga und griff sich ans Herz, obwohl es völlig ruhig schlug gespannt auf die dramatische Geschichte.

Halb-Schwester, schluchzte die Ärztin. Aber fast wie leiblich. Sie horchte mit dem Stethoskop ihr eigenes Herz ab. Ich habe auch Arrhythmie. Haben Sie Baldrian?

Ja!

Helga sprang auf und holte einen geheimnisvollen Trank, dessen Rezept nur sie, ihre Großmutter und ein sibirischer Schamane kannten. Der Trank lockerte die Zunge, hellte die Stimmung auf und machte heiratswillig.

Sie schenkte der Ärztin ein Gläschen ein.

Diese trank es widerstandslos, hellte sich auf und erzählte ohne weiteres Zögern ihre Geschichte.

Ich liebte Tom, Tom liebte mich drei Jahre lang! Er wollte seine Doktorarbeit schreiben, ein Zimmer im Studentenwohnheim bekommen, und dann wollten wir heiraten. Kinder kriegen, Möbel kaufen, ein Auto auf Raten. Tom forscht an kalter Fusion. Kein Metall hält seinem Experiment stand! Seine letzte Hoffnung war Wolfram, aber selbst das gab nach. Wäre es anders gekommen, hätte er längst promoviert und das Zimmer bekommen. Wir liebten uns, gingen ins Kino, küssten uns in Treppenhäusern alles, wie es sich gehört. Ich heilte Menschen, Tom suchte nach einem Metall, das seiner Fusion standhält. Und dann plötzlich tauchte meine kleine Schwester auf. Hübsch!!! Sie studiert Gesang an der Musikhochschule. Als Tom sie das erste Mal sah, vergaß er seine Fusion. Und Wolfram. Er erzählte nur noch, dass er singen und tanzen könne wie Helene Fischer. Ich verstand sofort. Liebe auf den ersten Blick leidenschaftlich und unvernünftig. Blind und skrupellos. Meine Schwester fand es toll, dass Tom promovierte. Sie brach ihr Studium ab und zog her, unter das sichere Dach der kalten Fusion. Ich hätte um meine Liebe kämpfen sollen, um unser Wohnheimzimmer, die Möbel, das Auto Aber ich hatte nur Schichten, Schichten, Notdienste! Gestern machte Tom meiner Schwester einen Antrag. Sie sagte ja, und ich wäre fast in den Tod gegangen. Wie Physiker sagen: kurz davor, den Vakuumtank mit Plasma zu füllen! Ich war das fünfte Rad am Wagen.

Die Ärztin steckte sich wieder das Stethoskop in die Ohren und aß mit leerem Blick das ganze Himbeermarmeladenglas aus.

Helga rieb sich vergnügt die Hände und holte ihren Laptop.

Wow!, staunte die Ärztin über die Technik ihrer Patientin. Wozu das?

Wir suchen dir jetzt einen Mann!, erklärte Helga, setzte ihre Brille auf und tippte wie eine Profi-Hackerin.

Nein, bitte nicht!, sprang die Ärztin auf. Ich will keine Liebe per Computer!

Es kommt nicht darauf an, wie man sucht, brummte Helga. Sondern darauf, dass man findet! Hier, schau: Zweiundvierzig, geschieden, keine Kinder, Bankangestellter, liebt Reisen, Kohlkuchen und Hunde.

Dann soll er die Hunde behalten!, winkte die Ärztin ab. Ich habe Angst vor ihnen! Kochen kann ich nicht, und Reisen hasse ich. Und außerdem zweiundvierzig? Ein Rentner!

Okay, den streichen wir, nickte Helga. Hier noch einer: Dreiunddreißig, ledig, Manager, liebt Brünette, Blonde und Rothaarige. Hobby: Sex. Müde von One-Night-Stands, sucht eine feste, aber abwechslungsreiche Beziehung. Nein, der passt auch nicht.

Sind Sie etwa eine Heiratsvermittlerin?, rief die Ärztin empört. Woher haben Sie diese Kandidaten?

Ja, genau das bin ich, bestätigte Helga. Beruflich. Seit zwei Wochen ohne Kundschaft da tut einem das Herz weh. Weltweite Krise. Die Leute haben Angst vor Verantwortung, sogar vor Affären. Und dann kommen Sie mit Ihrer unglücklichen Liebe, Arrhythmie, Allergie und Stethoskop! Ich bin Ihnen vom Himmel geschickt!

Ich brauche das nicht

Wie heißen Sie?

Lisa. Äh, Lina.

Lisa-Lina, Sie müssen Ihren Physiker vergessen!, tippte Helga weiter. Ah! Hier ist er: Fünfundzwanzig, lebt in München! Villa und Jacht! Ein Traummann!

Die Ärztin warf einen Blick auf den Bildschirm.

Pfui! Der sieht ja aus wie ein Gorilla!

Aber er ist reich!, empörte sich Helga. Villa! Jacht! Traummann! Das ist keine kalte Fusion, das ist München!

Ich will keinen reichen Mann, wehrte Lisa-Lina ab. Wenn sein Vater stirbt, hänge ich an dem Affen fest! Und mein Englisch ist schlecht wie soll ich in München arbeiten?

Helga blickte streng über ihre Brille.

Noch nie hatte ich so eine wählerische Kundin, seufzte sie. Alle anderen reißen sich um Millionäre!

Die Ärztin errötete, schenkte sich selbst ein Glas vom geheimnisvollen Trank ein und schlug vor:

Kann ich mir selbst einen Mann aussuchen?

Normalerweise mache ich das, murrte Helga. Das ist mein Job.

Ach was. Ihr Job ist es, Tee zu kochen und Leute zu unterhalten. Den Mann suche ich selbst!

Helga schob ihr den Laptop hin. Noch nie hatte sie so eine eigenwillige Kundin gehabt.

Nach fünf Minuten rief Lisa-Lina: Hier! Das ist er!

Bist du verrückt, Lisa-Lina?!, empörte sich Helga. Der ist doch nur zum Spaß hier! Ein Witzbold!

Nein, das ist er, beharrte die Ärztin. Dreißig, ledig, Förster. Und er heißt Max.

Ein Förster?!, sprang Helga auf. Der lebt im Schwarzwald!

Genau da will ich hin. Entweder er oder niemand!

Helga seufzte, warf sich einen Schal über und ging zur Tür.

Wo gehen Sie hin?, fragte Lisa-Lina.

Den Förster holen.

In den Schwarzwald?!

Er wohnt nebenan. Mein Nachbar!

Und der Millionär aus München?

Der ist der Nachbar meiner Freundin, die in München wohnt.

Warten Sie! Das war ein Scherz!, rief die Ärztin und griff nach ihrer Tasche mit der Gurke.

Doch Helga war schon draußen und schloss die Tür hinter sich ab.

Hilfe!, versuchte Lisa-Lina zu rufen.

Gleich, gleich, versprach Helga.

Zehn Minuten später kam sie mit Max, Blumen und Sekt zurück.

Die Ärztin weinte am Fenster und horchte mit dem Stethoskop ihr eigenes Herz ab.

Max, stellte sich der Förster vor und schenkte ihr einen Diamanten.

Lina äh, Lisa Oder Mäuschen. Wie Sie wollen, errötete die Ärztin und betrachtete den Stein im Lampenlicht.

Mäuschen ist gut, murmelte Max. Ich liebe weiße Mäuse.

Ich kann das nicht annehmen, wehrte Lisa-Lina ab und steckte den Diamanten in ihre Kitteltasche.

Bitte!, flehte Max. Ich habe noch mehr.

Helga fühlte sich überflüssig und ging leise hinaus.

Als sie die Tür abschloss, knallte eine Sektflasche.

Draußen war es dunkel. Die Bank vor dem Haus war leer.

Helga setzte sich und lauschte ihrem Herzen. Es tat nicht weh, aber es war neugierig.

Was passierte da drinnen mit Max und Lisa-Lina? Würde es funktionieren?

Wieder einmal hatte sie niemanden zum Reden.

Max hatte sie nur aus Spaß in ihre Datenbank aufgenommen. Er studierte Forstwirtschaft, lebte im Schwarzwald und wollte partout nicht heiraten. Er war der Liebling des ganzen Hauses reparierte alles, was kaputt war, hörte sich die Geschichten der alten Leute an und konnte stundenlang erzählen.

Helga hatte ihn als Witz eingetragen: Seht her, sogar einen Förster habe ich! Max wusste davon und nahm es mit Humor.

Und jetzt? Diamant, Sekt und gemeinsam aus dem Fenster springen!

Helga lauschte an ihrem Fenster.

Aus der geöffneten Scheibe drangen Gelächter, Gläserklirren und lebhafte Gespräche.

Kein Wunder. Max konnte alles reparieren sogar ein gebrochenes Herz.

Mit einem Lächeln kehrte Helga zur Bank zurück und entdeckte Nachbarin Gertrud, die mit ihrem Dackel Gassi ging.

Endlich jemand zum Reden!

Stell dir vor, Max! Und die Ärztin! Ihr Freund hat sie verlassen! Und er schenkt ihr einen Diamanten! Und sie nennt ihn Mäuschen!, plapperte Helga.

Wirklich? Die neue Ärztin? Oh!, staunte Gertrud und holte eine Handvoll Sonnenblumenkerne hervor.

Helga erzählte ausführlich von ihrem Herzleiden, der kalten Fusion und dem Millionärssohn. Gertrud hörte zu und spuckte die Schalen in eine Zeitung.

Jetzt trinken sie Sekt, beendete Helga ihren Bericht.

Nicht mehr. Sie springen schon aus dem Fenster, bemerkte Gertrud trocken.

Oh, ich habe sie eingesperrt!, rief Helga.

Bleib sitzen!, zog Gertrud sie am Ärmel zurück. Deine Tauben haben selbst einen Ausweg gefunden. Sieh mal, wie dünn sie sind! Sie quetschen sich durchs Gitter!

Tatsächlich kletterte die Ärztin durch das Gitter. In der Hand hielt sie die Gurke. Sie landete sicher und rief: Komm schon, Förster-Max! Es ist nicht hoch!

Max schlüpfte wie ein Aal durch die Stäbe und fiel der Ärztin in die Arme. Sie kugelten lachend über den Boden.

Na, dann mal los, seufzte Gertrud. Was verlangst du für die Vermittlung?

Erst sollen sie heiraten, brummte Helga. Sonst rennt er zurück in den Wald, und sie zu ihrem Physiker.

Oh!, rief die Ärztin plötzlich. Ich habe einen Notruf! Ein alter Mann im Nachbarhaus ist krank!

Ich komme mit, bot Max an. Ich kann alles heilen.

Unmöglich! Er hat eine hypertensive Krise!

So was gibts nicht!

Doch!

Bei Förstern nicht, aber bei normalen Menschen!

Dein Patient ist einsam. Das heilt man mit Tee, einem Schnaps, Domino und langen Gesprächen. Du schaffst das nicht allein ich komme mit!

Arm in Arm gingen sie zum Nachbarhaus.

Ich rufe schnell Heinrich an, damit er nicht aufmacht!, rief Helga. Der ruft auch immer den Arzt, wenn er reden will.

Warum heiratest du nicht Heinrich, um die jungen Leute in Ruhe zu lassen?, fragte Gertrud.

Auf keinen Fall! Er mag keine Hunde. Und außerdem bin ich ein halbes Jahr jünger als du!

Heirate ihn doch selbst!

Der ist kein Förster!, schnaubte Helga und lief davon.

Jetzt wollen alle nur noch Förster, seufzte Gertrud. Wo soll man die alle herbekommen?

Heinrich hob sofort ab, als hätte er auf ihren Anruf gewartet.

Sie sind schon da!, lachte er. Lisa-Lina macht Tee, und Max spielt mit mir Karten.

Karten?!, wunderte sich Helga. Dieser Max ist wirklich vielseitig

Ein Förster!, lobte Heinrich.

Ich habe die beiden zusammengebracht, prahlte Helga.

Toll! Was verlangst du dafür?

Weiß noch nicht. Lass mich erst mal sehen, ob sie wirklich heiraten, murmelte Helga und legte auf. Der Mond stand hoch über den Dächern, und eine Taube pickte an der Stelle, wo Lisa-Linas Tränen zuvor auf den Boden getropft waren. Helga lächelte. Ihr Herz war still, aber zufrieden. Irgendwo im Schwarzwald zwitscherte eine Amsel, und in der Ferne heulte ein Fuchs. Leben, dachte sie. Überall Leben.

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Homy
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Gebrochenes Herz: Eine Geschichte von Betrug und Erlösung