Anna ist schwanger. Ihr Mann Hans hat sie die ganze Schwangerschaft nicht im Stich gelassen. Er erfüllte all ihre Wünsche und Launen. Endlich war es soweit und Hans fuhr Anna ins Kreißsaal. Als die gesunde Tochter das Licht der Welt erblickte, atmete er erleichtert auf. Zufrieden und glücklicher frischgebackener Vater fuhr nach Hause, um zu entspannen. Am nächsten Tag kam er zurück, um seine Frau mit der kleinen Tochter zu besuchen. – Ihre Frau ist nicht hier, – hieß es plötzlich. – Das kann nicht sein! – zweifelte Hans. – Vielleicht ist sie gegangen? Suchen Sie sie! – Nein, sie ist weg, hier ist die Notiz, – sagte die Krankenschwester und reichte ein doppelt gefaltetes Blatt. Hans öffnete es und wurde blass vor Schock.

Liebes Tagebuch,

heute habe ich wieder einmal das ganze Leben in einer Nacht über mich hereinbrechen lassen wie ein Sommersturm, der plötzlich über das bayerische Dorf fährt.

Liselotte war schwanger. Ich, Georg, blieb ihr während der gesamten Schwangerschaft wie ein Schatten zur Seite, erfüllte jeden ihrer Wünsche und Launen. Als endlich der Tag kam, fuhr ich sie ins Stuttgarter Klinikum. Als die gesunde kleine Tochter das Licht der Welt erblickte, atmete ich erleichtert aus. Glücklich und erschöpft fuhr ich nach Hause, um ein wenig Ruhe zu finden. Am nächsten Morgen fuhr ich zurück, um meine Frau und unser Neugeborenes zu besuchen und wurde plötzlich von einer Krankenschwester mit einem doppelgefalteten Zettel konfrontiert: Ihre Frau ist nicht mehr hier.

Ich glaubte es nicht. Vielleicht ist sie nur kurz rausgegangen? Suchen Sie sie!, flehte ich. Doch die Krankenschwester reichte mir das Blatt, und beim Entfalten wurde mir das Herz schwer. Drei Worte standen darauf: Suche mich nicht.

Die Worte brannten sich ein, denn seitdem war Liselotte verschwunden. Sie wechselte die Telefonnummer, meldete sich erst nach anderthalb Monaten und schrieb nur: Packe meine Sachen, mein Freund Armin kommt und holt sie. Reiche die Scheidung ein, ich komme nicht mehr. Unsere Tochter Alina blieb allein zurück. Glücklicherweise wohnte meine Mutter in der Nähe und kümmerte sich liebevoll um das Kind.

Einige Monate später, im Büro des Vertriebs, traf ich die junge, hübsche Liselotte zum ersten Mal. Ich war damals noch unverheiratet, leitete die Abteilung in Köln und sie trat als neue Kollegin ein. Ich ging zu ihr und sagte:

Guten Morgen, Kollegin.

Ihre Stimme war zart, ihr Lächeln warm. Wir sprachen über ihre Aufgaben, die ihr die erfahrene Klara, die Teamleiterin, zeigen würde. Die meisten meiner Kolleginnen, größtenteils Frauen, tuschelten, als ich den Raum verließ: Seit wann schenkt unser Chef den Neuankömmlingen so viel Aufmerksamkeit?

Liselotte beobachtete zunächst nur und nahm die Rolle einer stillen Beobachterin ein. Sie war erst 22, hatte jedoch bereits seit ihrem siebzehnten Lebensjahr mehrere Beziehungen hinter sich, die in Trümmern endeten. Sie hatte es einmal gewagt, einen deutlich älteren Dozenten zu verführen, doch er beendete die Affäre, weil Gerüchte über seine Frau die Runde machten.

Eines Abends schlug ich vor, nach der Arbeit in ein kleines Café in der Nähe des Rheinufers zu gehen. Sie stimmte zu und lächelte: Warum nicht? Mein Chef muss ja gute Beziehungen pflegen. Das Lächeln war so herzlich und unverfälscht, dass ich zunächst dachte, sie scherze. Doch ihr Ja war ernst.

Ich war dreißig, noch nie verheiratet, und obwohl ich schon einige Beziehungen gehabt hatte, wollte ich noch nichts Ernstes. Schnell entwickelte sich zwischen uns eine leidenschaftliche Romanze. Ich versuchte, jeden Wunsch Liselottes zu erfüllen, ohne Fragen zu stellen. Sie stellte die Bedingung:

Wir wollen jetzt noch keine Kinder, ich will zuerst mein eigenes Leben führen. Sobald ich bereit bin, sag ich es dir.

Ich dachte, mit der Zeit würde sie erkennen, dass eine Familie ohne Kinder nicht komplett sei. Doch jedes Mal, wenn ich das Thema Kinder ansprach, stoppte sie abrupt:

Liebling, ich habe dich doch schon gewarnt, und du hast zugestimmt. Bitte dräng mich nicht zu einem Kind.

Eines Tages kam sie nach der Dusche mit einem positiven Schwangerschaftstest zurück. Ich sprang ihr in die Arme, doch sie schluchzte:

Ich will nicht mehr, ich will nicht voll werden. Mach etwas!

Ich hielt sie fest, küsste sie, während ihre Tränen meine Wangen benetzten: Weine nicht, das ist doch ein Grund zum Glücklichsein. Ich liebe dich, Liselotte, wir bekommen ein Kind!

Doch Liselotte entschied sich, zur Ärztin zu gehen und die Schwangerschaft zu beenden. Ich erreichte sie gerade noch rechtzeitig, bevor sie das Behandlungszimmer betrat, und zog sie wütend nach draußen:

Bitte, Liselotte, wir können das Kind bekommen. Ich helfe dir in allem.

Sie stimmte zu jedoch ohne Wickel, ohne nächtliche Aufstehens. Ich blieb stets an ihrer Seite, erfüllte jede Laune, bis wir sie schließlich ins Klinikum brachten. Als die gesunde Tochter geboren war, seufzte ich erleichtert.

Doch das Schicksal schlug erneut zu. Der Pfleger überreichte mir erneut den doppelgefalteten Zettel: Ihre Frau ist nicht mehr hier. Die Worte Suche mich nicht brannten sich in mein Gedächtnis ein. Liselotte verschwand vollständig, änderte ihre Handynummer und antwortete nicht mehr. Erst nach fünfeinhalb Wochen meldete sie sich, um ihre Sachen abzuholen, und ließ mich mit einer leeren Wohnung und einer kleinen Alina zurück.

Im Sommer traf ich Sabine, die Frau meines Freundes Hans. Sie war schwanger, obwohl Hans ihr bereits vor der Hochzeit gesagt hatte, dass er keine Kinder bekommen könne. Ich war ihr erster Ansprechpartner, weil er in seinem dritten und letzten Ehebund ein solches Geständnis machte. Sabine wollte trotzdem ein Kind und tatsächlich, nach acht Wochen zeigte ein Test ein positives Ergebnis.

Hans reagierte jedoch kühl: Freude? Warum soll ich mich freuen? Hast du etwa mein Kind betrogen?

Nach einigem Zögern stimmte er schließlich zu, das Kind zu akzeptieren aber er wollte keine Verantwortung übernehmen. Sabine brachte den Sohn David zur Welt, der erstaunlich stark Hans ähnelte, doch dieser sah es nicht. Er schimpfte ständig, beschwerte sich über Unterhalt und verweigerte die Vaterschaft.

Schließlich ließ Sabine das Kind bei ihrer Mutter, meiner Schwiegermutter, die in einem beschaulichen Haus am Bodensee wohnte und sich liebevoll um David kümmerte.

Einige Monate später erhielt ich einen Anruf von der Grundschule in Dresden: Bitte kommen Sie sofort, Ihr Sohn hat etwas angestellt. Ich eilte hin, wo ich David zusammen mit seiner Klassenkameradin Anja sah. Anja, ein Musterschülerin, war von einem Streit zwischen den beiden Jungen in Mitleidenschaft gekommen. Der Lehrer, Herr Müller, berichtete, dass David Anja versehentlich einen Stich ins Gesicht verpasst hatte.

Ich sah die Situation mit David und Anja, wie sie sich gegenüberstanden, und verspürte ein tiefes Bedauern. Schließlich baten beide Eltern, mich und Sabine, um Vermittlung. Wir setzten uns zusammen, lachten über die Absurditäten des Lebens und beschlossen, ein gemeinsames Abendessen in einem typischen Berliner Biergarten zu organisieren.

Anja sagte ernsthaft: Bitte glaubt nicht, dass wir uns nur aus Höflichkeit treffen. David nickte: Wenn dich jemand verletzt, sag es mir.

Die Kinder wurden Freunde, teilten Pizza und Lachen, und wir Erwachsenen erkannten, dass trotz aller Konflikte und Missverständnisse ein Funke Wahrheit und Gemeinschaft bleibt.

Nun, während ich hier in meinem Studierzimmer sitze und diese Zeilen schreibe, sehe ich, wie sehr das Leben mich gelehrt hat, dass man Vertrauen nicht erzwingen kann und dass Ehrlichkeit das Herz jeder Beziehung bildet. Manchmal muss man loslassen, damit das, was wirklich wichtig ist, an die Oberfläche steigt.

Meine Lektion: Man kann nicht jedes Herz behalten, aber man kann immer noch Liebe und Respekt geben und das ist das wahre Fundament eines erfüllten Lebens.

Georg.

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Homy
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Anna ist schwanger. Ihr Mann Hans hat sie die ganze Schwangerschaft nicht im Stich gelassen. Er erfüllte all ihre Wünsche und Launen. Endlich war es soweit und Hans fuhr Anna ins Kreißsaal. Als die gesunde Tochter das Licht der Welt erblickte, atmete er erleichtert auf. Zufrieden und glücklicher frischgebackener Vater fuhr nach Hause, um zu entspannen. Am nächsten Tag kam er zurück, um seine Frau mit der kleinen Tochter zu besuchen. – Ihre Frau ist nicht hier, – hieß es plötzlich. – Das kann nicht sein! – zweifelte Hans. – Vielleicht ist sie gegangen? Suchen Sie sie! – Nein, sie ist weg, hier ist die Notiz, – sagte die Krankenschwester und reichte ein doppelt gefaltetes Blatt. Hans öffnete es und wurde blass vor Schock.
Ich treffe meine Entscheidung erst nach dem DNA-Test