EgonchenEgonchen sprang freudig durch den malerischen Weinberg, wo die reifen Trauben im Abendlicht leise flüsterten.

Die Tür blieb geschlossen, und die anderen Kinder waren bereits von ihren Eltern abgeholt worden nur Emil blieb zurück. Er drehte leise an seinem kleinen Rennwagen in der Ecke des Gruppenraums, während die Erzieherin, Frau Marianne Schneider, ungeduldig auf die tickende Uhr starrte. Emil seufzte tief, blickte zum dunklen Fensterrahmen, dann zur Tür.

Frau Schneider, ich habe heute mittags einen großen Hund am Zaun gesehen, begann er zögerlich, er steht wohl noch dort. Mama hat Angst, reinzugehen. Vielleicht könnten wir den Hund hinauslocken?

Da ist kein Hund, Emil, erwiderte sie kühl. Denk nicht dran. Ich rufe deine Mutter noch einmal an. Sie griff nach ihrem Mobiltelefon, wählte die Nummer, doch es blieb still. Besorgt fuhr sie erneut auf die Uhr.

Da ist etwas passiert, dachte sie. So etwas hat es bei Emil nie gegeben. Sein Vater ist nicht mehr da, seine Mutter ist immer verantwortungsbewusst. Wenn sie sich verspäte, würde sie anrufen.

Sie wandte sich zu ihm. Komm, zieh deine Jacke an. Wir gehen zu mir nach Hause.

Aber meine Mutter?, stammelte Emil. Sie kommt ja, und wir wir sind nicht da.

Dann hinterlassen wir ihr eine Notiz, sagte Frau Schneider entschlossen, sie wird sie lesen und zu uns kommen. Ich gebe ihr die Adresse und meine Nummer. Es ist spät, los, mein Kater ist hungrig.

Einen echten Kater?, leuchtete Emil auf. Darf ich mit ihm spielen?

Klar, komm mit.

Emils Augen wurden groß, als sie die Tür zu Frau Schneiders Wohnung öffnete. Das warme, gemütliche Wohnzimmer duftete nach Apfelstrudel und frischen Brötchen. Auf dem Sofa lag ein riesiger, fauler, rötlich-gestreifter Kater, der geduldig Emils zögerliche Berührungen erwiderte. Nachdem sie beide Tee getrunken hatten, schlief Emil eingekuschelt im Sessel ein.

Vorsichtig legte Frau Schneider den Jungen ins Bett und ging mit dem Telefon in die Küche. Nach langen Gesprächen mit den Polizeibeamten und den Mitarbeitenden des Unfallmeldedienstes erfuhr sie, dass eine junge Frau nach einem schweren Verkehrsunfall bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Wenn sie wieder zu Bewusstsein kommt, sagen Sie ihr bitte, dass ihr Sohn in Sicherheit ist, bat die Stimme am Telefon. Er wird bei mir bleiben. Bitte kümmern Sie sich um ihn, bis wir Sie besuchen können.

Zurück im Zimmer sah Emil mit tränenden Augen zu ihr auf. Wo ist meine Mama?, schluchzte er. Ich will nach Hause, zu Mama. Zu Hause weint Mama, das Bett weint, die Spielsachen warten auf mich. Bitte, bring mich nach Hause.

Frau Schneider kniete sich zu ihm, ihre Stimme bebte: Kleines, weine nicht. Deine Mama ist gerade bei der Arbeit. Alles ist in Ordnung hier, ich habe dich lieb, und der Kater auch.

Aber sie wartet auf mich, schluchzte Emil weiter. Fliegt meine Mama nicht in den Himmel?

Nein, mein Schatz, sie fliegt nicht, flüsterte sie. Warum fragst du?

Mein Vater ist im Himmel, fuhr Emil zögerlich fort, und meine Oma auch. Sie schauen von oben zu mir hin. Wenn ich brav bin, freuen sie sich. Was, wenn Mama auch zu ihnen fliegt?

Frau Schneider umarmte ihn zärtlich, drückte ihn an ihre Seite. Er vergrub sein Gesicht in ihrem Schulterblatt. Mach dir keine Sorgen, deine Mama ist stark. Morgen fahren wir zu ihr, wir besuchen sie im Krankenhaus. Sie hat Halsschmerzen und ein wenig Schmerzen im Arm, aber sie wird wieder gesund. Sie streichelte sein Haar. Sie braucht warme Milch mit Honig, das bringen wir ihr. Leg dich jetzt hin, ich erzähle dir eine Geschichte.

Frau Schneider, warum wohnen Sie allein?, fragte Emil plötzlich.

Die Frage traf sie unerwartet. Tränen stiegen in ihre Augen, und sie gestand leise: Ich hatte einen Sohn und einen Mann. Sie gingen an einem sonnigen Tag auf die Landstraße, ich blieb zu Hause, wollte noch aufräumen. Dann kam der Unfall. Jetzt lebe ich nur noch mit dem Kater. Ich wünschte, wir wären noch alle zusammen.

Sie sind auch in den Himmel geflogen?, hakte Emil nach.

Ja, seufzte sie.

Bitte weinen Sie nicht, sagte Emil, sie sehen uns von dort oben, und wenn wir glücklich sind, freuen sie sich auch. Meine Mama hat das immer gesagt. Er drückte ein wenig Trost aus, und sie wischte ihre Tränen weg, küsste ihn auf die Stirn. Schlaf jetzt, morgen müssen wir früh aufstehen. Ich bitte dich, bleib ein wenig bei mir, solange deine Mama im Krankenhaus liegt. Mit dem Kater wird es uns leichter fallen. Einverstanden?

Einverstanden, nickte Emil, ich helfe beim Abwasch. Darf ich dich Oma nennen? Nicht in der Kita, nur hier.

Natürlich, mein kleiner Emil. Sie flüsterte: Schlaf jetzt.

Stunden vergingen, und Frau Schneider saß noch lange am Fenster, wischte die Tränen ab, während Emil leise in einem anderen Bett schlief.

Jahre später erwachte Emil früh, sprang aus dem Bett, streckte sich. Der Duft von frisch gebackenen Brötchen drang aus der Küche. Er schlich hinein.

Oma, warum bist du so früh auf?, rief er und gab Frau Schneider einen Kuss auf die Wange.

Ich konnte nicht schlafen, dachte, du wachst mit deiner Mama, und ich habe Brötchen gebacken. Jetzt gibts Milch für dich, und wenn die Zeit reif ist, schlafe ich im Himmel.Als die Sonne durch das Küchenfenster schimmerte, sprang der Kater elegant vom Tisch und machte ein leises Schnurren, das sich wie ein Versprechen anhörte. Frau Schneider goss die warme Milch ein, rührte einen Löffel Honig hinein und reichte die Tasse Emil entgegen. In diesem Moment hörte er das vertraute Quietschen der Tür seine Mutter trat ein, das Gesicht gerötet von der Kälte des Morgens, aber mit einem Lächeln, das alle Schmerzen sofort schmolz.

Emil, ich habe dich überall gesucht, flüsterte sie, während sie ihn fest umarmte. Ihre Hand ruhte sanft auf seiner Schulter, und in ihren Augen funkelte ein neuer Mut. Sie setzte sich zu ihnen, ließ den Duft von frischen Brötchen die Luft füllen, und gemeinsam genossen sie das Frühstück, während der Kater zufrieden um ihre Beine schlang.

Nach dem Essen stand Emil auf, zog seine Jacke an und blickte zum Fenster. Dort, am Rand des kleinen Gartens, lag ein zotteliger Hund, dessen Augen neugierig auf das Haus gerichtet waren. Es war derselbe Hund, den er am Vormittag am Zaun gesehen hatte ein verirrter Freund, der nun verängstigt aber freundlich wedelte.

Wir müssen ihn nach Hause bringen, sagte Emil entschlossen. Seine Mutter nickte, und zusammen folgten sie dem Hund zurück zur Straße, wo ein besorgter Nachbar bereits ein Schild hielt: Verlorener Hund bitte melden. Der Junge streckte dem Tier die Hand entgegen, das sofort an seiner Seite schnüffelte und ein leises Winseln von sich gab.

Zurück im Haus, setzte Frau Schneider den Kater behutsam zurück auf das Sofa, wo er sich sofort ausstreckte und ein tiefes Schnurren von sich gab, das die Stille füllte. Sie drehte sich zu Emil und seiner Mutter um, ihre Stimme war warm und doch fest. Wir haben alle etwas verloren, aber wir haben auch etwas gefunden ein neues Zuhause, das wir zusammen bauen können.

Die Tage vergingen, und Emil wuchs heran, lernte, Verantwortung zu übernehmen und andere zu trösten. Der Hund, den sie Rex nannten, wurde zu einem treuen Begleiter, und der Kater blieb der stille Wächter des Wohnzimmers. Eines Abends, als die Familie um den Tisch versammelt war und die Kerzen flackernd das Zimmer erhellten, sah Emil zu den Sternen hinauf und dachte an die Stimmen, die über ihnen wachten.

Er flüsterte leise: Danke, ihr Lieben, für eure Liebe. Die Erinnerung an den Vater, die Großmutter und die verlorenen Herzen schwebte wie ein sanfter Schleier über dem Raum, doch sie war nicht mehr von Trauer, sondern von Frieden getragen.

Und während das Haus von Lachen, dem Klang von Pfoten und dem Duft von frischgebackenen Brötchen erfüllt war, wusste Emil, dass das Leben mit all seinen Abschieden und Wiedersehen ein unendlicher Kreis war, in dem jede Nacht dem Morgen weicht und jedes Ende zugleich ein neuer Anfang ist.

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Homy
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EgonchenEgonchen sprang freudig durch den malerischen Weinberg, wo die reifen Trauben im Abendlicht leise flüsterten.
Guten Morgen, meine Liebste.