Alles, was danach übrig bleibtEin verblasster Duft von Kiefern lag in der Luft, während das letzte Licht des Tages über den schneebedeckten Alpen glitzerte.

Mama, ich bin gleich zurück. Zwanzig Minuten, nicht länger stand Jens in der Tür des Krankenzimmers, versuchte zu lächeln, doch seine Lippen zitterten.

Nur nicht zu lange, lag Elisabeth seitlich im Bett, klammerte sich an die Bettdecke, der Arzt meinte, heute Abend kommt die Infusion.

Jens nickte, warf die Jacke über die Schulter und trat hinaus. Draußen war es nass und windig. Der Oktober in Köln vergab nie den Passanten Regen, Sturm, Pfützen, die den ganzen Sinn des deutschen Herbstes widerspiegelten: ein tiefer Himmel, schweigsame Menschen, alles schien auf ein Ende zu warten.

Er eilte zur Bushaltestelle, das Herz hämmerte, weil er das Gefühl hatte, nicht nur den Bus, sondern das ganze Leben verpasste, das an ihm vorbeizog.

Vor drei Wochen hatten die Ärzte der Mutter die letzte Phase verkündet. Dann hatte er nicht geweint. Er setzte sich auf die Bank vor das städtische Bestattungsinstitut irgendein seltsamer Drang hatte ihn dorthin geführt und blieb bis zur Dunkelheit sitzen.

Also, willst du wirklich wegziehen? fragte der Mitpatient, ein alter Mann mit schmaler Hals und Augen, in denen ein ständiges Warten lag.

Ich warte auf meinen Sohn, lächelte Elisabeth, er hat versprochen, heute Abend zu kommen.

Kommt er oft? wollte er wissen.

Jeden Tag. Nur frage ich mich halte ich ihn zu fest? Er hat doch sein eigenes Leben.

Der alte Mann hustete leise und murmelte:
Nicht du hältst ihn, sondern er lässt dich nicht los. Solange er dich nicht gehen lässt, bleibst du hier.

Elisabeth drehte den Blick zum Fenster. Draußen klopfte der Regen gegen das Glas. Seltsam, denn einst liebte sie den Regen. In ihrer Jugend schien er romantisch: am Küchentisch mit heißem Tee sitzen und dem Trommeln der Tropfen lauschen.
Jetzt nur noch ein störender Schleier.

Jens schnappte sich den Weg zum alten Park, in dem er als Kind mit seiner Mutter Schlitten gefahren war. Bei der dritten Birke vom Eingang hatte sie ihm einst gesagt:
Weißt du, Sohn, egal, was du tust wichtig ist, dass nach dir jemand lächelt. Auch nur eine Person.

Damals hatte er das nicht begriffen. Jetzt verstand er es zu gut.

Das Handy vibrierte: Mama: Beeil dich nicht, mir geht’s gut. Er zwang ein Lächeln hervor in letzter Zeit schrieb sie oft Beeil dich nicht, wohl um ihn nicht unnötig zu beunruhigen.

Im Krankenzimmer wurde es plötzlich still. Der alte Mann schlief, die Krankenschwester war gegangen.
Elisabeth lag da, starrte an die Decke, und plötzlich hörte sie Musik. Aus einem fernen Flur drang ein alter Schlager von Peter Maffay Herbstregen.
Sie lächelte. Herrgott, das ist ja dachte sie und schloss die Augen.

Ein leises Sitzen neben ihr, fast wie ein Windhauch.
Fürchte dich nicht, flüsterte eine Stimme, alles ist bereits geschehen.
Sie öffnete die Augen nicht. Nur ein Seufzer, ein Flüstern:
Nur dass er nicht weint.

Jens kam vierzig Minuten später zurück. Die Ärzte hatten das Zimmer bereits verlassen, die Krankenschwester stand an der Tür, die Augen gerötet.
Er verstand ohne Worte.

Darf ich? fragte er leise.
Ja, nickte die Schwester, nur kurz.

Er setzte sich zu ihr. Die Mutter lag ruhig, fast ein wenig lächelnd. Auf dem Nachttisch vibrierte das Handy, eine ungeklärte Nachricht:
Jens, warte nicht auf Wunder. Sei selbst das Wunder.

Er starrte auf den Bildschirm, bis es schmerzte.
Dann sah er am Fenster, wo die Regentropfen feine Linien hinabzogen, ein kleines Herz, das von innen zu entstehen schien als hätte jemand es mit dem Finger gemalt.
Ein echtes Lächeln kehrte zurück das erste seit vielen Tagen.

Ein Jahr verging.

Jens stand vor dem Eingang der KinderOnkologie, eine Thermoskanne Kaffee und ein Korb voller Früchte in der Hand.
Sind Sie Freiwillige? fragte die Türsteherin.
Ja, antwortete er mit einem Lächeln. Ich möchte, dass jemand lächelt.

Plötzlich rannte ein kahlköpfiger Junge den Flur entlang und rief: Opa, schau, ich werde gesund!
Jens spürte, wie ein Funke Hoffnung in ihm aufblitzte.

Manchmal geschehen Wunder und zwar durch uns.

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Homy
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Alles, was danach übrig bleibtEin verblasster Duft von Kiefern lag in der Luft, während das letzte Licht des Tages über den schneebedeckten Alpen glitzerte.
Was für eine riesige Wohnung deine Eltern dir gekauft haben,” sagte die Schwägerin neidisch, während sie sich umsah.